Monday, November 26, 2007

Die glücklichen I-Kiribati

Moinsen,                                                                Sa., 18. August 2007
 
(Unterwegs von Samoa nach Fidschi)
 
Die letzte Woche war Segeln zum Abgewöhnen.  Windstärken bis um acht Beaufort waren die Regel, mit Böen bis zu 60 Knoten.  Langsam frage ich mich echt, ob mein Anemometer einen an der Macke hat.  Wir surften also mit maximal 11 Knoten durch die Gegend - vielleicht hat das Log auch einen an der Marmel?
 
Bruch gab es genug.  Die oberen beiden Mastschlitten sind hin, eine Umlenkrolle wurde samt Verankerung rausgerissen, unsere Notluke (öffnet nach unten, damit man auf einem durchgekenterten Boot  -  sprich Riesen-Rettungsinsel  -  einfacher rein & raus kommt)  ist im Eimer usw. usf.  Mit voller Besegelung machen wir unter diesen Umständen 150 Seemeilen pro Tag.  Mit zwei Reffs im Groß und teilweise aufgerollter Genua immer noch 140 Seemeilen. 
 
Wie üblich kommen wir im Dunklen und am Wochenende in Suva an.  Habe also das Boot absichtlich verlangsamt & erst einmal in Sachen Fidschi gelesen.  Über die Zyklonsaison bleiben wir entweder in Fidschi oder segeln nach Neuseeland.  Jetzt kachelt es draußen wie Sau & die Regenböen sitzen wie die Perlen an einer Schnur.  In einer Stunde werde ich Liping die Wache übergeben & mich erst einmal aufs Ohr hauen. 
 
                                                                                      So., 19. August 2007
Segeln zum Abgewöhnen (Teil 2)
 
Die letzten sechs Tage waren ja schon eine einzige Abfolge von Böen, Regen & Bruch.  Als ich die Segel barg, brach die Dirk und ein großer Niroschäkel verabschiedete sich in den Tiefen.  Ich habe erst einmal das Großfall als Dirk eingesetzt, denn irgend etwas muß den schweren Baum ja hochhalten.  Später habe ich dazu das Spinnakerfall benutzt, denn einen Spi habe ich ja sowieso nicht. 

Ich habe mich über Funk mit dem Hafenmeister in Verbindung gesetzt, so daß wir gegen 10:00 Uhr zwar sehr müde und total erschossen, aber doch sicher vor Anker lagen. 

Denkste!

Der Hafenmeister bestand nämlich darauf, daß wir genau in einem Quarantänekreis mit 20 Meter Wassertiefe ankerten, obwohl er vorher gemeint hatte ein wenig weiter nördlich wäre in Ordnung.  Als ich ihn darauf hinwies, daß so tiefes Wasser für kleine Yachten bei Wind unweigerlich Streß bedeuten würde, meinte er daß die Quarantänefritzen darauf beständen, daß ankommende Boote weit abseits der anderen ankern müßten.  Wir also Anker hoch, rüber getuckert, Anker wieder runter.  Die ganzen 200 Fuß Kette ausrauschen lassen & als ich den Rückwärtsgang einlegte, schien der Anker auch zu halten.  Puh!  Jetzt war es aber wirklich langsam Zeit fürs Frühstück. 

Nochmal denkste!!

Es kam nämlich der orangerote Pilotkutter vorbei & forderte uns unmißverständlich auf dort zu verschwinden.  Sie bräuchten den Platz zum Maneuvrieren für ein Containerschiff.  Wir sollten weiter östlich ankern.  Der Hafenmeister redete dann von weiter südlich - also noch weiter draußen in der Bucht.  Da war ich dann schon komplett vergriest und bin weiter nach Osten gefahren.  Gerade außerhalb des Kreises rief ich dann den Hafenmeister an, der mir sagte, daß ich den Anker runter lassen könne.  Das war der Zeitpunkt, wo ich bemerkte, daß ich mir einen saftigen Sonnenbrand eingefangen hatte. 

Drinnen habe ich mich erst einmal mit Aurora beschäftigt, die zur Belohnung einen Wasserkanister aufgeschraubt und umgetreten hat.  Mal wieder eine Überschwemmung im Wohnzimmer, die aber immerhin durch die zerstörte Notluke prima abfließen konnte.  Da kam mir dann doch der erlösende Gedanke den Kahn hier einfach zu versenken, um ein für alle Mal meine Ruhe zu haben.  Nur müßte ich dann trotzdem den empfindlichen Einfuhrzoll in Fidschi löhnen.  ;-)

Da ich ja sowieso gerade so gut in Schwung war, habe ich gleich noch das Dinghy vom Vordeck gehievt, um es zu Wasser zu lassen.  Danach war der schwere Außenborder dran, der dieses Mal unter etlichen Meerwasserduschen gelitten hatte.  Trotzdem sprang der 15 PS Yamaha schon beim ersten Zug an.  Ist echt genauso gut wie die 125er Sanyang Motorräder in Taiwan, denn die waren ja auch unverwüstlich. 

Gleich ist es an der Zeit eine heiße Dusche zu nehmen & ans Abendbrot zu denken.  Einklariert wird morgen & mit dem WiFi klappt es hier draußen nicht.  

                                                                                      Mo., 20. August 2007
 
Obwohl ich gestern relativ früh in der Heia war & aufgrund des leichten Windes auch gut geschlafen hatte, fühle ich mich immer noch als ob ich über mein Verfallsdatum hinaus gelebt hätte.  So etwas scheint sich doch zu läppern.  Wir sind zu dem Schluß gekommen, daß wir auf schnelles Performance-Segeln gut und gerne verzichten können.  Was andere daran so toll finden, kann ich mir nicht so recht vorstellen. 
 
Auf dem Boot ackert man ja sowieso schon bis zum Umfallen & das auch noch freiwillig.  Jeder vernünftige Mensch würde diesen Job sofort kündigen & sich einen anderen suchen.  Es ist schon komisch:  Die Aussteiger auf tropischen Dschungelinseln oder die Auswanderer im Blockhaus in Kanada arbeiten sehr viel mehr und ungleich härter, als sie es in ihrem bürgerlichen Dasein je tun würden.  Alles um einen Traum zu verwirklichen, den die Leute welche in diesen Ecken leben keineswegs verstehen können & mit einem Kopfschütteln abtun.  Und genau diese Leute brechen sich fast einen Ast ab, um endlich in ein gelobtes Land des Westens zu kommen, wo nun sie ihrerseits schuften wie die Stiere, um an unserem westlichen Lebensstil teilhaben zu können.  Immer & ewig ist es nur eine Sache der Betrachtungsweise und der Erwartungen.  Mit rationalem Denken hat all dies nur wenig zu tun.  Fast alle wichtigen Entscheidungen beruhen im Grunde auf Gefühlen, Träumen und Illusionen.  Wie zum Teufel kann man dann "richtige" Entscheidungen treffen?  Ich denke da natürlich an unsere und vor allem Ulanis Zukunft.  Seit wir z.B. aus Taiwan weg sind, sehen wir diese Insel mit ganz anderen Augen.  Das trifft vor allem auf Liping zu, seit sie die Trinis in Action gesehen hat.  Aber auch ich muß sagen, daß ich jetzt erstaunt bin, daß ich die letzten paar Jahre in Taiwan immer so extrem genervt war. 
 
Heute morgen weckte Aurora ihre Mama auf.  Als diese sich darüber beklagte, bekam sie folgendes zu hören:  "Ist es Dir vielleicht lieber, daß ich aufstehe und Elektrizität verschwende?  Du weißt doch, daß ich den Computer alleine anschalten kann, oder?"  Alles natürlich auf Chinesisch.  Mit der deutschen Aussprache hat sie erhebliche Probleme, mit Englisch schon wesentlich weniger aber ihr Chinesisch ist hervorragend.  Sie ist eines der schlauesten Kinder, die ich kenne  --  aber leider ist sie auch das ungezogenste von allen, obwohl wir jeden Tag und unter großen Mühen versuchen ihr Manieren beizubringen.  Scheint leider alles vergeblich zu sein, bis jetzt wenigstens. 
 
In letzter Zeit spielt sie statt Löwenzahn oder Super Mario lieber Finding Nemo, wo es Memory und andere Spiele und viele bunte Farben gibt.  Sie hat absolut keine Lust deutsche Geschichten anzuhören oder in irgend einer Weise Deutsch zu lernen.  Manchmal kommt es mir fast so vor, als ob es daran liegen könnte, weil es uns so wichtig ist.  Liping glaubt eher daß es eine Mischung aus Faulheit und Identität ist.  Sie fühlt sich eindeutig als Chinesin und hat auch die Chinesen - vor allem die Frauen - weitaus lieber als die anderen Palagis. 
 
Jetzt warten wir gerade auf die Behörden, die sich laut Suva Port Control erst einmal organisieren müssen.  Wenn es mit denen keinen Streß gib - man weiß ja nie - dann dürfen wir anschließend umankern und mit unserem umfangreichen Arbeitsprogramm beginnen.  Wie Stefanie von der CELUANN schon berichtete, ist es hier deutlich kühler als in Samoa, besonders natürlich des nachts.  Gestern abend und heute morgen saßen wir mit dicken Jacken hier, denn es waren nur 24°C.   Wenn ich bedenke, daß es in D-Land Hitzefrei gibt, wenn das Thermometer morgens um 9:00 Uhr auf 27°C steht, dann schaudert es mich doch und ich frage mich ob ich mich jemals wieder an dieses skandinavische Island-Klima gewöhnen kann.  Und wenn ich eMails aus Europa bekomme, in denen über die "Hitze" gestöhnt wird, dann kann ich sowieso nur noch den Kopf schütteln.  Die Temperaturen sind so auch ein Hauptgrund, warum wir absolut keinen Bock haben nach Neuseeland zu segeln, um uns dort ein halbes Jahr lang die Füße abzufrieren. 
 
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Wir haben den ganzen Vormittag auf die Vertreter des Gesetzes gewartet, die schließlich gegen Mittag bei uns mit fünf Mann hoch erschienen.  Sie waren die freundlichsten Vertreter dieser Sorte bis jetzt & das Einklarieren fand unter fröhlichem Gelächter statt, besonders nachdem die Anführerin der Gruppe entdeckt hatte, daß ihr Name fast der gleiche wie der von Ulani war.  Sie erzählten uns, daß in der Nacht eine Yacht auf das Außenriff gedonnert war, als sie versuchten in der Dunkelheit einzulaufen.  Warum warten die Leute denn nicht, bis sie wieder sehen können?  So schlimm ist eine weitere Nacht auf See doch nun auch wieder nicht! 
 
Die Frau von der Einwanderungsbehörde wollte erst Schwierigkeiten machen & zwar in der irrigen Annahme, daß Liping aus der VR China kommt.  Nach einem Telefongespräch und der Beschreibung des Reisepasses von Liping strahlte sie allerdings wieder.  Ein Segen!  Wie schon in Samoa sah die Sache auf dem Papier viel grimmiger aus als in der Realität.  Der einzig saure Tropfen war, daß wir US$ 66 für das Boot löhnen dürfen, welches die ganze Besatzung zu uns an Bord gebracht hat.  Aber naja, man kann ja nicht alles haben, zumal uns der Zoll auch ernsthafte Schwierigkeiten hätte machen können von wegen Rum, Wein & Bier. 
 
Wir bekamen eine Aufenthaltsgenehmigung für vier Monate, die selbst mit der maximalen Verlängerung von weiteren zwei Monaten darauf hinausläuft, daß wir nicht im Land bleiben können, um die Zyklonsaison hier zu verbringen.  Ich sah mich also gezwungen noch vor dem Anfang der Zyklonsaison unser nächstes Ziel mit Tarawa, Kiribati in Mikronesien anzugeben.  Mit Paß in der Tasche und einem Boot in gutem Zustand sowieso die optimale Lösung. 
 
Wir ankerten um, dieses Mal auf nur 2,30 Meter Wassertiefe.  Bei der Tide hier ist das wirklich das absolute Minimum, was allerdings trotzdem noch vertretbar ist, da der Boden aus Schlamm besteht & wir ja einen Kat haben.  Im Yachtklub wollen sie fünf Taler pro Tag, um das Dinghy zu parken, was wir weniger schön finden.  Dafür war der Security Guard sehr nett und hat uns das Geld für den Bus geliehen, damit wir in die Stadt fahren konnten, um Geld zu wechseln. 
 
Vom Wechselkurs waren wir unangenehm überrascht, aber trotzdem haben wir uns ein Mittagessen in einem Imbiß gegönnt.  Für nur neun Taler gab es Hammelfleisch mit chinesischen Nudeln, Fish and Chips sowie eine Cola.  Weiter ging es die 33 Taler für die Quarantänefritzen zu löhnen und versuchen unser Handy wieder auf Vordermann zu bringen.  Der Handy-Hacker bei Phone Wizard erzählte uns zwar, daß er das Teil für nur 35 Taler "unlocken" könne, aber leider könne man es aufgrund der verschiedenen Frequenzen trotzdem nicht in Fidschi benutzen.  Nun erwägt Liping für 50 Taler ein neues Handy zu erwerben, welches aber dummerweise keine eingebaute Taschenlampe hat. 
 
