Monday, December 15, 2008

Leben in Opua & Whangarei

                                                           Sonntag, der 7. Dezember 2008
Breite: 35°19'S Länge: 174°07'O
 
Der im Holzfeuerofen gebratene Schweinebraten beim Trans-Ocean Stützpunktleiter Bäcker-Klaus & seiner Erika schmeckte ausgezeichnet, vor allem das selbst gemachte schwäbische Sauerkraut mit vielen leckeren Gewürzen.
 
Donnerstag war ja dann für mich der große Tag, denn Roy hatte eingeladen in Waipapa den alten Freund von Bernard Moitessier zu treffen.  Henry Wakelam aus England war der Knabe, der Bernard Moitessier mal gezeigt hat, was man alles so machen kann, wenn man zwei fitte Hände & das nötige Wissen dazu hat.  Henry ist ein Handwerker-Genie, ein Tüftler, Bastler & Erfinder.  Und natürlich einer der ganz großen Segler, wie auch seine französische Frau Yannick, die als erste französische Frau um die Welt gesegelt ist, ich glaube sogar Einhand.
 
Als wir über lange und recht zugewachsene Feldwege bei seinem riesigen Grundstück mitten in der Wildnis ankamen, kroch Henry gerade auf allen Vieren in seinem großen Garten herum, denn er untersuchte seine Pflanzen gerade auf Bohrkäfer, mit denen er schon länger Krieg führt.  Wir haben kurz geschnackt & sind dann auf seinem Grundstück spazieren gegangen.  Unten am Wildbach war es wunderbar und wieder einmal fragten wir uns, ob wir nicht nach Neuseeland auswandern sollten.  Später gab es ein überaus gesundes Mittagessen mit Yannick, wobei nur selbst gezogenes Gemüse und ähnliche organische Zutaten verwendet wurden.  Schmeckte wunderbar!
 
Yannick war schwer an Krebs erkrankt und vermutet, daß ihre Heilung auf die Unmengen Naturkost zurückzuführen ist, welche sie seitdem fast ausschließlich zu sich nimmt.  Nach dem Mittagessen haben wir uns verabschiedet, so daß wir einen anderen Freund von Roy besuchen konnten.
 
Ian ist ein Alt-Hippie, der ebenfalls ganz wunderschön mitten in der Wildnis lebt.  Ohne Stromanschluß, Telefon oder sonst irgend etwas.  Dafür gibt es Solarzellen, ein Wasserrad (welches am selbst gebauten Staudamm Strom erzeugt), eine "organische" Toilette und viele ähnliche Sachen.  Alles mit sehr viel Geschmack eingerichtet.  Schön und trotzdem gemütlich.  Auch Ian und seine Frau halten sehr viel von Rohkost & vom naturverbundenen Leben, wobei er aber bei der Arbeit ein echter Könner in Sachen Fiberglas ist.  Jetzt baut er gerade eine große Kuppel - einen geodätischen Dom - um eventuell darin zu wohnen.  Sieht aus wie eine Weltraumstation.
 
Da Aurora Ulani inzwischen im Auto eingeschlafen war, sind wir dort nicht so furchtbar lange geblieben.  Roy spendierte noch ein Bier im Opua Yachtclub & danach saßen wir auf DHARMA BUM III.  Ian wird uns demnächst anrufen, denn er hat uns zum Grillen eingeladen.
 
Freitag feierte Peter von DAKOTA seinen 70. Geburtstag.  Er ist als junger Bursche aus Deutschland weg & segelt seitdem in der Weltgegend herum.  Er & Roy kennen sich & obwohl auch Peter Einhandsegler ist, hat er eine Frau in D-Land, die ihn ab und zu per Flieger besuchen kommt.
 
