Friday, February 29, 2008

Holg kommt zurück zu DHARMA BUM III in Majuro, Marschallinseln

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Friday, February 22, 2008

DHARMA BUM III in Majuro auf den Marschallinseln

Freitag, der 25. Januar 2008
Latitude: 02°42.38'N  Longitude: 172°31.85'E
 
Gestern haben wir nicht viel geschafft bekommen & auch heute sieht es nicht viel besser aus.  Ein sehr großes französisches Boot (PHRYNE - Dufour 56) hat in einer 50-Knoten-Bö sein Groß geschreddert - der Wind stieg in wenigen Sekunden von 15 auf 50 Knoten - und uns das alte Groß als Material für unsere Reparaturen überlassen.  Da so eine große Reparatur sauteuer ist, lohnt es sich vielleicht nicht einmal, so daß ich schon an Lee Sails in Hong Kong geschrieben habe, was denn wohl eine neue Genua kostet.  Dito an Bacon Sails für ein gebrauchtes.  Auf jeden Fall wird uns der ganze Spaß mal wieder viele Dollars kosten. 
 
Sonntag, der 27. Januar 2008

Gestern haben wir den ganzen Tag damit zugebracht, das riesige Groß der Franzosen zu zerschneiden und sonstwie zu verwerten, so daß wir das Segeltuch überhaupt irgendwo verstauen können.  Hinterher juckte und kratze es überall wie von Fiberglas und außerdem kamen uns aus dem Segel viele kleine Kakerlaken entgegen.  Trotzdem war es die Geschichte wert, denn nun werden wir wohl immer genug Material zum Segel flicken haben.  Abends ging es zum Australia Day bei der Australian Navy.   Genau wie mein Kumpel Bob echte "Höhlenmenschen" mit einem eigenartigen Humor.  Gleichzeitig aber extrem hilfsbereit und gastfreundlich.  Sie haben Unmengen an Grillfleisch und Bier bereitgestellt, aber wir hatten auch etwas zu Essen und Trinken mitgebracht.  Mit den anderen Yachties haben wir uns auch unterhalten, aber so furchtbar interessant war das nicht.  Wie Jörn & Karl immer so schön sagen - eine echte Campingplatzatmosphäre...
Dienstag, der 29. Januar 2008
 
Gestern abend um 21:36 rief auf einmal Taiwan-Botschafter Bruce J.D. Linghu an, um uns zu fragen ob wir nicht Lust hätten per Boot zur Insel Arniel zu segeln, um dort die Vizepräsidentin Taiwans, Anette Lü, zu treffen.  Heute morgen um 7:51 Uhr - schlafen die Leute in der Botschaft denn überhaupt gar nicht? - rief Sekretär Robert Chang an.  Er hat uns die Details gegeben.  Auf Arniel liegt ein Ressort, das dem früheren Außenminister der Marschall Inseln gehört und dort sind wir also morgen Mittag zu einem Grillfest der hohen Tiere eingeladen.  Ich habe erst einmal auf der Seekarte nachgesehen & Tom auf VANESSA Löcher in den Bauch gefragt.  Er hat mir abgeraten einfach dort zu ankern & mir gesagt, daß die Mikronesier im allgemeinen es ungern sehen, wenn man sein Boot nicht an den designierten Ankerplätzen parkt.  Also haben wir beschlossen mit den Dinghy dorthin zu brausen, da es nur 1 1/2 Seemeilen entfernt ist.
 
Außerdem soll Liping morgen vormittag um 10:00 Uhr zu einem Frauentreffen gehen, bei dem Anette Lü sprechen wird.  Und vorhin erfuhren wir, daß wir gleich zum Flugplatz sollen, um dort das Empfangskomitee zu vergrößern.  Ein ganz schöner Wirbel hier...
 
Sonntag kamen also Samuel Lin Xueming, seine Frau & sein Neffe zu uns an Bord, wobei sie einen großen Einkaufswagen voller Bier, Knabbersachen, Äpfel, Süßigkeiten, und Getränke "Made in Taiwan" mitbrachten.  Abends haben wir bei ihnen zu Hause gegessen, wobei Aurora mal wieder ein Geschenk bekam.  Ratet mal was...   Richtig, eine große "Hello Kitty" Plüschkatze aus China.
 
Gestern, also Montag, erfuhren wir, daß Sonnabend irgendwer die Muringleine der Yacht SEAL durchgeschnitten hat & das Boot fast verloren gegangen wäre.  Glücklicherweise hat ein Schiff mit einem großen Radar es noch rechtzeitig ausfindig gemacht.  Anscheinend haben Carey & Karen hier an Land ernsthafte Feinde.  Tom erzählte, daß auch RARE EARTH von Henry losgeschnitten worden war, da die Einheimischen seinen Ankerplatz nicht gut fanden.  Außerdem erzählte Tom, daß man 100 Taler abdrücken muß, wenn man das Nachbaratoll Arno besuchen will.  Bei einigen Atollen sind es auch US$ 250 und in den Vereinigten Staaten Mikronesiens (FSM) sind es sogar ab und zu über US$ 400!  Die Welt hat sich hier ganz schön verändert.
 
Ansonsten hatten wir gestern diverse Leute an Bord, die unsere Mylar-Fock reparieren wollten.  Die ersten wollten satte 200 Taler haben.  So viel haben wir in Panama für das Segel bezahlt.  Die Leute von SEQUESTER wollen dagegen nur US$ 10 pro Stunde haben (wir stellen das Material) und rechnen mit etwa drei bis vier Stunden Arbeit.  Also haben wir dort zugesagt.  Bei NAPA habe ich die Filter bestellt & bekam erst einmal einen Preis-Schock.  Einmal Filter wechseln kostet hier also um die 200 Steine.  <Boah!>
 
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Erst ging es mit Jenny aus Taiwan zu einem anderen Taiwanesen, der auch Patrick heißt.  Er kam vor allem Liping sehr bekannt vor, wir wußten aber nur, daß er der vorige Vorsitzende der Taiwanesenvereinigung war.  Am Flugplatz dann trafen wir zwei Sekretäre der Botschaft, Robert Chang & Herr Wong, als auch den Botschafter Bruce J.D. Linghu selbst.  Und natürlich jede Menge Taiwanesen.  Es dauerte eine ganze Weile, bis der Flieger von Continental Airlines weg war & der Charterjet von China Airlines ankam.  Währenddessen haben wir uns mit den beiden Sekretären und einem Journalisten vergnügt & ein paar Fotos gemacht.  Als die Vizepräsidentin ausstieg, habe ich noch ein paar Fotos gemacht & bemerkte, daß Botschafter Bruce die Vizepräsidentin extra auf uns zusteuerte, um uns vorzustellen.  Dieses tat er mit den Worten:  "Dieses sind die Leute, Herr & Frau Jiang, die mit dem Boot hierhergekommen sind. Herr Jiang ist Deutscher, aber auch ein Schwiegersohn Taiwans."  (So werden alle Ausländer genannt, die eine Taiwanesin geheiratet haben.)  Rundherum eine Unmenge Journalisten und Würdenträger, Geheimdienstleute und Bodyguards.
 
Ich habe auch brav ihre Hand geschüttelt, doch aus der Fotosession danach wurde nichts, denn alle Leute aus dem Flieger waren total erschöpft und wollten nur noch in ihre Hotelbetten fallen oder sich doch ein wenig frisch machen.  Ist ja auch verständlich, finde ich.  Ich war auch schon fast zerschmolzen & bekam Kopfschmerzen wegen Wassermangel obwohl ich dort eine Flasche "Pacific Pure Water" getrunken hatte.  Herr Wong schenkte uns gleich mehrere Solarbetriebene 5-LED Taschenlampen, denn er meinte, die könnten auf einem Boot wohl von Nutzen sein.  Natürlich bekamen wir auch wieder je eine Gastflagge für die Marschallinseln und für Taiwan.
 
Zurück ging es ebenfalls mit Patrick Wang, wobei wir herausfanden, daß er auch ein ziemlicher Globetrotter ist.  Wir haben uns prächtig unterhalten.  Eigentlich wollten wir danach mit Aurora den Co-Op Kindergarten für Ausländer angucken, aber Patrick wollte uns lieber bei sich zu Hause zum Essen einladen, denn er kocht für sein Leben gern.  Außerdem lebt seine Frau mit den beiden älteren Kindern in China, während er hier mit dem Jüngsten das Haus hütet.  Als Liping fragte, ob er früher oft im Fernsehen gewesen wäre, grinste er & meinte das könnte gut angehen.  Schließlich erzählte er uns dann, daß er früher ein Kollege des jetzt amtierenden Bürgermeisters von Taipei, nämlich Ma Ying Jiu (KMT) und schließlich auch selbst Politiker gewesen wäre.  Natürlich war er da täglich im Fernsehen.  Ursprünglich mit der Kuomintang / KMT ist er später in die Neue Partei eingetreten & war dann mit James Song zusammen.  Er war im Bundestag Taiwans (Federal Assembly) und hat für seine eigene Wahlkampagne eine Million US Dollar auf den Tisch gelegt.  Doch als die "grüne" (strebt die totale Unabhängigkeit Taiwans an) Ming Jin Dang (Democratic Progressive Party / DPP) im Jahre 2000 die Regierung übernahm, war er überzeugt davon, daß es mit Taiwan in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht nur noch bergab gehen könnte und ist ausgewandert.  Aus politischer Sicht ist er der "blauste" (strebt die gute Nachbarschaft und eventuelle Wiedervereinigung mit China an) Chinese, den ich kenne.
 
Mittwoch, der 30. Januar 2008
 
Gestern ging es mit Henry von RARE EARTH & Wolf von NOMAD auf ein Bier an Land.  Liping andauernd über UHF-Funke an, so daß der Abend kein voller Erfolg genannt werden konnte.  Das lag natürlich nicht an Liping, sondern vor allem an den Leuten vom Taiwan-Geheimdienst (beschützen hochgestellte Persönlichkeiten), denn mit denen muß absolut alles abgesprochen werden.  Ich habe gesagt, daß ich DHARMA BUM III nur höchst ungern verlegen wollte & schließlich haben wir uns alle darauf geeignet, daß Liping nicht zum Frauentreffen gehen muß, wir aber um 10:00 Uhr im Marshall Islands Ressort Hotel (MIR) erscheinen sollten.  Im Prinzip waren wir fix & fertig, doch wir kamen trotzdem erst nach Mitternacht in die Falle.
 
Heute morgen haben wir erst einmal eine Muring besorgt, denn unsere Freunde Kaspar und Steffi auf dem großen Catana-Katamaran CELUANN aus der Schweiz hatten per eMail darum gebeten.  Außerdem überlegen sie sich, ihr Boot fortan unter der Flagge der Marschallinseln fahren zu lassen, da ihnen die Bestimmungen der Schweizer Behörden mehr und mehr auf den Geist gehen.
 
Carey von SEAL kam an Bord, um Neuigkeiten über Johnny Damron und den Streß hier auszutauschen.  Er überlegt ernsthaft wegen dieser Geschichte (durchschneiden der Muringleinen) hier abzuhauen, denn wenn seine schlimmste Befürchtung wahr ist & dieser Akt der schweren Sabotage von jemandem verübt wurde, der gute Beziehungen zu den Land-Ältesten (nur denen gehört Land, eine richtige Demokratie gibt es hier nicht) hat, dann ist er in echten Schwierigkeiten.
 
Ansonsten war eher Hektik angesagt, aber wir kamen trotzdem rechtzeitig bei MIR an.  Dort trafen wir Tom von VANESSA und wenig später saßen wir mit den Leuten vom Taiwan-Außenministerium zusammen.  Da wir noch ein wenig Zeit hatten und das offizielle Boot außerdem so lahm war, sind wir noch kurz zurück zu DHARMA BUM III, um einen Heckanker und wesentlich mehr Leinen zu holen.  Ersteren brauchten wir zwar nicht, aber letztere waren unerläßlich.
 
Wir kamen mit den Froschmännern/Bombensuchern/Scharfschützen/Nahkampfexperten/Bodyguards auf der Insel an & da sie alle sehr von Aurora angetan waren, erfuhren wir bald vieles aus ihrem täglichen Leben.  Selten schlafen sie mehr als vier Stunden am Stück.  Für das Unterwasserteam ist es besonders schwierig, da der Druckunterschied von einem Düsenflieger zu einem Tauchgang extrem groß ist. Später unterhielt ich mich hauptsächlich mit einem Knaben vom Taiwan-CIA, denn fast alle anderen Leute waren hektisch wie Waldameisen.
 
Kurz nach dem Essen kamen wir dann doch noch dazu uns zusammen mit Annette Lü fotografieren zu lassen, was gar nicht so einfach war. Zum einen war da der Bienenschwarm von Fernsehteams & Offiziellen und zum anderen war Aurora Ulani recht quakig, da sie heiß, sonnenverbrannt und müde war.  Schließlich wurden wir noch interviewt & fotografiert, doch schon bald gaben die Leute von der Botschaft das Zeichen zum Aufbruch.  Wir zischten mit unserem blauen Flitzer an den anderen Booten vorbei, aber dafür bretterten diese später wahre Flutwellen hinterlassend durch das Bojenfeld in dem wir liegen.
 
Jetzt ist erst einmal wieder Ruhe bis Sonnabend abend, an dem die offizielle Botschafts-Feier für das Chinesische Mondneujahr stattfindet, und zwar im Long Island Hotel.  Fraglich ist, ob wir irgendwann auch einmal dazu kommen unser Boot zu reparieren, denn nun sind wir schon zwei Wochen hier und haben noch rein gar nichts geschafft.  Das liegt nicht allein an unserer Faulheit.  Liping, Aurora & ich sind hier oft extrem müde und schlaff, so daß wir uns schon fragen ob wir uns vielleicht irgend etwas eingefangen haben.  Wolf klagte auch schon über ähnliche Symptome - und auch er war vorher in Kiribati gewesen.
Mittwoch, der 30. Januar 2008
 
 
Gerade eben bemerkten wir einen Hubschrauber, der von einem der hochmodernen Fischerboote (Purse Seiner) aufstieg und hier durch die Gegend flog.  Er hatte Schwimmkufen, so daß er auch auf dem Wasser landen kann.  Ganz schön laut, so ein kleiner Flieger!  Aurora rief:  "Guck mal, Mama!  Der fliegt immer um uns herum!"  Tatsächlich war es so & als wir genauer hinsahen, sahen wir einen Fotografen Bilder von uns machen.  Wir winkten ihm zu, er drehte noch eine Ehrenrunde und landete wieder auf dem Schiff.  Da haben die wahnwitzigen Reporter & Journalisten aus Taiwan doch tatsächlich einen Helikopter gechartert, nur um ein paar schöne Aufnahmen von DHARMA BUM III zu bekommen!  Finden wir schon sehr erstaunlich, was uns in letzter Zeit alles so passiert.
 
Freitag, der 1. Februar 2008
 
Liping erzählte mir gestern, daß die Journalisten, welche uns interviewt haben, für die Central News Agency (Taiwan) arbeiten.  Bin ja mal gespannt, ob irgendeiner unserer Bekannten in Taiwan über diese Sache stolpern wird.  Ansonsten war ich mit Henry von RARE EARTH unterwegs, um Öl- & Dieselfilter, Kraftstoff- und Kühlwasserleitungen, Niroschellen, Keilriemen usw. usf. zu kaufen.  Henry ist *total* pleite & so habe ich ihn für 25 Dollar die Stunde angeheuert, um bei mir die Leitungen zu erneuern.  Nebenbei haben wir halt noch alle möglichen anderen Sachen ausgetauscht.
 