Weiter ging es zu SPINALONGA, wo ich einen äußerst kranken Nigel, eine hochschwangere Elaine & zwei quietschvergnügte Kinder vorfand.  Nigel sagte mir, daß ich mich wirklich umgehend um die Löcher im Boot als auch um die Osmose kümmern müßte.  Die Sache würde jeden Tag schlimmer werden, so daß ich unverzüglich aus dem Wasser muß.  Hier im Yachtklub sieht es damit allerdings nicht sehr gut aus.   
 
                                                                                                                                                     Do., 23. August 2007
 
Gestern kamen Walter & Gisela von der SY ATLANTIS hier vorbei.  Sie kennen auch Karl, Libu & deren Sohn Kai, sind seit dem Mittelmeer schon neun Jahre unterwegs und haben die letzten drei Jahre hier im Pazifik verbracht.  Die letzte Zyklonsaison waren sie in Canton auf Kiribati, was ihnen ausgezeichnet gefallen hat.  Eine hochgiftige Seeschlange schlich sie über das Heck auf unser Boot, so daß ich in Zukunft lieber verdammt aufpassen muß, wohin ich trete.  Obwohl ihr Maul nämlich so klein ist, daß sie einen kaum in Fuß oder Bein beißen kann, so kann sie doch durchaus zwischen den Zehen zubeißen.  Und sie kam natürlich genau da an Bord, wo ich immer stehe, um unser Beiboot in den Davits zu sichern. 
 
                                                            Mi., 29. August 2007
 
Mit der Reparatur von DHARMA BUM III  wurde es heute nichts, da die blöde Winde am Lift nicht mehr wollte.  Einer der Taucher meinte noch, daß sie gestern prima funktioniert hätte. 
 
Meinte der Fidschi-Indische Manager des RSYC:  "That's Fiji for you, mate!"  Gleiches könnte man auch über den Yachtausrüster sagen, bei dem ich am ersten Tag hier etliches bestellt hatte.  Er hat sich bis jetzt noch überhaupt gar nicht darum gekümmert und heute erfuhr ich, daß er die nächsten zwei Wochen gar nicht da ist. 
 
Gerade kam Felipe vorbei & meinte, daß der Motor der Seilwinde im Eimer wäre.  Wir hätten die Wahl zu warten bis ein neuer da und eingebaut wäre - vielleicht so gegen 2017 - oder könnten auf dem großen 200-Tonnen Lift aus dem Wasser geholt werden.  Ansonsten könnten wir dort an der Betonpier warten, bis alles klar wäre. 
 
Liping zieht es vor hier zu warten, obwohl es ja kostet.  Grund sind eventuelle Langfinger auf der Werft sowie die reichlich vorhandenen Mücken.  Und vor Anker lebt es sich auf einem Segelboot sowieso am zweitbesten.  Am besten ist es eigentlich auf hoher See - jedenfalls solange das Wetter halbwegs mitspielt.  Mir kommt es vor allem darauf an, die Sache möglichst preisgünstig über die Bühne zu bringen.  Und so bald wie möglich, denn es gibt noch genug andere Reparaturen auf unserer Liste. 
 
                                                        Sonnabend, der 27. Oktober 2007
 
(Unterwegs von Fischi nach Kiribati)
 
Wir dümpeln seit über vier Tagen in einer Flaute etwa 40 Meilen von Rotuma (Fidschi), wo wir eigentlich gar nicht hin wollen.  Obwohl wir immer noch Bier und Rum aus Panama an Bord hatten - langsam werden wir zum U-Boot - haben wir in Lautoka u.a. noch einmal 72 Liter Fiji Bitter und 40 Liter Australischen Wein (gepantscht!!) gebunkert, was uns fast zum Verhängnis geworden wäre.

Wie so oft kamen mehrere Sachen zusammen.  Die ganze Nacht starke Gewitterböen, Anker hielt nicht, Ankeralarm gab keinen Pieps von sich, Maschine sprang nicht an, Karten stimmten nicht - auf jeden Fall saßen wir morgens kurz nach 2:45 auf den Steinen.  Wir dachten schon, daß sich die Sache nun erledigt hätte, da auch noch die Ebbe eingesetzt hatte.  Über Funk sprachen wir mit der Navy als auch der Lautoka Port Control, aber auf einmal brachten die beiden 40 PS Volvos es doch noch und wir waren wieder frei.  Zwar reichlich angekratzt, aber ansonsten ohne Loch im Schiff.

Jo, und nun sind wir auf dem Weg nach Tarawa, um in Kiribati einzuklarieren.  Vielleicht verbringen wir die nächsten vier Monate auf den diversen Atollen dort.  Falls es uns nicht so gefällt, fahren wir wohl hoch auf die Marshall Islands und/oder in die Federated States of Micronesia. 

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Unsere jetzige Reise unterscheidet sich doch ganz schön von den früheren.  Es sind einfach unglaublich viele Boote unterwegs, man glaubt es kaum. Fast alle sind nagelneu, riesengroß (der Durchschnitt liegt inzwischen bei 14,38 Metern Länge) und die Leute sind erst vor sehr kurzer Zeit aus einem hektischen Berufsleben ausgestiegen.  Die Treffen mit unseren alten polynesischen Freunden auf Tahuata und Takaroa waren allerdings echt der Hit.  Sie haben sich so sehr über unseren nochmaligen Besuch gefreut, daß wir am liebsten gleich dort geblieben wären. 

DHARMA BUM III hält sich wacker, wenn ich auch sagen muß, daß ich sehr viel mehr Zeit und Arbeit hineinstecke als in meine beiden anderen Boote.  So bleibt natürlich weniger Zeit für die Geschichten, weswegen wir eigentlich hier sind.  Auch der Papierkrieg ist inzwischen zu einer bedrohlichen Lawine angewachsen.  Als wir so hörten, womit die Leute so zu kämpfen haben, wenn sie nach Neuseeland oder Australien (z.B. Röntgenaufnahme der Lunge) wollen, dann dachten wir uns, daß die sogenannte zivilisierte Welt inzwischen komplett übergeschnappt ist. 

Also haben wir die Kurve gekratzt und werden versuchen auf den Atollen zur Ruhe zu kommen.  Irgendwo werden wir schon ein stilles Plätzchen finden, wo man noch sein Lagerfeuer am Strand entfachen kann, um dann in aller Ruhe seine harpunierten Fische dort zu braten.  Uns ist natürlich klar, daß man kaum mehr Plätze findet, wie sie der Wilfried Erdmann in "Gegenwind im Paradies" und "Der blaue Traum" beschrieben hat, als er 1976 bis 1979 mit seiner Astrid und dem kleinen Kym (haargenau in Auroras Alter) in eben dieser Ecke herumgegondelt ist. 

Wir sind auf jeden Fall schon sehr gespannt, wenn es uns dieses Mal auch eher darum geht einsame Ankerplätze zu finden und vielleicht mal ein paar neue polynesische, melanesische oder mikronesische Freunde kennenzulernen. 
 
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An Steuerbord ist vorhin ein voller Mond aufgegangen, während an Backbord ein weißer Mondbogen zu sehen ist.  Sieht man auch nicht gerade oft.  (Soll ein Zeichen für sehr schlechtes Wetter sein...) Gerade eben zischten wir noch mit fast acht Knoten durch die Gegend, aber inzwischen geht es wieder langsamer und kurz danach wird wohl wieder totale Windstille mit 0,0 Knoten herrschen.  Wir haben überhaupt festgestellt, daß Bö nicht gleich Bö ist.  Hier gibt es hauptsächlich Regen mit maximal 20 Knoten Wind, während es bei schlechtem Wetter ganz anders aussieht.  Da kachelt es dann gleich mit 40 und in den Spitzen über 50 Knoten durch die Gegend, so daß man Angst um sein Rigg haben muß.  So fuhren wir dann die ersten zwei Tage auch nur unter teilweise aufgerollter Rollfock, während das Groß schön verpackt blieb.  Hier hingegen fahren wir Vollzeug, denn alle paar Minuten Segel wechseln bringt es ja nun auch nicht. 
 
Wir sind jetzt seit einer Woche unterwegs, so daß wir eigentlich bald auf halber Strecke sein müßten.  Durch die unerwartete Flaute mitten im Gebiet des Südostpassates ist daraus natürlich nichts geworden.  Macht aber nichts.  Wir sind zu dem Schluß gekommen, daß die anderen Segler gar nicht wissen, wie man eine Flaute überhaupt genießt.  Da sie sofort die Maschine starten, sobald der Wind mit weniger als 10 Knoten weht, werden sie auch nie in den Genuß kommen.  Sie werden nie sehen, daß das Meer überall wie mit feinem Staub bedeckt ist oder bemerken wie die kleinen Pilotfische unter dem Boot hervorschnellen, um Zwiebel- oder Eierschalen zu begutachten.  Ich habe bis jetzt noch nicht eine Person getroffen, der von den blau-phosphoreszierenden kleinen Kugeln im Wasser auch nur gehört hat.  Alle rasen wie wild von Hafenstadt zu Hafenstadt, reden ununterbrochen auf UKW oder SSB Sprechfunk und treffen einzig und allein andere "Cruisers". 
 
Wir vermissen diesen Trubel überhaupt nicht, denn langsam wurde es uns zu anstrengend.  Es ist viel schöner alleine auf unserer schwimmenden Insel mitten im "piaoliang de Blau-shui"  (dem schönen Blau-Wasser), wie Ulani es nennt.  Selbst wenn man einmal jüngere Leute trifft, so sind diese fast ausschließlich Surfer-Dudes, die wieder ihre ganze eigene Kultur haben und wo wir noch weniger hineinpassen.  Im Prinzip passen wir nirgendwo hinein. 
 
Der Gedanke eines Tages wieder richtig arbeiten zu müssen, liegt uns immer schwerer auf der Seele - weil uns ja eigentlich niemand dazu zwingt.  Solange wir uns einschränken, könnten wir dieses Leben bis ans Ende unserer Tage führen.  Ostasien hieße wieder eine Schule aufmachen, mit all dem dazugehörigen Streß.  D-Land hieße für uns ein sehr hartes, ungemütliches & kaltes Leben fast ohne Chance auf anständige Arbeit.  Südostasien wäre im Prinzip schon OK, aber warum dann nicht gleich auf dem Boot bleiben?  Doch leider hat Liping nicht unbedingt Bock darauf auf immer und ewig auf einem Boot zu leben, selbst wenn wir mit unserem Töcherlein und den Finanzen alles geregelt kriegen. 
 
                                                                                      Montag, der 12. November 2007
 
Wie sich doch alles mit dem Wetter ändert... 
 
Nach drei Wochen von Sturmbö auf Sturmbö mit maximal 56,7 Knoten Windgeschwindigkeit trafen wir hier in Betio (Insel), Tarawa (Atoll), Kiribati (Land) ein.  Die Seekarten stimmten mal wieder von den Koordinaten her nicht, aber trotzdem kamen wir ohne Streß an den Ankerplatz direkt vor der "Stadt".  Ich habe mich bald in die Falle verhauen, denn ich war total übermüdet und hatte Kopfschmerzen. 
 
Am nächsten Tag habe ich erst einmal unser Dinghy zu Wasser gelassen, wobei ich bemerkt habe, daß der Schutzbezug aus schwerer Sunbrella Persenning in zwei Teile zerrissen war, wobei einer als Treibanker unter dem Boot fungierte und dort weiter zerfledderte.  Als das Dinghy schön in den Davits hing, habe ich mich an die vorderen beiden Abteile gemacht und dort erst einmal 2000 Liter (!!!) Wasser abgepumpt.  Bei der einen Bilgepumpe waren die Kabel abgerissen worden, während auf der anderen Seite gar kein Strom mehr ankam.  Außerdem stellte sich bei näherer Betrachtung heraus, daß eine Pumpe und ein Schwimmerschalter komplett das Zeitliche gesegnet hatten.  Müssen eingeflogen werden, genau wie GPS, Rotorblätter für den Windgenerator und einiges anderes mehr.  Gegen 17:00 Uhr gönnte ich mir eine heiße Dusche aus der Giftspritze und war schon wieder komplett und vollstens K.O.  Ich dachte an ein paar Gläser Wein und ungestörte Bettruhe.  Denkste!
 