Am Nikolaustag hielt ich im Auftrage Auroras eifrig nach dem Nikolaus Ausschau, der ihrer Meinung nach mit einem Fliegenden Dinghy unterwegs ist.  Gesehen habe ich ihn leider nicht, aber vielleicht war er es, der morgens um 3:15 Uhr laut röhrend an uns vorbeigefahren ist.  Auf ANNA MARIA erfuhr ich dann, daß der arme Nikolaus Motorschaden gehabt und es gerade noch bis zu Winfried und Ute geschafft hatte.  Er hat dort die Sachen für Aurora Ulani deponiert, hat es aber irgendwie auch noch geschafft auf DHARMA BUM III ein paar Naschsachen in Ulanis Pudelmütze zu verstecken.
 
Da Nikolaustag war, fand in dem "Maori Nest" Kawakawa ein Umzug statt, so daß wir mit Winfried & Ute zusammen dorthin gefahren sind.  Hauptattraktion war eine alten Dampflokomotive, welche mitten durch die Stadt fuhr.  Dann gibt es in Kawakawa noch die von Obergeizhals, Yachtie & Künstler Friedrich Hundertwasser entworfenen Toiletten mit vielen bunten Kacheln zu bewundern.  Wir haben uns einen leckeren Karamel-Eiskaffee mit Schlagsahne gegönnt, um dann nach Waipapa zu fahren.
 
Sonnabend, der 13. Dezember 2008
Breite: 35°44,44'S Länge: 174°21,00'O
 
Schon ist wieder eine ereignisreiche Woche vergangen, in der ich nicht einmal Zeit hatte, eine eMail zu schicken.  Montag abend hatten uns Winfried & Ute zum "Alten Mann" zum Abendessen eingeladen.  So heißt im Volksmund der Klub der Kriegsveteranen.  Solche Klubs gibt es hier in fast jeder Ortschaft und wie es bei den Angelsachsen üblich ist, können nur Mitglieder & deren Gäste dort hinein.  Hinterher haben wir eine Runde Billard gespielt, bei der ich zu meinem großen Erstaunen der Beste von uns vieren war. 
 
Hinterher ging es bald ins Bett, wo ich auch trotz des starken Windes - manchmal heulte es ganz fürchterlich in den Böen - prompt eingeschlafen bin.  Auf einmal sagte Aurora zu Liping:  "Mama!  GPS-Ankeralarm!"  Liping ging raus, um zu checken & weckte mich mit dem Schreckensspruch "Keaigui!  We are dragging!" auf.  So war es auch.  Wir hatten noch ein Riesenglück, denn wir waren haarscharf an Edmunds Katamaran FELICITAS vorbeigeschliddert.  Um 00:30 Uhr warfen wir die Maschine an, aber inzwischen waren natürlich weitere Minuten vergangen und der Tiefenmesser zeigte nur mehr 60 cm an.  Das ist selbst für uns zu wenig.  Der Anker hielt allerdings immer noch nicht & zu meinem großen Horror mußte ich feststellen, daß auch kein Kühlwasser mehr austrat.  Also Maschine aus & erst einmal über Funk gefragt, ob uns wer trotz der späten Stunde helfen könnte.  Ich habe dann das Beiboot zu Wasser gelassen & bin zu Roy auf der SEA LOONE.
 
FELICITAS suchte ich bei dem Wind und Regen vergeblich, denn hier im Ankerfeld braucht man ja kein Ankerlicht zu fahren.  Dafür kamen Winfried & Michael vorbei.  Winfried:  "No Fear!  Hier gibt es keine Steine, da kommt ellenlang nichts als Schlick & somit sitzt Du hier sicher wie in Mutters Schoß."  Liping unterhielt sich derweilen über Funk (via Repeater) stundenlang mit Whangarei Maritime Radio Zulu Lima Mike, die immer wieder wissen wollten wie man DHARMA BUM III buchstabiert & ähnliche Sachen. Mit denen wurde es mir bald zu dumm, denn wir hatten keine Zeit für solchen Quatsch.
 
