Saturday, June 26, 2010

Inzwischen gibt es unseren kleinen Film auch mit Untertiteln.


Doppelklick, wenn man es größer sehen will

   

Teil 1 http://www.youtube.com/watch?v=kzCjUs-1z5M
Teil 2 http://www.youtube.com/watch?v=agz_9gVpf3Y
Teil 3 http://www.youtube.com/watch?v=mJJ5HitL85U
Teil 4 http://www.youtube.com/watch?v=nGEFqMLwESs


Wenn man es lieber herunterladen, statt Online angucken will, kann man diese URL benutzen:

http://keepvid.com/

Einfach in die URL-Zeile oben eine eintragen, umwandeln lassen & kurz danach herunterladen. Ergibt oft eine höhere Qualität. :-) Siehe auch: http://reviews.cnet.com/4520-11327_7-6555399-1.html

http://www.youtube.com/KrautHolg

----
07°53.05'N 098°24.94'E

Sunday, June 20, 2010

Von Langkawi nach Phuket -- 20. Juni 2010

Hier sitzen wir also mit unserem Kutter an Land & harren der Dinge die da kommen sollen.  Wir verließen Kuah am vorletzten Tag vor Ablauf meines Visums.  Hätten wir noch einen Tag länger gewartet, so hätten wir die DVD unseres Dokumentarfilms des Singapur-Fernsehens mit Englischen Untertiteln erhalten.  Das erfuhren wir, da uns "Auntie" von Sin Hwa Cold Storage auf unserem Handy auf See anrief.  Das funktionierte übrigens den ganzen Törn prima, selbst hier in Thailand mit Roaming
 
Wir hatten diesen Trip ob der vielen Fischernetze, einer eher fraglichen Maschine (gerade eben in Langkawi repariert) und eines defekten Saildrives ganz anders geplant als wir es normalerweise machen.  Wir würden uns in kleinen Hüpfern von 25 bis 35 Seemeilen von Insel zu Insel hangeln, alles nur bei Tageslicht, nachmittags mit Schnorcheln oder am Strand verbringen und es ganz gemütlich angehen.  Ansonsten lieben wir ja lange Ozeanpassagen, da wir nur dann wirklich in den richtigen Rhythmus reinkommen.  Und unsere Motoren werden normalerweise auch nur dazu benutzt um aus dem Hafen und wieder rein zu kommen.  Leider war das seit spätestens Singapur nicht mehr möglich, denn erstens gab es so gut wie nie Wind, zweitens wimmelte es nur so von Fischerbooten, Longtails, Fähren, Frachtern und allen möglichen anderen Fahrzeugen.  Fast alle 100 Meter war ein Netz im Weg, so dass wir fast ununterbrochen Slalom fahren mussten.  Nach einigen Stunden wird so etwas ein wenig anstrengend. 
 
In ersten Nacht hatten wir geplant in Ko Lipe zu ankern, wo RARE EARTH-Henrys Freunde Tom & Emily ein kleines Hippie Beach Ressort haben.  Da es zu tief zum Ankern war, schnappten wir uns eine der zwei gelben Bojen und waren sofort darauf im wunderbar klaren Wasser.  Einfach wunderschön.  Bei Hellblau und Türkiesgrün angefangen, ging die Farbenpalette der Korallen über Gelb und Orange in alle Richtungen.  Unzählige Tridacna Muscheln leuchteten von lila bis braun & die Korallenfische sprengen ja sowieso jede Farbpalette.  Und dabei hatte uns ein anderer Segler erzählt, dass er Ko Lipe einer der schlimmsten Inseln fände.  Da frage ich mich doch fast ob er nicht vielleicht die Namen verwechselt hat...
 
Am nächsten Tag sind wir an Land, um Henrys Freunde zu besuchen, während er selbst versuchte einzuklarieren.  War aber keiner da.  Als er es am Nachmittag ein zweites Mal versuchte, wurde ihm erzählt, dass es noch ein paar Tage dauern könnte, bis der Offizielle wieder da wäre, denn die Touristensaison wäre nun vorbei.  Ich musste Henry erzählen, dass seine langwierige Reparatur in Kuah nicht erfolgreich gewesen war, da die Maschine in sieben Stunden Laufzeit etwa drei Liter Motoröl verloren hatte.  Henry meinte bei solchen Mengen Öl hätte wohl eine Schweißnaht nicht gehalten. 
 
Das störte mich allerdings nicht so sehr, wie es das normalerweise getan haben würde.  Die Ecke war einfach zu schön, um schlecht drauf zu sein & außerdem hatten wir ja sowieso einen vielmonatigen Werftaufenthalt in Thailand geplant. 
 
Die nächste Insel war Ko Bulon, ebenfalls ganz wunderbar.  Wir ankerten ganz an der Spitze und wurden bald von vielen thailändischen Fischerbooten umringt.  Auf etlichen von ihnen schien eine größere Fete geplant, sie legten sich in großen Päckchen zusammen und bald hörte man Musik, Gelächter und Rufe kreuz & quer durch die ganze Flotte.  Dann kamen appetitliche Düfte herübergeflogen, so dass uns das Wasser im Munde zusammenlief.  Inzwischen sind wir übrigens zu der Meinung bekommen, dass Thailand für kulinarisch orientierte Segler das Ziel überhaupt ist.  Nicht, dass ich plötzlich etwas gegen das Futter in Taiwan hätte, keineswegs, nur ist es eben viel leichter nach Thailand zu segeln als nach Taiwan.  Das Essen ist scharf bis sehr scharf - manchmal laufen mir die Tränen wie kleine Wasserfälle über die Wangen - aber immer ausgezeichnet und einfach köstlich.   Auch auf dieser Insel planten wir einen Tag Pause zu machen, wie wir es mit einer einzigen Ausnahme auf jeder Insel machten. 
 
Aurora Ulani ist von dem scharfen Essen überhaupt nicht begeistert, dafür fand sie den Strand allererste Sahne.  Und ihre geliebten Einsiedlerkrebse gab es hier in rauen Mengen und Variationen.  Leider gab es auch ein paar Sandfliegen, so dass wir meistens bis zum Hals unter Wasser blieben und an Land immer acht gaben schön nass zu sein. 
 
Der Törn von Ko Bulon nach Ko Rok Nok war der Hauptgewinner, was die Fischernetze anging.  Vielleicht ist es gar nicht so weise, immer zwischen den äußeren und den inneren Inseln hin zu zicken und her zu zacken.  Das nächste Mal werde ich wohl die äußere Route nehmen, denn dort scheinen mir am wenigsten Netze zu sein.  Nach dem Ankern sprangen wir wie immer über Bord, woraufhin ich feststellen konnte, dass man schwimmenderweise die Korallenköpfe mit den Schwimmflossen streicheln konnte.  Das war mit dann doch etwas nah, denn bei Ebbe würde das Wasser erheblich fallen.  Also Anker wieder hoch, weiter zur Zwillingsinsel Ko Rok Nai und dort wieder an eine gelbe Boje im tiefen Wasser. 
 
Wieder eine schöne verlassene Insel mit wunderbarem Strand, keinen Touristen, keinem Lärm und einer interessanten Unterwasserwelt.  Nach Einbruch der Dunkelheit kam ein Einhandsegler ohne Strom & Hauptmaschine, sondern nur mit batteriebetriebener Notbeleuchtung (für solche Notfälle habe ich starke rote und grüne LED Blinklampen, wie die Fischer sie benutzen und wo die Batterien monatelang halten) und Außenborder an.  Ich ließ unser Beiboot wieder zu Wasser, um ihm behilflich zu sein.  Bis ich bei ihm ankam, hatte er sich schon eine Muring geschnappt.  Bald saß er bei uns an Bord und trank ein 1°C kaltes Coopers Stout Homebrew.  Tristan war sowohl von dem WAECO CoolFreeze als auch von meinem selbstgebrauten Bier begeistert und überrascht.  So nach dem Motto: "Das hast Du wirklich selbst gebraut?!?"  <Grins> 
 
Am nächsten Morgen war er schon wieder weg.  Unser kleines Töchterlein, jetzt 6 1/2 Jahre alt, musste natürlich wie jeden Tag erst einmal ihre Calvert School Lektionen absolvieren, Chinesisch schreiben lernen usw. usf.  Sie hat noch etwa 8 Lektionen vor sich, dass müsste sie bereit für das 2. Schuljahr sein.  Diese ganze Geschichte hat so wunderbar geklappt, dass man es kaum glauben kann. 
 
Von eMails und Telefongesprächen weiß ich, dass wir oft den falschen Eindruck vermitteln.  So sind viele Leute anscheinend der Ansicht, dass wir eine schlechte Zeit haben von wegen der vielen Arbeit, den ewigen Reparaturen, Sorgen und Kosten.  Nichts könnte unwahrer sein.  Die letzten 4 1/2 Jahre waren die interessantesten unseres Lebens und der Hauptgrund dafür ist, dass wir so viele Leute kennengelernt haben, die oft zu sehr guten Freunden wurden.  Natürlich ist das Leben auf einem Boot oft frustrierend und ab und zu kriegt man es auch richtig mit der Angst zu tun.  Das steht allerdings in überhaupt keinem Vergleich zu den positiven Aspekten des Yachtielebens.  Deswegen finden wir es auch immer ein wenig traurig, wenn neue Segler nicht die Kurve in den ersten paar Jahren gekratzt kriegen und nach dem anstrengenden Berghochfahren nun die Talfahrt genießen können.  Stattdessen sind sie vollkommen desillusioniert, geben auf & verkaufen ihr Boot. 
 
Einige von meinen Freunden finden, dass ich zu viel technisches Detail hier beschreibe.  Sie hätten es lieber, wenn ich ein bisschen positiver berichten und die schönen Seiten des Seglerlebens beschreiben würde.  Genau so eben, wie es der Director/Producer Derek Goh in Singapur mit unserem Dokumentarfilm gemacht hat.  Andererseits haben befreundete Segler eher weniger Interesse an der Beschreibung von Sonnenuntergängen, schönen Sandstränden & dem letzten gefangenen Fisch.  Die Blauwassersegler kennen das alles selbst und für sie ist es viel interessanter zu erfahren welche Behördenmenschen auf jeden Fall zu vermeiden sind und wo der beste Laden für Werkzeuge und Ersatzteile ist.  Der Fahrtensegler will wissen, wo man am besten trinkbares Wasser herbekommt, wo man billig ein Motorrad mieten kann und wie man am besten sein Visum verlängert.  Ist natürlich schwierig beide Sorten Leser zufrieden zu stellen, aber ich werde es versuchen. 
 
Kurz nach 6:00 Uhr waren wir dann wieder unterwegs.  Ko Phiphi war das Ziel und wir erwarteten nicht sonderlich viel, da es eine überlaufene Touristenecke ist.  Wir hatten allerdings nicht damit gerechnet, dass es dort im Hafen aussah wie bei den sprichwörtlichen Ölsardinen (die ich jetzt seit Jahren vergeblich suche).  Ich konnte mir nicht vorstellen, dass bei dem Gewimmel die freien Murings nicht irgendwem gehören und habe darauf verzichtet dieses auszuprobieren.  Das erwies sich als gute Strategie, denn später sahen wir, dass etliche Boote (meist Charteryachten) von eben diesen Bojen wieder verscheucht wurden.  Und da andauernd neue Boote eingetrudelt kamen, wurde es im Laufe des Tages immer enger und enger.  Dieses war überhaupt der einzige Tag, wo es Wind gab.  Mit bis zu 30 Knoten direkt auf die Nase. 
 