Gegen 18:00 Uhr fing der Wind an zu blasen, steigerte sich auf über 40 Knoten und heulte uns dann ununterbrochen um die Ohren.  Ein Frachtschiff hinter uns trieb ab, wenig später hielt auch unser Anker nicht mehr, obwohl wir auf 8 1/2 Meter Wassertiefe fast 60 Meter Kette gesteckt hatten.  Wir schmissen die beiden 40 PS Volvo-Diesel an und mußten immer höhere Drehzahlen in Kauf nehmen, um den Anker zu unterstützen.   Ein weiteres Schiff geriet ins Treiben, ein sehr großes Fischereinfahrzeug mit riesigen von hellem Flutlicht erleuchteten Kränen trieb quer auf uns zu bevor sich deren Lage stabilisierte, währen sich das Polizeiboot an der Betonpier zerlegte und ich ununterbrochen zwei Stunden lang am Ruder stand, um den Bug in den wütenden Wind zu halten.  Ich zitterte sowohl vor Kälte als auch vor Anstrengung und war später ungelogen nicht mehr in der Lage, ein Bier festzuhalten.  Ich mußte es abstellen, sonst wäre es mir aus der Hand gerutscht.  Hinter uns waren nur mehr Wracks zu sehen, ein weiteres Frachtschiff ging ankerauf und der Tanker, welcher vor uns gerade per schwimmender Pipeline am Löschen war, verlegte sich weiter weg von Land.  Eine große Inter-Atoll Katamaran-Fähre kam ins Treiben und verschwand aus meinem Sichtfeld, aber nach etwa zwei Stunden tauchte sie wieder auf und fuhr in den Hafen ein.  Da war dann das Schlimmste überstanden & ich hatte auf alles Heilige geschworen, nie wieder etwas mit Booten, Wasser oder diesen in irgend einer Weise ähnlichen Sachen zu tun zu haben.  Heute hörten wir, daß es das Marineschiff doch tatsächlich aufs Riff geworden hat. 
 
Wellen von etwa zwei Meter Höhe brachen sich nach wie vor auf unserem Ankerplatz, aber wir hatten inzwischen die Maschinen wieder im Leerlauf und beobachteten die Sache nur noch.  Sehr erschöpft, aber da der Wind nur noch mit weniger als 30 Knoten blies, auch mehr Zutrauen in unseren Anker.  Liping hatte die ganze Zeit vor dem Computer gesessen, um unsere Bootsbewegungen mit dem größten Zoom auf dem Chartplotter genau zu verfolgen und mir alle paar Minuten Nachricht zu geben, wie es um uns stand.  So schlimm ging es uns vor Anker noch nie & wäre eine Maschine ausgefallen, so hätte es schlecht um uns gestanden. 
 
Die Nacht schlief Ulani erstmalig alleine mit mir im Bett, denn bei Mama darf sie ja nicht mehr schlafen, aber alleine wollte sie auch nicht, obwohl ihre Seekrankheit schon wieder verflogen war. 
 
Heute ging es an Land, wobei Aurora plötzlich mächtig viel Angst im Beiboot zeigte, obwohl bei ihr sonst das allerschlimmste Wetter auf See nichts als Begeisterung hervorruft.  Sie hat wahrscheinlich mitbekommen, wie sehr die Fahrt und dann die Ankunft uns mitgenommen haben. 
 
An Land fragten wir zuerst, ob solches Wetter hier normal wäre, was eindeutig mit "Yes!" beantwortet wurde.  Da wären wir am liebsten sofort wieder ausgelaufen.  Der Zollbeamte lief barfüssig durch die Gegend, wie überhaupt die meisten Leute hier, bestand aber auf einer Inspektion unseres Bootes.  Tee, Kaffee oder kaltes Wasser wollte er nicht, hatte aber auch sonst nichts zu beanstanden.  Weiter ging es auf die Nachbarinsel zur Einwanderungsbehörde, wo man uns zwei Monate Aufenthalt gewährt hat.  Da wir schon einmal dort waren, sind wir gleich zur Taiwanesischen Botschaft, wo wir vom Botschafter persönlich mit offenen Armen empfangen wurden.  Er sagte:  "Das habt Ihr genau richtig gemacht, zuerst zur Botschaft zu kommen!  Das ist doch genau so als ob man nach langer Abwesenheit wieder zu Muttern nach Hause kommt."  Er hat sich rührend um uns gekümmert, uns seiner Frau vorgestellt, seinen auf der Insel berühmten Blumengarten und seine Skulpturen gezeigt, um hernach den ersten Sekretär für uns abzustellen. 
 
Dieser machte gleich einen Termin mit dem Boss der Werft ab und lud uns alle zu einem leckeren Essen im besten Chinesischen Restaurant hier ein.  Wir haben uns für übermorgen zum Treffen der Hash House Harriers verabredet, wo wir auch noch einen anderen Ausländer treffen werden, der lange in China gelebt hat.  Wird bestimmt sehr interessant.  Zurück ging es zur Botschaft, wo wir gleich an den zweiten Sekretär übergeben wurden, der den Auftrag hatte uns ganz auf die andere Seite des riesigen Atolls zur Taiwanesischen Forschungsfarm zu fahren, da wir erzählt hatten, daß unsere Freunde in Panama auf diesem Gebiet tätig sind. Nach etwa 80 Minuten Fahrt durch unglaubliche Menschenmengen von I-Kiribati - hier leben etwa 40.000 Mikronesier - kamen wir dort an, um mit Gurken, Tomaten, Kohl, Salat, Melonen und vielem anderen beschenkt zu werden.  Wir haben uns lange mit dem Obergärtner dort unterhalten, der sein ganzes Leben solche Jobs in fernen Ländern gemacht hat. 
 
Wieder Zurück auf der Botschaft, wurde uns eine SIM-Karte übergeben, so daß wir jetzt jederzeit unter der Nummer +686-93662 in Kiribati zu erreichen sind.  Hier erfuhren wir dann auch, daß das Unwetter von gestern abend keinesfalls zu den Normalfällen gehört, sondern daß die Leute hier im Prinzip auf alle Fragen mit "Yes!" antworten, da ihr Englisch nicht so der Hit ist.  Auch erfuhren wir, daß die Mädels hier es ganz einfach wunderbar finden sich auf den Schiffen der Seeleute zu vergnügen und vor allem Kinder von Ausländern zu kriegen.  Erinnert mich an Tonga in 1987. 
 
                                                              Sonnabend, der 17. November 2007
 
Nun sind wir schon eine Woche hier.  Recht wackelig ist es nach wie vor, denn von den häufigen Flauten und der drückenden Hitze ist bis jetzt noch nichts zu spüren.  Dabei geht es jetzt auf den "Winter" zu, da wir uns wieder auf der Nordhalbkugel befinden. 
 
Wir sind verstärkt am Überlegen, ob wir die Reise nicht abbrechen sollten.  Nach Australien segeln, den überaus saftigen Einfuhrzoll bezahlen, um das Boot einem Yachtmakler zum Verkauf zu überlassen scheint uns oft die beste Lösung. 
 
Dienstag morgen um 9:00 Uhr holte ich zwei Leute von der Werft an, die meine Schäden begutachtet haben und mir geholfen haben, die beiden Trampoline abzubauen.  Hinterher war ich bei der TSKL-Telekom, denn mein Handy ging nicht.  Dort habe ich dann auch meine eMails verschickt, wobei ich in einer Stunde nicht einmal meine eigenen eMails abholen konnte.  Die Verbindung war schlicht und einfach zu lahm.  Hinterher gab's wieder viel Schwell, so daß ich dermaßen K.O. war, daß ich mir nicht mal mehr eine Dusche gegönnt habe.  Wir haben nur noch die Petroleum-Drucklampe mit halbem Druck angeworfen, Dinner mit Weißwein im Cockpit genossen und sind dann auch bald in die Heia. 
 
Mittwoch war es bewölkt, so daß bei uns der Strom eher knapp war, zumal der Windgenerator ja ein neues Rotorblatt braucht.  Ich habe die Luke vorne in der Mitte repariert, das Abteil dort gelenzt, die beiden Diesel und den Außenborder gewartet, das Mylar-Vorsegel abgeschlagen & dieses als auch die kaputte Wonder Clean Pressure Washing Machine an Land zur Reparatur gebracht. 
 
Um 17:30 Uhr waren wir bei der Taiwanesischen Botschaft verabredet, denn der erste Sekretär hatte uns gefragt, ob wir nicht mit zu den Kiribati Hash House Harriers wollten.  Wir wollten.  Dort ging es allerdings wesentlich gesitteter zu als bei den Jungs in Taipei.  Erstens wurde gar nicht gelaufen, sondern nur ein kleiner Spaziergang gemacht.  Und statt kistenweise Bier gab es hinterher eine Dose XXXX-Bitter (€ 1,52 für eine Dose) und zum "Down! Down!" eine weitere auf Ex.  Fast alle Anwesenden waren Diplomaten, Entwicklungshelfer, sowie deren befreundete I-Kiribati.  Ich habe mich die meiste Zeit mit dem Direktor des USA Peace Corps unterhalten, der ein sehr interessanter Mann ist.  Ursprünglich ist er Rechtsanwalt gewesen, während er ganz zu Beginn seiner bunten Karriere sechs Jahre bei den US Marines gedient hat.  Wir verstanden uns blendend und er hat uns in näherer Zukunft zu sich nach Hause zum Dinner eingeladen. 
 
Zurück ging es mit dem Bierauto, so daß wir noch vor 22:00 Uhr wieder an Bord waren. 
 
Donnerstag gab es wieder recht viel Wind & dementsprechend starken Schwell, so daß wir uns den ganzen Tag an Bord beschäftigt haben.  Trotzdem gab es Bruch, denn das Dinghy ruckte so heftig an der Kette, daß die Halterung am Bug des Beibootes abgerissen ist.  Hätte ich Blödmann das Teil doch gleich mit den Davits hochziehen sollen.  Aber da es ja schon zwei Jahre gut ging, dachte ich, daß es wohl O.K. wäre. 
 
Ich habe ordentlich aufgeräumt und sauber gemacht, was dringend notwendig war.  Danach habe ich erst einmal gecheckt, wann ich denn wieder Filter und Öl wechseln müßte.  Den letzten Monat lief die Maschine (fast immer nur eine zur Zeit) im Durchschnitt etwa eine Stunde pro Tag, so daß wir bald wieder fällig sind.  Soll ja alle 100 Betriebsstunden geschehen.  Öl habe ich ja auch genug dabei, nur bei den Filtern hapert es. 
 
Freitag waren wir morgens an Bord beschäftigt, wobei ich immer noch nicht ganz verdaut hatte, daß Liping am Vortage gleich zwei Mal in Tränen ausgebrochen war.  Nachdem sie nämlich neulich die Waschmaschine zerdeppert hatte, mußte dieses Mal mein Lieblings-Kaffeebecher von Hinano aus Tahiti dran glauben.  Da sie die "Hausfrauenhände" genannte Hautkrankheit hat, muß sie immer Baumwoll- sowie Gummihandschuhe tragen, wenn sie sich mit dem Abwasch, Seilen oder sonst irgendwelchen feuchten Sachen beschäftigt.  Die Haut hat einfach nicht genügend natürliche Fette.  Und wenn es dann ordentlich schaukelt und ein Weinglas voller Spülmittel ist, gibt es früher oder später unweigerlich Bruch.  Selbst in einen stark gechlorten Swimming Pool darf sie nicht mehr, da ihre Füße hinterher aussehen wie Pellkartoffeln. 
 
Da das Handy schon wieder nicht ging, mußte ich abermals zur TSKL-Telekom, wo mich der 1. Sekretär der Botschaft anrief.  Ich bin dann gleich dorthin & er fragte ob es Sonnabend passen würde, wenn der Botschafter, seine Frau, die drei Sekretäre, der Direktor der Forschungsfarm, samt Frau und Kindern uns an Bord überfallen würden.  Er hat mir dann noch einen Wisch für die Bank ausgestellt und seine Internetverbindung zur Verfügung gestellt.  Die war leider auch nicht schneller als die bei der Telekom, so daß ich nun gar nicht weiß, wie ich meine wichtigen Ersatzteile ordern soll.  Ich war bis Dienstschluß dort, konnte aber absolut nichts ausrichten, da die Verbindung so lahm war.  Nun ist guter Rat teuer!
 
In aller Eile ging es dann zurück an Bord, denn der ehemalige METRO (Procter  & Gamble?) Einkäufer Walter & seine Frau Gisela hatten uns auf die megasolide gebaute ATLANTIS eingeladen.  Wie auch Holger & Marika kennen sie Karl & Libu auf der ROSINANTE.  Dort gab es etliche Fiji Bitter und selbst Aurora war ausnahmsweise mal recht artig.  Muß man ja immer rot im Kalender anstreichen...  Sie erzählten uns, daß die französische Yacht neben uns ihr Großsegel in einer Bö völlig zerfetzt hätte und einer anderen Kielyacht noch schlimmeres widerfahren war.  Anscheinend war ein Riff auf seiner Karte nicht verzeichnet und er ist volle Kanne draufgedonnert.  Der Mast kam sofort runter und wenig später war das Boot dann komplett Schrott & mußte aufgegeben werden.  Eine andere Yacht versuchte ihn abzubergen, was aber aufgrund des schlechten Wetters nicht ging, so daß ein Hubschrauber aus Neukaledonien eingesetzt wurde, um ihn Hochzuhieven. 
 
Auch einem Fountaine-Pajot Katamaran ist auf der Reise nach Neuseeland der Mast davongeflogen, aber ansonsten ist denen wohl nichts weiter passiert.  Langsam komme ich zu der Auffassung, daß moderne (!) Kats in Punkto Sicherheit den Kielyachten überlegen sind.  Ganz einfach deshalb, weil sie nicht sinken können.  Ein Loch hat man ganz schnell im Boot, auch wenn es aus Stahl ist, wie die zahlreichen Wracks direkt hinter uns bezeugen.  Und wenn das Loch groß genug ist, dann geht eine Bleiente auf U-Boot-Tauchgang, um nimmer mehr an die Oberfläche zu kommen.  Da hilft dann selbst eine starke Motorpumpe nicht lange. 
 