Wir sind überall herumgepilgert und am Ende habe ich sogar mein Geld von NAPA zurückbekommen, denn erstens waren sie unverschämt teuer & zweitens hatten sie außer einem weiteren dicken Preisaufschlag sich auch noch in der Zeit vertan.  Gestern war Henry seine 20 Dollar also echt wert, denn so konnte ich fast 90 Dollar an Frachtkosten sparen.  Also habe ich ihm noch etliche Biere ausgegeben und ihn außerdem bei uns zum Essen eingeladen.
 
Heute morgen um 8:20 Uhr ging es weiter und fertig sind wir immer noch nicht, obwohl es schon 16:30 Uhr ist.  Das lag unter anderem daran, daß wir Penner zwar einen Filter von der richtigen Größe gekauft hatten - dieser aber ein Kraftstoff- und kein Ölfilter war. Also durfte ich wieder überall herumpilgern, wobei ich mich schließlich auf mein Augenmaß verlassen mußte.  Hoffentlich klappt das jetzt auch alles!
 
Gerade eben bekam ich mein repariertes Mylar-Segel zurück.  Die Arbeit hat insgesamt 11 Stunden gedauert, wofür wir US$ 110 an die Yachties von SEQUESTER bezahlt haben.  Nun haben wir immerhin wieder ein halbwegs brauchbares Segel!  Gerade eben liefen beide Maschinen kurz, wobei wir allerdings ein Dieselleck oben an den Injektoren bemerkt haben.  Gleich werden wir die Dinger noch einmal anschmeißen, denn inzwischen sind die neuen Filter eingebaut und wir haben je 5,7 Liter neues Öl in die Motoren gekippt.  Henry meint allerdings, daß ich versuchen sollte größere Ölfilter zu finden.  Ok, auch das werde ich noch geregelt bekommen.  Außerdem brauche ich eine neue "Fuel Lift Pump" für meine Bbd-Maschine, denn die alte Pumpe leckt und wird es nicht mehr lange machen.  Die wird wahrscheinlich von Volvo-Penta kommen müssen, wenn mich nicht alles täuscht.
 
Außerdem ist Lofrans (U.S.A. - auf Italien habe ich keinen Bock mehr) nach nur 3 1/2 Monaten endlich in die Puschen gekommen & so habe ich dort heute für 421,13 Luschen einen neuen Elektromotor für meine Ankerwinsch bestellt, den sie mir dann per USPS Priority Mail schicken werden. Irgendwann geht es dann vielleicht auch mal mit dem Segel und dem Toggle weiter und vielleicht habe ich dann erst mal wieder einige Zeit Ruhe. 
 
Dienstag, der 5. Februar 2008
 
Als wir im Long Island Hotel angekommen waren, sahen wir auch bald ein paar Taiwanesen auf der Veranda herumstehen & haben uns mit ihnen unterhalten.  Es wurde ein viel größeres Fest, als wir erwartet hatten.  Wir wurden gleich am Nebentisch von Litokwa Tomein, dem Präsidenten der Republik der Marschallinseln (RMI), diversen Ministern, Senatoren und "unserem" Botschafter hingesetzt.  Erst gab es die unausweichlichen Reden, dann eine Verlosung & natürlich ein chinesisches Abendessen mit Verteilung der traditionellen roten Umschläge.  Anschließend Karaoke & dann ein etwas abruptes Ende.   Der Boss der Formosa Supermarktkette, Samuel Lin, lud uns für das Chinesische Mondneujahr zu sich nach Hause ein & der frühere Abgeordnete Patrick Wang fuhr uns nach Hause.
 
Sonntag kamen auf einmal Kaspar & Steffi an Bord, so daß wir uns so lange mit ihnen unterhalten haben, bis es an der Zeit war, die Leute von der Botschaft für einen Bordbesuch abzuholen.  Dabei war ein zweites Dinghy überaus nützlich, denn sie kamen hier mit sechs Leuten an.  Es gab einen Drink an Bord, wir haben alles gezeigt und vorgeführt & schließlich noch eine ganze Zeit lang geschnackt - hauptsächlich allerdings Botschafter Bruce, Kaspar & ich.  Die anderen Taiwanesen verhalten sich immer ausgesprochen schweigsam & respektvoll, wenn ein Botschafter zugegen ist.
 
Anschließend ging's an Land, schnell zurück an Bord etwas essen und dann mit Wolf und Doris von der NOMAD auf den Catana 43 Katamaran CELUANN von Kaspar und Steffi.  Dort bin ich erst gegen 2:00 Uhr wieder weg gekommen, denn es gab viel zu erzählen & sie haben auch viele Fragen über Taiwan gestellt.  Montag war dann wieder mal ein "Tag der Arbeit", denn Henry machte sich Sorgen um die Betriebstemperatur und die Startschwierigkeiten meiner Stbd-Maschine.  Er hat den Thermostaten und etliche andere Sachen ausgebaut. In einem Topf mit heißem Wasser & mit einem Bratofenthermometer (steckt man in den Braten rein) haben wir den (82°C) Thermostaten dann gemessen & siehe da:  Er fing viel zu spät an sich zu öffnen & vollständig geöffnet war er erst bei weit über der Betriebstemperatur.  Auch die ganzen Geräte für unsere Tiefkühltruhe wurden ausgebaut & anschließend ging es los durch die Geschäfte, um Teile zu finden.  Das war sehr frustrierend, denn alles was wir suchten gab es nicht.  So schlimm wie sich das anhört, ist das allerdings nicht, denn ich fahre ja nicht in kalten Gewässern durch die Gegend & brauche die Maschinen ja sowieso nur, um einen Ankerplatz anzusteuern oder zu verlassen.  Folglich wird meine Maschine nicht zu kalt laufen (schlecht).  Überhitzen (noch viel schlechter) kann sie sich nun auch nicht mehr.  Wir haben es gemessen.
 
Dann war da noch die Sache mit den Startschwierigkeiten, die jetzt auch behoben ist.  Zum einen hatte sich der Startermotor gelockert.  Entweder, weil ich die Bolzen nicht fest genug angezogen habe oder aber durch die Vibrationen.  Zum anderen war da noch eine schlechte Masseverbindung, die ich schlicht und einfach übersehen habe.  Der ganze Spaß kostete auch wieder 125 Taler und ist noch nicht vollständig.  Den Thermostaten werde ich mir irgendwo suchen müssen & außerdem muß meine Spritpumpe (Fuel Lift Pump) repariert werden, denn sie leckt und wahrscheinlich ist die Membrane hin.  Dann habe ich ja noch Wasser im Bbd-Saildrive, während bei dem Stbd-Saildrive anscheinend die Dichtung zwischen Motor und Saildrive hin ist, denn dort leckt das Getriebeöl heraus, was nicht nur eine Schweinerei ist, sondern auch schlecht für die riesengroße Gummidichtung zwischen Motorraum und Ozean.
 
Trotz alledem.  Henry meint, daß meine beiden Diesel nun erst einmal relativ in Ordnung wären & sich auch gut anhören würden.  Mir fällt überhaupt schon ein Stein vom Herzen, daß jetzt beide Volvos ohne Macken sofort anspringen, denn wenn es Streß gibt, geht es oft um Sekunden.
 
Gestern abend war ich mal wieder total fix und fertig, aber dummerweise war es da noch viel zu früh zum Schlafen.  Als es dann so weit war, konnte ich wieder schwer ins Bett finden.
 
Heute wollte ich eigentlich endlich mit der Rollfock anfangen (wozu man mindestens zwei Leute braucht, denn hier weht es ja immer), aber das hat wieder nicht geklappt.  Zum einen mußte Liping dringend Wäsche waschen & zum anderen gab es eine große Yachtie- Dieselkaufaktion.  Gestern schon hatte ich mir ein Mittel namens Biobor-JF gegen die Algen Cladosporium resinae und Pseudomonas aeruginosa gekauft.  Diese haben nämlich besonders meinen Bbd-Tank verseucht, wie man beim Kraftstofffilterwechsel deutlich sehen konnte.  Dieses Zeugs werde ich von nun ab immer unter meinen Diesel mischen müssen, um größerem Ärger vorzubeugen.  Irgendwann ist aber sowieso Tankreinigung angesagt, was auch für die Süßwassertanks gilt.  Ich habe insgesamt nur 33 Liter getankt, was einem Verbrauch von 1,48 l/Std pro Maschine entspricht.  Zum Vergleich:  Kaspar hat 180 Liter geordert & Wolf 90 Liter.  Jedenfalls sind die Tanks jetzt wieder randvoll, was auch der Kondensation entgegenwirkt.
 
Gleich werde ich mich auf die Suche nach einem Reparaturkit für die Kraftstoffpumpe machen & wenn ich dann noch fit bin, muß ich die neuen Schwimmerschalter einbauen.  Morgen abend gehen wir erst zu Samuel Lin zum Essen (Chin. Mondsilvester) und hinterher vielleicht noch zur Karaoke bei Bruce.  Wahrscheinlich aber eher nicht, denn Aurora ist bestimmt viel zu müde zu dem Zeitpunkt. Gestern durfte sie sich übrigens zum ersten Mal selbst etwas kaufen, denn wir wollen ihr gerne vermitteln, daß das Chinesische Mondneujahr etwas besonderes ist & außerdem hatte sie ja ihren roten Umschlag bekommen.  Sie hat sich dann eine "Made in China" Kopie einer schwarzen Barbiepuppe für weniger als zwei Dollar ausgesucht und spielt jetzt die ganze Zeit oberglücklich damit.
 
Wir wünschen Euch ein Frohes Neues Jahr der Ratte, in dem auch ich geboren wurde.  :-)
 
Sonnabend, am 9. Februar 2008
 
Das mit Internet & Lee Sails wurde natürlich nichts.  Statt dessen war ich vergeblich unterwegs, um nach einem Reparaturkit für die Spritpumpe zu suchen.  Kaspar war hier und bald ging es auch schon los zur Mondneujahrsfeier.  Diese fand in einem großen Supermarkt statt, was einmal etwas Neues war.  Drei große runde Tische mit Drehscheiben ("Lazy Suzan") in der Mitte standen im Laden & Samuel Lin meinte zu seinen Gästen, daß sie sich aus den Regalen selbst ihre Lieblingsdrinks holen sollten.  Das macht er jedes Jahr so.  Patrick Wang war ebenfalls unter den Gästen und zwar zum ersten Mal.  Er sorgte für Stimmung & der Abend wurde immer lustiger.
 
Ich saß neben einem Japaner der hier Handel treibt und plötzlich kam ein Chinese auf mich zu, um mich zu fragen, ob ich 1995 in Nauru gewesen wäre.  Er meinte mit mir zusammen gespeist zu haben & das kann ja wirklich gut angehen.  Wie klein die Welt doch ist! Und wie schnell alles immer geht!  Es wurde recht spät und Aurora wurde quakig, so daß Patrick Wang sich unserer erbarmt hat, um uns nach Hause zu fahren.
 
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Eine Sache, die mir wieder einmal die große Kluft zwischen Chinesen und Ausländern verdeutlichte, war ein Anruf von Lipings Bruder Roy & Lipings Gedanken dazu.  Roy meinte nämlich, daß sich die Gesetzeslage in Taiwan geändert habe & fortan Kinder selbst entscheiden können, ob sie den Familiennamen des Vaters oder den der Mutter annehmen möchten.  Und Liping liegt sehr daran, daß unsere Kleine ihren Familiennamen (Yeh) trägt, denn nur so läßt sich der Stammbaum aufgrund der Ahnentafeln nachverfolgen.  Ihrem verstorbenen Vater war diese Geschichte sehr wichtig, aber Liping selbst weiß so gut wie gar nichts davon.
 
Dummerweise paßt aber der Rest des Namens für Chinesische Ohren nicht mit dem neuen Nachnahmen zusammen, so daß Liping jetzt erwägt unserer Kleinen einen komplett neuen Chinesischen Namen zu verpassen.  So recht gewöhnen kann ich mich nicht daran, daß unsere Kleine nun nicht mehr "Jiang Yuetong" heißen soll, aber trotzdem hat Liping meinen Segen in dieser Sache, da sie anscheinend für Chinesen so wichtig ist.
 
Donnerstag waren meine beiden Mädels einkaufen, während ich die beiden Bilgen unter den Motoren gereinigt habe, denn die waren voller Diesel und Öl.  Eine schreckliche Schweinerei, die auch noch furchtbar stank, so daß ich auch noch den letzten Tropfen aufwischen mußte, um diesem Geruch in Zukunft wenigstens ansatzweise vorzubeugen.  Trotzdem war meine Laune ausgezeichnet, zumindest bis Liping mir eröffnete, daß abends schon wieder ein Dinner mit Leuten aus Taiwan angesagt war.  Das ist ja alles gut und schön, aber auf diese Art und Weise kriege ich die Reparaturen nie in den Griff & wir müssen für immer und ewig hier bleiben.  Schon jetzt haben wir uns mit der Segelgeschichte mindestens einen weiteren Monat hier eingehandelt, denn diese Sache hätte als allererste über die Bühne gehen müssen.  Kaspar bat mich um Hilfe, denn sein Internet wollte nicht und da er gerade versucht sein Haus zu verkaufen ist eMail für ihn extrem wichtig.
 
Zum Geburtstagsdinner im Uliga-Restaurant erschien das Geburtstagskind erst nicht.  Das lag daran, daß der Präsident auf einmal beschlossen hatte mit dem Botschafter und seiner Crew das Chinesische Neujahr zu feiern - und eine Einladung des Präsidenten schlägt man ja nicht aus.  Später kamen Bruce und der Boss der Forschungsfarm allerdings doch noch & außerdem brachten sie einen alten Kapitän mit.  Dieser war während des Iran-Irak Krieges auf dem damals größten Frachtschiff der Welt tätig (etwa 460 Meter lang), als es von mehreren Raketen getroffen wurde.  Untergehen tat der Kahn allerdings nicht & obwohl er später noch mehrmals von Raketen getroffen wurde, schwimmt er heute immer noch.  Der alte Kapitän erzählte uns auch, daß so ein moderner "Purse Seiner" mit Hubschrauber für den Thunfischfang seine Kosten schon in ein bis zwei Jahren wieder hereingespielt hat.  Und das obwohl der Kapitän auf so einem Dampfer auch noch bis zu 300.000 Taler im Jahr verdient.
 
Die Fete ging (wie bei Chinesen so oft) abrupt zu Ende & wir sind zu Fuß nach Hause geschlendert.
 
Gestern habe ich mir die beiden vorderen Stauräume direkt am Bug vorgenommen.  Auch dort mußten die beiden Schwimmerschalter und in einem Fall auch noch die Bilgepumpe erneut werden.  Ich habe den ganzen Tag überlegt, warum dort alles immer so schnell zu Bruch geht und bin zu dem Schluß gekommen, daß diese Schalter und Pumpen den Belastungen im Vorschiff schlicht und einfach nicht gewachsen sind.  Wenn man wie wir wochenlang gegenanbrettern muß (von Fidschi nach Kiribati und von dort nach Majuro), dann kracht ja der Bug bei jeder Welle voll ins Wasser, was immer wieder sehr harte Schläge sind.  Dahingegen geht es hinten sehr viel ruhiger zu & so haben wir hinten auch wesentlich weniger Ärger mit den Dingern.  Und die Kielyachten setzten durch ihre Form und die ausschließliche Verdrängungsfahrt viel weicher ins Wasser ein - ganz davon abgesehen, daß sie dort vorne gar keine Bilge haben.  Bei Kaspars Catana 43 wurde das Problem dadurch gelöst, daß die vorderen Bilgen bis über die Wasserlinie ausgeschäumt und außerdem selbstlenzend sind. Ich überlege es ihm irgendwann gleich zu tun, denn ich bin mir ziemlich sicher, daß ich sonst immer und immer wieder Ärger dort haben werde.
 