So stand ich am nächsten morgen noch früher auf als sonst, ließ meine beiden Mädels schlafen und hatte schon vor 6:00 Uhr den Anker oben.  Schon vor Mittags um 12:00 Uhr kamen wir in der Chalong Bucht an, die für eine Weile unser Zuhause darstellen sollte.  Einklarieren war kein Problem, wir bekamen jeder 60 Tage mit der Chance auf eine Verlängerung um 30 Tage, während das Boot 6 Monate bekam, ebenfalls mit Chance auf Verlängerung.  Die nächsten Tage waren dann mit Einkaufen, Erkundungen und Anfragen beschäftigt. 
 
Die Preise für die Yachtwerften waren eine Ernüchterung, denn es war sogar noch teurer als in Neuseeland.  Wir mussten handeln wie die Araber, wobei wir zugegebenermaßen nicht so gut sind.  Verschiedene Bootseigner gaben ganz unterschiedliche Auskünfte, so wie ja auch ihre Boote und Einkommensverhältnisse ganz verschieden sind.  Den einen stört es nicht weiter 60.000 Dollar für eine Überholung auszugeben, während ein anderer mit 3.000 Dollar ein ganzes Jahr lang auskommt.  Während das eine Boot regulär gewachst und poliert wird und dementsprechend blitzeblank und superordentlich aussieht als würde es gleich auf eine Bootsshow gehen, so bemerkt man bei anderen Booten, dass sie seit Jahren täglich hart genutzt werden, wie eben auch die Fischerboote und Frachtschiffe.  Und jedes Boot spiegelt den Charakter seines Eigners wider.  Die Verhandlungen, persönlich, im Dockyard oder am Telefon, zogen sich hin. 
 
Schließlich beschlossen wir in die kommerzielle Fischerbootswerft von Asian-Phuket Dockyard zu gehen, die uns David Kopec von der MEANDER empfohlen hatte.  Mit über 30 Jahren Erfahrung als Singlehander und sowieso mehr auf unserer Wellenlänge, gaben wir seinen Ausführungen mehr Gewicht als den anderen.  Außer dem Preis fanden wir auch die Einstellung bei Asian-Phuket Dockyard besser als bei der Konkurrenz.  Nicht nur holte uns Ozzy mit dem Auto ab, um uns den Yard vorzuführen, sondern sie antworteten auch immer prompt auf Telefonanrufe oder eMails. 
 
Dabei ist die Werft eine reine Arbeitswerft.  Überall Beton, Schienen & jede Menge Dreck.  Fischerboote aller Variationen stehen dicht gepfercht beisammen, es wird gehämmert & gesägt, was das Zeug hält.   Das gab mir dann doch zu denken, zumal wir ja ein kleines Mädchen an Bord haben und der Werftaufenthalt lange dauern würde. 
 
Sobald wir aus dem Wasser waren, ging es los mit den Kostenvoranschlägen & Arbeiten.  Beide Motoren und Saildrives sind jetzt in einer Werkstatt für eine Generalüberholung, die Fiberglasarbeiten sind weitgehend abgeschlossen und die anderen Jungs geben sich hier die Klinke in die Hand.  Ozzy lud uns zu einer Grillfete ein, fast jeden Abend kommen diverse Arbeiter auf ein paar Bierchen zu uns aufs Vordeck und zu meinem 50. Geburtstag hatten wir um die 20 Leute an Bord.  Didi, Feinschmecker aus Hamburg, hatte alle möglichen Sorten Bratwurst und einen Grill mitgebracht, Dirk, Heimathafen Wiesbaden, stellte einen großen Fernseher aufs Vordeck, damit die Fußballfans unter den Thais das Fußball WM Spiel Deutschland - Serbien life mit gucken konnten.  Der Mekong "Golden Dragon" wurde mit Tonic, Limonen & viel Eis verabreicht, das Bier floss in Strömen & die Arbeiter kamen mit Unmengen gegrilltem Fisch, Prawns und später noch mit einer Eistorte an.  Wie war ich froh, dass Liping "nur" Frikadellen und Koteletts gemacht hatte. 
 
Wenn wir hier bis Ende des Jahres fertig werden, so geht es weiter nach Chagos, Mauritius, Madagaskar und Südafrika, denn der andere Weg hat mich noch nie gereizt.  Wo ich dann meinen nächsten Geburtstag verbringen werde, das steht wie immer in den Sternen.  Wenn es zeitlich nicht hinhaut, denn bleiben wir eine weitere Saison in dieser generellen Ecke und lassen es uns gut gehen.  Außerdem haben sich etliche Freunde für einen Besuch angesagt.  Aus Taiwan, Saigon, Bangkok und allen möglichen anderen Ecken. 
----
07°49.01'N 098°21.66'E

Friday, March 26, 2010

Kuah, Langkawi, Kedah, Malaysia, Asia, Planet Earth, Solar System

Moin, moin!                                                                                                   Freitag, der 26. März 2010
 
Jetzt sind ja schon wieder Wochen vergangen, seit ich das letzte Mal geschrieben habe....  Vorsegel, Stack Pack, Rollreff usw. ist alles inzwischen geinstet & gestern bekamen wir einen Anruf, daß auch der Computer repariert ist und abgeholt werden kann.  Seit Kaspar & Ute mit der CELUANN hier erschienen sind, kamen wir jede Nacht erst sehr spät in die Federn und tagsüber war auch immer Arbeit rund um die Uhr angesagt, denn viele Sachen kann man schlecht alleine machen.  So saß Kaspar tagelang (!!!) bei mir oben im Mast, denn die neue 1 "High Flux" LED mußte dort genauso angebracht werden, wie die neue Windex und auch in Sachen Rollreff waren wir dort zugange.  Am meisten Arbeit machte es die alten Teile rauszureißen, denn der Edelstahl und das Aluminium hatten sich dermaßen zusammenkorrodiert, daß einem fast die Tränen kamen.  Und in 17 Meter Höhe und beträchtlichem Gewackel hantiert man nur höchst ungern mit einer Flex herum, so daß fast alles mit kleinen Handwerkzeugen gemacht werden muß.  Dann stellten wir fest, daß wir irgendwie einen Kurzschluß im Mast hatten und bekamen fast eine Krise als wir bemerkten, daß alle Kabel unter dem Mast in etlichen Litern Salzwasser lagen.  Das war alles dermaßen vergammelt, daß Kaspar schon meinte, man müßte es eigentlich fotografieren und für die Nachwelt aufbewahren.  Ich habe mich dann zu einer Radikalkur entschieden und dort alles neu gemacht.  Kaspar meinte, er hätte sich nicht daran getraut, aber inzwischen glaube ich:  "Zerstörung ist der kürzeste Weg zum Neuanfang"  <Grins>
 
Aurora macht jetzt jeden Tag mindestens drei Stunden Schule (hauptsächlich Chinesisch schreiben lernen und Calvert School), eine Schweigestunde & bekommt als "Belohnung" kurzfristig eine Stunde lehrreiche Computerspiele und langfristig einen Computer ganz für sich alleine.  So kann sie gut Sprachen lernen und außerdem haben wir ein wenig Verschnaufpause von ihrem ständigen Geschnatter.  Ich lese ihr gerade "Nils Holgerssons Wunderbare Reise" vor  :-) 
 
Als wir mit unseren Mastreparaturen fertig waren, stellten wir fest, daß das neue Masttopplicht um etliches heller ist als alle anderen, sogar heller als das neue blaue Multi-LED Blinklicht als auch heller als die weiße Xenon-Blitzlicht-Lampe.  Dabei braucht das Teil so dermaßen wenig Strom, daß man den Unterschied zwischen an und aus auf dem Amperemeter fast gar nicht bemerkt. 
 
Nachdem ich schon neulich zwei Batterien ausgewechselt hatte, mußte ich vor ein paar Tagen schon wieder feststellen, daß unsere Bordspannung total am Boden war.  Ich habe dann zwar die Isolator-Diode dazwischengeschaltet, aber die Starterbatterien über Nacht nicht voneinander isoliert.  War zu K.O.  Das war ein fataler Fehler, denn am nächsten Morgen hatte die eine nur noch 10 und die andere nur mehr 11 Volt.  Letztere scheint zwar nicht vollends gestorben zu sein - unser Motor springt nach wie vor (ohne das eigentlich eingeplante Volvo-Vorglühen) sofort an - aber irgendwo ist doch etwas kaputt gegangen.  Ich konnte mich allerdings noch nicht darum kümmern, denn bei einer Routineinspektion der Stbd-Maschine bemerkte ich, daß die Lichtmaschinenhalterung genau dort gebrochen war, wo sie bei Kaspar vor ein paar Tagen ebenfalls das Zeitliche gesegnet hatte.  Also:  Ausbau, meilenweit zum Schweißer (ein alter Chinese mit vielen Enkelkindern), dann schnell zurück und wieder Einbau.  Ihr merkt schon, wir arbeiten uns hier den Arsch ab... 
 
Mittlerweile bemerkten wir, daß neben uns ein anderes Boot mit einem kleinen Kind an Bord lag http://www.segelreisen.ch/ .  Wir verstanden uns auf Anhieb mit Martin (sehr cooler Knabe, früher Arzt & jetzt oberfitter Profi-Segler), seiner Frau Theres (Ex-Pilotin & jetzt Fotografin) und Ann, die nur wenige Tage älter ist als Ulani.  Sie sind Freunde von WAKATAITEA Schelmis Freund Hans Klaar auf der ONTONG JAVA , einem echten Ober-Abenteurer, der schon mit seinen Eltern um die Welt segelte als er noch ein Kind war.  Auf der anderen Seite von uns liegt übrigens die PANGAEA von Mike Horn und in Telaga soll sich gerade der Bobby Schenk aufhalten. 
 
Jo, und Harry & Heidi von der ALK aus Lübeck sind gute Freunde von Walter und Gisela auf der ATLANTIS, die wir auch schon seit Ewigkeiten kennen.  Die Welt der Yachties ist doch gar nicht so groß, wie man denken sollte.  Und obwohl der Martin so ein fitter Segler ist, meinte er zu mir, daß solche Leute wie Robert Adair auf der TANYA / EPICURUS, Roy auf der SEA LOONE oder Karl & Libu auf der ROSINANTE wohl "heute nicht mehr konstruiert werden".  Außerdem meinte er, daß irgendwie keine neuen jungen Weltumsegler auf der Bühne erschienen.  Das hatten wir ja auch schon vor einiger Zeit feststellen müssen. 
 
Gestern waren wir erst einmal mit Martin zum Tankschiff, wo ich 122 Liter Diesel gekauft habe.  Hat genau 256 Ringgit (€ 57,62) gekostet - also nur € 0,472 pro Liter.  Trotzdem planen wir immer noch nicht zu Diesel-Seglern zu werden.  Seine beiden Frauen sind gestern für ein halbes Jahr in die Schweiz geflogen, während Martin hier seinen Dampfer überholen muß.  Heute Nachmittag um 17:00 Uhr werden wir uns alle auf der CELUANN treffen und morgen kann ich hoffentlich den Computer abholen.  Am 6.4. sind meine beiden Mädels dann für einen Monat in Taiwan.  Ich habe mich immer noch nicht entschlossen, wann und wo ich aus dem Wasser gehen werde.  Wir werden es erleben!
 