Heute morgen sprang ich ganz panisch an Deck, denn ich meinte die Bilgepumpe im Bbd-Maschinenraum wäre die ganze Nacht gelaufen.  So was bringt Batterien ganz schnell um & auch die Diesel lassen sich dann nicht mehr starten.  Es war aber nur ein rotter Kiribati-Kahn, der hier durch die Gegend tuckerte und ein ähnliches Geräusch verursachte.  Ein Mann kam vorbei & wollte uns dicke Lobster (eigentlich Langusten) für nur € 6,00 verkaufen was in mir den Gedanken hervorrief unsere Bilgen mittschiffs als super-duper Hummertanks einzusetzen.  Warum nicht aus der Not eine Tugend machen?  Lebende Lobster an Bord haben meines Wissens nicht einmal die Superyachten & das käme bei unserem Image als Foodies (eigentlich eher ein Schimpfwort) genau richtig.   <Grins>
 
                                                                                     Sonntag, der 18. November 2007
 
Die Botschaft kam mit sieben Mann hoch an Bord, wobei ich zwei Mal mit dem Beiboot los mußte und auch unsere sechs großen Rettungswesten endlich einmal zum Einsatz kamen, denn nur zwei Leute konnten schwimmen.  Die Frau des Direktors der Forschungsfarm wollte sich unbedingt mit "der Legende" Liping fotografieren lassen, während der 2. Sekretär Louis Liu auf ein Foto am Steuer bestand. 
 
Als die erste Fuhre wieder an Land war, blieben Botschafter Samuel Chen und 1. Sekretär Wallis Zhou noch auf ein Panama-Bier an Bord, um ganz gemütlich zu schnacken.  Dabei stellte sich unter anderem heraus, daß der Botschafter einer der wenigen Leute ist, die unser Buch gekauft haben.  Auch was die Verpflichtungen der Eltern und die Erziehung der Kinder angeht, hatte er einiges zu erzählen.  Ich hatte das Gefühl, daß er seine Kinder in unsere Schule geschickt hätte, wenn er da noch in Taipei gewesen wäre.  So spricht sein Sohn nun außer Mandarin-Chinesisch, Taiwanesisch, Französisch und Englisch auch noch Italienisch.  Jetzt arbeitet er in Swaziland (bei Südafrika) für das Außenministerium.  Der zweite Sohn studiert noch in Australien. 
 
Die beiden waren ganz angetan von unserer hellen Petromax-Lampe, aber zu höflich um länger als bis 20:00 Uhr zu bleiben.  Für heute hatten sie uns zu einer Feier eingeladen, so daß es heute früh mit dem Bus los ging.  Die Evangelische Kirche (Kiribati Protestant Church - KPC) feierte heute nämlich ihr 150. Jubiläum. 
 
Wir saßen direkt hinter dem Präsidenten von Kiribati bei den Würdenträgern (nur sein Bodyguard saß zwischen uns) und nach dem ersten Teil der Feier stellte uns Botschafter Chen ihm und seiner Frau vor.  Natürlich durfte auch das obligatorische Händeschütteln und die Fotos nicht fehlen.  Die First Lady war ganz angetan von Aurora und auch die Sekretärin des Präsidenten zeigte sich sehr beeindruckt, als Ulani ihr etwas vorbuchstabierte.  Unser kleiner Zwerg war allerdings überhaupt nicht beeindruckt und hat sich strikt geweigert dem Präsidenten die Hand zu schütteln.  Mag daran liegen, daß er wie ein japanischer Militäroberst inklusive Korea-Sturmschnitt und Schnauzbart aussieht.  Dabei kommt der Vater des Präsidenten aus der Provinz Kanton in China!  Erstaunlicherweise war trotzdem er es, der die Beziehungen zur VR China abgebrochen hat, um statt dessen Taiwan anzuerkennen.  Er spricht sogar ein wenig Kantonesisch. 
 
Anschließend wurden wir zu einem wahrhaft lukullischen Mahl geladen, wobei gleich fünf (!!!) Spanferkel sowie Hunderte von anderen Gerichten aufgefahren wurden und man auch ansonsten ein ganzes Dorf mit ernähren könnte.  Ich habe nur von drei verschieden zubereiteten Schweinen - ein Stück wäre bei uns eine gute Portion für eine Person - probiert, sowie noch Fisch, Kartoffeln, Süßkartoffeln, Hühnerkeulen, sowie ein bißchen Reis gefuttert.   Doch alle I-Kiribati meinten, daß ich nicht genügend zugelangt hätte und als ich mir gerade die zweite Kokosnuß holte, meinten sie zu mir: "Take two!  Take two!"  Also habe ich zwei Kokosnüsse mit nach Hause genommen, während Liping einen Fisch in ihrem Rucksack herumtrug. 
 
Direktor Cai von der Forschungsfarm und seine nette Frau bestanden darauf uns zurück nach Betio zu fahren, wo sie uns noch auf ein Eis eingeladen haben.  Sehen wir wirklich so verhungert aus?  Auf jeden Fall haben wir uns mit allen Leuten prima verstanden und natürlich folgten wieder ein paar Einladungen.  Erstens gibt es nämlich Mittwoch den 21.11. mit den Hash House Harriers bei der Forschungsfarm etwas zu essen.  Zweitens sind wir bei dem Direktor des USA Peace Corps zum Dinner eingeladen.  Drittens hätten uns die Cais gerne bei sich zu Hause zum Dinner und zu guter letzt hat uns Botschafter Samuel Chen für den 28.11. zu sich in die offiziellen Residenz eingeladen. 
 
Wenn wir nicht ganz mächtig aufpassen, dann sehen wir demnächst auch bald aus wie die Leute aus Tonga, Samoa oder Kiribati. 
 
                                                                                      Dienstag, der 20. November 2007
 
Heute war ich wieder auf der Werft, wo uns für die Segel- & Dinghy-Cover-Reparatur ein Kostenvoranschlag von unter A$ 40 unterbreitet wurde.  Die Wonder Clean haben sie schon repariert, das Beiboot ist auch bald wieder intakt & selbst das Leck an der Spritleitung zum Außenborder haben sie schon in Angriff genommen.  Für die Trampoline warten sie noch auf die Ösen (Grommets).  Es steht wieder ein ordentlicher Schwell auf den Ankerplatz, so daß man bald rammdösig werden kann.  Als ich mich heute bei der TSKL-Telekom über das nur selten funktionierende Handy beschwert habe, meinten sie, daß man es halt nach einer Minute oder so noch einmal versuchen sollte.  Notfalls sogar mehrmals.  Außerdem soll ich ab und zu eine der kostenfreien Nummern wie 333 oder 222 anrufen, damit die Netzwerk-Info auf meinem Handy immer auf dem neuesten Stand ist.  So ganz im Griff scheinen sie die Technik hier noch nicht zu haben. 
 
Nach dem Mittag war ich Wasser holen, was ein ziemlicher Akt ist.  Wir mußten nämlich mit dem Auto zu einem Werftarbeiter nach Hause, wo wir dann vier Kanister mit Wasser vollgemacht haben.  Beim Wasserverband ist die Mindestabnahme nämlich eine Tonne.  Und so viele Kanister habe ich ja gar nicht.  Jetzt bin ich wieder auf der Insel Bairiki im Internetcafe und hoffe auf eine schnellere Verbindung als bei den letzten beiden Malen.  Habe immer noch *nichts* ordern können, da bei eBay noch nicht einmal die Startseite auf dem Bildschirm erscheint.  Ditto mit Google.  Und mein GPSmap 175 wird inzwischen gar nicht mehr hergestellt....
 
                                                               Mittwoch, der 21. November 2007
 
Mit dem per Internet ordern wird es hier wohl nichts.  Ich werde jemanden bitten müssen, das für mich zu tun, denn sonst wird das nie was.  Jörn Grote ist zur Zeit nicht in Trinidad sondern in Amiland und kann mir auch nicht helfen.  Originalton Jörn:  "Paradise is getting crowded  --  let's go to hell!"   ;-) 
 
Komischerweise verhält es sich damit so, daß die I-Kiribati die glücklichsten Menschen sind, die mir seit Ha'apai 1987 untergekommen sind.  Und dieses trotz unglaublicher Überbevölkerung, Armut, Arbeitslosigkeit, Staub, Dreck & Müll überall, gepaart mit Wassermangel und dem schlechtesten Boden zum Ackerbau, den Farmer Wu in seiner Laufbahn je gesehen hat.  Und der war auch schon auf genug anderen Inseln. 
 
Ansonsten haben wir das Wasser getestet, welches ich gestern geholt habe.  Als äußerste Grenze für trinkbares Wasser sind 500 gelöste Teile pro Million (ppm) angegeben.  Da wir über 800 ppm gemessen haben, wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als von nun an sauteures Mineralwasser zu trinken und auch unser Essen damit zu kochen.  Jetzt wäre Regen wirklich hilfreich, aber vor unserer Ankunft hat es hier vier Monate lang nicht mehr geregnet.  So sind allerdings die Tomaten von Farmer Wu besonders süß und lecker. 
 
Ben aus Fidschi hat unser Dinghy in Angriff genommen, besonders was die Fiberglasarbeiten angeht.  Auch jetzt ist es wieder bei ihm, so daß ich vorerst nicht zurück an Bord kann.  Er ist sehr nett, genau wie Teapo (oder Zappa? :-) aus Kiribati, der die Tischlerarbeiten und ähnliches erledigt.  Leider sind sie hier nicht sonderlich professionell, so daß DHARMA BUM III mehr und mehr einem alten Fischerboot ähnelt.  Alles sehr grob & wahrlich nicht auf Schönheit bedacht.  Uns selber stört das nicht sonderlich, nur wird es so mit dem Verkauf des Bootes sehr schwierig werden.  So ist auch Taiwan wieder im Gespräch, denn dort könnten wir das Boot wieder richtig gut herrichten lassen.  Gleichzeitig könnte Aurora ein Herzecho (wg. dem Kawasaki-Syndrom) und wir alle eine Volluntersuchung bekommen, zum Zahnarzt gehen & neue Brillen & Kontaktlinsen ordern.  Wir sind ja alle drei voll krankenversichert dort.  Liping könnte die Sache mit dem Finanzamt regeln, denn die wollen eine Nachzahlung von NT$ 20.000 von 2004 und außerdem müssen wir einen neuen Mietvertrag für Lipings Wohnung abschließen.  Auch sonst steht noch genug auf dem Programm.  Liping hat allerdings Angst, daß wir dann komplett dort hängen bleiben. 
 
Wenn man das Boot in Kaohsiung relativ preisgünstig an Land stellen kann, dann könnte ich dort auch eine Zeit lang arbeiten und vielleicht könnten wir uns dann auch mal einen Flug nach D-Land leisten.  Von Kiribati aus kostet der für uns drei übrigens US$ 10.000!!! 
 
Heute morgen habe ich die relative Windstille und das ruhige Wasser benutzt, um den Rotor vom Windgenerator abzubauen.  Ich hing mit dem Sicherheitsgurt an der Dirk und balancierte auf der Reling herum, wobei ich mit Bootshaken, Werkzeug und dem (angelaschten) Rotor selbst hantierte.  So hagelte es denn auch gleich Flüche und Verwünschungen, denen sich auch ein Sigvald Speckseite nicht zu schämen bräuchte.  Dieses Buch lese ich nämlich zur Zeit wieder einmal. 
 
Als ich an Land fuhr, kam mir ein einheimisches Aluboot entgegen, welches dermaßen viel Wake verursachte, daß der Riemen vom Rucksack riß und mein Computer zu Boden krachte.  Überflüssigerweise riß er nach der Reparatur auf der Werft gleich noch einmal, so daß der Computer erneut mit einem lauten Knall auf den Betonfußboden fiel.  Ich dachte schon, daß ich jetzt nur noch einen einzigen GPS hätte...
                                                                Donnerstag, der 22. November 2007
 
Heute wird Herbert Salvenmoser 45 Jahre alt (ob er wohl noch in Vanuatu oder schon in FSM ist?) und außerdem wird bei den Amis anscheinend auch Thanksgiving gefeiert; auf jeden Falls sind wir heute dazu bei einer Frau eingeladen, die in der Nähe des US Peace Corps wohnt. 
 
Gestern saß ich wieder mal eine Stunde vergeblich im Internetcafe.  Später habe ich hier an Bord zahlreiche elektromagnetische Sicherungen ausgewechselt, denn komischerweise scheint es ausgerechnet die hier zu geben.  Habe ich ansonsten erst einmal gesehen. 
 
Im Eiltempo ging es danach zur Botschaft, wo uns Botschafter Samuel Chen in sein Auto verfrachtete, um uns zusammen mit Madame Embassador zu den Hash House Harriers zu fahren.  Dort habe ich mich hauptsächlich mit einem Australischen Professor der University of the South Pacific und dem High Commissioner (Botschafter) of New Zealand unterhalten.  Letzterer war sehr interessiert an unserer Segeltour und würde uns auch gerne einmal auf dem Boot besuchen.  Außerdem hat er uns zu sich eingeladen, denn er hat einen Swimming Pool, was auf dieser wasserarmen Insel ein fast unglaublicher Luxus ist. 
 