Ich war wieder relativ guter Dinge, bis ich dann los mußte, um zusätzliche Bilgepumpen und Schwimmerschalter zu kaufen.  Dazu war ich dann in allen möglichen Läden & mußte zu meiner Verwunderung vorstellen, daß ich tatsächlich die allerletzten Schwimmerschalter und fast die letzten bezahlbaren Bilgepumpen in Majuro eingekauft hatte.  Also habe ich Kaspars alten Quecksilber-Schwimmerschalter bei mir eingebaut, denn er braucht ihn ja nicht mehr.  Außerdem bin ich Kaspars Beispiel gefolgt und habe mir eine kleine (8 1/2 Liter) "Mikrobrauerei" zugelegt, denn zwei davon waren gerade um 50% herabgesetzt & Kaspars Dunkelbier (Stout) schmeckte mir ausgezeichnet.  Eigentlich habe ich ja gar keine Zeit für solchen Unsinn, aber Kaspar und Steffi sagten, daß ihre große (50 Liter) "Brauerei" doch sehr hilft, die Lebenshaltungskosten niedrig zu halten.  Mal sehen...
 
Montag, der 11. Februar 2008
 
Meine Computerjobs am Wochenende auf CELUANN und auf NOMAD gingen so schnell & problemlos vonstatten (Virenscanner & Firewalls, elektronische Seekarten, Navigationsprogramme, Grafikkarten & DVD-Abspielprogramme auf drei verschiedenen Computern installieren bzw. insten), daß ich hier inzwischen als Computergenie "verschrieen" bin. Dabei habe ich schlicht und einfach nur Glück gehabt.
 
Das Abendessen bei Steffi war ganz große Klasse und so haben wir die beiden gestern zu uns eingeladen.  Wir verstehen uns wirklich prima & vor allem Steffi ist immer guter Laune.  Natürlich kam ich nicht dazu irgend etwas an DHARMA BUM III zu tun.  Am Nachmittag haben wir dann das erste "Faß" Bier aufgesetzt, was jetzt mindestens eine Woche gären muß, um danach noch mindestens eine Woche Flaschengärung durchzumachen.  Danach muß es dann gelagert (deswegen "Lager") werden und irgendwann schmeckt es dann hoffentlich ganz wunderbar.  In Vanuatu soll eine Dose Bier nämlich bis zu 5 Dollar kosten & das finden wir nun doch etwas übertrieben.
 
Wolf war so glücklich über meine Zaubereien, daß er mir Samstag nicht nur gleich *zwei* XXXX-Bitter ausgegeben hat, sondern am Sonntag noch eine Flasche Wein & einen Fernsehfilm über ihn und Doris gespendet hat.  Das fand ich nett.  Der Film war eigentlich für den ORF geplant, wurde dann aber doch nicht gesendet.  Wolf und Doris http://www.seenomaden.at/ leben hauptsächlich von Vorträgen, wobei sie etwa ein halbes Jahr Vorbereitung und Organisation machen, um dann im nächsten halben Jahr etwa 50 Multimediashows zu machen.  So eine Aktion bringt dann ein klein wenig Knete ein - und die beiden können dann wieder ein bißchen weiter segeln.
 
Dienstag, der 12. Februar 2008
 
Gestern habe ich ja ganz vergessen zu erzählen, daß die neu gekaufte Catana 43 von Kaspar fast genauso schlimme Delamination erlitten hat, wie damals meine Prout Snowgoose 35.  Doch Kaspar nimmt es eher gelassen hin, wie er sich auch damit abfand, daß ihm einmal beide (!!) Großschoten gerissen sind, wobei der Baum voll in die Wanten knallte.  Dabei hätte leicht das ganze Rigg über Bord gehen können & so etwas in der Gegend von Feuerland...  Ich glaube Leute wie Wolf und Kaspar sind einfach grundlegend anders drauf als ich, denn sie machen sich nur selten Sorgen.  Bei mir ist es eher umgekehrt.
 
Wir waren erst in der Bretterbudenbar "Shoreline" und zwar "am Tisch", woraufhin ich verduften mußte, denn das Abendessen war fertig.  Die anderen waren noch im schicken Restaurant "Tide Table", denn es war der letzte Abend von Wolf & Doris.  Heute nachmittag wollen sie los.  Vielleicht treffen wir uns ja noch mal im Indischen Ozean.  Kaspar und Steffi waren danach noch bei uns und so kamen wir wieder erst gegen Mitternacht ins Bett.
 
Für den blöden "Toggles" wollen die bei der Originalfirma SOROMAP in Frankreich doch tatsächlich fast 1.000 Dollar haben - ich kann es gar nicht so recht glauben, wie verrückt die sind.  So etwas ähnliches hatten wir in Fidschi schon einmal erlebt, was schließlich darauf hinauslief, daß Nigel von SPINALONGA das Teil aus Aluminium per Hand gebaut hat.  Dauerte zwar ein paar Stunden, war aber immer noch besser als 400 Dollar für eine bessere Türklinke zu bezahlen.  Mir scheint fast, daß diese Firmen inzwischen komplett den Bezug zur Realität verloren haben.  Ich schätze den Wert so eines Toggles auf jeden Fall auf unter 100 Dollar ein.
 
Valentinstag 2008
 
Heute vor 13 Jahren kamen wir in Hiva Oa an.  Und vor 20 Jahren bereitete ich den Kauf von DHARMA BUM I vor.  Kaum zu glauben, daß ich schon so lange solchen Unsinn mache - obwohl ich ja eigentlich immer irgendwelchen Blödsinn verzapft habe.  ;-)
 
Gestern war ich also kurz bei Kaspar und Steffi, die langsam auch zu dem Schluß gekommen waren, daß die Runde am Tisch vom "Shoreline" und vor allem auch das "Cruisers Dinner" am Dienstag abend nichts für unsereins ist.  So haben wir uns darauf geeinigt lieber bei uns an Bord zusammenzusitzen.  Die beiden haben bei uns mitgegessen & sind gegen 22:30 Uhr wieder abgezittert, während ich wieder bis Mitternacht zugange war.
 
Sie erzählten, daß eines der großen & schweren Beiboote der Fischereischiffe nachts mit laufender Maschine - aber ohne jemand darinnen - treibend mitten im Bojenfeld aufgefischt worden war.  Ein Glück, daß es nicht in eines der Boote gekracht ist, denn das hätte unweigerlich Bruch gegeben.  Kaspar berichtete von seinem Mastbruch bei St. Tropez, wo er anfänglich große Schwierigkeiten hatte.  Dann stellte sich allerdings heraus, daß dieselbe Geschichte bei anderen Catanas passierte & so wurde der Kohlefasermast dann von der Versicherung durch einen Alumast ersetzt.  Zu meinem Erstaunen erfuhr ich, daß der große (US$ 6.000) SPECTRA Watermaker (12 Ampere), der an die Solaranlage angeschlossen ist, pro Stunde immer noch 20 Liter allerbestes Trinkwasser macht, wobei sogar noch ein bißchen Strom übrig bleibt, um die Batterien zu laden.  Wenn ich das damals gewußt hätte, dann hätte ich mir bestimmt so ein Teil zugelegt, denn damals dachte ich immer, daß man diese großen Teile nur direkt mit dem Motor antreiben kann.
 
Ich bekam eine eMail von einem in den Philippinen arbeitenden Mann, der sich gerne eine 12 Meter Privilege kaufen will.  Er hatte mir schon früher geschrieben & ist wohl sehr an unserem Boot interessiert, zumal wir generell in die für ihn richtige Richtung segeln.  Er will drei Jahre in den Philippinnen herumsegeln & dabei das Boot gleichzeitig auf eine Weltumseglung vorbereiten.  Ich habe ihm zurück geschrieben, daß das Boot nicht mehr so schön aussieht wie auf den Bildern, daß wir aber trotzdem nicht wesentlich mit dem Preis runtergehen würden.  Mal sehen was er nun sagt.  Die Verkaufsanzeige hatte ich übrigens vor vielen Monaten zurückgezogen, aber anscheinend steht unser Boot trotzdem immer noch im Internet.
 
Ansonsten schicke ich täglich viele eMails an diverse Yachtausstatter, wobei wir allerdings nicht so recht vorankommen.  Eben mußte ich unsere Luke ausbauen, da sie nur nach dem Loch im Deck messen, nicht aber nach den Maßen der Luke selbst.  Auch mit dem "Toggle" (Doppelgabel?  Kann es auch bei der Robert Lindemann KG http://www.lindemann-kg.de/ in Deutschland nicht finden) und dem Segel sind wir noch nicht weiter gekommen.
 
Freitag, der 15. Februar 2008
 
Heute warte ich schon den ganzen Tag vergeblich auf den I-Kiribati-Segelmacher.  Ich hoffe nur, daß er nicht versucht hat mich anzurufen, denn wie man weiß klappt es mit dem Telefon hier nicht so richtig.  Um 17:00 Uhr sind wir bei Kaspar & Steffi eingeladen - erst auf einen Drink, wobei ich mir wieder seinen Computer vorknöpfen soll & hinterher zu Spaghetti Bolognaise.
 
Gestern schnackten wir kurz mit Carey & Karen von SEAL und anschließend mit dem Rechtsanwalt Jim.  Der meinte, wir wären ein schlechter Einfluß, da er nun auch langsam anfinge vom Segelvirus befallen zu werden.  Zu meinem großen Erstaunen gab mir der Boss vom "Shoreline" zwei Bier aus, wohl weil ich mich mit Carey & Toyota-Mechanikerboß Vincent unterhalten hatte.  Letzterer kommt von einer anderen Insel hier, wo fast alle Leute deutsche Vorfahren haben.  Sieht man ihm allerdings nicht an.
 
Inzwischen ist die ganze Familie wieder wohlauf, nur will unser Kleiner Zwerg natürlich nicht schlafen.  Gleich werde ich mal das Beiboot zu Wasser lassen, einkaufen fahren & dann muß ich langsam unter die Dusche.  Ich habe nicht so das Gefühl, daß der Segelmacher heute noch kommt & sein Boss Kenneth vom PII (Pih-Ei-Ei ;-) war gerade in einer Besprechung als ich anrief.
 
Sonnabend, der 16. Februar 2008
 
Der Segelmacher hat sich tatsächlich bis jetzt noch nicht gemeldet und sein Boss leider auch nicht.  Dafür kamen mir Kaspar und Steffi mit einer Kiste entgegen, in der sich der nagelneue Elektromotor von Lofrans in Italien befand.  Mit der Ami-Post USPS hat das Ganze nur 10 Tage gedauert.
 
Abends waren wir wie geplant auf CELUANN & heute morgen kam wie geplant das Kreuzfahrtschiff.  Unglücklicherweise regnet es schon den ganzen Tag in Strömen, so daß die armen Touristen Majuro wohl kaum von seiner besten Seite haben erleben können.  Wir selber haben allerdings auch nichts anderes getan als Aurora vorzulesen.  Ist einfach zu naß.  Dabei hätten wir im Prinzip noch Unmengen zu tun.
 