Viele liebe Grüße von Aurora Ulani, Liping & Holg  --  06°18.63'N   099°50.58'E  --  Phone: +60175767958 

Sunday, March 07, 2010

Von Singapur nach Langkawi

Liebe Freunde,                                                                                         Langkawi Island, Malaysia
                                                                                                                06°18.63'N 099°50.58'E
 
Früh am morgen wurde Derek Goh samt Kameramann von Henry in einem kleinen Boot vorbeigebracht, um unsere letzten Vorbereitungen und unsere Abfahrt zu Filmen.  Das paßte uns eigentlich nicht so gut in den Kram, denn Abfahrten sind immer ein wenig hektisch und chaotisch.  Dieses Mal sollte es außerdem rund um Singapur und danach in die Malakkastraße gehen.  Wir planten nur tagsüber zu segeln und der erste Ankerplatz war weit weg. 
 
Schließlich kamen wir aber trotzdem in die Gänge und hatten schon bald unseren Spaß mit diversen Schleppern welche große Lastkähne hinter sich herzogen, uns auf beiden Seiten überholten und es anscheinend gar nicht verstehen konnten, daß wir viel zu langsam waren, um ihnen auszuweichen.  Anfangs war die Tide noch gegen uns, da Manager Edward uns geraten hatte beim ersten Tageslicht loszufahren.  Dazu kam dann noch, daß einige Fischer ihre Netze mitten im Fahrwasser ausgelegt hatten & wir auf jeden Fall vermeiden wollten so ein Ding um eine unserer Schrauben zu wickeln. 
 
Als wir erst einmal im Verkehrstrennungsgebiet waren, ging alles ein bißchen ruhiger ab, obwohl zwischen zwei dicken Schiffen immer nur ein Abstand von ein paar hundert Metern waren.   Leider kamen wir nur sehr langsam voran, so daß wir gezwungen waren bis gegen 22:00 Uhr durchzusegeln.  Wir ankerten in sehr flachem Wasser und sahen uns die Feuerwerke zum Chinesischen Mondneujahr an.  Den nächsten Morgen bemerkten wir, daß wir sehr dicht an einer Fischfarm geankert hatten, von der nur das Hauptgebäude beleuchtet war.  Wir beschlossen einen Tag auszusetzen, um ein wenig Schlaf nachzuholen, denn nach der Abschiedsfete der Singapur-Chinesen auf der Fischfarm waren wir erst um 1:30 Uhr wieder an Bord gekommen und dann dauerte es natürlich noch eine ganze Weile bis wir endlich einschlafen konnten.   
 
Am Morgen danach trauten wir unseren Augen kaum, als ein Treibnetz direkt auf uns zukam und zwar gar nicht so langsam.  Wir konnten gerade noch in letzter Minute die Maschinen starten und uns schleunigst rückwärts entfernen.  Auch am nächsten Abend gingen wir vor Anker, denn die überwiegende Meinung unserer Freunde in Singapur war, daß wir sonst mit 50%iger Sicherheit so ein Netz aufgabeln würden.  Und nachts tauchen gehen, bei starker Strömung, Schiffen überall, um sich aus so einem Netz zu befreien, stand zu ziemlich an unterster Stelle von den wünschenswerten Vorkommnissen auf diesem Törn. 
 
Als wir am Ankerplatz ein paar Fischer sahen, die gerade dabei waren ihr Netz auszubringen, lud ich sie auf einen Kaffee an Bord ein.  Daud & Hassan nahmen dankbar an, meinten wir bräuchten uns keine Sorgen wegen ihres Netzes zu machen und wenn wir irgendwelche Probleme hätten, sollten wir den anderen Fischern von ihnen erzählen, denn alle Fischer in dieser Gegend wären sehr gut miteinander bekannt.  Als sie sich wieder an ihre Arbeit machten, kroch ich dann auch bald in die Koje.
 
Bis ich durch ein knarrendes Geräusch geweckt wurde, welches ich allerdings nicht orten konnte.  Liping hörte es auch, wußte aber ebenfalls nichts damit anzufangen.  Bald kam ein kleines Fischerboot und gleich darauf sah ich die Bescherung.  Ihr Treibnetz hatte sich in unserer Ankerkette verfangen und die sehr starke Strömung verursachte das knarrende Geräusch.  Kaum hatte ich das begriffen, piepte auch schon der Ankeralarm.  Ich rief die Fischer an, sie krachten mit ihrem Holzkahn in unseren Backbordbug und zwei kamen an Bord.  Keine Chance bei der starken Strömung das Netz zu retten, also stand der eine Knabe wie auf einem Drahtseil auf dem Netz und schnitt es mit einer sehr scharfen Machete durch.  Sie versprachen gegen Mitternacht zurück zu kommen und versuchten den Rest des Netzes zu retten. 
 
Wir hatten bei der ganzen Sache allerdings viel mehr Schaden davongetragen, denn die Löcher im Gelcoat, die Kratzer, Beulen und Schrammen ließen sich nicht so einfach beseitigen.  Als der Vater (Pensionär) und seine beiden Söhne später an Bord kamen, gab es erst wieder einmal Kaffee, dann gab es ein längeres Palaver.  Sie bräuchten ein neues Netzsegment, welches 40 Ringgit (€ 8,58) kosten würde & außerdem erzählten sie uns, daß es eine ganz schlechte Idee wäre im flachen Wasser zu ankern.  Überall würden die Fischer mit ihren Treibnetzen arbeiten, so daß wir garantiert wieder denselben Streß hätten.  Sie meinten, daß wir schon genau so eine weiße Boje mitnehmen müßten, bevor es Ärger mit dem Propeller gäbe und rieten uns genau an der Kante der Fahrwassers gen Norden zu segeln. 
 
Das taten wir dann auch & kamen dabei relativ problemlos voran.  Dicht vor Langkawi allerdings, bei allerbester Sicht & voller Festbeleuchtung, wären wir fast schon wieder von einem kleinen Frachter übergemangelt worden.  Es war meine Wache, ich konnte den Kahn kommen sehen, konnte aber beim besten Willen nicht entscheiden nach welcher Seite ich ausweichen sollte.  Es mußte im rechten Winkel geschehen, aber unser Boot ist dermaßen langsam, daß die falsche Richtung fatale Folgen gehabt hätte. 
 
Als der Frachter etwa zwei Bootslängen hinter uns vorbeizischte, hatte ich wieder einmal das Grosse Zittern und das Herz schien mir in der Brust zerspringen zu vollen.  Noch nach Stunden merkte ich den Effekt des Adrenalins und ging dementsprechend spät in die Heia.  Radar und AIS wären vielleicht doch nicht schlecht, denn aus dem Fenster guckt anscheinend gar keiner mehr.
 
Wir mußten die Segel runter holen, was gar nicht so einfach war da unsere Rollreffanlage "eingefroren" war.  Wahrscheinlich hatten die Kugellager das Zeitliche gesegelt.  Bei Tageslicht ging es dann ohne Wind weiter nach Kuah, wo wir problemlos einklarierten.  Liping bekam eine Aufenthaltsgenehmigung von 14 Tagen... 
 
Das erste was wir hier bemerkten, war große Hitze.  Zwar nicht ganz so schlimm wie in Darwin aber mit 37°C doch schon ganz beachtlich - vor allem wenn man schwere Arbeiten zu erledigen hat oder - noch viel schlimmer - im Maschinenraum arbeiten muß.  Natürlich stand gerade so etwas an, denn erst einmal durfte ich um die 160 Liter Wasser durch die Gegend schleppen, um unsere Tanks wieder aufzufüllen, dann stand Verproviantierung an und schließlich  mußten auch noch zwei sauschwere Batterien ausgewechselt werden.  Letzteres dauerte einen ganzen Tag & ich war gar nicht mehr ansprechbar, dafür aber mit blauen Flecken & Schrammen übersät.  Zu allem Überfluß hatte ich mir auch noch die rechte Hand "verbogen".  Den Rest des Abends, bzw. der Nacht, verbrachte ich dann im Cockpit mit einem guten Buch und diversen Gin & Tonics.  Eine Literflasche Gin kostet hier nämlich nur € 3,86! 
 
Glücklicherweise gibt es ja nicht nur Streß, obwohl mir da manchmal meine Zweifel kommen.  Wir lernten Rene & Nadine von der HALLIE aus Südafrika kennen und verbrachten viele schöne Stunden zusammen.  Auch trafen wir den Malaysier Abraham, ursprünglich aus Pinang & viele Jahre lang als Seemann tätig gewesen.  Er ist ein Großvater, sieht auch so aus, ist aber tatsächlich nur wenig älter als ich.  Wir verstanden uns auf Anhieb gut, er fuhr uns überall auf der Insel herum und bald waren wir beste Freunde.  Wenn all diese Leute nicht wären, dann würden wir diesen Lebensstil über kurz oder lang an den Nagel hängen.  So aber sind sie immer wieder ein Anreiz weiter zu machen.  
 
Sich hier niederzulassen scheint allerdings für die meisten Ausländer gar nicht so gut zu sein.  Das Leben ist spottbillig (wir drei können hier relativ problemlos für € 150 im Monat leben), die Sonne brennt heiß vom Himmel, der Strand & die Palmen sind so, wie man es aus den Touristenprospekten kennt  --  aber dieses einfache Leben so ganz ohne Arbeit & Zukunft verleitet zum totalen Nichtstun, zur Lethargie und vor allem zum Saufen.  Ted & Adrienne von MOMENTUM, die wir schon in Darwin kennengelernt hatten & die zwei Kinder an Bord haben, reden sogar von "Death Row".  Die meisten Leute planen bis ans Ende ihres Lebens hier zu bleiben, eben weil es hier so billig ist, sie nie wieder arbeiten müssen und sich ein Leben in Europa, Nordamerika, Australien oder so gar nicht mehr so richtig vorstellen können.  Auch wenn sie in echter Armut leben, langsam aber sicher alle ihre Zähne oder auch mal ein Bein verlieren, auch wenn sie als Landstreicher ihr Leben fristen müssen.  Auch wenn die Einsamkeit sie um den Verstand bringt.  Und bis jetzt hat kein Einziger, weder hier noch in Indonesien, es sich selbst eingestanden, daß es vielleicht doch besser wäre, seine Zelte abzubrechen, um es noch ein mal in der alten Heimat oder auch anderswo zu versuchen. 
 