Letzten Sonntag haben wir übrigens deutlich gemerkt, daß die Leute in Kiribati die Hilfe Taiwans und deren freundliche Vertreter wirklich überaus hoch zu schätzen wissen.  (Jedesmal wenn in einer Rede der Name "Taiwan" fiel, riefen Hunderte von Leuten ganz spontan "Ho!" und ließen keinen Zweifel an ihren Ansichten.)  Und dieses ist ganz bestimmt auf die kleine Taiwan-Truppe zurück zu führen, die weitaus mehr für Kiribati und die Leute hier tun, als es ihr Beruf verlangt.  Sie setzen auch im Privatleben alles daran hier Hilfe zu leisten und den Leuten einen guten Eindruck zu vermitteln.  Wir bewundern die Kiribati-Taiwanesen dementsprechend sehr. 
 
Einer von diesen hat eine hübsche I-Kiribati geheiratet & nun sind sie im Besitz unseres Auto-Kindersitzes, worüber sie sich sehr gefreut haben.  Es gab leckeres chinesisches Essen für alle & später sind wir wieder mit dem Bierlaster zurück, obwohl Samuel auch angeboten hatte uns zurück zu bringen.  Das fanden wir sehr nett, denn es ist auch für ihn ein großer Umweg.  Auf der Ladefläche des Bierlasters saß auch Tab aus Tuvalu, der uns in "The Captain's Bar" einlud, da er sehr gerne viel Bier trinkt.  Er ist Straßenbauingenieur, Beamter, gleichzeitig aber auch Geschäftsmann.  Außerdem ist er begeisterter Hochsee-Sportfischer und sein Sailfish (so eine Art Schwertfisch mit einem langen spitzen Schnabel und einer sehr großen schönen Rückenflosse ähnlich wie ein Marlin) hält hier sogar den Rekord.  Auch Tab möchte uns gerne mit seinen zwei kleinen Kindern an Bord besuchen und hat sogar angeboten einen Kasten Bier mitzubringen, damit unsere Vorräte nicht gar zu sehr dezimiert werden.  Auch möchte er gerne, daß ich ihm Skype-Out installiere und ihm beibringe, wie man es benutzt.  Werde ich bei nächstbester Gelegenheit in Angriff nehmen. 
 
So kam es, daß wir gestern erst gegen 1:00 Uhr ins Bett kamen. 
 
Dementsprechend geht es heute eher ruhig zu, aber gleich müssen wir schon wieder los zur New Zealand High Commission, denn Greg hat uns angeboten mit ihm zusammen zur Thanksgiving Feier zu fahren, die auf der anderen Seite des Atolls und damit sehr weit weg stattfindet.  So herrscht hier jeden Tag, Jubel, Trubel, Heiterkeit und unser Gesellschaftsleben fängt langsam fast an ein wenig anstrengend zu werden.  Allerdings ist es auch eine Art Entschädigung für all den Streß und Terror des letzten Törns.  So läßt man sich halt immer wieder hinreißen & segelt weiter, statt vernünftig zu sein und wie ein braver Bürger an Land zu leben und einer geregelten Arbeit nachzugehen.  Auch dafür haben die Chinesen ein spezielles Wort, nämlich guhuo, welches die Verhexung mittels eines legendären und giftigen Insektes bedeutet.  Sind wir also nun verhext oder was?  <Grins>
 
                                                                                      Freitag, der 23. November 2007
 
Nachdem wir uns die New Zealand High Commission samt Swimming Pool und Blumengarten angesehen hatten, ging es los in Richtung US Peace Corps, wobei uns der einzige Krankenwagen des Atolls mit heulenden Sirenen und Blaulicht überholte.  Sheila begrüßte uns, Aurora Ulani entdeckte deren Katze, womit sie erst einmal für längere Zeit beschäftigt war.  Wir haben den großen Gasgrill zu einem traditionellen Haus ohne Wände und Dach aus Pandanus-Palmenblättern getragen.  Musik von Norah Jones rieselte leise und angenehm auf uns herab & die Gespräche waren überaus interessant.  Sheila kommt ursprünglich aus England, ist im Gesundheitsbereich tätig, inzwischen 59 Jahre alt und hat fast ihr ganzes Leben mit dem US Peace Corps in etwa 30 verschiedenen Ländern verbracht.  Hauptsächlich war sie in Afrika tätig, wobei ihr - wie so vielen anderen - Malawi am besten gefiel.  In den Sudan würde sie nie wieder gehen, denn dort sah sie oft ganze Dörfer abgeschlachtet werden und auch ihr Krankenwagen wurde mit dem Maschinengewehr beschossen. 
 
Zum Abschied hat Sheila mir noch ein Buch über Kiribati geliehen, welches "The Sex Lives of Cannibals" heißt und von J. Maarten Troost geschrieben wurde.  Dafür werde ich ihr "In Trouble Again" von Redmond O'Hanlon leihen, denn das müßte ihr prima gefallen. 
 
Der Ankerplatz ist nach wie vor der schlechteste, auf dem wir je geankert haben, aber die lächelnden, singenden, freundlichen, überaus hilfsbereiten und oft lauthals lachenden I-Kiribati wiegen diesen Nachteil schnell wieder auf.  Und selbst die Ausländer hier haben sich von dieser Mentalität anstecken lassen, obwohl das Leben hier alles andere als einfach ist. 
 
--
Holger Jacobsen
S/V DHARMA BUM III
SHIP-IN-TRANSIT
c/o Embassy of Taiwan
P.O. Box 104
Bairiki, Tarawa
Republic of Kiribati
+68693662 (Handy)

Monday, October 15, 2007

Viele Gruesse aus Fidschi

Moin, moin!                                              Suva, Fidschi  --  Montag, der 1. Oktober 2007
 
Donnerstag habe ich versucht das Cruising Permit zu organisieren, wobei mich die Offiziellen furchtbar in die Irre geführt haben.  Als ich nämlich beim richtigen Gebäude fragte, haben sie mich quer durch die Stadt zum Hauptbüro geschickt, wonach ich dann wieder zurück bin, um dort im 2. Stock wieder woanders hin geschickt zu werden.  Schließlich bekam ich es aber doch.  Nebenbei habe ich Visa für Kiribati und die Federated States of Micronesia (FSM) beantragt und nachmittags ausklariert.  Dabei wurde mir im Zollgebäude der neue Regenschirm geklaut. 
 
Freitag waren wir zusammen mit Herbert Salvenmoser im großen amerikanischen Supermarkt Cost-U-Less, wo ich mir einen digitalen Wassertester (US$ 10) gekauft habe, um die Wasserqualität testen zu können, bevor ich das Zeug in meine Tanks kippe.  Nachmittags war ich kurz bei SkyNet und habe im New World Supermarkt noch einmal schwer zugeschlagen.  Dort habe ich nämlich eine 500 Candle Power Petroleum-Drucklampe (ähnlich wie Petromax) für US$ 45 erstanden.  Funktioniert mit Glühstrumpf, wird erst mit Alkohol & dann mit einer Art Petroleum "Flammenwerfer" vorgeheizt, wonach die Lampe wirklich sehr hell leuchtet.  Dann ging es ans Abschied nehmen, denn die meisten Leute bleiben entweder in Suva oder gehen nach Neuseeland oder Australien, so daß wir sie wohl kaum je wiedersehen werden. 
 
Erst lud ich Hugh (54, mit Inderin Roshni verheiratet, seit vielen Jahren unterwegs & unterrichtet seine Tochter Rita z.Zt. in der 4. Klasse nach dem Calvert Fernschulsystem) bei uns an Bord auf zwei Bier ein, dann lud mich der indische Manager des RSYC, Don, zu sich nach Hause auf zwei Bier ein und zu guter Letzt kam noch Nigel mit Elaine und drei Kindern zu uns an Bord, wo sie auch mit uns zu Abend gegessen haben.  Anschließend durfte ich noch in die beiden Maschinenräume, so daß ich erst spät nach Mitternacht in die Heia kam. 
 
Ich kann mir gut vorstellen so wie Hugh & Familie zu leben.  Durch die Calvert-Schule sind sie geographisch ungebunden, so daß sie jederzeit woanders hin gehen können, wenn es der Beruf erfordert oder ihnen der Sinn danach steht.  Hugh hat sein letztes Boot auf den Philippinen verkauft, dann in Kosrahe, Pohnpei, Palau und Amiland gearbeitet.  Dazwischen segeln sie mit ihrer Hallberg-Rassy hier im Pazifik herum und demnächst geht es wieder an die Arbeit auf den Cayman Islands.  Auf die gleiche Art und Weise könnten wir ein paar Jahre in D-Land leben (so daß Ulani die Sprache lernen kann), dann in China oder Vietnam Geld verdienen, um danach irgendwo anders "Urlaub" zu machen und vielleicht ein Buch oder zwei zu schreiben.  Träumen kann man ja immer.....   :-))
 
Aurora Ulani wachte mehrmals schreiend auf und ist schließlich zu Liping ins Bett, welche leider feststellen mußte, daß unser kleiner Zwerg total unterkühlt und am Zittern war.  Am nächsten Morgen hatte sie geschwollene und entzündete Augen - wohl eine Art Bindehautentzündung.  Seit gestern abend jucken auch meine Augen und Liping hatte vor einiger Zeit ebenfalls Streß in dieser Hinsicht. 
 
Samstag morgen regnete es wie üblich, aber wir sind trotz des miesen Wetters um 7:15 Uhr Anker auf gegangen, um durch den Paß ins offene Meer zu segeln.  Dabei bemerkten wir, daß schon wieder eine Yacht aufs Riff geknallt war.  Die Kielyacht lag total schräg mitten auf dem Riff, hinten hing ein Dinghy dran, aber die Leute waren anscheinend schon von einer anderen Yacht abgeborgen worden.  Mir sah es sehr nach Totalschaden aus.  Ich nehme an, daß auch diese Leute versucht haben nachts einzulaufen. 
 
Sobald wir draußen waren, wurde es recht ruppig, so daß wir alle drei seekrank wurden.  Meine beiden Mädels verschwanden im Bett, so daß ich mal wieder "Einhandsegler mit Familie" war.  Liping nahm dann doch ihr Mittel gegen Seekrankheit, wobei sie hart an der Grenze war.  Es ging allerdings noch einmal alles gut, wenn sie auch für die nächsten 12 Stunden total stoned und reichlich müde war. 
 
Ich bemerkte, daß wir nur noch 12 Solarlampen hatten.  Wo die 6. weiße Lampe abgeblieben ist, wissen wir nicht, aber wir nehmen an, daß Daniel und Aurora sie versust haben oder daß sie über Bord gegangen ist.  Später am Tage habe ich dann auch noch meine Gleitsichtbrille kaputt gemacht.  Wie gut, daß ich Ersatz an Bord habe!  Kurz vor 14:00 Uhr fiel der Anker hinter Yanuca Island (ausgesprochen Yanutha Island, Latitude: 18°22.76'S Longitude: 177°59.11'E) auf etwa zehn Meter Tiefe. 
 
Es ist recht nett hier, zur Zeit sind wir das einzige Boot und auch das Wetter ist besser als in Suva, obwohl es nur etwa 60 km entfernt ist.  Es ist zwar recht kühl und außerdem bewölkt, aber dafür regnet es hier viel weniger.  Und die Insel sieht aus, als ob hier CastAway mit Tom Hanks gefilmt werden könnte.  Der tatsächliche Drehort liegt allerdings ein paar Inseln weiter.  Ich war mit Ulani am Strand, wir haben uns kurz vorgestellt und sind ein bißchen herumspaziert, wobei sie begeistert Korallenstücke gesammelt hat. 
 
Abends verbreitete die neue Rhino Pressure Lantern taghelles Licht sowohl im Salon als auch im Cockpit.  Gleichzeitig kann das Teil auch noch als Heizung fungieren, was des Nachts bei knapp über 20°C gar nicht so verkehrt ist.  Auf jeden Fall waren wir alle drei ganz begeistert. 
 
Sonntag morgen habe ich Blödmann dann den Glühstrumpf zerstört, als ich die Lampe ein wenig reinigen wollte.  Ich habe zwar noch den Ersatzstrumpf aufgezogen, aber nun muß ich sehr vorsichtig sein und so schnell wie möglich Nachschub besorgen.  Dabei weiß ich noch nicht einmal wie so ein Glühstrumpf auf Englisch heißt.  Ich werde es mal mit " Mantle" versuchen. 
 
Wir waren alle am Strand, wo wir wahren Unmengen von Einsiedlerkrebsen gesammelt haben.  Mit dem Schlauchboot mußten wir im Slalom um die Korallen herumfahren und zuletzt ging es sicherheitshalber nur noch mit den Paddeln weiter.  Wir bekamen zwei Telefonanrufe von Liu Hong und Herbert Salvenmoser mit seiner BAMBOO.  Letzterer will heute hier eintrudeln.  Gestern gab es bei ihm zwar Regen, aber dafür eben auch Wind und der ist ja für Segelboote im Allgemeinen recht nützlich.  Bin ja mal gespannt, wann er denn nun hier ankommt. 
 