Morgen werde ich das Bier aus dem "Faß" in die Flaschen umfüllen, um dann mit der Zweitgärung zu beginnen.  Hoffentlich lohnt sich all dieser Aufwand überhaupt!
 
~~~~~
 
Heute habe ich den Elektromotor der Ankerwinsch ausgewechselt, was ein ganz schöner Akt wurde.  Das Teil war dermaßen festgegammelt, daß ich schon befürchtete die ganze Winsch auseinanderzureißen.  Es klappte aber doch irgendwie & nun geht alles ganz wunderbar. :-)  Hinterher habe ich die Bilgen gelenzt, die beiden Diesel kontrolliert und bei all meinen 6-Volt Batterien destilliertes Wasser aufgefüllt.  Nun bin ich recht erschossen.
Dienstag, der 19. Februar 2008
 
Heute morgen, noch vor dem ersten Eiskaffee, habe ich bei Kenneth von PII angerufen, um dem Segelmacher nachzuspüren.  Der kam dann auch um 9:15 hier an & hat Segel und Stoff gleich wieder mitgenommen.  Wenn er seine Sache gut und preiswert macht, kriegt er noch einen Job von mir, denn der Bezug für das Beiboot muß ebenfalls dringend repariert werden.
 
Anschließend habe ich meine eMails abgeholt, wobei ich erfuhr daß West Marine nicht per USPS "Priority Mail" verschickt, sondern als billigste Alternative USPS "Air Parcel Post International" was mich US$74,52 kosten würde und vier bis sechs Wochen dauern kann. Warum die wohl nicht per USPS "Priority Mail" verschicken?  Andere Firmen machen das ja schließlich auch...  Egal, ich habe die blöde Lewmar Luke jetzt trotzdem dort bestellt.
 
Weiter ging es mit dem Programm, indem ich den heilen "Toggle" (Doppelgabel?) ausgebaut habe, um mir in einer Werkstatt einen (oder zwei) machen zu lassen.  Die Jungs hatten natürlich über Mittag zu, so daß ich erst um kurz nach 13:00 Uhr zu dem zuständigen Macker kam.  Er kommt aus den Philippinen & für zwei (2) solche "Toggles" habe ich US$ 113,95 (je zwei Maschinenstunden und Material) bezahlt.  Morgen werde ich den ersten abholen, einbauen, dann den kaputten ausbauen & gleich wieder hinbringen.  Ich möchte lieber nicht, daß mein Mast *nur* an dehnbaren Nylonseilen hängt.  Wenn hier so eine große Barkasse eines Fischereifahrzeugs durchprescht, dann wackelt es nämlich ganz gewaltig.
 
Jedenfalls sind die beiden wichtigsten Sachen endlich in Arbeit.  <Puh!>
 
Aurora spielt wieder ganz vergnügt mit dem Sesamstrassen-Computerspiel von Sabine Möhle und ihr Lieblingsbuch ist zur Zeit "Das Buch vom Haus" von Anna Curti.  Anscheinend gefallen ihr die bunten Bilder ganz schön, aber es kann auch sein, daß es ihr die vielen Hasen überall angetan haben.  Unser Freund Cam aus Tortola versucht gerade sein Boot zu verkaufen.  Das war's dann wohl mit der CARIBBEE.
Donnerstag, der 21. Februar 2008
 
Vorgestern abend ging es zur Abwechslung einmal früh ins Bett.  Mir brannten die Hände vom Blumen pflücken.  War wohl irgend etwas giftiges oder zumindest winzige Stacheln an den Dingern. 
 
Ich habe inzwischen auch die zweite Doppelgabel (?) ausgebaut, um sie zu PII zu bringen.  Natürlich hatten sie bei der ersten gerade erst angefangen und die Qualität der Arbeit sah bis jetzt auch nicht viel besser aus als die in Kiribati.  Als ich wieder zu Hause ankam, erzählte Liping mir, daß tatsächlich eines der Seile gerissen war, an denen zur Zeit der Mast hängt.  Da ich allerdings übervorsichtig bin und auf beiden Seiten je ein Fall und dazu noch je ein Seil vom Wantenspanner auf insgesamt vier Winschen genommen hatte, blieb der Mast trotzdem oben stehen.
 
Die eine Seite habe ich zusätzlich noch mit drei großen Edelstahlschäkeln gesichert.  Vielleicht hole ich mir heute noch drei weitere von den Dingern.  Ich habe nämlich so das Gefühl, daß die Jungs auch heute noch nicht fertig geworden sind.
 
Abends waren wir erst alle zusammen an Land, haben dann bei uns gegessen, woraufhin ich Louise und Gavin vom Nachbarboot zur CELUANN gebracht habe.  Von dort bin ich erst nach 1:00 Uhr wieder an den Laden gekommen.  Heute morgen war Liping Lebensmittel einkaufen, während ich mich die ganze Zeit mit Aurora beschäftigt habe.
 
Freitag, der 22. Februar 2008
 
Meine beiden Doppelgabeln waren tatsächlich fertig und sahen auch gar nicht schlecht aus  --  nur waren sie beide über einen Zentimeter zu lang.  Von Präzision kann also nicht die Rede sein.  Das ist schlecht, denn nun muß ich die Wantenspanner fast bis zum Anschlag durchspannen & habe so praktisch kein Spiel mehr, falls sich die Wanten noch weiter strecken oder dehnen sollten. "Kaschperli" meint allerdings, daß sich Wanten nur die ersten paar tausend Meilen strecken & danach ziemlich gleich bleiben.  Er meint, das würde schon klar gehen, so wie es jetzt ist.  Da er ja schon mal einen Mast verloren hat, hat er sich natürlich auch intensiver mit der Materie beschäftigt als andere Leute.
 
Zum selben Thema noch die Geschichte der PHRYNE, die auch hier an einer Boje liegt.  Nachdem sie ihr Groß in einer Sturmbö zerschreddert hatten (daher haben wir unseren Segelstoff) bemerkten sie nun, daß auch deren Rigg mehrere Schäden abbekommen hat. Nun werden sie also das komplette Rigg hier erneuern lassen, denn der Skipper hat dermaßen Schiß bekommen, daß er so nicht einmal bis auf die nächste Insel weiter fahren will.
 
Egal, erst einmal steht unser Marechal-Mast wieder so wie er soll.

Sunday, January 20, 2008

Von Kiribati zu den Marschall Inseln

                                                                                    Sonnabend, der 12. Januar 2008
                                                                                    Latitude: 02°42.38'N  Longitude: 172°31.85'E
 
Jetzt sind wir fast einen Tag unterwegs (83 Seemeilen in 23 Stunden) und bis jetzt haben wir sogar Glück mit dem Wetter.  Anfangs hatten wir so gut wie gar keinen Wind und eine überaus ruhige See, so daß wir alle drei nicht seekrank wurden.  Liping hatte aber eh ihre Pillen geschluckt & war müde wie ein Zombie.  So hat dann auch Aurora einen großen Teil der Nachtwache mit mir verbracht, wobei wir das Meeresleuchten beobachtet haben.  Sie ist immer sehr interessiert an solchen Sachen, sowie an dem woher und warum.  Sie wollte wissen, ob es unser Boot in Brand setzten könnte & als ich ihr sagte, daß es vom Plankton stammt, war sie eher besorgt daß dieses sterben könnte, wenn wir immer mit DHARMA BUM III darüberfahren. 
 
Als wir am Abaiang Atoll vorbeifuhren, war die Strömung so stark und der Wind so schwach, daß der Autopilot andauernd piepte, da er nicht auf der vom GPS vorgegebenen Route bleiben konnte.  So mußten wir etwa 60° vorhalten, um noch in die richtige Richtung zu segeln.  Kommt hier im Pazifik auch nicht so oft vor.  Später dann nahm der Wind ein wenig zu, so daß sich die Lage normalisierte.  Ich werfe immer ein besorgtes Auge auf den reparierten Toggle, denn so ganz traue ich der Sache nicht, zumal das Rigg in den Wellen mächtig ruckt, wenn das Groß am Schlagen ist.  Ich habe sogar schon überlegt es runter zu nehmen, aber das ist bei dem wenigen Wind ja auch Blödsinn. 
 
Heute morgen beim Frühstück wurde unsere Kleine dann ohne jegliche Warnung seekrank, so daß sie jetzt in Lipings Kabine liegt & schläft. 
 
So, nun muß ich mir erst einmal die Einfahrt nach Majuro genauer betrachten. 
 
                                                                                    Sonnabend, der 19. Januar 2008
                                                                                    Latitude: 07°06.48'N  Longitude: 171°22.17'E
 
Natürlich war das gute Wetter vorbei, nachdem ich das obige geschrieben hatte.  Was dann folgte war eine Sturmbö nach der anderen mit  bis zu 45 Knoten.  Also band ich zwei Reffs ins Groß & rollte die Genua etwa halb auf.  Trotzdem gab es Montag einen großen Knall, denn plötzlich brach die Genua-Schot, Liping sah große Teile des Segels davonfliegen und außerdem kriegte die Stbd-Schot auch noch die Hauptluke zu fassen, obwohl diese verriegelt war.  Bei diesen Kräften zerbrach sie sofort in zwei Teile & bis ich das Segel aufgerollte hatte, war dieses natürlich total zerfleddert.  Es sieht fast so aus, als ob wir uns ein neues Segel aus Hong Kong oder so kommen lassen müssen...  Das wird auch wieder etliche tausend Dollar kosten. 
 
Bei dem starken Wind traute ich mich nicht, das Segel runterzuholen, denn dazu muß es ja komplett ausgerollt werden.  Also habe ich alle Segel eingeholt & wir haben uns 24 Stunden lang treiben lassen.  Dadurch trieben wir etwa 20 Seemeilen in Richtung SSW, was ja auch nicht weiter schlimm war.  Zwischen zwei Böen haben wir dann das Segel runtergeholt und durch unsere Mylar-Fock ersetzt, die leider auch eine Nacht später zwei große Löcher bekam.  Zu allem Überfluß regnete es die ganze Zeit derartig, daß wir mit einigen Plastikeimern im Cockpit über 75 Liter allerbestes Regenwasser "fangen" konnten - natürlich erst nachdem all der Schmutz und das Salz abgewaschen waren.  Dumm nur, daß es überall reinleckte, obwohl drei Luken abgeklebt waren.  Wir mußten andauernd die Bilgen lenzen und natürlich ging mal wieder einer der Schwimmerschalter zu Bruch.  Strom hatten wir auch keinen mehr, denn durch die ganzen Wolken kam natürlich keine Sonne und der Windgenerator war oft vom Segel abgedeckt, während ich ihn bei den starken Böen ausschalten mußten, um eine erneute Beschädigung zu verhindern.  Also mußte mal wieder der Backbord-Diesel ran, der zuverlässig schnurrt seit wir DHARMA BUM III gekauft haben.  Immerhin schon 2 1/2 Jahre.  Mehr später....
 
                                                                                    Sonnabend, der 19. Januar 2008
 
In der Nacht sind wir zwischen Majuro und Arno durchgesegelt und morgens habe ich mich auf Kanal 68 erst einmal in Majuro angemeldet.  Ich schnackte kurz mit Cary von S/V SEAL (Kumpel von Johnny Damron aus Tortola) der mir dann gleich eine Muring organisiert hat.  Natürlich kam wieder eine Squall nach der anderen, so daß wir schließlich alle Segel runter genommen haben und noch einmal 4 1/2 Stunden durch den Paß und voll gegen den Wind zum Ankerfeld motort sind.  Zu unserem Erstaunen lagen dort mindestens 20 Yachten aus aller Herren Länder, vor allem natürlich Amis. 
 
Noch am Donnerstag waren wir beim Zoll und bei der Einwanderungsbehörde und zwar per Taxi, welches hier nur 75 Cent pro Person kostet - inklusive Klimaanlage!  Abends war ich dermaßen um, daß ich nur noch Unsinn gemacht habe.  Doch davon später mehr. 
 
Freitag haben wir die Ex von Johnny besucht.  Lizzie war höchst erfreut uns endlich kennenzulernen & wir haben gleich einen Dinnertermin für Dienstag vereinbart.  Sie schmeißt einen Riesenladen namens EZ Price hier (ihr Boss bekam plötzlich Krebs, so daß sie jetzt die effektive Chefin ist) und außerdem hat sie auch noch ein großes Projekt in Sizilien am Laufen, weswegen sie alle paar Monate hin und herpendelt.  Weiter ging es einen Anstandsbesuch bei der Taiwan-Botschaft zu machen, wo uns Sekretär Robert Chang gleich nach hinten eingeladen hat, damit wir umsonst mit Wallis Chou in Kiribati telefonieren konnten.  Anschließend hat er uns in ein Restaurant zum Essen und danach zu sich nach Hause eingeladen.  Wir verstanden uns sofort allerbestens & nun hat Aurora auch noch drei neue Spielkameraden. 
 
Der Botschafter war gerade verschollen, aber Robert meinte, daß jener uns bestimmt persönlich begrüßen wollte.  Da sie abends sowieso eine "Function" unweit unseres Bootes hätten, würde es vielleicht später noch klappen.  Also habe ich ihm eines unserer UHF Walkie Talkies geliehen & um 18:30 stand dann die *ganze* Botschaft an Land & lud uns ein mit ihnen zu feiern. 
 
Botschafter Bruce J.D. Linghu war überaus angetan von unseren Taten und hat uns allen möglichen Leuten vorgestellt, so zum Beispiel dem Außenminister, dem Englischen Konsul und vielen anderen mehr.  Ein anderer hoher Offizieller aus dem Außenministerium gesellte sich bald zu mir & wir kamen so richtig gut ins Schnacken.  Er hat in Hawaii studiert, dann teilweise aus Begeisterung für das Museum hier gearbeitet, um die alte Kultur der Marschall Inseln zu retten und ist dann später im Außenministerium gelandet.  Alfred hat deutsche Vorfahren, ist hochintelligent, ausgesprochen gebildet und war schon überall auf der Welt.  Deutschland gefiel ihm sehr und auch seine Arbeit  bei den Vereinten Nationen in New York hat er sehr genossen.  Bei all diesen Gesprächen nahm er kein Blatt vor den Mund, was aber nicht der Grund dafür ist, daß er gerade nicht arbeitet.  Hier ist es nämlich so Sitte, daß alle hohen Beamten ihren Dienst quittieren wenn eine neue Regierung gewählt wurde. 
 
Vor dem Essen gab es dann noch je eine Rede vom Botschafter, sowie eine vom Außenminister.  Groß war unsere Überraschung, als der Außenminister uns der versammelten Mannschaft von über 100 Gästen vorstellte und ihnen erzählte, daß er unsere Segelaktion sehr bewundernswert fände.  Noch größer war die Überraschung allerdings, als der Botschafter uns danach als "Special Guests" nach vorne aufs Podium bat und uns eine Flasche Rotwein sowie eine große Dose erlesenen Tees aus Taiwan als Willkommensgeschenk überreichte. 
 
Auch beim Essen unterhielt ich mich wieder mit Alfred und einer anderen Beamtin, die bei der Einwanderungsbehörde arbeitet.  Sie hat an Aurora Ulani einen Narren gefressen und bot uns an in Sachen Visumsverlängerung behilflich zu sein. 
 
Dann fingen die Marschallesen schön an zu singen und als sie fertig waren, baten sie um ein Lied von den Taiwanesen.  Diese waren darauf gar nicht vorbereitet (Bruce rief nur halb belustigt:  "They are all not listening to me!"  ;-), so daß ganz von sich aus Ulani in die Bresche sprang und allen Leuten ein Chinesisches Cockroach-Lied vorgesungen hat.  Ganz zum Schluß habe ich noch eine ganze Weile mit dem Britischen Konsul geschnackt, der seit 1982 hier ist und trotzdem immer noch einen merkbaren Liverpool-Akzent hat.  Die Taiwanesen haben uns dann noch mit etlichen Bieren beschenkt, die auf der Party nicht getrunken worden waren. 
 
Hinterher waren wir so aufgedreht, daß wir noch bis um 01:30 Uhr im Cockpit saßen und geschnackt haben. 
 
Heute morgen war ich natürlich schon müde, als es Zeit wurde die UKW-Funke anzuschalten um am Yachtie-Funknetz teilzunehmen.  Da fand ich dann heraus, daß dieses am Wochenende gar nicht stattfindet, aber trotzdem konnte ich mich für die Klasse anmelden, die ein Meteorologe am Dienstag morgen um 10:00 Uhr abhalten wird.  Kostet so um die US$ 3,50 oder so und ist genau auf uns Yachties zugeschnitten, da er nämlich selber einer ist. 
 