Das erschreckt uns, vor allem mich.  Wenn ich nun auch eines Tages in diese Falle gerate?  So wenig ich die Idee liebe, irgendwo wieder eine Firma aufzubauen und zu arbeiten, so ziehe ich es doch vor, bis ans Ende meines Lebens zu arbeiten als hier so armselig dahinzuvegetieren.  Schon jetzt stört es mich, daß meine Freunde immer weniger werden.  In Neuseeland gab es noch Schelmi & Isabelle (WAKATAITEA), Roy (SEA LOONE) und ein paar andere Leute, die wirklich auf unserer Wellenlänge waren, aber jetzt sind wir wieder in den Ecken der "Second Lifers" (wie Holger von der PYTHEAS IV sie nennt) gelandet.  Gerade gestern waren wir auf so einem gemeinsamen Abendessen der "Cruisers" und mußten feststellen, daß wir so gut wie gar nichts mit den Leuten gemein haben.  Hilft natürlich auch nicht, daß einige von den Männern Gloria ewig lange unverschämt anstarren, anzügliche Bemerkungen machen (z. B. "Pussy-power doesn't work around here!"), man entweder total ignoriert oder von blutigen Anfängern belehrt wird wie man es zu machen hat.  Da mußte ich dann (wie schon so oft) an Worte von Bill Gross denken, dessen monatlichen Artikel ich seit vielen Jahren lese.  Leider alles nur auf Englisch, aber hier ist der Link:  http://tinyurl.com/yfejbkt 
 
Vor ein paar Tagen haben wir uns dann für € 8,71 pro Tag ein Auto mit Klimaanlage gemietet & sind auf die andere Seite der Insel gefahren, wo Liping nur eine einmalige Verlängerung für 30 Tage bekommen hat.  Also werden sie & Aurora Ulani am 6. April nach Kuala Lumpur & am Tag danach nach Taipei fliegen, während ich als Strohwitwer hoffentlich gute Fortschnitte am Boot machen werde.  Irgendwann werde dann auch ich per Schnellfähre nach Thailand jetten, denn irgendwann läuft auch mein Visum aus.  Glücklicherweise kann das Boot so lange im Land bleiben, wie man will, so daß es in dieser Richtung zumindest keinen Streß geben wird. 
 
Das Vorsegel ist inzwischen beim Segelmacher, der Rigger kommt Dienstag, um die Rollreffanlage zu insten & der Mechaniker hat auch schon die Kurbelwellendichtung bestellt.  Es geht also voran!  :-)
 
So, jetzt werde ich mir gleich einen Sundowner mixen & vielleicht noch Abraham anrufen, der mit seiner Frau aus Thailand bei uns vorbei kommen wollte.  
 
Ciao for now!
 
Aurora Ulani, Liping & Holger
 
 
Tel: +60175767958 

Wednesday, February 10, 2010

Grüße aus Singapur

Als wir gerade in die Strasse von Singapur einbiegen wollten, wurde ich während meiner Freiwache von Liping geweckt.  Sie wußte nicht so recht, ob wir mir einem Schiff auf Kollisionskurs waren.  Ich war sofort hellwach, denn nur vor ein paar Tagen hatte sich folgendes abgespielt.  
 
Obwohl wir außerhalb der Schiffahrtsstraßen segelten, kam ein Frachter langsam aber sicher immer näher.  Da mir das nicht gefiel, rief ich ihn über Funk an und fragte ob er uns wohl auf seinem Radar sehen könnte.  Er bejahte und meinte uns deutlich an Steuerbord sehen zu können  --  wir waren aber an Backbord.  Ganz schlechte Nachrichten.  Natürlich hatten wir unsere Positionslichter an, aber der Knabe hatte sie offensichtlich nicht gesehen.  
 
Ich sah sofort, daß der Kahn uns übermangeln wollte und riß das Ruder hart nach Steuerbord.  Der Kahn rauschte *sehr* dicht an uns vorbei und Liping fing ganz mächtig an zu zittern.   
 
Als es hell wurde, sahen wir dann auch, daß die Schiffe dicht an dicht bis zum Horizont lagen.  Dagegen war die Anfahrt zum Panama Kanal das reinste Hinterwäldlerdorf...  Immerhin schienen sich die Schiffe in der Strasse von Singapur an die Schiffahrtsstraßen zu halten, was in Indonesischen Gewässern so gut wie nie der Fall war.  Als wir das herausgefunden hatten, war alles eher einfach. 
 
Wir ankerten außerhalb der Nongsa Point Marina und erforschten die Lage mit dem Beiboot.  Für 100 Ami-Taler konnten wir zwei Wochen bleiben, was unglaublich billig ist, wenn es um ein 4-Sterne Ressort mit Yachthafen geht.  Nicht nur das:  Auch die Leute waren immer freundlich, lächelten viel und waren stets hilfsbereit.  Das sah bei der Marina in Bali ganz schön anders aus und außerdem war jene auch noch ausgesprochen teuer.  (Dort hatten wir statt dessen ganz hinten im Hafen von Benoa geankert.)  Wir säuberten unsere Wassertanks, das Unterwasserschiff und hatten auch sonst immer genug zu tun, bevor wir nach Singapur ausklarierten. 
 
Die Überfahrt verlief problemlos & als wir bei Angler Point per Funk nach der Einwanderungsbehörde riefen, ließen diese nicht lange auf sich warten.  Sie kamen mit einem kleinen Boot vorbei, holten mit einem Kescher unsere Pässe ab und schon kurze Zeit später konnten wir weiter fahren.  Ankern wäre ganz ausgeschlossen, meinten sie, so daß ich den Hafenmeister über Funk fragte, ob wir denn wenigstens Segel setzen dürften, um nicht im Dunkeln anzukommen.  Durften wir. 
 
Als wir beim Changi Sailing Club angekommen waren, hängten wir uns sofort an eine Muring und befanden gleich, daß wir an einem hübschen Plätzchen gelandet waren.  Nach einem kurzen Fußmarsch den Hügel hoch, kommt man zu einem parkähnlichen Gelände, das von tropischer Vegetation beherrscht wird.  Beos, Kakadus und Sittiche fliegen durch die Gegend und erfüllen die Luft mit ihrem Klang.  Während es zur Stadt der Wolkenkratzer auch nur eine Busfahrt ist, fühlt man sich hier an ländliche Stille erinnert. 
 
"Aber halt!" dachte ich.  Man soll sich nie auf den ersten Eindruck verlassen, zumal Touristen ja immer wieder auf diese extra für sie bereitgehaltenen Kulissen hereinfallen.  Wie könnte es auch anders sein, da sie ja diese Gegenden so gut wie nie verlassen?  Wir haben Segler kennengelernt, die jahrelang an einem Platz gelegen haben, ohne auch nur den blassesten Schimmer der dort herrschenden sozialen Probleme zu haben. 
 
Doch unser Gefühl trügte uns nicht.  Natürlich hat Singapur wie jedes andere Land auch seine eigenen Schattenseiten, doch war der positive Aspekt weitaus stärker.  Ich hatte 1982 ein ähnliches Erlebnis gehabt, als ich zuerst nach Taiwan zog.   Damals hatte das Land eine überaus negative Presse weltweit und ich war gar nicht so begeistert von der Idee, dort ein halbes oder ein ganzes Jahr zu bleiben, um mein Chinesisch zu verbessern.  Statt dessen verliebte ich mich in dieses Land und betrachte es jetzt als meine eigentliche Heimat. 
 
Hier entdeckten wir viele Gemeinsamkeiten mit Taiwan, wenn auch mit mehr tropischem und multikulturellem Beigeschmack.  Zu allererst wurden wir von den Chinesischen Mitgliedern des Segelclubs unter ihre Fittiche genommen.  Der Manager, Edward, und sein guter Freund Kit nahmen sich ganz von Anfang unser an und bemühten sich in jeglicher Weise uns willkommen zu heißen und zu Hause zu fühlen.  Dann stellten sie uns dem Rest der Bande vor.  Einige sind recht wohlhabend und stellen sicherlich nicht die Norm der Gesellschaft in Singapur dar.  Andere sind ganz normale Mittelklasse und noch andere sind einfache Arbeiter.  Und alle haben immer versucht uns in ihre Aktivitäten mit einzubeziehen oder uns irgendwie behilflich zu sein. 
 
Vielen Dank, Changi Sailing Club!
 
Wie schon so oft, waren wir wieder einmal durch puren Zufall genau an der richtigen Stelle gelandet.  Die meisten Leute im Klub sind hauptsächlich an Regatten interessiert und in der ganzen Zeit hier haben wir nicht einen einzigen ausländischen Yachtie gesehen.  Diese segeln meist an Singapur vorbei ("Es ist sowieso einfach alles verboten in Singapur!"  --  Welch reiner Medienquatsch!) oder bleiben in den Yachthäfen für wahrhaft reiche Leute.  Und so sind diese Leute hier sehr viel mehr an unserem Lebensstil interessiert, als sie es sonst wären. 
 
Einer der Mitglieder, Henry, erzählte uns, daß sein Schwager für das Fernsehen hier arbeitet und fragte ob es in Ordnung wäre, wenn er ihm unsere Telefonnummer geben würde.  Natürlich war es das!  Also rief Derek Goh kurze Zeit später an, ein Treffen wurde vereinbart und kurze Zeit später fingen die Filmarbeiten für einen halbstündigen Dokumentarfilm an.  Obwohl wir mit solchen Dingen schon gewisse Erfahrungen in Taiwan gemacht hatten, waren wir doch angenehm überrascht ob der Professionalität und des Engagements des Fernsehteams hier. 
 
Später fanden wir dann heraus, daß Derek Goh ein preisgekrönter Direktor/Producer ist, dessen Arbeit mehr oder weniger sein ganzes Leben ist.  Er sagte uns, daß er über die "Ratings" und Karriereüberlegungen hinausgewachsen sei und es ihm inzwischen einzig und allein darum ginge, wirklich GUTE Dokumentarfilme zu produzieren.  Er gab uns ein paar Youtube-Links, so daß wir uns einige Filme ansehen konnten.  Sie waren wirklich ausgezeichnet und Liping & mir kamen die Tränen.  Liping hat sich viele Stunden mit ihm unterhalten, wobei sie bemerkte, daß es ihm selbst auch nicht anders ging, wenn er über einige Episoden berichtete.  Solche Leute trifft man nicht so oft & wir ziehen auf jeden Fall unseren Hut vor ihm und schätzen uns glücklich ihn getroffen zu haben.     
 
Leider gehen solch gute Zeiten immer allzu schnell zu Ende.  Die Einwanderungsbehörde verweigerte eine weitere Verlängerung des "Landing Passes" (14 + 30 Tage insgesamt) und auch in Malaysia bekam Liping nur ein Visum für 14 Tage.  Dabei hatten wir eine größere Überholung in Langkawi geplant!  Vielleicht haben wir aber Glück und bekommen eine etwas großzügigere Verlängerung dort oder wir müssen es in Phuket versuchen.  Aber immerhin dürfte es nach Singapur ein wenig billiger werden, zumal wahrscheinlich keine so nette Bar nur wenige Meter von unserer Muring entfernt liegt.  ;-) 
 
Der "Tuesday Report" sollte irgendwann Ende April 2010 auf dem Kanal 8 von Mediacorp (Singapur) herauskommen und sobald ich die Youtube-Links habe, werde ich versuchen sie hier einzubringen.  Wir werden es erleben...  Ansonsten wird der Törn nach Langkawi/Phuket sicherlich ganz anders werden als sonst.  Zwei der großen M12-Bolzen an meiner Backbord-Pütting sind abgeschert, so daß sich die Pütting selbst nach außen verbogen hat.  Ich habe die Bolzen ersetzt, je vier Unterlegscheiben zwischen Rumpf und Petting gepflanzt und den Spalt zwischen Rumpf und Pütting zusätzlich mit Epoxid und Mikroballons zugekleistert.  Trotzdem müssen wir nun sehr vorsichtig sein, bis wir diese Geschichte vernünftig repariert haben.  Dazu kommen noch die vielen Netze, die hier an der Küste ausliegen, so daß uns mehrfach geraten wurde, nicht des Nachts zu segeln.  Zu guter Letzt kommt dann noch eine starke Gezeitenströmung, die es geraten sein läßt, vor Anker zu gehen, wenn die Tide gegen einen ist.  Au Backe!   
 