Am nächsten Morgen habe ich noch vor dem Morgengrauen die Maschinen gecheckt & sie angeworfen, sobald ich irgend etwa sehen konnte, denn die Tide hatte schon wieder gedreht & ich wollte aus dem Modder raus.  Ich holte die beiden Anker hoch - meiner war total mit schwarzem Seegras & festem Lößboden verschmiert, während Roys so schwer war, daß ich ihn kaum hoch bekam - und mußte mehrere Ankermanöver fahren, da mein Delta-Anker nicht halten wollte.  Danach war ich in dem kalten Wasser mit voller Montur & Taucheranzug tauchen, um nach dem Kühlwassereinlaß zu sehen.  Der war aber leider sauber.
 
Später kam Edmund an Bord und holte erst einmal etliche Muscheln, Krebse, Kies & ähnliches Zeugs aus dem primären Kühlwasserfilter.  Kam aber immer noch kein Wasser.  Also hat er mächtig in den Saildrive geblasen und es fing auch langsam an zu blubbern.  Weitere kräftige Trompetenstöße ließen das Blubbern zwar stärker werden, aber dabei blieb es.  Also hat er mit einem aufgebogenen Kleiderhaken im Saildrive herumgestochert und siehe da:  Es sprudelte wieder wie aus einer Quelle und mir fiel ein Stein vom Herzen.  Kein kaputter Impeller und vor allem kein zubetonierter Wärmeaustauscher.  Dafür bekam Edmund so viel Bier wie er wollte und außerdem ein Abendessen von Liping.
 
Am nächsten Tag war ich auch wieder in aller Herrgottsfrühe aktiv, denn Liping hatte am Vortag gehört, daß eine Yacht ein gebrauchtes Funkmodem verkaufen wollte.  Neu kosten die Dinger so um die 1.300 US Dollar (€ 1.000 - Made in Hanau, Germany) und so mußte ich mich ganz schnell informieren, ob das Ding für mich taugen würde & was es denn wohl gebraucht kosten dürfte.  Schließlich einigte ich mich mit dem Mann auf YAMANA auf US$ 600.  Der Ausbau gestaltete sich schwierig.  Ich bin dann wie ein Wilder mit dem Beiboot hin und her geprescht, denn eigentlich hatten wir vorgehabt nach Whangarei auszulaufen, da Slipmaster Kevin bei NORSAND sich am Freitag unser Boot ansehen wollte.  Daraus wurde nichts, denn ich war den ganzen Tag mit diesem Unsinn beschäftigt.
 
Donnerstag war es dann endlich so weit & wir konnten auslaufen.  Es gab so gut wie gar keinen Wind & wir sind ganz dicht an der wildromantischen Küste endlang in Richtung Whangarei gefahren.  Dabei konnte ich drei Mini-Pinguine betrachten, die hier in Neuseeland heimisch sind.  Überraschenderweise bekam ich einen Anruf von meinem Bruder Knud, mit dem ich dann kurz geschnackt habe.  Ich hatte die erste Wache, wobei mir so kalt wurde, daß ich an unsere Notvorräte gehen mußte.  Wir haben nämlich nur noch weniger als eine Flasche vom guten Karibik-Rum, aber ich brauchte dringend einen heißen Grog.  ;-)
 
Morgens waren wir schon fast an der Einfahrt zum Whangarei-Fluß, in den wir gegen Mittag eingelaufen sind.  Die Tide war gegen uns & drehte erst später, so daß wir erst gegen 16:30 Uhr vor NORSAND ankern konnte.  Das "kleine Bächlein", welches ich dort beim letzten Mal erspäht hatte, entpuppte sich als der Whangarei-Fluß bei Niedrigwasser.  Trotzdem habe ich es noch geschafft den Slipmaster zu treffen.
 
Dienstag den 16.12. geht es aus dem Wasser & schon am Sonntag danach steigen wir in den Flieger nach Hamburg.  Wir sind ganz gespannt, denn das letzte Mal waren wir im Januar 1993 im winterlichen Deutschland.  Und für unseren Scheinzwerg (im Gegensatz zum Scheinriesen :-) wird es das erste richtige Weihnachten überhaupt werden.

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