                                                                                      Mittwoch, der 3. Oktober 2007
 
Gestern und vorgestern waren meine beiden Schönen am Strand, während ich mit der neu angespitzten Harpune unterwegs war.  Getroffen habe ich zwar prima, was Montag zu zwei großen durchlöcherten Schuppen und Dienstag nach Aufziehen stärkerer Gummis auch zu einem durchlöcherten Fisch führte.  Nur hat der sich in letzter Sekunde vom Harpunenpfeil abgedreht, woraufhin er blitzschnell in einem Loch in den Korallen verschwand.  Ich habe also noch eine Menge zu lernen.  Außerdem sind die Gummis dermaßen schwer zu spannen, daß ich schon beim ersten Versuch einen dicken Bluterguß am Bauch bekam.    Herbert Salvenmoser hat beide Abende bei uns mitgegessen, gestern habe ich erst Liping in unseren und dann Herbert in seinen Mast hochgezogen.  Jetzt geht sein Licht wieder und wir können endlich wieder vernünftig unsere Flaggen hochziehen. 
 
Heute morgen um 8:00 Uhr (20:00 Uhr UTC) habe ich erstmals bei der deutschen Funkrunde von Winfried auf 10.090 kHz zugehört.  So bekomme ich das Wetter sogar auf Deutsch und höre außerdem was sonst noch so vor sich geht.  So hat es wohl in Tonga gerade einen kleinen Putsch gegeben - ist ja fast wie in Fidschi. 
 
Jetzt sind wir unterwegs zum Festland, denn morgen will ich mit dem Bus nach Suva, um dort unsere nagelneuen Pässe abzuholen.  Honorarkonsul Dave hat gesagt, daß er morgen da ist, denn er muß mir die Pässe ja persönlich übergeben und die alten ungültig machen.  Danach geht es weiter nach Musket Cove in den Mamanuca Inseln, nach Lautoka zu Ausklarieren und vielleicht noch ganz kurz in die Yasava Gruppe, bevor wir Fidschi verlassen.  Wie es zur Zeit aussieht, werden wir Vanuatu (früher die Neuen Hebriden) einen Besuch abstatten, bevor es in Richtung Äquator und damit den Nordpazifik geht.  Wenn die blöde Paßgeschichte nicht gewesen wäre, dann hätten wir die Torres Strasse jetzt schon hinter uns, wären bald im Indischen Ozean und damit ernsthaft auf dem Heimweg.  Doch leider (?) ist es dazu dieses Jahr zu spät. 
 
Das kann allerdings auch ganz gut sein, denn Mikronesien ist bestimmt auch schön und außer Asien sind dann erst einmal keine Highlights mehr zu erwarten.  Der Indische Ozean hat zwar ausgesprochen schöne Inseln, nur liegen diese unglaublich weit auseinander und die Segelei soll dort eher ruppig sein. 
 
Mittwoch (3.10.2007) ging es also in die Vunaniu Bay, wo wir mitten in der Wildnis geankert haben.  Um uns herum nichts als Urwald und als wir am späten Nachmittag die Landestelle erkundigten, stellte sich heraus, daß man eine ganze Weile durch Watt und Schlick waten muß, bis man an Land ist.  Die Leute waren freundlich, aber ausgesprochen arm - fast könnte man schon von einem Slum sprechen. 
 
Donnerstag bin ich also in aller Frühe los an Land, wo ich mir den Schlamm in einem kleinen Bach abgespült habe, bevor ich mich auf den Marsch zur Hauptstrasse gemacht habe.  Dort hielt dann schon bald ein Minibus, in dem ich der einzige Passagier war.  Der Fahrer wollte unterwegs nicht alle Fidschianer aufsammeln, denn er hatte Angst ausgeraubt zu werden, was den Indern und Chinesen hier wohl des Öfteren passiert.  Wie gesagt:  Die Südsee hat nicht nur vor langer Zeit ihre Unschuld verloren, sondern fängt jetzt auch an ihren Charme einzubüssen. 
 
Die Fahrt nach Suva dauerte 75 Minuten und kostete F$6 (€2,86).  Ich schaute kurz bei Liu Hong herein & holte die beiden Pässe bei Dave ab.  Er erzählte mir, daß es sich bei der gestrandeten Yacht um ein Fiberglasboot eines Ehepaares aus Finnland handelte.  Die Frau wollte lieber draußen warten, aber der Mann meinte man könne auch um 20:00 Uhr und somit in völliger Dunkelheit noch einlaufen.  Nun ist der Kiel abgerissen und eine Seite ebenfalls total zerfetzt.  Totalverlust, aber immerhin war das Boot versichert. 
 
In der Stadt traf ich dann noch eine Bekannte von der PINA COLADA.  Sie sind auf einer Überführungsfahrt nach Australien & waren gerade am Einlaufen, als wir durch den Paß wollten.  Sie hatte uns auch zugewunken, aber wir hatten sie nicht erkannt.  Bei Peter Fong habe ich ein Dutzend Glühstrümpfe gekauft, wobei ich gelernt habe, daß fast alle Fischerboote diese Lampen benutzen und so ein Glühstrumpf normalerweise zwei bis drei Monate hält.  Anschließend war ich mit den Einkaufslisten von Liping & Herbert unterwegs, so daß ich schließlich mit zwei schwer beladenen Rucksäcken und einer Flasche ausgesprochen teurem Rum für Herbert wieder in den Minibus stieg, der sofort abbrauste. 
 
Per UHF alarmiert, kamen meine beiden Schönen dann auch bei Flut, um mich abzuholen, wobei sie allerdings mit dem Außenborder im Schlamm stecken blieben.  Das war nicht weiter schlimm und so gab es später wieder ganz wunderbares Chinesisches Essen, wie eigentlich immer zu Mittag und zu Abend. 
 
Freitag sind wir trotz Starkwindwarnung (25+ Knoten) um 9:30 Uhr los durch den Paß, um dann recht geschwind mit teilweise über 11 Knoten gen Natadola Bay zu segeln.  Wir hatten das Groß gar nicht erst gesetzt und auch die Rollgenua nur zum Teil.  Herbert war schon morgens um 7:00 Uhr aus Yanuca Island abgesegelt, so daß er einen kräftigen Vorsprung hatte.  Wir sahen sein Segel vor uns, während wir uns per VHF verständigen konnten.  Er ist spät am Tag durch die Navula Passage gefahren, aber wir machen so etwas nur wenn die Sonne sehr hoch am Himmel steht.  Der Wind nahm immer mehr zu, so daß ich schließlich nur mehr ein Fitzelchen an Vorsegel stehen hatte und trotzdem immer noch am Surfen war. 
 
Der Ankerplatz in Natadola Bay war zwar innerhalb des Riffs, ansonsten aber kaum gegen den staken Wind geschützt.  Wir haben auf acht Meter und Sandgrund geankert, wobei ich drei verschiedene Alarme an hatte, um uns rechtzeitig zu warnen, fall der Anker nicht halten sollte.  Tat er aber prima.  Als wir draußen ein "Bula!" hörten, sahen wir einen Fischer samt Netz und zwei Kindern in einer grob gezimmerten Piroge.  Die Zahnlücke im Lächeln störte uns weniger, aber wir hatten doch Angst daß er uns mit dem schweren Holzboot ein Loch in unseren Rumpf fährt. 
 
Es kachelte fast die ganze Nacht, aber nach einer heißen Dusche aus der Giftspritze und einem guten mexikanischen Essen fühlten wir uns trotzdem pudelwohl.  Es tut einfach gut nicht immer andere Boote um sich zu haben, sondern mutterseelenallein irgendwo vor Anker zu liegen.  Am langen goldgelben Strand ritten ein paar Leute mit Pferden herum & das war auch schon alles. 
 
Heute morgen ging es nach einem gemütlichen Frühstück gegen 9:35 Uhr los, wobei wir deutlich weniger Wind hatten als gestern.  So geht es nur mehr langsam voran, was uns nach wir vor besser gefällt als Rauschefahrt mit entsprechend viel Bruch.  In etwa einer Stunde geht es durch den Paß, woraufhin wir die nächsten Tage innerhalb der Lagune in den Nadi Gewässern segeln werden. 
 
Steuerbord achteraus zieht gerade eine Bö auf, so daß ich mich lieber um das Boot kümmern sollte.
 
                                                                                      Dienstag, der 9. Oktober 2007
 
Samstag ging es also unter Segeln durch den Navula Paß.  Normalerweise mache ich so etwas nur wenn die Motoren laufen, aber dieses Mal stand der Wind günstig und außerdem war Platz genug.  Herbert drängte uns, gleich weiterzufahren, aber im Handbuch stand, daß man die Einfahrt durch die Riffe bei der Malolo Insel nur versuchen sollte, wenn die Sonne senkrecht am Himmel steht, so daß wir abgewinkt haben.  Inzwischen ist Herbert wohl schon in Lautoka, wo er nach Vanuatu ausklarieren wird.  Dabei haben wir immer noch seinen Rum an Bord. 
 
Wir haben allerdings in der Momi Bucht geankert.  Ein paar Fischer kamen mit einem großen Hammerhai (Sphyrna mokarran) in ihrer Piroge vorbei.  Sie haben ihn tauchenderweise erlegt.  Da war mir dann die Lust erst einmal vergangen unser Unterwasserschiff zu reinigen, so daß ich statt dessen die Rhino Pressure Lantern auseinander genommen und gereinigt habe.  Wenig später lief das Ding dann auch wieder & spendete blendende Helligkeit.  Wir lagen genau vor dem Leuchtturm, so daß wir niemanden in die Irre führen konnten.  :-)))  Nur kamen dann dermaßen viele Ameisen, Motten und andere Insekten angeflattert, daß wir nach einer Stunde wieder auf unsere Solarlampen umgestiegen sind. 
 
Sonntag morgen herrschte totale Flaute, aber wir sind trotzdem noch vor dem Frühstück los, um gegen Mittag vor Malolo Lailai zu stehen.  Zwischen den Riffen zahlte sich unsere Sorgfältigkeit mal wieder aus, denn wären wir nach "A Yachtman's Fiji" gesegelt hätten wir unser Boot aufs Riff gesetzt.  Ich hatte schon Warnung durch die Seekarte und so haben wir besonders scharf Ausguck gehalten.  Nach weniger als 3 1/2 Stunden haben wir auf fast 20 Meter Tiefe den Anker geworfen (Latitude: 17°46.35'S  Longitude: 177°11.12'E) und die ganze Kette ausrauschen lassen.  Laut Seekarte sind wir quer übers Riff gesegelt, was wieder einmal beweist, daß man sich auch auf die Karten nicht verlassen kann.  Und dann fahren die Leute auch noch nachts in unbekannte Häfen ein.....
 
Ich war kurz auf dem deutschen Nachbarboot von Holger und Marika, die hier schon zum 2. Mal und schon wieder seit vier Jahren herumsegeln.  Sie haben genau wie Karl und Libu als eines der ersten Deutschen Seglerpaare ihre Kinder auf dem Boot groß gezogen. 
 
Kaum war ich an Land, frischte es ordentlich auf, so daß wir nur kurz am Swimming Pool waren, denn bei solcher Tiefe muß man besonders aufpassen, ob der Anker denn nun hält.  Es gab aber keine Probleme.  So traf ich mich dann mit ein paar andern Seglern in der Four-Dollar-Bar, die offiziell Ratu Nemani Island Bar heißt.  Wie dieses ganze Ressort hier, ist auch diese Bar etwas besonderes.  Es ist nämlich erlaubt seine eigenen Sachen mitzubringen.  Feuerholz und sauberes Geschirr samt Servierten werden umsonst geliefert.  Hört sich erstaunlich an, ist aber tatsächlich nur ein Zeichen dafür, daß die Jungs hier ihr Geschäft verstehen.  So werden nämlich Unmengen Segler angelockt, die unweigerlich viele Dollars an der Bar für Drinks ausgeben.  Später gab es wieder ein leckeres Dinner im Schein der Rhino-Lampe, woraufhin wir ein langes und ernstes Gespräch hatten. 
 
Am nächsten Tag bin ich alleine mit Aurora los.  Zuerst haben wir die Mitgliedschaft auf Lebenszeit im Musket Cove Yacht Club beantragt.  Nur wer über den Ozean hierher gesegelt ist, kann Mitglied werden, was für den Käpt'n nur F$1 (ca. € 0,50) kostet.  Man kann alle Einrichtungen des Ressorts nutzen, wozu zahlreiche Swimming Pools und viele andere Sachen gehören.  Außerdem kriegt man auch noch ordentlich Rabatt beim Einkaufen etc.  Wir sind erst an der kleinen Piste für Kleinflugzeuge vorbei in die Plantation gewandert, wo wir uns in einem Kinderpool amüsiert haben.  Leider gab es dort keinen Schatten, so daß wir bald wieder einen Abgang gemacht haben.  Anschließend waren wir im großen Pool, wo Ulani schön mit Emily und Lennart gespielt hat.  Ihr Vater Arne hat in Flensburg studiert, denn er ist in der Berufsschiffahrt tätig.  Jetzt leben sie in Neuseeland und Arne will gerne für immer dort bleiben. 
 