Um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein, habe ich zwei weiter 25 Liter Dieselkanister gekauft, so daß wir jetzt 520 Liter Sprit an Bord haben.  Damit könnten wir eine Maschine mit niedriger Drehzahl volle zwei Wochen lang laufen lassen.  Doch keine Angst!  Auch jetzt planen wir keineswegs zu "Diesel-Seglern" zu werden.  Wie immer werden wir wahrscheinlich das allerlangsamste aller Boote sein und natürlich erwarten wir, daß uns der nächste Landaufenthalt genauso gut gefallen wird wie dieser hier.  Wie Karl & Libu von der ROSINANTE einmal sagten:  "Uns gefällt es überall!"
 
Phone:  +6583019317

Thursday, February 04, 2010

New Addresses for Blogs / Neue Blog-Adressen -- Greetings from Singapore (Changi Sailing Club)

Since Blogger.com will stop support for FTP publishing, I had to find a new home for our blogs.  The links are down below.
 
 
http://YehLiping.blogspot.com/ (Chinese/Chinesisch)
 
Da Blogger.com demnächst kein FTP mehr unterstützt, war ich gezwungen ein neues Zuhause für meine Blogs zu finden. 
Wird fortgesetzt unter folgender Adresse: http://DharmaBumIIIReise.blogspot.com/

Saturday, December 19, 2009

//WL2K Weihnachtsgr=?ISO-8859-1?Q?=FC?=sse von der DHARMA BUM III in der South China Sea :-)

Liebe Freunde!

Fröhliche Weihnachten und einen Guten Rutsch ins Neue Jahr!

Seit über vier Jahren sind wir nun schon mit unserem Boot unterwegs & haben dabei viel gesehen. Wenn ich den Globus in die Hand nehme, kann ich inzwischen unsere Ausgangsposition und unseren derzeitigen Aufenthaltsort gleichzeitig betrachten.

Für die Calvert-Schule muß Aurora Ulani gerade über ihr eigenes Leben schreiben, wobei uns auffiel, wo sie immer ihre Geburtstage (geb. 30.12.2003) gefeiert hat.

1. Taiwan
2. Tortola, BVI
3. Panama
4. Kiribati (damals gab es noch Passatwinde...)
5. Deutschland (Boot lag in Neuseeland)
6. Indonesien oder Singapur

Wir sind ja mal gespannt wie lange sie immer in einem neuen Land Geburtstag feiern kann.

Das letzte Jahr war höchst spannend. Als wir von dem Besuch bei meinen Eltern zurück nach Whangarei kamen, lag natürlich erst einmal jede Menge Arbeit an. Dabei gefiel es uns auf der Werft Norsand recht gut & wir haben viele neue Freunde kennengelernt. Seitdem spukt uns Neuseeland doch recht häufig im Kopf herum, denn es gehört inzwischen zu den Ländern, wo wir uns eventuell niederlassen könnten.

Die Abfahrt war allerdings ein wenig zu dramatisch, denn nach etwa fünf Tagen kamen wir in schlechtes Wetter mit Windgeschwindigkeiten bis zu 58,6 Knoten. Das konnte unser Bimini nicht ab & verabschiedete sich. Ansonsten hatte DHARMA BUM III überhaupt keine Probleme. Wir lieben das schlechte Wetter überhaupt nicht, aber so lange wir selbst keine groben Fehler machen, müßte das Boot fast jedes Wetter problemlos meistern.

Nach 38 Tagen non-stop kamen wir über Vanuatu & Neukaledonien in Darwin an, wo erst einmal wieder Pause angesagt war, da wir uns die Visa & das Cruising Perit für Indonesien besorgen mußten. Die Dinger sind nicht nur extrem nervig, sondern werden auch immer teurer. Man muß damit rechnen, insgesamt so um die 500 Taler (US$) rauszurücken.

Unsere Tochter war sehr beeindruckt vom Territory Wildlife Park, wo fast all die Tiere zu sehen waren, die es in der Gegend so gibt. Hauptattraktionen waren ein großes Salzwasserkrokodil, Süßwasserrochen, Wallabies (kleine Känguruhart), das Aquarium & das Vogelhaus.

Auch griffen wir wieder einmal tief in die Tasche & kauften uns einen 37 Liter Waeco CoolFreeze, da unser alter Kühlschrank zwar noch wunderbar Eiswürfel machte, aber die Milch und alles mögliche andere andauernd schlecht wurde. Den benutzen wir jetzt als "Gemüsekühlschrank", was unerwarteterweise zu noch besserem Essen an Bord führte. Da wir inzwischen zwei Braugefäße an Bord haben, ist Bier ja sowieso kein Problem.

Weiter ging's zum Ashmore Reef, wo wir vor einer unbewohnten Insel lagen, schnorchelten und viele Tiere beobachten konnten. Beim Schnorcheln begegnete ich einem Hai, einer Schildkröte und allen möglichen anderen Viechern. Die haben mich seit eh und je schon besonders fasziniert. Aurora ist da übrigens ganz genau so drauf!

Unvergeßlich blieben auch die Jungs vom dort stationierten Zollkreuzer, die unvergleichlich hilfsbereit und spendabel waren.

Aber wir mußten weiter, denn dort ist immer noch Wirbelsturmgebiet. Wir zuckelten also extrem langsam weiter gen Bali, denn Wind gab es so gut wie keinen und wir halten nichts davon, immer gleich das Röcheleisen anzuschmeißen.

Dort hatten wir richtig Spaß mit der Gezeitenströmung, denn die war dermaßen stark, daß wir selbst mit zwei Motoren nicht dagegen ankamen. Wow! Irgendwie klappte es dann aber doch, nämlich nachdem die Tide in die andere Richtung ging. Die Einfahrt war der helle Wahnsinn, denn um uns herum waren unzählige Schiffe, Boote, Jetskis, Touristendampfer & so eierten wir im Zickzack durch den ganzen Verein, wobei zumindest mir das Herz wieder einmal bis zum Halse schlug. Welch ein Chaos!

In Bali blieben wir nur etwa einen Monat, denn wir waren vorher schon zwei Mal da gewesen & wollten weiter. Wieder lernten wir neue Freunde kennen, die uns ganz neue Einblicke in das Leben in Indonesien gaben. Liping meinte schon, daß sie jetzt ihre Mutter (in Jakarta aufgewachsen) viel besser versteht als ehedem. Ich persönlich war doch ein wenig geschockt, ob der in Indonesien herrschenden Armut und Korruption. Bahar & Hari erzählten da wirklich haarsträubende Geschichten. Beide sind früher Seeleute gewesen & berichteten von Booten, die sie auf dem Meer treibend gefunden hätten, kein Mensch mehr an Bord & alles ausgeschlachtet. Selbst die Maschinen waren nicht mehr drin. Ursprünglich aus Jakarta, sind sie beide ob der katastrophalen Zustände dort nach Bali geflohen.

Als wir dort ausliefen, waren wir mit Hunderten und Aberhunderten von traditionellen Outrigger-Segelbooten konfrontiert, die dazu noch ohne jegliches Licht durch die Gegend fuhren. Ungleich viel mehr Verkehr als selbst am Panama Kanal. Die Nachtwachen wurden anstrengend - uns sollten es während der ganzen Zeit in Indonesien auch bleiben. Außerdem treiben unzählige Baumstämme und ähnliche Sachen in der Gegend herum.

Eigentlich wollten wir dann nach Borneo und die Orang Utans betrachten. Doch hatten wir nicht mit dem Wetter gerechnet. Erst einmal gab es grundsätzlich Gegenstrom & dann etwa 10 Tage Flaute. Dann kamen wir nicht um das Horn von Kumai herum & schließlich bemerkten wir, daß weder Visa noch Cruising Permit für diese Aktion langen würden. Sehr schade, denn darauf hatten wir uns wirklich gefreut.

Dann kamen die "Licht-Fischer", die rings um ihr Boot extra-starke Halogenscheinwerfer angebracht haben, mit denen sie in der Nacht die Fische anlocken. Bis zu 30 Stück um uns herum, dazu andere Fischer, Fähren, Frachter und ab & an auch mal ein Kreuzfahrtschiff. Unser Kutter war oft mitten in der Nacht hell erleuchtet. Bei dem Verkehr beschlossen wir eine enge Stelle weiträumig zu umfahren, denn außerdem war das Wetter eher bescheiden & die Strömung war stark.

An Borneo gerade vorbei geschrammt, bekamen wir dann auch das erste Mal wieder echtes Äquatorwetter zu spüren. Tagelang Gewitterböen mit bis zu 45 Knoten (Sumatras?) und ständig bedecktem Himmel. Dazwischen so gut wie gar kein Wind. Natürlich war gerade Neumond und die Nächte waren stockdunkel, so daß man nicht sehen konnte, ob eine Bö im Anmarsch war oder nicht. Was blieb uns anderes übrig, als nachts zwei Reffs einzubinden & die Rollfock teilweise aufzurollen...

Es sieht fast so aus, als ob wir Weihnachten, Aurora Ulanis 6. Geburtstag und Neujahr auf See verbringen werden. Dann irgendwann ist Singapur angesagt, schließlich Malaysia & Thailand. Und auch eine größere Renovation unseres Dampfers, denn so wie er ist, traue ich mich nicht nach Chagos, Madagaskar & um das Kap der Guten Hoffnung zu segeln.

Liping & Aurora sind wohlauf, die Kleine macht wahnsinnige Fortschritte in der Schule & ist tatsächlich voll dreisprachig. Verstehen, Sprechen, Lesen, Schreiben. Am besten spricht sie Chinesisch, lesen & schreiben kann sie am besten auf Englisch & ich habe ihr vor kurzem "Der kleine Hobbit" sowie "Der Herr der Ringe" in deutscher Übersetzung vorgelesen. Nun redet sie andauernd von Elben, Zauberern, Zwergen, Orcs, Trollen & Balrogs. Ist schon lustig.

Meine beiden schönen Mädels werden mich demnächst für einige Zeit verlassen, um endlich mal wieder die Familie in Taiwan zu besuchen. Ich selbst plane am Boot zu arbeiten, was sowieso am besten geht, wenn ich alleine bin.

Nun sind wir ganz gespannt, was das nächste Jahr so bringen wird & hoffen, daß es für Euch ein unschlagbar gutes Jahr wird.

Hier kann man unsere derzeitige Position einsehen:

http://www.pangolin.co.nz/yotreps/tracker.php?ident=WDC7641

Neuigkeiten gibt es hier:

http://mail.im.tku.edu.tw/~jacobsen/blog/reise.html

Viele liebe Grüße von den drei Dharma Bums

Aurora Ulani, Liping & Holger Jacobsen
-----
At 12/19/2009 1:32 PM (utc) our position was 00°03.52'N 107°38.36'E

Thursday, October 29, 2009

Ashmore Reef

Wir segeln gerade zwischen zwei Oel-Foerderplatformen bei Jabiru durch & die Timor See ist hier nur so um die 100 Meter tief. Ueberhaupt erinnert die Segelei hier eher an eine Hafenrundfahrt. Es gibt keine wirkliche Ozeanduenung, jeden Tag kommt ein Flieger der CoastWatch vorbei und auch sonst geht hier alles sehr zivilisiert zu. :-)

Slipmaster Kevin von Norsand schrieb, dass die AUSTRALIS, die mit uns zusammen dort an Land stand, inzwischen schon Kap Horn passiert hat. Als ich erstaunt zum Globus griff, sah ich dann auch, dass es von Whangarei bis zur Suedspitze Amerikas auch nicht weiter ist als von Whangarei nach Bali. Die Welt ist irgendwie kleiner geworden... Waere ja auch mal interessant gewesen, in die andere Richtung zu segeln. Das hat Kaspar von der CELUANN uebrigens vor, denn er will unbedingt wieder zurueck in den Pazifik. Aurora haelt ebenfalls sehr viel von einer Umkehr, denn sie schwaermt nach wie vor vom "Territory Wildlife Park", wo es so viele Tiere gab.