Im Laufe des Vormittages kam auf einmal jemand mit unserem Dinghy an.  Ich hatte es an einem Haken an Bbd abgehängt & in meiner Übermüdung doch tatsächlich vergessen es an Stbd wieder einzuklinken und bin einfach so an Bord gestiegen.  Zum Glück hatte die Mega-Luxusyacht (die zwei Boote hinter uns liegt) dieses Malheur bemerkt und grinsend meinte der Mann zu uns, daß wir wohl zu viel Spaß hätten.  Schwein gehabt! 
 
Heute dann los zum Payless Supermarket als auch zur Telekom, wo ich mal wieder ordentlich Geld auf den Kopf gehauen habe.  Dann noch zu ACE Hardware, wo ich vier NiCad-Solarbatterien und ein Batterieladegerät mit vier NiMH-Batterien erstanden habe.  Erst hier an Bord las ich dann, daß man damit auf gar keinen Fall NiCad-Batterien laden sollte, da diese dann explodieren können.  Also schon wieder Mist gebaut...  Langsam sollte ich mich wirklich mal um ein neues Gehirn kümmern - aber blöde finde ich es auch, daß so etwas nicht draußen auf der Packung steht. 
 
Auch heute abend haben wir Programm, denn der Vorsitzende der Taiwanesen-Vereinigung rief gerade eben an, um uns zum Dinner einzuladen. 
 
                                                                Sonntag, der 20. Januar 2008
 
Wir werden auf jeden Fall insgesamt zwei Monate hier bleiben, denn außer meinen Eltern haben auch viele alte Freunde, Klassen- & Studienkameraden deutsche Lese- & Lernmaterialien für Aurora Ulani geschickt.  Wir sind erstaunt, daß uns so viele Leute auf diese Art und Weise helfen und wirklich sehr dankbar dafür. 
 
Patrick Chen holte uns gestern abend um 19:00 Uhr am Robert Reimers Enterprises (RRE) Hotel ab, vor dem unser Boot an der Boje liegt.  Im Restaurant wartete schon Botschafter Bruce, der die ganze Sache eingefädelt hatte.  Wir aßen in einem privaten Zimmer in ganz kleiner Runde, die auch zwei Leute von den Marschall Inseln beinhaltete.  Letztere waren der Boss der Post und seine Frau.  Patrick Chen entpuppte sich nicht nur als Vorsitzender der Taiwanesen-Vereinigung, sondern ist hauptberuflich der Präsident der Bank der Marschall Inseln.  Sonst waren da noch Jack & Jenny Wu, die eine Firma für Import & Grosseinkauf haben.  Mitten im Dinner verschwand Jenny & kam einige Zeit später mit lauter Spielzeug für Ulani wieder. 
 
Nebenbei erfuhr ich, daß mein neuer Freund Alfred der UN Botschafter in New York ist.  Patrick hat uns für Montag um 10:30 zu sich ins Büro bestellt, damit wir ein Gemeinschaftskonto eröffnen können.  So können wir nicht nur einfacher Geld überweisen, sondern außerdem in den Läden hier mit der ATM-Karte bezahlen.  Immer mit Bargeld durch die Gegend zu rennen, ist ja nicht so unser Fall, wenn es auch hier ausgesprochen friedlich zugeht.  Dienstag morgen dann Unterricht in Meteorologie, Dienstag abend Dinner mit Lizzie & irgendwann können wir dann hoffentlich damit anfangen Sachen zu bestellen und unser Boot zu reparieren.  Heute werden wir erst einmal aufräumen, denn dazu hatten wir bisher noch keine Zeit. 
 
Die ehemalige Frau von Bruce hat übrigens früher an Lipings Oberschule Englisch unterrichtet & Liping kann sich auch noch dunkel an sie erinnern.  Bruce hat seiner Arbeit als Diplomat wegen viel aufgeben müssen und riet uns nicht auf Teufel-komm-raus an unserem Plan festzuhalten um die Welt zu segeln - wenn es denn wirklich so hart wäre.  Eine gute Familie und ein glückliches, wenn auch bescheideneres Leben wären das Wichtigste überhaupt.  Robert hatte uns schon gesagt, daß es außer seinem Job nicht mehr so furchtbar viel gibt im Leben seines Botschafters.  Natürlich hat Bruce recht mit seiner Analyse.  Es ist aber auch schwierig sich nach ein paar Jahren wieder in die Welt von früher zurückzuversetzen und seine eigenen Motivationen und Entscheidungen zu verstehen.  Und dann kann es gut sein, daß einem die Zuversicht und das Selbstvertrauen schwinden & man es sehr bereut, daß man damals aufgegeben hat.  Liping hat das ja auf DHARMA BUM II im Fernstudium bei der University of London studiert.  Alles wird kompliziert durch sogenannte "konstruierte Erinnerungen".  Will heißen unser Gehirn erfindet Erinnerungen, die so gar nicht waren.  Dieses wiederum erklärt, warum viele Leute andauernd von der Vergangenheit schwärmen, die so gar nicht war, wie sie sich erinnern.  Und die wahren schlechten Erinnerungen werden ja sowieso von jedermann gerne verdrängt. 
 
Und indirekt bestätigen uns die Taiwanesen ja eher in unserem Vorhaben, denn wie sonst trifft man so viele interessante, nette & hilfsbereite Menschen?  Auf jeden Fall finden wir diese Begegnungen immer super!
 
--
Holger Jacobsen
S/V DHARMA BUM III
YACHT-IN-TRANSIT
P.O. Box 283
Majuro MH96960  <-- belongs to the US Postal System
Marshall Islands
+692-4550473  <-- call via Skype-Out or VoipStunt

Monday, December 17, 2007

Routenplanung -- DHARMA BUM III

Routenplanung 2008  --  DHARMA BUM III
 
Januar    2008 Kiribati
Februar   2008 Marshall Islands
März      2008 Marshall Islands
April     2008 Kiribati
Mai       2008 Vanuatu
Juni      2008 Vanuatu
Juli      2008 Australien
August    2008 Indonesien
September 2008 Indonesien
Oktober   2008 Singapur
November  2008 Malaysia
Dezember  2008 Thailand
 
Wir könnten bis Ende April 2008 in Mikronesien bleiben, um dann über den Äquator zurück in den Südpazifik zu segeln.  Weiter ginge es über Vanuatu und die Torresstraße nach Darwin in Australien.  Von dort geht es dann am 26.7.'08 (Beginn der Sail Indonesia Rally, die wiederum ein Cruising Permit beinhaltet) weiter nach Indonesien und Singapur.  Diese ganze Sail Indonesia Geschichte dauert drei Monate, so daß man gegen Ende Oktober in Singapur ankommt.  Es sei denn man nimmt eine Abkürzung und macht nicht komplett mit.  Von Singapur ist es nur ein Katzensprung von etwa 330 Seemeilen nach Langkawi in Malaysia und von dort sind es auch nur noch etwa 520 Seemeilen bis nach Phuket in Thailand.  Beide Ecken kämen dafür in Frage unser Boot für einige Tage dort alleine zu lassen. 
 
Außerdem sind beide Ecken nicht weit weg von Bangkok, will heißen internationale Flüge werden wieder erschwinglich.  Ob wir dann erst einmal für längere Zeit in der Gegend bleiben oder aber gleich weiter machen in Richtung Karibik steht vorerst noch in den Sternen.  Wenn wir gleich weiter fahren würden, dann ginge es weiter über Sri Lanka, die Malediven, den Chagos Archipel und die Seychellen nach Mauritius.  Von dort dann wie ursprünglich geplant über Südafrika zurück in die Karibik, wo wir frühestens Anfang März 2010 ankommen würden.  Das klappt natürlich nur dann, wenn es mit DHARMA BUM III oder sonstwie keinen größeren Ärger gibt.  Hört sich gewaltig an, ist aber noch halbwegs realistisch, denn die meisten Weltumsegelungen dauern heutzutage statt der früher üblichen zwei bis drei jetzt so um die sechs Jahre.  Man will sich ja doch wenigsten ein bißchen etwas angucken!  Wenn ich mich nicht verrechnet habe, dann wäre Aurora Ulani zu dem Zeitpunkt sechs Jahre alt, wir hätten die Weltumsegelung abgeschlossen, könnten das Boot verkaufen & sie könnte in Oeversee eingeschult werden.  Und ich könnte meinen 50. Geburtstag in Frörup feiern.  Vorausgesetzt es kommt nichts dazwischen.  Aber das tut es ja eigentlich immer!  ;-)))))

Thursday, December 13, 2007

Ein Artikel auf der Website des Aussenministeriums von Taiwan. Botschafter Samuel Chen ist zu Besuch bei den Jacobsens auf DHARMA BUM III. Unter dem Artikel sind zwei Links, die zu weiteren Bildern führen.

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Tuesday, November 27, 2007

Liping, Aurora Ulani, Holg, the First Lady & the President of the Republic of Kiribati
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Monday, November 26, 2007

Die glücklichen I-Kiribati

Moinsen,                                                                Sa., 18. August 2007
 
(Unterwegs von Samoa nach Fidschi)
 
Die letzte Woche war Segeln zum Abgewöhnen.  Windstärken bis um acht Beaufort waren die Regel, mit Böen bis zu 60 Knoten.  Langsam frage ich mich echt, ob mein Anemometer einen an der Macke hat.  Wir surften also mit maximal 11 Knoten durch die Gegend - vielleicht hat das Log auch einen an der Marmel?
 
Bruch gab es genug.  Die oberen beiden Mastschlitten sind hin, eine Umlenkrolle wurde samt Verankerung rausgerissen, unsere Notluke (öffnet nach unten, damit man auf einem durchgekenterten Boot  -  sprich Riesen-Rettungsinsel  -  einfacher rein & raus kommt)  ist im Eimer usw. usf.  Mit voller Besegelung machen wir unter diesen Umständen 150 Seemeilen pro Tag.  Mit zwei Reffs im Groß und teilweise aufgerollter Genua immer noch 140 Seemeilen. 
 
Wie üblich kommen wir im Dunklen und am Wochenende in Suva an.  Habe also das Boot absichtlich verlangsamt & erst einmal in Sachen Fidschi gelesen.  Über die Zyklonsaison bleiben wir entweder in Fidschi oder segeln nach Neuseeland.  Jetzt kachelt es draußen wie Sau & die Regenböen sitzen wie die Perlen an einer Schnur.  In einer Stunde werde ich Liping die Wache übergeben & mich erst einmal aufs Ohr hauen. 
 
                                                                                      So., 19. August 2007
Segeln zum Abgewöhnen (Teil 2)
 
Die letzten sechs Tage waren ja schon eine einzige Abfolge von Böen, Regen & Bruch.  Als ich die Segel barg, brach die Dirk und ein großer Niroschäkel verabschiedete sich in den Tiefen.  Ich habe erst einmal das Großfall als Dirk eingesetzt, denn irgend etwas muß den schweren Baum ja hochhalten.  Später habe ich dazu das Spinnakerfall benutzt, denn einen Spi habe ich ja sowieso nicht. 

Ich habe mich über Funk mit dem Hafenmeister in Verbindung gesetzt, so daß wir gegen 10:00 Uhr zwar sehr müde und total erschossen, aber doch sicher vor Anker lagen. 

Denkste!

Der Hafenmeister bestand nämlich darauf, daß wir genau in einem Quarantänekreis mit 20 Meter Wassertiefe ankerten, obwohl er vorher gemeint hatte ein wenig weiter nördlich wäre in Ordnung.  Als ich ihn darauf hinwies, daß so tiefes Wasser für kleine Yachten bei Wind unweigerlich Streß bedeuten würde, meinte er daß die Quarantänefritzen darauf beständen, daß ankommende Boote weit abseits der anderen ankern müßten.  Wir also Anker hoch, rüber getuckert, Anker wieder runter.  Die ganzen 200 Fuß Kette ausrauschen lassen & als ich den Rückwärtsgang einlegte, schien der Anker auch zu halten.  Puh!  Jetzt war es aber wirklich langsam Zeit fürs Frühstück. 

Nochmal denkste!!

Es kam nämlich der orangerote Pilotkutter vorbei & forderte uns unmißverständlich auf dort zu verschwinden.  Sie bräuchten den Platz zum Maneuvrieren für ein Containerschiff.  Wir sollten weiter östlich ankern.  Der Hafenmeister redete dann von weiter südlich - also noch weiter draußen in der Bucht.  Da war ich dann schon komplett vergriest und bin weiter nach Osten gefahren.  Gerade außerhalb des Kreises rief ich dann den Hafenmeister an, der mir sagte, daß ich den Anker runter lassen könne.  Das war der Zeitpunkt, wo ich bemerkte, daß ich mir einen saftigen Sonnenbrand eingefangen hatte. 

Drinnen habe ich mich erst einmal mit Aurora beschäftigt, die zur Belohnung einen Wasserkanister aufgeschraubt und umgetreten hat.  Mal wieder eine Überschwemmung im Wohnzimmer, die aber immerhin durch die zerstörte Notluke prima abfließen konnte.  Da kam mir dann doch der erlösende Gedanke den Kahn hier einfach zu versenken, um ein für alle Mal meine Ruhe zu haben.  Nur müßte ich dann trotzdem den empfindlichen Einfuhrzoll in Fidschi löhnen.  ;-)

Da ich ja sowieso gerade so gut in Schwung war, habe ich gleich noch das Dinghy vom Vordeck gehievt, um es zu Wasser zu lassen.  Danach war der schwere Außenborder dran, der dieses Mal unter etlichen Meerwasserduschen gelitten hatte.  Trotzdem sprang der 15 PS Yamaha schon beim ersten Zug an.  Ist echt genauso gut wie die 125er Sanyang Motorräder in Taiwan, denn die waren ja auch unverwüstlich. 

Gleich ist es an der Zeit eine heiße Dusche zu nehmen & ans Abendbrot zu denken.  Einklariert wird morgen & mit dem WiFi klappt es hier draußen nicht.  

                                                                                      Mo., 20. August 2007
 
Obwohl ich gestern relativ früh in der Heia war & aufgrund des leichten Windes auch gut geschlafen hatte, fühle ich mich immer noch als ob ich über mein Verfallsdatum hinaus gelebt hätte.  So etwas scheint sich doch zu läppern.  Wir sind zu dem Schluß gekommen, daß wir auf schnelles Performance-Segeln gut und gerne verzichten können.  Was andere daran so toll finden, kann ich mir nicht so recht vorstellen. 
 
Auf dem Boot ackert man ja sowieso schon bis zum Umfallen & das auch noch freiwillig.  Jeder vernünftige Mensch würde diesen Job sofort kündigen & sich einen anderen suchen.  Es ist schon komisch:  Die Aussteiger auf tropischen Dschungelinseln oder die Auswanderer im Blockhaus in Kanada arbeiten sehr viel mehr und ungleich härter, als sie es in ihrem bürgerlichen Dasein je tun würden.  Alles um einen Traum zu verwirklichen, den die Leute welche in diesen Ecken leben keineswegs verstehen können & mit einem Kopfschütteln abtun.  Und genau diese Leute brechen sich fast einen Ast ab, um endlich in ein gelobtes Land des Westens zu kommen, wo nun sie ihrerseits schuften wie die Stiere, um an unserem westlichen Lebensstil teilhaben zu können.  Immer & ewig ist es nur eine Sache der Betrachtungsweise und der Erwartungen.  Mit rationalem Denken hat all dies nur wenig zu tun.  Fast alle wichtigen Entscheidungen beruhen im Grunde auf Gefühlen, Träumen und Illusionen.  Wie zum Teufel kann man dann "richtige" Entscheidungen treffen?  Ich denke da natürlich an unsere und vor allem Ulanis Zukunft.  Seit wir z.B. aus Taiwan weg sind, sehen wir diese Insel mit ganz anderen Augen.  Das trifft vor allem auf Liping zu, seit sie die Trinis in Action gesehen hat.  Aber auch ich muß sagen, daß ich jetzt erstaunt bin, daß ich die letzten paar Jahre in Taiwan immer so extrem genervt war. 
 
Heute morgen weckte Aurora ihre Mama auf.  Als diese sich darüber beklagte, bekam sie folgendes zu hören:  "Ist es Dir vielleicht lieber, daß ich aufstehe und Elektrizität verschwende?  Du weißt doch, daß ich den Computer alleine anschalten kann, oder?"  Alles natürlich auf Chinesisch.  Mit der deutschen Aussprache hat sie erhebliche Probleme, mit Englisch schon wesentlich weniger aber ihr Chinesisch ist hervorragend.  Sie ist eines der schlauesten Kinder, die ich kenne  --  aber leider ist sie auch das ungezogenste von allen, obwohl wir jeden Tag und unter großen Mühen versuchen ihr Manieren beizubringen.  Scheint leider alles vergeblich zu sein, bis jetzt wenigstens. 
 