Abends trafen wir uns wieder in der Four-Dollar-Bar.  Vom MCYC bekam ich eine Liste der Teilnehmer der diesjährigen "Regatta" nach Vanuatu (Das schnellste Boot wird automatisch disqualifiziert, es sei denn sie können nachweisen, daß sie sich ganz und gar nicht an die Regeln gehalten haben.  Es gibt Pluspunkte für Waschmaschinen, Kinder und schweres Zeugs an Bord, Minuspunkte für Spinnaker & Leichtwindsegel und außerdem muß jedes Boot mindestens eine Stunde pro Tag die Maschine laufen lassen.), auf der ich viele Bekannte entdeckte.  Was mich erstaunte, ist die Größe des durchschnittlichen Weltumseglerbootes heutzutage.  Als ich mit dem Segel-Unsinn anfing, war eine 9-Meter Yacht das ganz normale Boot.  Die Durchschnittsgröße liegt inzwischen bei 14,38 Metern!  Das kleinste Boot war acht Meter lang, wohl einer der im Aussterben begriffenen "Dinosaurier".  Da wir nicht einmal volle 12 Meter lang sind, gehören wir eindeutig zu den kleineren Booten heutzutage!!
 
Gleich werde ich mich mit unserer Logge beschäftigen, das Unterwasserschiff reinigen, um danach wieder mit Aurora an Land zu gehen.  Morgen werden wir wohl nach Lautoka auslaufen, wo wir nach Vanuatu ausklarieren werden. 
 
Viele liebe Grüsse aus Musket Cove, Malolo Lailai, Fidschi von Aurora Ulani, Liping & Holg
 
PS:  Jetzt geht es weiter nach Tarawa in Kiribati im Nordpazifik :-)

Latitude: 17°46.35'S  Longitude: 177°11.12'E

Monday, September 03, 2007

Royal Suva Yacht Club, Suva, Fidschi

Royal Suva Yacht Club, Suva, Fidschi
2 September 2007
 
Unser Aufenthalt in Apia, Samoa, begrenzte sich auf nur etwa eine Woche.  Der Grund lag allerdings nicht darin, daß die South Pacific Games bald beginnen sollten, noch daß man ab dem 23. August in die Marina gehen muß & nicht mehr im Hafen ankern darf.  Vielmehr mußten wir uns dringend um neue Pässe und um diverse Reparaturen kümmern. 
 
Kaum waren wir unterwegs, bekamen wir eine Gewitterbö nach der anderen zu spüren.  Normalerweise dauert der Spuk immer nur ein paar Tage, aber dieses Mal hörte er nicht wieder auf.  Auch hier am Ankerplatz ist das Wetter unverändert und nach Berichten von anderen Yachties ist es auch in Tonga nicht besser.  So kam es, daß wir erstmals das schnelle Ende eines Törns herbeisehnten, während wir uns normalerweise auf See wohler fühlen als am Ankerplatz. 
 
Natürlich ging bei dem wilden Ritt allerlei zu Bruch.  Zwei Segellatten machten sich selbstständig, die oberen Mastschlitten verabschiedeten sich wieder einmal (besser als die Schiene aus dem Mast zu reißen, wie bei einem anderen Kat hier), die Segel wurden stark in Mitleidenschaft gezogen und dies, obwohl wir zwei Reffs im Groß und auch die Rollgenua teilweise aufgerollt hatten.  So machten wir trotzdem noch Etmale von 150 Seemeilen, aber es war ein unangenehmes Gewackel. 
 
Wie üblich kamen wir im Dunklen an, so daß ich das Boot absichtlich verlangsamte, da ich grundsätzlich nicht nachts einlaufe.  Wie sich herausstellte, ist das eine gute Idee, denn beim Einklarieren erzählten uns die Offiziellen, daß ein anderer Kat nachts draußen aufs Riff gebrummt war.  Trotzdem laufen heutzutage fast alle Yachten nachts ein, wobei sie sich gänzlich auf ihre Elektronik verlassen. 
 
Als es hell wurde, schmiß ich die Maschinen an und nahm die Segel runter.  Kaum war das Segel unten, als die Dirk brach und der Großbaum runter krachte.  Ich habe ihn behelfsmäßig mit dem Großfall wieder hochgezogen.  Als nächstes verabschiedete sich ein großer Niroschäkel, verschwand in den Tiefen des Ozeans und zu guter letzt brach der Gashebel für die Backbordmaschine nahe am Sockel ab. 
 
Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Hafenmeister, der Gesundheitsbehörde & dem Hafenpiloten mußten wir drei Mal umankern (schließlich sogar außerhalb des Quarantänekreises), bis alle zufriedengestellt waren.  Natürlich war es Sonntag, so daß wir einen Tag auf 20 Meter Tiefe ankern mußten und auch am Montag warteten wir viele Stunden lang auf die Behörden.  Dafür waren sie bis jetzt die freundlichsten ihrer Art, so daß selbst die saftige Gebühr von US$ 67 für die Barkasse nur mehr ein kleiner Wermutstropfen war. 
 
Sobald wie möglich suchte ich nach dem deutschen Konsulat, dessen Adresse ich bei http://www.konsulate.de gefunden hatte.  Leider stellte sich heraus, daß diese Information total veraltet war.  Schlechte Nachrichten, denn das Konsulat war einer der Hauptgründe warum wir Fidschi angelaufen waren.  Die Europäische Botschaft kümmert sich nicht um Paßangelegenheiten, aber glücklicherweise gibt es einen Honorarkonsul, der diese Geschichten über die Botschaft in Neuseeland organisiert.  Ein ausgesprochen teurer Spaß, aber was sein muß, muß sein. 
 
Ein echter Schocker war allerdings, als wir erfuhren, daß selbst der größte Travellift in Vuda Point DHARMA BUM III nicht aus dem Wasser heben kann.  Wir sind mit 6,39 Metern schlicht und einfach zu breit für den Slipway.  Nun war guter Rat teuer, denn wir hatten inzwischen beschlossen weder nach Australien noch Neuseeland zu gehen.  Fast alle Yachties hatten irgendwelche Horrorstories zu berichten, sei es nun wegen des haarsträubenden Wetters, der großen Anzahl der Boote, der schlechten Handwerksarbeit und der absurden Kosten.  Vielleicht hört sich all dies nach Vorurteilen an, aber seit wir in Trinidad gelernt haben, daß schon ein einziges Jahr einen großen Unterschied machen kann, wäre es schlichtweg dumm, die Erfahrungen anderer Yachties zu mißachten. 
 
DHARMA BUM III muß allerdings unbedingt aus dem Wasser, so daß uns gar nichts anderes übrig bleibt als auf der teuren Schiffswerft aus dem Wasser zu gehen. 
 
Noch im Dunklen sollte es eines Morgens los gehen und schließlich waren wir mit etlichen Tauchern an Bord und trotz starken Seitenwinds zwischen großen Wracks und kommerziellen Schiffen richtig vor dem Slipwagen positioniert.  Nur ging leider die große Winde nicht und später am Tag erfuhren wir, daß der Motor irreparabel ist.  Diese Verzögerung stellte sich allerdings als Glück im Unglück heraus, denn nun regnet es seit Tagen fast ununterbrochen, so daß wir sowieso keine Fiberglasarbeiten hätten vornehmen können. 
 
Sobald wir diese Sache erledigt haben, werden wir auf die andere Seite von Viti Levu segeln, um dort die restlichen sechs Wochen auf unsere Pässe zu warten.  Wenn wir diese in der Tasche haben, geht es schnurstracks nach Norden, denn die Zyklonsaison kommt mit Riesenschritten auf uns zu.  Wir planen diese in Kiribati, Mikronesien und generell im Nordpazifik zu verbringen, um danach nach Asien zu segeln.  Vielleicht kommen wir bis nach Langkawi oder Thailand, wer weiß?  Wenn ja, so werden wir dort das Boot generalüberholen, denn das ist nach all dieser Zeit dringend nötig.  Auch ein kleiner Urlaub vom Boot ist inzwischen durchaus willkommen, ganz davon zu schweigen, daß wir seit Juli 2004 nicht mehr bei meinen Eltern in Frörup waren.  Schließlich soll Aurora Ulani ja auch ihre Oma und ihren Opa richtig kennenlernen. 
 
Doch ist es mit unseren Plänen ja meistens so, daß wir sie über den Haufen schmeißen und so steht nichts wirklich fest.  Robert Adair und Jerry blieben mit EPICURUS ein ganzes Jahr in Kosrahe und so etwas könnte natürlich auch uns "zustoßen".   Auch heute wieder ging gar nichts nach Plan, denn auf einmal haben wir gleich drei Kinder an Bord.  Daniel ist sechs und die kleine Lisa ist 1 1/2 Jahre alt.  Nigel und Elaine von SPINALONGA sind im Krankenhaus, wo sie die Ankunft eines weiteren Familienmitgliedes erwarten.  Dann kommt noch unsere alter Freund Herbert Salvenmoser von der BAMBOO in ein Tagen an & wir werden versuchen unsere Pläne miteinander abzustimmen, damit wir zumindest einige Zeit zusammen verbringen können.  Schließlich sind wir ja mit die Hauptschuldigen, daß er jetzt ebenfalls auf einem Trimaran in der Südsee unterwegs ist, statt weiter an der deutschen Schule in Taipei zu unterrichten.  <Hihi>

Thursday, July 26, 2007

DHARMA BUM III -- Pago Pago -- Amerikanisch Samoa

Moin moin,                                                                Sa., 21. Juli 2007
 
Nach haargenau 13 Segeltagen sind wir heute morgen hier in Pago Pago (sprich Pango Pango) in Amerikanisch Samoa eingelaufen.  Gesehen hatten wir die Insel schon gestern, so daß wir gegen 23:00 Uhr die Segel runtergenommen haben, um uns treiben zu lassen und das Tageslicht abzuwarten. 
 
Nach Verlassen Tahitis hatten wir starken Wind ziemlich genau auf die Nase, wobei es auch noch andauernd regnete und recht kalt war.  Dann wurde der Wind zum "Maramu".  Dauerte zum Glück nur ein paar Tage.  Leider ging durch das Gegenangebolze das große Scharnier an der Tür für die Tiefkühltruhe kaputt.  Am zweiten Tag lag die Insel Maiao achteraus und der Wind wurde ein bißchen leichter.  Ich habe die Gelegenheit benutzt, um unsere beiden Wanten um je drei Umdrehungen anzuziehen, denn sie schlackerten mir zu sehr durch die Gegend.  Danach nahm der Wind immer mehr ab, so daß wir am 7. Tag nur noch ein Etmal von 41 Seemeilen verzeichnet konnten.  Wie üblich, störte uns das allerdings überhaupt nicht.  Mit so ausgezeichneten Vorräten an Bord - die meisten noch aus Panama - ficht uns so etwas ganz und gar nicht an.  Eines Tages gab es sogar ganz wunderbare Shuijiao, deren Haut fast so zart war, wie die besten Huntun, die wir aus Taipei kennen.  (Dank LADY JANE III wissen wir inzwischen überhaupt, was wir sind.  Wir sind "Foodies", ganz eindeutig.  :-)  Auch haben wir nur noch 20 Kästen Panama-Bier, 26 Liter Wein, 51 Liter Tonic-Water und 28 Liter Panama-Rum übrig.  Langsam sollten wir also ans Aufstocken denken.  <Grins> 
 
Unangenehm war die wachsende Reparaturliste.  An der Bbd-Maschine konnte ich nicht mehr vorglühen, so daß ich den ganzen Mist ausgebaut, im Cockpit ausgebreitet und auch dort repariert habe, um ihn wieder einzubauen.  Eine meiner Batterien muß kaputt sein, zwei Segellatten machten sich selbstständig, beim Kühlwasser gab es Lecks, die Dirk war an den Verschlüssen für die Segellatten fast komplett durchgescheuert und einer meiner Keilriemen wollte sich nicht mehr nachspannen lassen.  Es gab also immer genug zu tun und Langeweile kam keine auf. 
 
Am 9. Tag gab es eine "Gale", also fast schon einen Sturm, bei der die maximale Windgeschwindigkeit bei 46  Knoten lag.  Unser Boot surfte mit 11,2 Knoten dahin, während ich in Winterklamotten & Regenkleidung draußen am Ruder saß, um sicherzustellen, daß DHARMA BUM III nicht seitwärts zu den Wellen kam.  Wie üblich war der Spuk nach drei Tagen vorbei und wir konnten die Uhren auf UTC - 11 Stunden umstellen. 
 
Am 16. Juli zog gerade wieder eine "Squall" mit besonders viel Regen auf, als ich im Wasser etliche große grünliche Flecken entdeckte, welche sich parallel zu DHARMA BUM III  zu bewegen schienen.  Mir schienen sie fast doppelt so lang wie unser Boot, will heißen so um die 24 Meter lang.  Obwohl wir aufgrund der Bö ziemlich abzischten, schienen sie keine Schwierigkeiten zu haben uns zu überholen.  Als neben uns eine Fontäne hochstieg und eine relativ kleine sichelförmige Rückenflosse aus den Fluten tauchte, war uns endlich klar, daß wir es mit recht großen Walen zu tun hatten.  Später saß ich mit zwei Bestimmungsbüchern & meiner Enzyklopädie dabei, um herauszufinden was für welche es denn nun waren.   Zu meinem Erstaunen habe ich festgestellt, daß es sich um die zweitgrößten Lebewesen auf dieser Erde handeln mußte, nämlich um Finnwale (Balaenoptera Physalus).  Die größten sind übrigens die Blauwale, die auch von den Dinosauriern nicht übertroffen wurden. 
 