Wir dagegen planen zum Ashmore Reef zu segeln, um dort ein paar Tage Pause zu machen. Liping meint, wir waeren zu faul & zu langweilig, denn wir segeln ja immer nur und halten selten irgendwo an. Da hat sie natuerlich Recht. Ich haette es frueher nie fuer moeglich gehalten, aber inzwischen gefallen mir die langen Segeltoerns wirklich am besten. Ist irgendwie fast einem Urlaub aehnlich, denn sobald der Anker unten ist, geht es immer gleich los mit dem Stress. Beiboot & Aussenborder muessen klariert werden (ein Tag Arbeit), Behoerdenkram muss erledigt werden (noch ein Tag), Proviant, Propan, Diesel, Wasser usw. usf. muessen gebunkert werden (viele weitere Tage), Materialien fuer's Boot muessen gekauft werden, Reparaturen sind eigentlich fast immer faellig und so geht schnell ein Monat vorbei. Nur auf See hat man gar keine Zeit fuer all diesen Unsinn. Solange das Wetter halbwegs mitspielt, ist das Leben wirklich angenehm.

Morgens ist erst einmal Unterricht fuer Aurora Ulani faellig, dann gibt es bald Mittag & die taeglichen Navigationsuebungen. Nachmittags folgt meist ein kleines Nickerchen, es sein denn "die Brauerei" nimmt mich in Anspruch. Die Kosten sind ueberhaupt frecherweise auf 12 ¢ (Ami Taler) fuer ein grosses Glas Bier gestiegen. Liping sagt schon, dass es langsam Zeit wird, dass wir in das Land des Mekong Whiskys (Thailand) kommen. <Grins> Dort planen mich meine beiden Huebschen voruebergehend zu verlassen, um mal wieder die Oma in Taiwan zu besuchen.

So, nun muss ich langsam Schluss machen, denn meine Batterien sind schon wieder bei 12,35 Volt angelangt. Trotzdem werde ich versuchen es strommaessig bis zum Sonnenaufgang auszuhalten.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Gestern haben wir das Beiboot klariert & waren hinterher schwimmen. Dabei bemerkten wir, dass unsere Glasfiberreparaturen in Neuseeland nicht erfolgreich waren. Ausserdem haben wir mal wieder eine ganze Menge Wasser im Saildrive - und zwar in dem, der von den Volvo-Fritzen repariert wurde. ;-(
Heute morgen dann zu einer unbewohnten Insel im Ashmore Reef Naturschutzpark & heute nachmittag ein weiteres Mal. Das erste Mal war gerade Ebbe & wir konnten einen zehnarmigen orangeweiss gestreiften "Rennseestern" und zahlreiche Einsiedlerkrebse mit blauen Augen beobachten, die ausschliesslich in Turmschnecken hausten und immer im flachen Wasser blieben. Beim zweiten Mal war Flut und dieses Mal fanden wir diverse Nautilusschalen, Sepia, ein Wrack von einem Holzboot und konnten zahlreiche Einsiedlerkrebse mit schwarzen Augen betrachten. Diese leben in runden Schneckenhaeusern und leben hauptsaechlich an Land. Neun davon stolzieren jetzt im Cockpit herum, wo sie von Aurora betreut werden. Ein grosser heisst Opa und ein noch groesserer Urgrossvater. :-)

Nach Einbruch der Dunkelheit planen wir ein weiteres Mal auf die Insel zu gehen, um zu versuchen die Schildkroetenbabies beim Schluepfen zu beobachten. Wer weiss, vielleicht haben wir ja Glueck! Sonst bleiben wir einfach ein paar Tage laenger hier. Ist doch viel interessanter als die "kommerziellen" Drachen (Warane) auf der Insel Komodo. So nennt Liping die Viecher, seit sie eine Touristenattraktion geworden sind.

So, jetzt will ich erst einmal schnorcheln gehen, denn sonst wird es zu spaet!

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Bei Einbruch der Dunkelheit waren wir tatsaechlich los, um bei Ebbe ein weiteres Mal zum West Island vom Ashmore Reef Naturschutzpark an Land zu gehen. Im Beiboot leuchteten zwei Solarlampen & wir liessen es in flachem Wasser vor Anker zurueck. Bald sahen wir silberfarbene Strandkrabben duch die Gegend flitzen, die von unseren Kopflampen (nur eine LED) ganz geblendet stehen blieben. Auch eine weitere an Land lebende Sorte grosser roter Einsiedlerkrebse konnten beobachtet werden. Es wimmelte direkt vor Leben. Nur Schildkroetenbabies suchten wir vergeblich und bald war es Zeit zum Dinghy zurueck zu wandern, denn die Flut kam.

Das Ganze wurde dann recht dramatisch, da Aurora nicht mehr laufen konnte & ich schon befuerchten musste, die Nacht auf der Insel zu verbringen. Am Ende fiel ich dann in Laufschritt, um das Beiboot zu holen & kam dort an, waehrend es im flachen Wasser duempelte. Das war genau das richtige Timing, denn kurz darauf fing das Wasser an ernsthaft zu steigen.

Freitag durfte ich dann mal wieder eine Luke insten, wobei mir der Dremel sehr nuetzlich war. Abends kamen die Jungs vom Zoll auf ein Bier vorbei, denn ich wollte mich dafuer bedanken, dass sie zu uns raus gefahren waren und uns auch bis zur Muringboje gelotst hatten. Beim Zoll gibt es im Gegensatz zur Marine ueberhaupt gar kein Bier an Bord, so dass die Zoellner sich sehr ueber mein selbst gebrautes Dunkelbier gefreut haben. Zwischendurch waren wir immer mal wieder am Strand oder am Riff schnorcheln. Ausser einem Hai habe ich auch eine Meeresschildkroete getroffen. Vor lauter Erstaunen bruellte ich "Coooool!" in meinen Schnorchel, was diese zum Anlass nahm einen weiten Bogen um mich zu machen.

Die ganze Zeit hier litt ich unter Kopfschmerzen, Gleichgewichtsstoerungen und Sehschwierigkeiten, so dass ich auch jetzt noch nicht 100%ig fit bin. Aurora ging es natuerlich blendend & Liping fing sich einen saftigen Sonnenbrand ein.

Sonnabend musste ich erst einmel zwei Ventilatoren insten bzw. ersetzen, denn bei 40°C im Schatten war es den Maedels denn doch zu warm in ihrer Kabine. Bei der Toilette war ich nicht so erfolgreich, denn Liping in ihrem Ueberschwang hatten das Edelstahlrohr (!) abgebrochen und ohne Werkzeug bekam ich es nicht aus der Pumpe heraus. So benutzen meine beiden Schoenen nun auch die hintere Toilette. Wie gut, dass wir nicht nur eine haben!

Die Zoellner kamen wieder vorbei, um uns eine Kiste mit Sprudel und Suessigkeiten zu bringen. Eigentlich wollten sie uns auf ihren Zollkreuzer einladen, aber das ging nicht, da die Marine gerade da war, um ein Boot mit illegalen Einwanderern abzufangen. Wir hoerten die Navy-Jungs ueber Funk: "Stop your illegal activities immediately! You are breaking Australian law!" Ausser der Marine waren auch noch etliche Flieger am Himmel und so waren die Jungs voll beschaeftigt. Das Einwandererboot wurde inzwischen verbrannt & die Leute werden zu Christmas Island zu einem Fluechtlingslager gebracht. Etliche Navy-Fritzen schlafen nun auf dem Zollkreuzer.

Auch ansonsten war einiges los. Wir trafen einen Kameramann, einen Wissenschaftler und deren Assistenten, denn eine der benachbarten Foerderplattformen hat ein Leck und nun haben alle Muffe, dass das Oel hier auf's Riff treibt. Die Oelfirma hat die Jungs hier rausgeschickt, extra ein Schiff angeheuert und schon ueber 10.000 Liter Diesel fuer dieses Projekt verbrannt.

Am Sonntag dann habe ich mich daran gemacht, das Beiboot und den Aussenborder wieder hochzuholen und vernuenftig zu sichern. Maschinen versorgen, auf die Flut warten und schon ging es wieder los in Richtung Bali. Unsere Karten der Lagune waren eindeutig falsch (dabei sind sie von 2005) und einmal wurde es verdammt flach, obwohl wir versuchten genau nach den GPS Koordinaten (Track) zu fahren auf denen wir hereingelotst wurden. Ueber Funk verabschiedeten wir uns noch beim Zoll und nun schaukeln wir hier wieder ohne Wind in der Gegend rum.

Da die Motoren ja nun beide fluegellahm sind, wird es wohl noch eine ganze Weile dauern, bis wir in Bali ankommen. Das macht allerdings so gut wie gar nichts, denn wir haben genuegend Vorraete, Wasser und so. Und eMails kann ich zur Zeit auch nur an Leute schicken, die mir in letzter Zeit geschrieben haben, da aufgrund eines doppelten Computer-Malheurs alle eMail Adressen futsch sind.

Die letzten paar Tage muessen wir im Dunklen besonders aufpassen, denn hier fahren ueberall kleine Indonesische Fischerboote aus Makassar herum. Komplett ohne jegliches Licht.

-----
At 10/29/2009 12:15 PM (utc) our position was 10°29.54'S 119°19.37'E

----------
radio email processed by SailMail
for information see: http://www.sailmail.com

Saturday, August 01, 2009

Holli068/2009 - So., 2.8.'09

Moin to Hus, Sonntag, der 2. August 2009

Heute sind wir drei Wochen auf See.

Die letzte Nacht verlief hier eher aufregend. Wir segeln immer noch in der Südpazifischen Konvergenzzone, will heißen Wolken, Regen & stürmischer Südostpassat. Den Nachmittag hatte ich damit verbracht 26 Literflaschen zu sterilisieren, was bei dem Gewackel ungeahnten Muskelkater zur Folge hat. Man muß sich ja bei jeder Welle irgendwo abstemmen, um den Mist nicht überall zu verschütten. Alles will immer umkippen und schwappt generell durch die Gegend. Auf meiner Nachtwache war ich dann auch ziemlich K.O. und konnte nur noch an Schlaf denken.