In letzter Zeit spielt sie statt Löwenzahn oder Super Mario lieber Finding Nemo, wo es Memory und andere Spiele und viele bunte Farben gibt.  Sie hat absolut keine Lust deutsche Geschichten anzuhören oder in irgend einer Weise Deutsch zu lernen.  Manchmal kommt es mir fast so vor, als ob es daran liegen könnte, weil es uns so wichtig ist.  Liping glaubt eher daß es eine Mischung aus Faulheit und Identität ist.  Sie fühlt sich eindeutig als Chinesin und hat auch die Chinesen - vor allem die Frauen - weitaus lieber als die anderen Palagis. 
 
Jetzt warten wir gerade auf die Behörden, die sich laut Suva Port Control erst einmal organisieren müssen.  Wenn es mit denen keinen Streß gib - man weiß ja nie - dann dürfen wir anschließend umankern und mit unserem umfangreichen Arbeitsprogramm beginnen.  Wie Stefanie von der CELUANN schon berichtete, ist es hier deutlich kühler als in Samoa, besonders natürlich des nachts.  Gestern abend und heute morgen saßen wir mit dicken Jacken hier, denn es waren nur 24°C.   Wenn ich bedenke, daß es in D-Land Hitzefrei gibt, wenn das Thermometer morgens um 9:00 Uhr auf 27°C steht, dann schaudert es mich doch und ich frage mich ob ich mich jemals wieder an dieses skandinavische Island-Klima gewöhnen kann.  Und wenn ich eMails aus Europa bekomme, in denen über die "Hitze" gestöhnt wird, dann kann ich sowieso nur noch den Kopf schütteln.  Die Temperaturen sind so auch ein Hauptgrund, warum wir absolut keinen Bock haben nach Neuseeland zu segeln, um uns dort ein halbes Jahr lang die Füße abzufrieren. 
 
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Wir haben den ganzen Vormittag auf die Vertreter des Gesetzes gewartet, die schließlich gegen Mittag bei uns mit fünf Mann hoch erschienen.  Sie waren die freundlichsten Vertreter dieser Sorte bis jetzt & das Einklarieren fand unter fröhlichem Gelächter statt, besonders nachdem die Anführerin der Gruppe entdeckt hatte, daß ihr Name fast der gleiche wie der von Ulani war.  Sie erzählten uns, daß in der Nacht eine Yacht auf das Außenriff gedonnert war, als sie versuchten in der Dunkelheit einzulaufen.  Warum warten die Leute denn nicht, bis sie wieder sehen können?  So schlimm ist eine weitere Nacht auf See doch nun auch wieder nicht! 
 
Die Frau von der Einwanderungsbehörde wollte erst Schwierigkeiten machen & zwar in der irrigen Annahme, daß Liping aus der VR China kommt.  Nach einem Telefongespräch und der Beschreibung des Reisepasses von Liping strahlte sie allerdings wieder.  Ein Segen!  Wie schon in Samoa sah die Sache auf dem Papier viel grimmiger aus als in der Realität.  Der einzig saure Tropfen war, daß wir US$ 66 für das Boot löhnen dürfen, welches die ganze Besatzung zu uns an Bord gebracht hat.  Aber naja, man kann ja nicht alles haben, zumal uns der Zoll auch ernsthafte Schwierigkeiten hätte machen können von wegen Rum, Wein & Bier. 
 
Wir bekamen eine Aufenthaltsgenehmigung für vier Monate, die selbst mit der maximalen Verlängerung von weiteren zwei Monaten darauf hinausläuft, daß wir nicht im Land bleiben können, um die Zyklonsaison hier zu verbringen.  Ich sah mich also gezwungen noch vor dem Anfang der Zyklonsaison unser nächstes Ziel mit Tarawa, Kiribati in Mikronesien anzugeben.  Mit Paß in der Tasche und einem Boot in gutem Zustand sowieso die optimale Lösung. 
 
Wir ankerten um, dieses Mal auf nur 2,30 Meter Wassertiefe.  Bei der Tide hier ist das wirklich das absolute Minimum, was allerdings trotzdem noch vertretbar ist, da der Boden aus Schlamm besteht & wir ja einen Kat haben.  Im Yachtklub wollen sie fünf Taler pro Tag, um das Dinghy zu parken, was wir weniger schön finden.  Dafür war der Security Guard sehr nett und hat uns das Geld für den Bus geliehen, damit wir in die Stadt fahren konnten, um Geld zu wechseln. 
 
Vom Wechselkurs waren wir unangenehm überrascht, aber trotzdem haben wir uns ein Mittagessen in einem Imbiß gegönnt.  Für nur neun Taler gab es Hammelfleisch mit chinesischen Nudeln, Fish and Chips sowie eine Cola.  Weiter ging es die 33 Taler für die Quarantänefritzen zu löhnen und versuchen unser Handy wieder auf Vordermann zu bringen.  Der Handy-Hacker bei Phone Wizard erzählte uns zwar, daß er das Teil für nur 35 Taler "unlocken" könne, aber leider könne man es aufgrund der verschiedenen Frequenzen trotzdem nicht in Fidschi benutzen.  Nun erwägt Liping für 50 Taler ein neues Handy zu erwerben, welches aber dummerweise keine eingebaute Taschenlampe hat. 
 
Weiter ging es zu SPINALONGA, wo ich einen äußerst kranken Nigel, eine hochschwangere Elaine & zwei quietschvergnügte Kinder vorfand.  Nigel sagte mir, daß ich mich wirklich umgehend um die Löcher im Boot als auch um die Osmose kümmern müßte.  Die Sache würde jeden Tag schlimmer werden, so daß ich unverzüglich aus dem Wasser muß.  Hier im Yachtklub sieht es damit allerdings nicht sehr gut aus.   
 
                                                                                                                                                     Do., 23. August 2007
 
Gestern kamen Walter & Gisela von der SY ATLANTIS hier vorbei.  Sie kennen auch Karl, Libu & deren Sohn Kai, sind seit dem Mittelmeer schon neun Jahre unterwegs und haben die letzten drei Jahre hier im Pazifik verbracht.  Die letzte Zyklonsaison waren sie in Canton auf Kiribati, was ihnen ausgezeichnet gefallen hat.  Eine hochgiftige Seeschlange schlich sie über das Heck auf unser Boot, so daß ich in Zukunft lieber verdammt aufpassen muß, wohin ich trete.  Obwohl ihr Maul nämlich so klein ist, daß sie einen kaum in Fuß oder Bein beißen kann, so kann sie doch durchaus zwischen den Zehen zubeißen.  Und sie kam natürlich genau da an Bord, wo ich immer stehe, um unser Beiboot in den Davits zu sichern. 
 
                                                            Mi., 29. August 2007
 
Mit der Reparatur von DHARMA BUM III  wurde es heute nichts, da die blöde Winde am Lift nicht mehr wollte.  Einer der Taucher meinte noch, daß sie gestern prima funktioniert hätte. 
 
Meinte der Fidschi-Indische Manager des RSYC:  "That's Fiji for you, mate!"  Gleiches könnte man auch über den Yachtausrüster sagen, bei dem ich am ersten Tag hier etliches bestellt hatte.  Er hat sich bis jetzt noch überhaupt gar nicht darum gekümmert und heute erfuhr ich, daß er die nächsten zwei Wochen gar nicht da ist. 
 
Gerade kam Felipe vorbei & meinte, daß der Motor der Seilwinde im Eimer wäre.  Wir hätten die Wahl zu warten bis ein neuer da und eingebaut wäre - vielleicht so gegen 2017 - oder könnten auf dem großen 200-Tonnen Lift aus dem Wasser geholt werden.  Ansonsten könnten wir dort an der Betonpier warten, bis alles klar wäre. 
 
Liping zieht es vor hier zu warten, obwohl es ja kostet.  Grund sind eventuelle Langfinger auf der Werft sowie die reichlich vorhandenen Mücken.  Und vor Anker lebt es sich auf einem Segelboot sowieso am zweitbesten.  Am besten ist es eigentlich auf hoher See - jedenfalls solange das Wetter halbwegs mitspielt.  Mir kommt es vor allem darauf an, die Sache möglichst preisgünstig über die Bühne zu bringen.  Und so bald wie möglich, denn es gibt noch genug andere Reparaturen auf unserer Liste. 
 
                                                        Sonnabend, der 27. Oktober 2007
 
(Unterwegs von Fischi nach Kiribati)
 
Wir dümpeln seit über vier Tagen in einer Flaute etwa 40 Meilen von Rotuma (Fidschi), wo wir eigentlich gar nicht hin wollen.  Obwohl wir immer noch Bier und Rum aus Panama an Bord hatten - langsam werden wir zum U-Boot - haben wir in Lautoka u.a. noch einmal 72 Liter Fiji Bitter und 40 Liter Australischen Wein (gepantscht!!) gebunkert, was uns fast zum Verhängnis geworden wäre.

Wie so oft kamen mehrere Sachen zusammen.  Die ganze Nacht starke Gewitterböen, Anker hielt nicht, Ankeralarm gab keinen Pieps von sich, Maschine sprang nicht an, Karten stimmten nicht - auf jeden Fall saßen wir morgens kurz nach 2:45 auf den Steinen.  Wir dachten schon, daß sich die Sache nun erledigt hätte, da auch noch die Ebbe eingesetzt hatte.  Über Funk sprachen wir mit der Navy als auch der Lautoka Port Control, aber auf einmal brachten die beiden 40 PS Volvos es doch noch und wir waren wieder frei.  Zwar reichlich angekratzt, aber ansonsten ohne Loch im Schiff.

Jo, und nun sind wir auf dem Weg nach Tarawa, um in Kiribati einzuklarieren.  Vielleicht verbringen wir die nächsten vier Monate auf den diversen Atollen dort.  Falls es uns nicht so gefällt, fahren wir wohl hoch auf die Marshall Islands und/oder in die Federated States of Micronesia

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Unsere jetzige Reise unterscheidet sich doch ganz schön von den früheren.  Es sind einfach unglaublich viele Boote unterwegs, man glaubt es kaum. Fast alle sind nagelneu, riesengroß (der Durchschnitt liegt inzwischen bei 14,38 Metern Länge) und die Leute sind erst vor sehr kurzer Zeit aus einem hektischen Berufsleben ausgestiegen.  Die Treffen mit unseren alten polynesischen Freunden auf Tahuata und Takaroa waren allerdings echt der Hit.  Sie haben sich so sehr über unseren nochmaligen Besuch gefreut, daß wir am liebsten gleich dort geblieben wären. 

DHARMA BUM III hält sich wacker, wenn ich auch sagen muß, daß ich sehr viel mehr Zeit und Arbeit hineinstecke als in meine beiden anderen Boote.  So bleibt natürlich weniger Zeit für die Geschichten, weswegen wir eigentlich hier sind.  Auch der Papierkrieg ist inzwischen zu einer bedrohlichen Lawine angewachsen.  Als wir so hörten, womit die Leute so zu kämpfen haben, wenn sie nach Neuseeland oder Australien (z.B. Röntgenaufnahme der Lunge) wollen, dann dachten wir uns, daß die sogenannte zivilisierte Welt inzwischen komplett übergeschnappt ist. 

Also haben wir die Kurve gekratzt und werden versuchen auf den Atollen zur Ruhe zu kommen.  Irgendwo werden wir schon ein stilles Plätzchen finden, wo man noch sein Lagerfeuer am Strand entfachen kann, um dann in aller Ruhe seine harpunierten Fische dort zu braten.  Uns ist natürlich klar, daß man kaum mehr Plätze findet, wie sie der Wilfried Erdmann in "Gegenwind im Paradies" und "Der blaue Traum" beschrieben hat, als er 1976 bis 1979 mit seiner Astrid und dem kleinen Kym (haargenau in Auroras Alter) in eben dieser Ecke herumgegondelt ist. 

Wir sind auf jeden Fall schon sehr gespannt, wenn es uns dieses Mal auch eher darum geht einsame Ankerplätze zu finden und vielleicht mal ein paar neue polynesische, melanesische oder mikronesische Freunde kennenzulernen. 
 
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An Steuerbord ist vorhin ein voller Mond aufgegangen, während an Backbord ein weißer Mondbogen zu sehen ist.  Sieht man auch nicht gerade oft.  (Soll ein Zeichen für sehr schlechtes Wetter sein...) Gerade eben zischten wir noch mit fast acht Knoten durch die Gegend, aber inzwischen geht es wieder langsamer und kurz danach wird wohl wieder totale Windstille mit 0,0 Knoten herrschen.  Wir haben überhaupt festgestellt, daß Bö nicht gleich Bö ist.  Hier gibt es hauptsächlich Regen mit maximal 20 Knoten Wind, während es bei schlechtem Wetter ganz anders aussieht.  Da kachelt es dann gleich mit 40 und in den Spitzen über 50 Knoten durch die Gegend, so daß man Angst um sein Rigg haben muß.  So fuhren wir dann die ersten zwei Tage auch nur unter teilweise aufgerollter Rollfock, während das Groß schön verpackt blieb.  Hier hingegen fahren wir Vollzeug, denn alle paar Minuten Segel wechseln bringt es ja nun auch nicht. 
 
Wir sind jetzt seit einer Woche unterwegs, so daß wir eigentlich bald auf halber Strecke sein müßten.  Durch die unerwartete Flaute mitten im Gebiet des Südostpassates ist daraus natürlich nichts geworden.  Macht aber nichts.  Wir sind zu dem Schluß gekommen, daß die anderen Segler gar nicht wissen, wie man eine Flaute überhaupt genießt.  Da sie sofort die Maschine starten, sobald der Wind mit weniger als 10 Knoten weht, werden sie auch nie in den Genuß kommen.  Sie werden nie sehen, daß das Meer überall wie mit feinem Staub bedeckt ist oder bemerken wie die kleinen Pilotfische unter dem Boot hervorschnellen, um Zwiebel- oder Eierschalen zu begutachten.  Ich habe bis jetzt noch nicht eine Person getroffen, der von den blau-phosphoreszierenden kleinen Kugeln im Wasser auch nur gehört hat.  Alle rasen wie wild von Hafenstadt zu Hafenstadt, reden ununterbrochen auf UKW oder SSB Sprechfunk und treffen einzig und allein andere "Cruisers"
 
Wir vermissen diesen Trubel überhaupt nicht, denn langsam wurde es uns zu anstrengend.  Es ist viel schöner alleine auf unserer schwimmenden Insel mitten im "piaoliang de Blau-shui"  (dem schönen Blau-Wasser), wie Ulani es nennt.  Selbst wenn man einmal jüngere Leute trifft, so sind diese fast ausschließlich Surfer-Dudes, die wieder ihre ganze eigene Kultur haben und wo wir noch weniger hineinpassen.  Im Prinzip passen wir nirgendwo hinein. 
 
Der Gedanke eines Tages wieder richtig arbeiten zu müssen, liegt uns immer schwerer auf der Seele - weil uns ja eigentlich niemand dazu zwingt.  Solange wir uns einschränken, könnten wir dieses Leben bis ans Ende unserer Tage führen.  Ostasien hieße wieder eine Schule aufmachen, mit all dem dazugehörigen Streß.  D-Land hieße für uns ein sehr hartes, ungemütliches & kaltes Leben fast ohne Chance auf anständige Arbeit.  Südostasien wäre im Prinzip schon OK, aber warum dann nicht gleich auf dem Boot bleiben?  Doch leider hat Liping nicht unbedingt Bock darauf auf immer und ewig auf einem Boot zu leben, selbst wenn wir mit unserem Töcherlein und den Finanzen alles geregelt kriegen. 
 
                                                                                      Montag, der 12. November 2007
 
Wie sich doch alles mit dem Wetter ändert... 
 
Nach drei Wochen von Sturmbö auf Sturmbö mit maximal 56,7 Knoten Windgeschwindigkeit trafen wir hier in Betio (Insel), Tarawa (Atoll), Kiribati (Land) ein.  Die Seekarten stimmten mal wieder von den Koordinaten her nicht, aber trotzdem kamen wir ohne Streß an den Ankerplatz direkt vor der "Stadt".  Ich habe mich bald in die Falle verhauen, denn ich war total übermüdet und hatte Kopfschmerzen. 
 