Wie so oft surften wir auf einer Welle mit über 10 Knoten durch die Gegend, als auf einmal lautes Geschepper aus der Kombüse und großes Geschrei aus der Kabine meiner Mädels erklang. Aurora war es zu heiß geworden & so hatte sie Liping so lange genervt, bis diese eine Luke nach außen öffnete. Ein folgenschwerer Fehler, denn dieses Mal kam keine Gischt rein - was an sich schon genug Streß verbreitet - sondern richtig viel blaues Wasser. Die beiden schwammen auf einmal in einer salzigen Suppe! Fand ich nicht wirklich Klasse, denn Liping hat auch so schon genug zu tun, zumal Aurora mit 5 1/2 Jahren ja jetzt in die erste Klasse geht. Mit Schultüte! :-)

Doch damit nicht genug. Als ich gegen 1:00 Uhr morgens meine Freiwache antrat und mich auf den wirklich höchst notwendigen Schlaf freute, gab es eine weitere große Welle, die dieses Mal einen massiven Kurzschluß verursachte. Die Spannung fiel in Sekundenschnelle von 12,7 Volt auf etwa
11 Volt ab, der "Low Voltage" Alarm piepte wie verrückt und ich hatte Angst, daß mir der Kahn abfackelt. Außerdem geht ohne Strom auch der Autopilot, der GPS Chart-Plotter, die Pumpen, die Lichter, das Gas, die Funke, der Computer und alles mögliche andere nicht...

Konnte aber nichts finden. Die beiden Rauchmelder blieben ebenfalls still und die Spannung normalisierte sich wieder - nur mit dem Schlaf wollte es nicht so recht werden. Liping meint allerdings, daß der Windgenerator, der seit einiger Zeit Zicken macht, jetzt wieder viel besser lädt. Der Windanzeiger zeigt dafür zur Zeit überhaupt gar nichts mehr an. Ist aber auch nicht wirklich notwendig, so ein Teil. Wenn es zuviel Wind wird, reffen wir ganz automatisch, ganz egal was die Instrumente sagen.

Heute morgen um 7:00 Uhr Ortszeit (20:00 Uhr UTC) ging es ans Netz, wo ich folgendes berichten konnte:

16°53' S, 161°49'O, Kurs 291° (true) mit 7 Knoten, Wind SO 20 Knoten, Welle SO 2,5 Meter, und 8/8 Bewölkung. Barometer 1014 hPa, 25°C und 70% relative Luftfeuchtigkeit. Detlef auf der KIRA VON ZELLE sagte mir, daß Wind und Regen eher noch zunehmen würden, da wir genau in den Kern der Intertropischen Konvergenzzone (ITCZ) hineinsteuern würden. Erst ab Dienstag könnten wir mit einer Wetterbesserung rechnen. Macht aber auch nichts. Wir sind schon ganz froh, daß die "Squalls" hier eher harmlos sind und der Wind immer schön von hinten kommt. Wissen wir auch erst so richtig zu schätzen, seit wir fast ein Jahr im Zentralpazifik verbracht haben.

Das war erst einmal wieder alles aus dieser Gegend.

Wir wünschen einen schönen Sonntag!

Viele Grüße von Aurora Ulani, Liping & Holg
-----
At 8/1/2009 9:08 PM (utc) our position was 16°51.17'S 161°41.87'E

----------
radio email processed by SailMail
for information see: http://www.sailmail.com

Monday, July 27, 2009

Pangolin Position Tracker

Since we left New Zealand our position can be found under http://www.pangolin.co.nz/yotreps/tracker.php?ident=WDC7641 instead of the old link.

Unsere Position ist seit wir Neuseeland verlassen haben unter http://www.pangolin.co.nz/yotreps/tracker.php?ident=WDC7641 zu finden und nicht mehr unter dem alten Link.
-----
At 7/27/2009 7:43 AM (utc) our position was 22°27.50'S 170°33.36'E

----------
radio email processed by SailMail
for information see: http://www.sailmail.com

Wednesday, July 22, 2009

Holg wieder auf See - 26=?ISO-8859-1?Q?=B022.17'S 175=B0?=03.82'O

26°22.17'S 175°03.82'O

Moinsen,

Gerade waren wir wieder im Wasser, so erzählte man uns Horrorgeschichten über einen nahenden Sturm mit bis zu 70 Knoten. Ich hoffte die ganze Zeit, daß unsere Freunde uns wohl ein bißchen erschrecken wollten, aber dem war leider nicht so. Ist schlecht für die Nachtruhe, so was! Doch der neue schwere Bügelanker hielt prima und grub sich immer tiefer in den Schlamm ein. An unserem geschützten Ankerplatz im Fluß maßen wir immer noch 50 Knoten.

Gerade noch in letzter Minute verkauften wir unser Auto & dann hatten wir es plötzlich ganz eilig, denn eines der seltenen Wetterfenster tat sich auf. Dank der "Paihia Bombe", eines Anti-Seekrankheits-Cocktails, ging es uns allen recht gut obwohl die Restdünung des Sturmes den ersten Tag recht holperig machte. Am vierten Tag auf See meinte unser Wetterguru allerdings, daß es "haarig" für uns werden könnte.

So kam es dann auch. Das Wetter wurde schlechter und schlechter und als der Wind kontinuierlich mit 40 Knoten oder mehr blies, holte ich alle Segel runter. Meine beiden Mädels waren furchtbar seekrank, der Windgenerator arbeitete sich lose und das Bimini-Sonnendach hielt der Kraft des Windes nicht mehr statt. In den Spitzen heulte es mit 60 Knoten. Drinnen war alles total naß und das Chaos war unbeschreiblich. DHARMA BUM III hielt sich allerdings ganz wacker und wieder einmal zeigte sich, daß unser Kahn wirklich schweres Wetter sehr gut ab kann. Das Vertrauen in unsere Kiste steigt dadurch immer mehr. Das war der Tag an dem unser Freund Martin in Ilan, Taiwan, ertrunken ist. Für uns war der Spuk glücklicherweise nach nur 36 Stunden vorbei.

Die letzten paar Tage war das Wetter so, wie wir es uns wünschen. Sehr leichte Winde und eine ruhige See. Wir kommen kaum vorwärts, aber darauf legen wir ja - im Gegensatz zu fast allen anderen Seglern - fast gar keinen Wert. Wir waren damit beschäftigt unsere schwimmende Tropfsteinhöhle trocken zu legen und diverse Sachen zu reparieren. Der KISS Windgenerator ist festgelascht, das Bimini ist auch wieder oben und die Maschinen sind gewartet. An der Elektrik habe ich (wieder mal) ein paar Änderungen vorgenommen, denn Strom ist nach wie vor Mangelwaren an Bord.

Jetzt überlegen wir uns gerade, ob wir wie geplant in Richtung Torresstraße, Darwin und Madagaskar weitersegeln sollen. Dann nämlich könnte unsere Weltumsegelung - und damit dieser Lebensstil - schon in einem Jahr beendet sein. Oder aber wir biegen ab in Richtung Asien, um unseren Kahn erst einmal wieder richtig auf Vordermann zu bringen. Die dritte Möglichkeit wäre eine weitere Saison auf den Südseeinseln in Vanuatu und den Solomonen mit unseren Freunden von der WAKATAITEA und der ZANGEZI. Lagerfeuer am Strand, Schnorcheln, freundliche Insulaner und all die Sachen, die wir jetzt schon vermissen, obwohl wir den Pazifik ja noch gar nicht verlassen haben. Eines ist nämlich klar: Wenn wir durch die Torresstraße durch sind, wird es für uns kein Zurück mehr geben. Wieder mal eine schwierige Entscheidung. Vielleicht werden wir sie schlicht und einfach dem Wind überlassen. :-)

Viele Grüße von Aurora Ulani, Liping & Holg - DHARMA BUM III

----------
radio email processed by SailMail
for information see: http://www.sailmail.com

Thursday, April 23, 2009

Endlich wieder im Wasser!

Moin, Donnerstag, der 23. April 2009
35°44.56'S 174°20.96'O

Seit Dienstag (und vier Monaten "on the hard" mit brechend viel Arbeit) sind wir nun wieder im Wasser. War etwas aufregender als geplant, denn aufgrund einer Luftblase im System bekam der Stbd-Diesel kein Kühlwasser mehr und drohte zu überhitzen. Auch danach ging es eher dramatisch weiter, denn das "kleine Leck" an der Logge stellte sich als gar nicht so klein heraus, so daß wir andauernd pumpen mußten. Die Sache ist immer noch nicht geregelt, aber immerhin pumpen wir jetzt nur noch alle zwei Stunden für etwa eine Minute. Drei Tage habe ich mich schon damit beschäftigt & eigentlich sollte ich morgen früh wieder aus dem Wasser. Doch ich ziehe es vor weiterhin Bilgen-Wache zu gehen, denn bei Starkwind auf einer Betonrampe trocken zu fallen ist mir dann doch ein wenig zu haarig. Natürlich haben wir uns um die Visa für Australien, Mauritius & Madagaskar noch gar nicht kümmern können, so daß wir bestimmt noch eine Weile hier bleiben werden.

Ansonsten mußten wir beim großen Supermarkt hier hoch und heilig versprechen, daß wir all die gekauften Sachen nicht in einem eigenen Laden verscheuern wollen. Für die 48 Dosen Homebrew (macht 1248 Liter oder 3744 Dosen Bier :-) hat uns der Manager dort gar einen Extrapreis gemacht, was bis jetzt noch nie gehört wurde. Jetzt ankern wir mit nur 30 Metern neu verzinkter Kette und unserem nagelneuen 27 kg Bügelanker. Würde eigentlich gern mehr Kette stecken, aber der Fluß ist nicht so breit, in der Fahrrinne soll man eigentlich auch nicht liegen und natürlich hat prompt einer direkt neben uns geankert, als wir dieses Plätzchen gefunden hatten. Die nächsten Tage beschäftigen wir uns dann mit dem Leck & irgendwann werden wir dann auch die Visa beantragen. Dann hoch nach Opua und schnell zurück in die Tropen!

----------
radio email processed by SailMail
for information see: http://www.sailmail.com

Saturday, March 21, 2009

Nach wie vor in Whangarei, Neuseeland :-)

Sonnabend, den 21. März 2009

Moinsen,                                                                   

Hier ist alles im grünen Bereich, nur arbeiten wir halt 7 Tage die Woche solange es hell ist. Die Funk-eMail arbeitet inzwischen einwandfrei, die Arbeiten mit Epoxyd sind abgeschlossen, die Ruderanlage wurde komplett überholt, die Saildrives haben wieder Getriebeöl drin, das Schwingmetall am Motor ist wieder in Ordnung & jetzt ist gerade die Rollreffanlage dran. Und unser Wassertank.  Schelmi & Isabelle von der selbst gebauten Wharram Tiki 46 WAKATAITEA hauen demnächst ab, Edmund von der FELICITAS geht auch in ein paar Wochen ins Wasser & Winfried und Ute von der ANNA MARIA fliegen ab nach D-Land. Der Makler hat sich bei keinem von uns je wieder gemeldet. Wir überlegen, ob wir Kurs auf Madagaskar oder Asien nehmen sollen.  In Asien läßt sich besser reparieren, doch würden wir bestimmt wieder sehr lange dort hängen bleiben - und eigentlich wollen wir mal wieder neue Gegenden kennenlernen.  Und natürlich neue Leute!  Sonst weiter keine großartigen Neuigkeiten hier! 

Grüsse von Aurora Ulani, Liping & Holger auf der DHARMA BUM III

Position:  http://www.pangolin.co.nz/yotreps/tracker.php?ident=WDC7641

Monday, December 15, 2008

Leben in Opua & Whangarei

                                                           Sonntag, der 7. Dezember 2008
Breite: 35°19'S Länge: 174°07'O
 
Der im Holzfeuerofen gebratene Schweinebraten beim Trans-Ocean Stützpunktleiter Bäcker-Klaus & seiner Erika schmeckte ausgezeichnet, vor allem das selbst gemachte schwäbische Sauerkraut mit vielen leckeren Gewürzen.
 
Donnerstag war ja dann für mich der große Tag, denn Roy hatte eingeladen in Waipapa den alten Freund von Bernard Moitessier zu treffen.  Henry Wakelam aus England war der Knabe, der Bernard Moitessier mal gezeigt hat, was man alles so machen kann, wenn man zwei fitte Hände & das nötige Wissen dazu hat.  Henry ist ein Handwerker-Genie, ein Tüftler, Bastler & Erfinder.  Und natürlich einer der ganz großen Segler, wie auch seine französische Frau Yannick, die als erste französische Frau um die Welt gesegelt ist, ich glaube sogar Einhand.
 
Als wir über lange und recht zugewachsene Feldwege bei seinem riesigen Grundstück mitten in der Wildnis ankamen, kroch Henry gerade auf allen Vieren in seinem großen Garten herum, denn er untersuchte seine Pflanzen gerade auf Bohrkäfer, mit denen er schon länger Krieg führt.  Wir haben kurz geschnackt & sind dann auf seinem Grundstück spazieren gegangen.  Unten am Wildbach war es wunderbar und wieder einmal fragten wir uns, ob wir nicht nach Neuseeland auswandern sollten.  Später gab es ein überaus gesundes Mittagessen mit Yannick, wobei nur selbst gezogenes Gemüse und ähnliche organische Zutaten verwendet wurden.  Schmeckte wunderbar!
 
Yannick war schwer an Krebs erkrankt und vermutet, daß ihre Heilung auf die Unmengen Naturkost zurückzuführen ist, welche sie seitdem fast ausschließlich zu sich nimmt.  Nach dem Mittagessen haben wir uns verabschiedet, so daß wir einen anderen Freund von Roy besuchen konnten.
 
Ian ist ein Alt-Hippie, der ebenfalls ganz wunderschön mitten in der Wildnis lebt.  Ohne Stromanschluß, Telefon oder sonst irgend etwas.  Dafür gibt es Solarzellen, ein Wasserrad (welches am selbst gebauten Staudamm Strom erzeugt), eine "organische" Toilette und viele ähnliche Sachen.  Alles mit sehr viel Geschmack eingerichtet.  Schön und trotzdem gemütlich.  Auch Ian und seine Frau halten sehr viel von Rohkost & vom naturverbundenen Leben, wobei er aber bei der Arbeit ein echter Könner in Sachen Fiberglas ist.  Jetzt baut er gerade eine große Kuppel - einen geodätischen Dom - um eventuell darin zu wohnen.  Sieht aus wie eine Weltraumstation.
 
Da Aurora Ulani inzwischen im Auto eingeschlafen war, sind wir dort nicht so furchtbar lange geblieben.  Roy spendierte noch ein Bier im Opua Yachtclub & danach saßen wir auf DHARMA BUM III.  Ian wird uns demnächst anrufen, denn er hat uns zum Grillen eingeladen.
 
Freitag feierte Peter von DAKOTA seinen 70. Geburtstag.  Er ist als junger Bursche aus Deutschland weg & segelt seitdem in der Weltgegend herum.  Er & Roy kennen sich & obwohl auch Peter Einhandsegler ist, hat er eine Frau in D-Land, die ihn ab und zu per Flieger besuchen kommt.
 
Am Nikolaustag hielt ich im Auftrage Auroras eifrig nach dem Nikolaus Ausschau, der ihrer Meinung nach mit einem Fliegenden Dinghy unterwegs ist.  Gesehen habe ich ihn leider nicht, aber vielleicht war er es, der morgens um 3:15 Uhr laut röhrend an uns vorbeigefahren ist.  Auf ANNA MARIA erfuhr ich dann, daß der arme Nikolaus Motorschaden gehabt und es gerade noch bis zu Winfried und Ute geschafft hatte.  Er hat dort die Sachen für Aurora Ulani deponiert, hat es aber irgendwie auch noch geschafft auf DHARMA BUM III ein paar Naschsachen in Ulanis Pudelmütze zu verstecken.
 
Da Nikolaustag war, fand in dem "Maori Nest" Kawakawa ein Umzug statt, so daß wir mit Winfried & Ute zusammen dorthin gefahren sind.  Hauptattraktion war eine alten Dampflokomotive, welche mitten durch die Stadt fuhr.  Dann gibt es in Kawakawa noch die von Obergeizhals, Yachtie & Künstler Friedrich Hundertwasser entworfenen Toiletten mit vielen bunten Kacheln zu bewundern.  Wir haben uns einen leckeren Karamel-Eiskaffee mit Schlagsahne gegönnt, um dann nach Waipapa zu fahren.
 
Sonnabend, der 13. Dezember 2008
Breite: 35°44,44'S Länge: 174°21,00'O
 
Schon ist wieder eine ereignisreiche Woche vergangen, in der ich nicht einmal Zeit hatte, eine eMail zu schicken.  Montag abend hatten uns Winfried & Ute zum "Alten Mann" zum Abendessen eingeladen.  So heißt im Volksmund der Klub der Kriegsveteranen.  Solche Klubs gibt es hier in fast jeder Ortschaft und wie es bei den Angelsachsen üblich ist, können nur Mitglieder & deren Gäste dort hinein.  Hinterher haben wir eine Runde Billard gespielt, bei der ich zu meinem großen Erstaunen der Beste von uns vieren war. 
 
Hinterher ging es bald ins Bett, wo ich auch trotz des starken Windes - manchmal heulte es ganz fürchterlich in den Böen - prompt eingeschlafen bin.  Auf einmal sagte Aurora zu Liping:  "Mama!  GPS-Ankeralarm!"  Liping ging raus, um zu checken & weckte mich mit dem Schreckensspruch "Keaigui!  We are dragging!" auf.  So war es auch.  Wir hatten noch ein Riesenglück, denn wir waren haarscharf an Edmunds Katamaran FELICITAS vorbeigeschliddert.  Um 00:30 Uhr warfen wir die Maschine an, aber inzwischen waren natürlich weitere Minuten vergangen und der Tiefenmesser zeigte nur mehr 60 cm an.  Das ist selbst für uns zu wenig.  Der Anker hielt allerdings immer noch nicht & zu meinem großen Horror mußte ich feststellen, daß auch kein Kühlwasser mehr austrat.  Also Maschine aus & erst einmal über Funk gefragt, ob uns wer trotz der späten Stunde helfen könnte.  Ich habe dann das Beiboot zu Wasser gelassen & bin zu Roy auf der SEA LOONE.
 
FELICITAS suchte ich bei dem Wind und Regen vergeblich, denn hier im Ankerfeld braucht man ja kein Ankerlicht zu fahren.  Dafür kamen Winfried & Michael vorbei.  Winfried:  "No Fear!  Hier gibt es keine Steine, da kommt ellenlang nichts als Schlick & somit sitzt Du hier sicher wie in Mutters Schoß."  Liping unterhielt sich derweilen über Funk (via Repeater) stundenlang mit Whangarei Maritime Radio Zulu Lima Mike, die immer wieder wissen wollten wie man DHARMA BUM III buchstabiert & ähnliche Sachen. Mit denen wurde es mir bald zu dumm, denn wir hatten keine Zeit für solchen Quatsch.
 
Am nächsten Morgen habe ich noch vor dem Morgengrauen die Maschinen gecheckt & sie angeworfen, sobald ich irgend etwa sehen konnte, denn die Tide hatte schon wieder gedreht & ich wollte aus dem Modder raus.  Ich holte die beiden Anker hoch - meiner war total mit schwarzem Seegras & festem Lößboden verschmiert, während Roys so schwer war, daß ich ihn kaum hoch bekam - und mußte mehrere Ankermanöver fahren, da mein Delta-Anker nicht halten wollte.  Danach war ich in dem kalten Wasser mit voller Montur & Taucheranzug tauchen, um nach dem Kühlwassereinlaß zu sehen.  Der war aber leider sauber.
 
Später kam Edmund an Bord und holte erst einmal etliche Muscheln, Krebse, Kies & ähnliches Zeugs aus dem primären Kühlwasserfilter.  Kam aber immer noch kein Wasser.  Also hat er mächtig in den Saildrive geblasen und es fing auch langsam an zu blubbern.  Weitere kräftige Trompetenstöße ließen das Blubbern zwar stärker werden, aber dabei blieb es.  Also hat er mit einem aufgebogenen Kleiderhaken im Saildrive herumgestochert und siehe da:  Es sprudelte wieder wie aus einer Quelle und mir fiel ein Stein vom Herzen.  Kein kaputter Impeller und vor allem kein zubetonierter Wärmeaustauscher.  Dafür bekam Edmund so viel Bier wie er wollte und außerdem ein Abendessen von Liping.
 
Am nächsten Tag war ich auch wieder in aller Herrgottsfrühe aktiv, denn Liping hatte am Vortag gehört, daß eine Yacht ein gebrauchtes Funkmodem verkaufen wollte.  Neu kosten die Dinger so um die 1.300 US Dollar (€ 1.000 - Made in Hanau, Germany) und so mußte ich mich ganz schnell informieren, ob das Ding für mich taugen würde & was es denn wohl gebraucht kosten dürfte.  Schließlich einigte ich mich mit dem Mann auf YAMANA auf US$ 600.  Der Ausbau gestaltete sich schwierig.  Ich bin dann wie ein Wilder mit dem Beiboot hin und her geprescht, denn eigentlich hatten wir vorgehabt nach Whangarei auszulaufen, da Slipmaster Kevin bei NORSAND sich am Freitag unser Boot ansehen wollte.  Daraus wurde nichts, denn ich war den ganzen Tag mit diesem Unsinn beschäftigt.
 
Donnerstag war es dann endlich so weit & wir konnten auslaufen.  Es gab so gut wie gar keinen Wind & wir sind ganz dicht an der wildromantischen Küste endlang in Richtung Whangarei gefahren.  Dabei konnte ich drei Mini-Pinguine betrachten, die hier in Neuseeland heimisch sind.  Überraschenderweise bekam ich einen Anruf von meinem Bruder Knud, mit dem ich dann kurz geschnackt habe.  Ich hatte die erste Wache, wobei mir so kalt wurde, daß ich an unsere Notvorräte gehen mußte.  Wir haben nämlich nur noch weniger als eine Flasche vom guten Karibik-Rum, aber ich brauchte dringend einen heißen Grog.  ;-)
 
Morgens waren wir schon fast an der Einfahrt zum Whangarei-Fluß, in den wir gegen Mittag eingelaufen sind.  Die Tide war gegen uns & drehte erst später, so daß wir erst gegen 16:30 Uhr vor NORSAND ankern konnte.  Das "kleine Bächlein", welches ich dort beim letzten Mal erspäht hatte, entpuppte sich als der Whangarei-Fluß bei Niedrigwasser.  Trotzdem habe ich es noch geschafft den Slipmaster zu treffen.
 
Dienstag den 16.12. geht es aus dem Wasser & schon am Sonntag danach steigen wir in den Flieger nach Hamburg.  Wir sind ganz gespannt, denn das letzte Mal waren wir im Januar 1993 im winterlichen Deutschland.  Und für unseren Scheinzwerg (im Gegensatz zum Scheinriesen :-) wird es das erste richtige Weihnachten überhaupt werden.