Am nächsten Tag habe ich erst einmal unser Dinghy zu Wasser gelassen, wobei ich bemerkt habe, daß der Schutzbezug aus schwerer Sunbrella Persenning in zwei Teile zerrissen war, wobei einer als Treibanker unter dem Boot fungierte und dort weiter zerfledderte.  Als das Dinghy schön in den Davits hing, habe ich mich an die vorderen beiden Abteile gemacht und dort erst einmal 2000 Liter (!!!) Wasser abgepumpt.  Bei der einen Bilgepumpe waren die Kabel abgerissen worden, während auf der anderen Seite gar kein Strom mehr ankam.  Außerdem stellte sich bei näherer Betrachtung heraus, daß eine Pumpe und ein Schwimmerschalter komplett das Zeitliche gesegnet hatten.  Müssen eingeflogen werden, genau wie GPS, Rotorblätter für den Windgenerator und einiges anderes mehr.  Gegen 17:00 Uhr gönnte ich mir eine heiße Dusche aus der Giftspritze und war schon wieder komplett und vollstens K.O.  Ich dachte an ein paar Gläser Wein und ungestörte Bettruhe.  Denkste!
 
Gegen 18:00 Uhr fing der Wind an zu blasen, steigerte sich auf über 40 Knoten und heulte uns dann ununterbrochen um die Ohren.  Ein Frachtschiff hinter uns trieb ab, wenig später hielt auch unser Anker nicht mehr, obwohl wir auf 8 1/2 Meter Wassertiefe fast 60 Meter Kette gesteckt hatten.  Wir schmissen die beiden 40 PS Volvo-Diesel an und mußten immer höhere Drehzahlen in Kauf nehmen, um den Anker zu unterstützen.   Ein weiteres Schiff geriet ins Treiben, ein sehr großes Fischereinfahrzeug mit riesigen von hellem Flutlicht erleuchteten Kränen trieb quer auf uns zu bevor sich deren Lage stabilisierte, währen sich das Polizeiboot an der Betonpier zerlegte und ich ununterbrochen zwei Stunden lang am Ruder stand, um den Bug in den wütenden Wind zu halten.  Ich zitterte sowohl vor Kälte als auch vor Anstrengung und war später ungelogen nicht mehr in der Lage, ein Bier festzuhalten.  Ich mußte es abstellen, sonst wäre es mir aus der Hand gerutscht.  Hinter uns waren nur mehr Wracks zu sehen, ein weiteres Frachtschiff ging ankerauf und der Tanker, welcher vor uns gerade per schwimmender Pipeline am Löschen war, verlegte sich weiter weg von Land.  Eine große Inter-Atoll Katamaran-Fähre kam ins Treiben und verschwand aus meinem Sichtfeld, aber nach etwa zwei Stunden tauchte sie wieder auf und fuhr in den Hafen ein.  Da war dann das Schlimmste überstanden & ich hatte auf alles Heilige geschworen, nie wieder etwas mit Booten, Wasser oder diesen in irgend einer Weise ähnlichen Sachen zu tun zu haben.  Heute hörten wir, daß es das Marineschiff doch tatsächlich aufs Riff geworden hat. 
 
Wellen von etwa zwei Meter Höhe brachen sich nach wie vor auf unserem Ankerplatz, aber wir hatten inzwischen die Maschinen wieder im Leerlauf und beobachteten die Sache nur noch.  Sehr erschöpft, aber da der Wind nur noch mit weniger als 30 Knoten blies, auch mehr Zutrauen in unseren Anker.  Liping hatte die ganze Zeit vor dem Computer gesessen, um unsere Bootsbewegungen mit dem größten Zoom auf dem Chartplotter genau zu verfolgen und mir alle paar Minuten Nachricht zu geben, wie es um uns stand.  So schlimm ging es uns vor Anker noch nie & wäre eine Maschine ausgefallen, so hätte es schlecht um uns gestanden. 
 
Die Nacht schlief Ulani erstmalig alleine mit mir im Bett, denn bei Mama darf sie ja nicht mehr schlafen, aber alleine wollte sie auch nicht, obwohl ihre Seekrankheit schon wieder verflogen war. 
 
Heute ging es an Land, wobei Aurora plötzlich mächtig viel Angst im Beiboot zeigte, obwohl bei ihr sonst das allerschlimmste Wetter auf See nichts als Begeisterung hervorruft.  Sie hat wahrscheinlich mitbekommen, wie sehr die Fahrt und dann die Ankunft uns mitgenommen haben. 
 
An Land fragten wir zuerst, ob solches Wetter hier normal wäre, was eindeutig mit "Yes!" beantwortet wurde.  Da wären wir am liebsten sofort wieder ausgelaufen.  Der Zollbeamte lief barfüssig durch die Gegend, wie überhaupt die meisten Leute hier, bestand aber auf einer Inspektion unseres Bootes.  Tee, Kaffee oder kaltes Wasser wollte er nicht, hatte aber auch sonst nichts zu beanstanden.  Weiter ging es auf die Nachbarinsel zur Einwanderungsbehörde, wo man uns zwei Monate Aufenthalt gewährt hat.  Da wir schon einmal dort waren, sind wir gleich zur Taiwanesischen Botschaft, wo wir vom Botschafter persönlich mit offenen Armen empfangen wurden.  Er sagte:  "Das habt Ihr genau richtig gemacht, zuerst zur Botschaft zu kommen!  Das ist doch genau so als ob man nach langer Abwesenheit wieder zu Muttern nach Hause kommt."  Er hat sich rührend um uns gekümmert, uns seiner Frau vorgestellt, seinen auf der Insel berühmten Blumengarten und seine Skulpturen gezeigt, um hernach den ersten Sekretär für uns abzustellen. 
 
Dieser machte gleich einen Termin mit dem Boss der Werft ab und lud uns alle zu einem leckeren Essen im besten Chinesischen Restaurant hier ein.  Wir haben uns für übermorgen zum Treffen der Hash House Harriers verabredet, wo wir auch noch einen anderen Ausländer treffen werden, der lange in China gelebt hat.  Wird bestimmt sehr interessant.  Zurück ging es zur Botschaft, wo wir gleich an den zweiten Sekretär übergeben wurden, der den Auftrag hatte uns ganz auf die andere Seite des riesigen Atolls zur Taiwanesischen Forschungsfarm zu fahren, da wir erzählt hatten, daß unsere Freunde in Panama auf diesem Gebiet tätig sind. Nach etwa 80 Minuten Fahrt durch unglaubliche Menschenmengen von I-Kiribati - hier leben etwa 40.000 Mikronesier - kamen wir dort an, um mit Gurken, Tomaten, Kohl, Salat, Melonen und vielem anderen beschenkt zu werden.  Wir haben uns lange mit dem Obergärtner dort unterhalten, der sein ganzes Leben solche Jobs in fernen Ländern gemacht hat. 
 
Wieder Zurück auf der Botschaft, wurde uns eine SIM-Karte übergeben, so daß wir jetzt jederzeit unter der Nummer +686-93662 in Kiribati zu erreichen sind.  Hier erfuhren wir dann auch, daß das Unwetter von gestern abend keinesfalls zu den Normalfällen gehört, sondern daß die Leute hier im Prinzip auf alle Fragen mit "Yes!" antworten, da ihr Englisch nicht so der Hit ist.  Auch erfuhren wir, daß die Mädels hier es ganz einfach wunderbar finden sich auf den Schiffen der Seeleute zu vergnügen und vor allem Kinder von Ausländern zu kriegen.  Erinnert mich an Tonga in 1987. 
 
                                                              Sonnabend, der 17. November 2007
 
Nun sind wir schon eine Woche hier.  Recht wackelig ist es nach wie vor, denn von den häufigen Flauten und der drückenden Hitze ist bis jetzt noch nichts zu spüren.  Dabei geht es jetzt auf den "Winter" zu, da wir uns wieder auf der Nordhalbkugel befinden. 
 
Wir sind verstärkt am Überlegen, ob wir die Reise nicht abbrechen sollten.  Nach Australien segeln, den überaus saftigen Einfuhrzoll bezahlen, um das Boot einem Yachtmakler zum Verkauf zu überlassen scheint uns oft die beste Lösung. 
 
Dienstag morgen um 9:00 Uhr holte ich zwei Leute von der Werft an, die meine Schäden begutachtet haben und mir geholfen haben, die beiden Trampoline abzubauen.  Hinterher war ich bei der TSKL-Telekom, denn mein Handy ging nicht.  Dort habe ich dann auch meine eMails verschickt, wobei ich in einer Stunde nicht einmal meine eigenen eMails abholen konnte.  Die Verbindung war schlicht und einfach zu lahm.  Hinterher gab's wieder viel Schwell, so daß ich dermaßen K.O. war, daß ich mir nicht mal mehr eine Dusche gegönnt habe.  Wir haben nur noch die Petroleum-Drucklampe mit halbem Druck angeworfen, Dinner mit Weißwein im Cockpit genossen und sind dann auch bald in die Heia. 
 
Mittwoch war es bewölkt, so daß bei uns der Strom eher knapp war, zumal der Windgenerator ja ein neues Rotorblatt braucht.  Ich habe die Luke vorne in der Mitte repariert, das Abteil dort gelenzt, die beiden Diesel und den Außenborder gewartet, das Mylar-Vorsegel abgeschlagen & dieses als auch die kaputte Wonder Clean Pressure Washing Machine an Land zur Reparatur gebracht. 
 
Um 17:30 Uhr waren wir bei der Taiwanesischen Botschaft verabredet, denn der erste Sekretär hatte uns gefragt, ob wir nicht mit zu den Kiribati Hash House Harriers wollten.  Wir wollten.  Dort ging es allerdings wesentlich gesitteter zu als bei den Jungs in Taipei.  Erstens wurde gar nicht gelaufen, sondern nur ein kleiner Spaziergang gemacht.  Und statt kistenweise Bier gab es hinterher eine Dose XXXX-Bitter (€ 1,52 für eine Dose) und zum "Down! Down!" eine weitere auf Ex.  Fast alle Anwesenden waren Diplomaten, Entwicklungshelfer, sowie deren befreundete I-Kiribati.  Ich habe mich die meiste Zeit mit dem Direktor des USA Peace Corps unterhalten, der ein sehr interessanter Mann ist.  Ursprünglich ist er Rechtsanwalt gewesen, während er ganz zu Beginn seiner bunten Karriere sechs Jahre bei den US Marines gedient hat.  Wir verstanden uns blendend und er hat uns in näherer Zukunft zu sich nach Hause zum Dinner eingeladen. 
 
Zurück ging es mit dem Bierauto, so daß wir noch vor 22:00 Uhr wieder an Bord waren. 
 
Donnerstag gab es wieder recht viel Wind & dementsprechend starken Schwell, so daß wir uns den ganzen Tag an Bord beschäftigt haben.  Trotzdem gab es Bruch, denn das Dinghy ruckte so heftig an der Kette, daß die Halterung am Bug des Beibootes abgerissen ist.  Hätte ich Blödmann das Teil doch gleich mit den Davits hochziehen sollen.  Aber da es ja schon zwei Jahre gut ging, dachte ich, daß es wohl O.K. wäre. 
 
Ich habe ordentlich aufgeräumt und sauber gemacht, was dringend notwendig war.  Danach habe ich erst einmal gecheckt, wann ich denn wieder Filter und Öl wechseln müßte.  Den letzten Monat lief die Maschine (fast immer nur eine zur Zeit) im Durchschnitt etwa eine Stunde pro Tag, so daß wir bald wieder fällig sind.  Soll ja alle 100 Betriebsstunden geschehen.  Öl habe ich ja auch genug dabei, nur bei den Filtern hapert es. 
 
Freitag waren wir morgens an Bord beschäftigt, wobei ich immer noch nicht ganz verdaut hatte, daß Liping am Vortage gleich zwei Mal in Tränen ausgebrochen war.  Nachdem sie nämlich neulich die Waschmaschine zerdeppert hatte, mußte dieses Mal mein Lieblings-Kaffeebecher von Hinano aus Tahiti dran glauben.  Da sie die "Hausfrauenhände" genannte Hautkrankheit hat, muß sie immer Baumwoll- sowie Gummihandschuhe tragen, wenn sie sich mit dem Abwasch, Seilen oder sonst irgendwelchen feuchten Sachen beschäftigt.  Die Haut hat einfach nicht genügend natürliche Fette.  Und wenn es dann ordentlich schaukelt und ein Weinglas voller Spülmittel ist, gibt es früher oder später unweigerlich Bruch.  Selbst in einen stark gechlorten Swimming Pool darf sie nicht mehr, da ihre Füße hinterher aussehen wie Pellkartoffeln. 
 
Da das Handy schon wieder nicht ging, mußte ich abermals zur TSKL-Telekom, wo mich der 1. Sekretär der Botschaft anrief.  Ich bin dann gleich dorthin & er fragte ob es Sonnabend passen würde, wenn der Botschafter, seine Frau, die drei Sekretäre, der Direktor der Forschungsfarm, samt Frau und Kindern uns an Bord überfallen würden.  Er hat mir dann noch einen Wisch für die Bank ausgestellt und seine Internetverbindung zur Verfügung gestellt.  Die war leider auch nicht schneller als die bei der Telekom, so daß ich nun gar nicht weiß, wie ich meine wichtigen Ersatzteile ordern soll.  Ich war bis Dienstschluß dort, konnte aber absolut nichts ausrichten, da die Verbindung so lahm war.  Nun ist guter Rat teuer!
 
In aller Eile ging es dann zurück an Bord, denn der ehemalige METRO (Procter  & Gamble?) Einkäufer Walter & seine Frau Gisela hatten uns auf die megasolide gebaute ATLANTIS eingeladen.  Wie auch Holger & Marika kennen sie Karl & Libu auf der ROSINANTE.  Dort gab es etliche Fiji Bitter und selbst Aurora war ausnahmsweise mal recht artig.  Muß man ja immer rot im Kalender anstreichen...  Sie erzählten uns, daß die französische Yacht neben uns ihr Großsegel in einer Bö völlig zerfetzt hätte und einer anderen Kielyacht noch schlimmeres widerfahren war.  Anscheinend war ein Riff auf seiner Karte nicht verzeichnet und er ist volle Kanne draufgedonnert.  Der Mast kam sofort runter und wenig später war das Boot dann komplett Schrott & mußte aufgegeben werden.  Eine andere Yacht versuchte ihn abzubergen, was aber aufgrund des schlechten Wetters nicht ging, so daß ein Hubschrauber aus Neukaledonien eingesetzt wurde, um ihn Hochzuhieven. 
 
Auch einem Fountaine-Pajot Katamaran ist auf der Reise nach Neuseeland der Mast davongeflogen, aber ansonsten ist denen wohl nichts weiter passiert.  Langsam komme ich zu der Auffassung, daß moderne (!) Kats in Punkto Sicherheit den Kielyachten überlegen sind.  Ganz einfach deshalb, weil sie nicht sinken können.  Ein Loch hat man ganz schnell im Boot, auch wenn es aus Stahl ist, wie die zahlreichen Wracks direkt hinter uns bezeugen.  Und wenn das Loch groß genug ist, dann geht eine Bleiente auf U-Boot-Tauchgang, um nimmer mehr an die Oberfläche zu kommen.  Da hilft dann selbst eine starke Motorpumpe nicht lange. 
 
Heute morgen sprang ich ganz panisch an Deck, denn ich meinte die Bilgepumpe im Bbd-Maschinenraum wäre die ganze Nacht gelaufen.  So was bringt Batterien ganz schnell um & auch die Diesel lassen sich dann nicht mehr starten.  Es war aber nur ein rotter Kiribati-Kahn, der hier durch die Gegend tuckerte und ein ähnliches Geräusch verursachte.  Ein Mann kam vorbei & wollte uns dicke Lobster (eigentlich Langusten) für nur € 6,00 verkaufen was in mir den Gedanken hervorrief unsere Bilgen mittschiffs als super-duper Hummertanks einzusetzen.  Warum nicht aus der Not eine Tugend machen?  Lebende Lobster an Bord haben meines Wissens nicht einmal die Superyachten & das käme bei unserem Image als Foodies (eigentlich eher ein Schimpfwort) genau richtig.   <Grins>
 
                                                                                     Sonntag, der 18. November 2007
 
Die Botschaft kam mit sieben Mann hoch an Bord, wobei ich zwei Mal mit dem Beiboot los mußte und auch unsere sechs großen Rettungswesten endlich einmal zum Einsatz kamen, denn nur zwei Leute konnten schwimmen.  Die Frau des Direktors der Forschungsfarm wollte sich unbedingt mit "der Legende" Liping fotografieren lassen, während der 2. Sekretär Louis Liu auf ein Foto am Steuer bestand. 
 
Als die erste Fuhre wieder an Land war, blieben Botschafter Samuel Chen und 1. Sekretär Wallis Zhou noch auf ein Panama-Bier an Bord, um ganz gemütlich zu schnacken.  Dabei stellte sich unter anderem heraus, daß der Botschafter einer der wenigen Leute ist, die unser Buch gekauft haben.  Auch was die Verpflichtungen der Eltern und die Erziehung der Kinder angeht, hatte er einiges zu erzählen.  Ich hatte das Gefühl, daß er seine Kinder in unsere Schule geschickt hätte, wenn er da noch in Taipei gewesen wäre.  So spricht sein Sohn nun außer Mandarin-Chinesisch, Taiwanesisch, Französisch und Englisch auch noch Italienisch.  Jetzt arbeitet er in Swaziland (bei Südafrika) für das Außenministerium.  Der zweite Sohn studiert noch in Australien. 
 
Die beiden waren ganz angetan von unserer hellen Petromax-Lampe, aber zu höflich um länger als bis 20:00 Uhr zu bleiben.  Für heute hatten sie uns zu einer Feier eingeladen, so daß es heute früh mit dem Bus los ging.  Die Evangelische Kirche (Kiribati Protestant Church - KPC) feierte heute nämlich ihr 150. Jubiläum. 
 
Wir saßen direkt hinter dem Präsidenten von Kiribati bei den Würdenträgern (nur sein Bodyguard saß zwischen uns) und nach dem ersten Teil der Feier stellte uns Botschafter Chen ihm und seiner Frau vor.  Natürlich durfte auch das obligatorische Händeschütteln und die Fotos nicht fehlen.  Die First Lady war ganz angetan von Aurora und auch die Sekretärin des Präsidenten zeigte sich sehr beeindruckt, als Ulani ihr etwas vorbuchstabierte.  Unser kleiner Zwerg war allerdings überhaupt nicht beeindruckt und hat sich strikt geweigert dem Präsidenten die Hand zu schütteln.  Mag daran liegen, daß er wie ein japanischer Militäroberst inklusive Korea-Sturmschnitt und Schnauzbart aussieht.  Dabei kommt der Vater des Präsidenten aus der Provinz Kanton in China!  Erstaunlicherweise war trotzdem er es, der die Beziehungen zur VR China abgebrochen hat, um statt dessen Taiwan anzuerkennen.  Er spricht sogar ein wenig Kantonesisch. 
 
Anschließend wurden wir zu einem wahrhaft lukullischen Mahl geladen, wobei gleich fünf (!!!) Spanferkel sowie Hunderte von anderen Gerichten aufgefahren wurden und man auch ansonsten ein ganzes Dorf mit ernähren könnte.  Ich habe nur von drei verschieden zubereiteten Schweinen - ein Stück wäre bei uns eine gute Portion für eine Person - probiert, sowie noch Fisch, Kartoffeln, Süßkartoffeln, Hühnerkeulen, sowie ein bißchen Reis gefuttert.   Doch alle I-Kiribati meinten, daß ich nicht genügend zugelangt hätte und als ich mir gerade die zweite Kokosnuß holte, meinten sie zu mir: "Take two!  Take two!"  Also habe ich zwei Kokosnüsse mit nach Hause genommen, während Liping einen Fisch in ihrem Rucksack herumtrug. 
 
Direktor Cai von der Forschungsfarm und seine nette Frau bestanden darauf uns zurück nach Betio zu fahren, wo sie uns noch auf ein Eis eingeladen haben.  Sehen wir wirklich so verhungert aus?  Auf jeden Fall haben wir uns mit allen Leuten prima verstanden und natürlich folgten wieder ein paar Einladungen.  Erstens gibt es nämlich Mittwoch den 21.11. mit den Hash House Harriers bei der Forschungsfarm etwas zu essen.  Zweitens sind wir bei dem Direktor des USA Peace Corps zum Dinner eingeladen.  Drittens hätten uns die Cais gerne bei sich zu Hause zum Dinner und zu guter letzt hat uns Botschafter Samuel Chen für den 28.11. zu sich in die offiziellen Residenz eingeladen. 
 
Wenn wir nicht ganz mächtig aufpassen, dann sehen wir demnächst auch bald aus wie die Leute aus Tonga, Samoa oder Kiribati. 
 
                                                                                      Dienstag, der 20. November 2007
 
Heute war ich wieder auf der Werft, wo uns für die Segel- & Dinghy-Cover-Reparatur ein Kostenvoranschlag von unter A$ 40 unterbreitet wurde.  Die Wonder Clean haben sie schon repariert, das Beiboot ist auch bald wieder intakt & selbst das Leck an der Spritleitung zum Außenborder haben sie schon in Angriff genommen.  Für die Trampoline warten sie noch auf die Ösen (Grommets).  Es steht wieder ein ordentlicher Schwell auf den Ankerplatz, so daß man bald rammdösig werden kann.  Als ich mich heute bei der TSKL-Telekom über das nur selten funktionierende Handy beschwert habe, meinten sie, daß man es halt nach einer Minute oder so noch einmal versuchen sollte.  Notfalls sogar mehrmals.  Außerdem soll ich ab und zu eine der kostenfreien Nummern wie 333 oder 222 anrufen, damit die Netzwerk-Info auf meinem Handy immer auf dem neuesten Stand ist.  So ganz im Griff scheinen sie die Technik hier noch nicht zu haben. 
 
Nach dem Mittag war ich Wasser holen, was ein ziemlicher Akt ist.  Wir mußten nämlich mit dem Auto zu einem Werftarbeiter nach Hause, wo wir dann vier Kanister mit Wasser vollgemacht haben.  Beim Wasserverband ist die Mindestabnahme nämlich eine Tonne.  Und so viele Kanister habe ich ja gar nicht.  Jetzt bin ich wieder auf der Insel Bairiki im Internetcafe und hoffe auf eine schnellere Verbindung als bei den letzten beiden Malen.  Habe immer noch *nichts* ordern können, da bei eBay noch nicht einmal die Startseite auf dem Bildschirm erscheint.  Ditto mit Google.  Und mein GPSmap 175 wird inzwischen gar nicht mehr hergestellt....
 
                                                               Mittwoch, der 21. November 2007
 
Mit dem per Internet ordern wird es hier wohl nichts.  Ich werde jemanden bitten müssen, das für mich zu tun, denn sonst wird das nie was.  Jörn Grote ist zur Zeit nicht in Trinidad sondern in Amiland und kann mir auch nicht helfen.  Originalton Jörn:  "Paradise is getting crowded  --  let's go to hell!"   ;-) 
 
Komischerweise verhält es sich damit so, daß die I-Kiribati die glücklichsten Menschen sind, die mir seit Ha'apai 1987 untergekommen sind.  Und dieses trotz unglaublicher Überbevölkerung, Armut, Arbeitslosigkeit, Staub, Dreck & Müll überall, gepaart mit Wassermangel und dem schlechtesten Boden zum Ackerbau, den Farmer Wu in seiner Laufbahn je gesehen hat.  Und der war auch schon auf genug anderen Inseln. 
 
Ansonsten haben wir das Wasser getestet, welches ich gestern geholt habe.  Als äußerste Grenze für trinkbares Wasser sind 500 gelöste Teile pro Million (ppm) angegeben.  Da wir über 800 ppm gemessen haben, wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als von nun an sauteures Mineralwasser zu trinken und auch unser Essen damit zu kochen.  Jetzt wäre Regen wirklich hilfreich, aber vor unserer Ankunft hat es hier vier Monate lang nicht mehr geregnet.  So sind allerdings die Tomaten von Farmer Wu besonders süß und lecker. 
 
Ben aus Fidschi hat unser Dinghy in Angriff genommen, besonders was die Fiberglasarbeiten angeht.  Auch jetzt ist es wieder bei ihm, so daß ich vorerst nicht zurück an Bord kann.  Er ist sehr nett, genau wie Teapo (oder Zappa? :-) aus Kiribati, der die Tischlerarbeiten und ähnliches erledigt.  Leider sind sie hier nicht sonderlich professionell, so daß DHARMA BUM III mehr und mehr einem alten Fischerboot ähnelt.  Alles sehr grob & wahrlich nicht auf Schönheit bedacht.  Uns selber stört das nicht sonderlich, nur wird es so mit dem Verkauf des Bootes sehr schwierig werden.  So ist auch Taiwan wieder im Gespräch, denn dort könnten wir das Boot wieder richtig gut herrichten lassen.  Gleichzeitig könnte Aurora ein Herzecho (wg. dem Kawasaki-Syndrom) und wir alle eine Volluntersuchung bekommen, zum Zahnarzt gehen & neue Brillen & Kontaktlinsen ordern.  Wir sind ja alle drei voll krankenversichert dort.  Liping könnte die Sache mit dem Finanzamt regeln, denn die wollen eine Nachzahlung von NT$ 20.000 von 2004 und außerdem müssen wir einen neuen Mietvertrag für Lipings Wohnung abschließen.  Auch sonst steht noch genug auf dem Programm.  Liping hat allerdings Angst, daß wir dann komplett dort hängen bleiben. 
 
Wenn man das Boot in Kaohsiung relativ preisgünstig an Land stellen kann, dann könnte ich dort auch eine Zeit lang arbeiten und vielleicht könnten wir uns dann auch mal einen Flug nach D-Land leisten.  Von Kiribati aus kostet der für uns drei übrigens US$ 10.000!!! 
 
Heute morgen habe ich die relative Windstille und das ruhige Wasser benutzt, um den Rotor vom Windgenerator abzubauen.  Ich hing mit dem Sicherheitsgurt an der Dirk und balancierte auf der Reling herum, wobei ich mit Bootshaken, Werkzeug und dem (angelaschten) Rotor selbst hantierte.  So hagelte es denn auch gleich Flüche und Verwünschungen, denen sich auch ein Sigvald Speckseite nicht zu schämen bräuchte.  Dieses Buch lese ich nämlich zur Zeit wieder einmal. 
 
Als ich an Land fuhr, kam mir ein einheimisches Aluboot entgegen, welches dermaßen viel Wake verursachte, daß der Riemen vom Rucksack riß und mein Computer zu Boden krachte.  Überflüssigerweise riß er nach der Reparatur auf der Werft gleich noch einmal, so daß der Computer erneut mit einem lauten Knall auf den Betonfußboden fiel.  Ich dachte schon, daß ich jetzt nur noch einen einzigen GPS hätte...
                                                                Donnerstag, der 22. November 2007
 
Heute wird Herbert Salvenmoser 45 Jahre alt (ob er wohl noch in Vanuatu oder schon in FSM ist?) und außerdem wird bei den Amis anscheinend auch Thanksgiving gefeiert; auf jeden Falls sind wir heute dazu bei einer Frau eingeladen, die in der Nähe des US Peace Corps wohnt. 
 
Gestern saß ich wieder mal eine Stunde vergeblich im Internetcafe.  Später habe ich hier an Bord zahlreiche elektromagnetische Sicherungen ausgewechselt, denn komischerweise scheint es ausgerechnet die hier zu geben.  Habe ich ansonsten erst einmal gesehen. 
 
Im Eiltempo ging es danach zur Botschaft, wo uns Botschafter Samuel Chen in sein Auto verfrachtete, um uns zusammen mit Madame Embassador zu den Hash House Harriers zu fahren.  Dort habe ich mich hauptsächlich mit einem Australischen Professor der University of the South Pacific und dem High Commissioner (Botschafter) of New Zealand unterhalten.  Letzterer war sehr interessiert an unserer Segeltour und würde uns auch gerne einmal auf dem Boot besuchen.  Außerdem hat er uns zu sich eingeladen, denn er hat einen Swimming Pool, was auf dieser wasserarmen Insel ein fast unglaublicher Luxus ist. 
 
Letzten Sonntag haben wir übrigens deutlich gemerkt, daß die Leute in Kiribati die Hilfe Taiwans und deren freundliche Vertreter wirklich überaus hoch zu schätzen wissen.  (Jedesmal wenn in einer Rede der Name "Taiwan" fiel, riefen Hunderte von Leuten ganz spontan "Ho!" und ließen keinen Zweifel an ihren Ansichten.)  Und dieses ist ganz bestimmt auf die kleine Taiwan-Truppe zurück zu führen, die weitaus mehr für Kiribati und die Leute hier tun, als es ihr Beruf verlangt.  Sie setzen auch im Privatleben alles daran hier Hilfe zu leisten und den Leuten einen guten Eindruck zu vermitteln.  Wir bewundern die Kiribati-Taiwanesen dementsprechend sehr. 
 
Einer von diesen hat eine hübsche I-Kiribati geheiratet & nun sind sie im Besitz unseres Auto-Kindersitzes, worüber sie sich sehr gefreut haben.  Es gab leckeres chinesisches Essen für alle & später sind wir wieder mit dem Bierlaster zurück, obwohl Samuel auch angeboten hatte uns zurück zu bringen.  Das fanden wir sehr nett, denn es ist auch für ihn ein großer Umweg.  Auf der Ladefläche des Bierlasters saß auch Tab aus Tuvalu, der uns in "The Captain's Bar" einlud, da er sehr gerne viel Bier trinkt.  Er ist Straßenbauingenieur, Beamter, gleichzeitig aber auch Geschäftsmann.  Außerdem ist er begeisterter Hochsee-Sportfischer und sein Sailfish (so eine Art Schwertfisch mit einem langen spitzen Schnabel und einer sehr großen schönen Rückenflosse ähnlich wie ein Marlin) hält hier sogar den Rekord.  Auch Tab möchte uns gerne mit seinen zwei kleinen Kindern an Bord besuchen und hat sogar angeboten einen Kasten Bier mitzubringen, damit unsere Vorräte nicht gar zu sehr dezimiert werden.  Auch möchte er gerne, daß ich ihm Skype-Out installiere und ihm beibringe, wie man es benutzt.  Werde ich bei nächstbester Gelegenheit in Angriff nehmen. 
 
So kam es, daß wir gestern erst gegen 1:00 Uhr ins Bett kamen. 
 
Dementsprechend geht es heute eher ruhig zu, aber gleich müssen wir schon wieder los zur New Zealand High Commission, denn Greg hat uns angeboten mit ihm zusammen zur Thanksgiving Feier zu fahren, die auf der anderen Seite des Atolls und damit sehr weit weg stattfindet.  So herrscht hier jeden Tag, Jubel, Trubel, Heiterkeit und unser Gesellschaftsleben fängt langsam fast an ein wenig anstrengend zu werden.  Allerdings ist es auch eine Art Entschädigung für all den Streß und Terror des letzten Törns.  So läßt man sich halt immer wieder hinreißen & segelt weiter, statt vernünftig zu sein und wie ein braver Bürger an Land zu leben und einer geregelten Arbeit nachzugehen.  Auch dafür haben die Chinesen ein spezielles Wort, nämlich guhuo, welches die Verhexung mittels eines legendären und giftigen Insektes bedeutet.  Sind wir also nun verhext oder was?  <Grins>
 
                                                                                      Freitag, der 23. November 2007
 
Nachdem wir uns die New Zealand High Commission samt Swimming Pool und Blumengarten angesehen hatten, ging es los in Richtung US Peace Corps, wobei uns der einzige Krankenwagen des Atolls mit heulenden Sirenen und Blaulicht überholte.  Sheila begrüßte uns, Aurora Ulani entdeckte deren Katze, womit sie erst einmal für längere Zeit beschäftigt war.  Wir haben den großen Gasgrill zu einem traditionellen Haus ohne Wände und Dach aus Pandanus-Palmenblättern getragen.  Musik von Norah Jones rieselte leise und angenehm auf uns herab & die Gespräche waren überaus interessant.  Sheila kommt ursprünglich aus England, ist im Gesundheitsbereich tätig, inzwischen 59 Jahre alt und hat fast ihr ganzes Leben mit dem US Peace Corps in etwa 30 verschiedenen Ländern verbracht.  Hauptsächlich war sie in Afrika tätig, wobei ihr - wie so vielen anderen - Malawi am besten gefiel.  In den Sudan würde sie nie wieder gehen, denn dort sah sie oft ganze Dörfer abgeschlachtet werden und auch ihr Krankenwagen wurde mit dem Maschinengewehr beschossen. 
 
Zum Abschied hat Sheila mir noch ein Buch über Kiribati geliehen, welches "The Sex Lives of Cannibals" heißt und von J. Maarten Troost geschrieben wurde.  Dafür werde ich ihr "In Trouble Again" von Redmond O'Hanlon leihen, denn das müßte ihr prima gefallen. 
 
Der Ankerplatz ist nach wie vor der schlechteste, auf dem wir je geankert haben, aber die lächelnden, singenden, freundlichen, überaus hilfsbereiten und oft lauthals lachenden I-Kiribati wiegen diesen Nachteil schnell wieder auf.  Und selbst die Ausländer hier haben sich von dieser Mentalität anstecken lassen, obwohl das Leben hier alles andere als einfach ist. 
 
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Holger Jacobsen
S/V DHARMA BUM III
SHIP-IN-TRANSIT
c/o Embassy of Taiwan
P.O. Box 104
Bairiki, Tarawa
Republic of Kiribati
+68693662 (Handy)