Leider hatte ich dann keine Zeit mehr, diese faszinierenden Lebewesen zu beobachten, da das Wetter noch schlechter wurde und ich mich um mein Boot kümmern mußte.  Wieder Zeit für die dicke Winterjacke und " Bad Weather Gear".  Zu allem Überfluß machte sich auch noch mein großes Lieblings-Rum-and-Tonic-Glas selbstständig und zerschellte auf dem Boden der Kombüse, während ich am Ruder saß. 
 
Am Mittag des nächsten Tages ging es immer noch flott voran, aber danach fing der Wind an einzuschlafen.  Also habe ich nachmittags alle Segel runtergeholt, zwei neue Mastschlitten rausgekramt und mit dicken Strapsen festgenäht.  Blödes Design, denn die Dinger halten bei ein wenig Wind immer nur eine Woche oder so.  Ich muß allerdings auch gestehen, daß ich von Tahiti bis Samoa die ganze Zeit Vollzeug stehen hatte.  Trotzdem machten wir im Durchschnitt weniger als 100 Seemeilen pro Tag.   
 
Nachdem ich meine neuen blauen Flecken, Schürfwunden, Schnitte usw. begutachtet und ein leckeres Dinner zu mir genommen hatte, schlief ich die nächsten vier Stunden erst einmal im 20-Minuten-Takt.  War einfach zu fertig, um kontinuierlich wach zu bleiben, zumal ich mich auch noch in den Maschinenräumen vergnügt hatte. 
 
Am 11. Tag gab es dann endlich das, was Bernhard Moitessier in "Sailing to the reefs" als eine der wichtigsten Komponenten des Seglerhimmels bezeichnet hat.  Eine beständige Brise der Stärke 4 mit dazugehörigem blauem Himmel.  Früher fand ich 4 Beaufort eigentlich ein bißchen wenig für meinen Geschmack, aber heutzutage paßt es mir genau in den Kram.  Komischweise lasse ich die Segel inzwischen länger stehen als sonst, was aber auch an den 7 Metern Breite von DHARMA BUM III liegen könnte.  Ich kann mir absolut nicht vorstellen, dieses Boot ohne starken Seegang zum Kentern zu bringen.  Da geht dann schon eher der "Stick" (Mast) über die Seite.  Nicht, daß ich so etwas gerne ausprobieren würde.  Nach Karl & Libu bin ich der vorsichtigste Segler, den ich kenne.  War halt schon immer ein Angsthase.  :-)
 
Nach einer leckeren Kohl-Lasagne meinte Aurora Ulani am nächsten Tag: "Wie können GPS und Autopilot denn miteinander kommunizieren?!?  Sie haben doch weder Mund noch Ohren!"   Obwohl wir ihr das mit den Kabeln erklärten, scheint sie uns immer noch nicht so ganz zu glauben. 
 
Die letzten paar Tage waren dann eher "wackelig", aber das macht ja weiter nichts.  Als es hell genug war und ich wenigstens halbwegs genug geschlafen hatte, schmissen wir beide Maschinen an, um in den Hafen zu fahren.  Wir wurden auf UKW angesprochen, auf die Auslegerkanus acht zu geben, die gerade auf See trainierten.  Ich bin also dreien davon ausgewichen, nur um wenig später vom Polizeiboot angepreit zu werden.  War ein RIB-Schlauchboot, wie immer mehr der kleineren Boote.  Die beiden dicken (und bestimmt trotzdem unglaublich kräftigen) Samoaner waren allerdings ausgesprochen freundlich.  Sie wiesen mich darauf hin, daß es Sonnabend  und somit wohl niemand im Büro des Hafenkapitäns sei.  Schließlich bekamen sie doch noch einen Offiziellen an die Funke, der mir erlaubte bis Montag hier zu ankern, um erst dann einzuklarieren.  Ich hatte ausdrücklich darum gebeten, denn die Überstundengebühren sind empfindlich. 
 
Nun ankern wir also auf 10 Metern von trüben Fluten, aber obwohl wir direkt vor der Disco ankern, haben wir bis jetzt das Gefühl, daß Pago Pago trotz des Fischgestankes gar nicht so schlecht ist wie sein Ruf.  Karl und Libu haben diese Ecke auch empfohlen und so werden wir Sonntag damit verbringen unser Beiboot zu Wasser zu lassen, um dann zu sehen wie es weiter geht. 
 
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                                                                                     So., 22. Juli 2007
 
Heute nacht gingen ein paar Mal die Alarmsysteme los, da wir im böigen Wind immer hin und herpendelten und somit der GPS-Ankeralarm ausgelöst wurde.  Als es heute morgen auch beim Anker-Flach-Alarm andauernd anfing zu piepen, kam ich zu dem Schluß, daß wohl ein großer Fisch ihn ausgelöst haben muß.  Ulani läßt verlauten, daß ich über Katzen schreiben soll.  Ihrer Meinung nach sind die " Hello Kitty" Katzen, welche die Chinesen "Ohne Mund Katzen" nennen, nämlich in Wahrheit "Menschenkatzen", da sie aufrecht auf den Hinterbeinen gehen & Kleidung tragen. 
 
Beim Frühstück habe ich heute doch tatsächlich vergessen Kaffee zu trinken, da ich auf See immer nur am Anfang der Nachtwache Kaffee trinke.  Als wir alle Pfannkuchen vertilgt hatten - die Hälfte mit Ananasscheiben und die zweite Hälfte mit Sirup - habe ich mich daran gemacht, unser Beiboot zu Wasser zu lassen.  Dabei mußte ich feststellen, daß es unter der Schutzpersenning angefangen hatte zu schimmeln.  Hinterher war der Außenborder dran, den ich fast versenkt hätte, da die Befestigungsgurte immer abglitten.  Irgendwann war dann doch alles fertig & der Motor sprang gleich beim ersten Ziehen an.  Zwischendurch bekamen wir Besuch von der MARCY Crew, die wir in Vaitahu kennengelernt und dann in Tahiti wieder getroffen hatten.  Hinterher kamen noch Gerhard & Robin von der HEIDI vorbei.  Sie hatten sich 1973 in Papeete kennengelernt, als Robin mit ihren Eltern auf deren Boot unterwegs und Gerhard Einhandsegler war.  Nun segeln sie immer noch, obwohl Gerhard schon 71 Jahre alt ist.  Die letzten drei Jahre haben sie in dieser Ecke (Samoa, Fidschi, Tonga, Neuseeland) verbracht, aber die nächste Zyklonsaison wollen sie im Nordpazifik in Mikronesien verbringen. 
 
Sie rieten uns dringend, nach Neuseeland zu segeln, um dort unser Boot zu insten.  Alles Andere wäre nichts und nach Pago Pago gäbe es außer Spam und Corned Beef auch nichts vernünftiges zu Essen zu kaufen.  Hatten wir ja fast schon erwartet.  Selbst in Neuseeland soll es in der Richtung allerdings eher dürftig aussehen.  In Fidschi wäre eine Militärdiktatur am Herrschen & Nuku'alofa in Tonga wäre durch die schweren Unruhen total zerstört und abgebrannt.  Die Stadt, die mein Bruder Birger und ich im Winter 1987 kennengelernt hatten, gibt es also gar nicht mehr.  Na ja, so geht es wohl mit allen Sachen, denn mit dem Frörup - und dem Deutschland - meiner Kindheit sieht es ja auch nicht anders aus. 
 
Außerdem empfohlen Gerhard und Robin den hiesigen Zahnarzt, der erstens sehr gut und zweitens ausgesprochen billig sei.  Sich im LBJ Krankenhaus einzuschreiben kostet 10 Taler, der Arztbesuch 30 und auch ansonsten wäre die medizinische Versorgung hier erstklassig.  Mit meinem neuen Paß sieht es allerdings sehr schlecht aus, denn selbst in Apia im ehemals deutschen Westsamoa scheint es nur einen Ehrenkonsul zu geben, der mir wohl keinen neuen Paß verschaffen kann.  Es sieht also eher nach Fidschi oder Neuseeland aus. 
 
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                                                                                           Di., 24. Juli 2007
 
Sonntag waren wir ja hier auf unserem Boot "gefangen", da wir noch nicht einklariert hatten.  Montag rief ich dann die Jungs an, um sie darum zu bitten per Beiboot einklarieren zu dürfen.  Nach einigem Hin und Her haben sie es schließlich erlaubt.  Natürlich ging gerade ein Wolkenbruch nieder, als wir im Dinghy saßen.  Dafür lief der Papierkram problemlos und freundlich ab.  Ist ja eher selten, so was. 
 
Nachmittags ging es ein weiters Mal an Land, um unseren Müll loszuwerden.  Als wir damit fertig waren - ich war dieses Mal so naß geworden, als ob ich ins Wasser gefallen wäre - sind wir kurz ins Museum, um danach mit einem Bus (umgebauter Laster) zum " Cost-U-Less" zu fahren.  Dort habe ich mir eine Schleifmaschine ($20), drei 9-LED Taschenlampen (zusammen $10) und natürlich noch eine Unmenge Futter und anderen Kram gekauft.  Wieder 100 Taler weniger. 
 
Der dritte Landgang des Tages war allerdings vergeblich, denn die Internetcafes, Geschäfte und Restaurants machen alle schon um 17:00 Uhr zu, was ich nicht wußte.  Unschön war, daß ich auf einmal entdeckte, daß die Bilgepumpe für den Stbd-Maschinenraum ununterbrochen lief, da der Schwimmerschalter seinen Geist aufgegeben hat.  Die Dinger halten echt nicht lange.  Zur Zeit schalte ich diese Pumpe also per Hand ein und aus.  Muß ich dringend ändern, denn wenn mir der Stbd-Maschinenraum mit Batterien, Spannungswandler, Motor usw. absäuft, wäre das eine Katastrophe. 
 
Heute ging es früh ins LBJ Hospital.  Für $30 sind wir drei dort registriert worden und los ging es zum Zahnarzt.  Ich kam als erster dran & er hat mir die Zähne für weitere $30 gereinigt und poliert.  Außerdem meinte er, daß ich Probleme mit dem Zahnfleisch hätte.  Bei Ulani war überhaupt gar nichts zu machen.  Der Zahnarzt meinte zu ihr, daß sie wunderschöne Zähne hatte, worüber sich unsere Kleine ganz mächtig gefreut hat.  Als er ihr dann noch einen Zahnarztspiegel aus Plastik und einen Ring geschenkt hat, wurde er zu ihrem Freund.  Selbst jetzt redet sie die ganze Zeit davon, daß sie morgen wieder hin will.  Bei Liping wurden die Zähne ebenfalls gereinigt und poliert.  Als dieser Zahnarzt hörte, daß wir mit einem Segelboot unterwegs sind, schenkte er ihr zwei Zahnbürsten, 13 Packungen  Dental Floss und acht Packungen kleine Plastikschlaufen (Floss Threaders), damit sie ihre Zähne noch besser reinigen kann.  Und da er anscheinend fand, daß mich sein Kollege zu hart zur Kasse gebeten hatte, hat er für meine beiden Mädels keinen Pfennig berechnet.  Alles in allem kamen wir also mit 60 Dollar davon. 
 
Anschließend waren wir im TSM Mart einkaufen, wobei Aurora als Belohnung ein wenig Spielzeug geschenkt bekam.  Sie war nämlich ausnahmsweise besonders lieb heute.  Im Internetcafe erfuhren wir dann, daß unsere Freundin Jane von LADY JANE III in Bora Bora am Freitag dem 13. fast gestorben wäre.  Auf einmal bekam sie eine innere Blutung, mußte mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus nach Raiatea  und dann nach Tahiti geflogen werden.  Dort wurden ihr etliche Liter Blut und zwei Operationen verabreicht.  Jetzt ist sie in Irland, Jim durfte das Boot alleine von und dann wieder nach Raiatea segeln, da es nur dort an Land gestellt werden kann.  Und die Krankenversicherung der beiden hat sich geweigert zu zahlen. 
 
Karl & Libu von der ROSINANTE sind in der Tschechei und ihr Sohn Kai von der TREANNA ist nach Roy auf SEA LOONE der zweite, der sich darüber beschwert, daß wir uns nicht genügend Zeit für unsere Reise lassen.  Kai wird sich demnächst mit seinen Eltern in Reutlingen treffen, wo sie die ROSINANTE gebaut und 1973 zu Wasser gelassen hatten.  Auch unseren Freunden mit dem tollen Catana-Katamaran CELUANN (sie waren " untenrum" in die Südsee gekommen & sind schon drei Jahre hier) ist es nicht so toll ergangen, denn Kaspar mußte ganz dringend in die Schweiz zurück, da es seiner Mutter plötzlich sehr schlecht ging.  Stefanie kümmert sich nun in Western Samoa um das Boot, denn alleine lassen kann man es in dieser Gegend nicht.  Dafür ist der Kat DRUNKEN DUCK aus Travemünde mit Frank und Maik aus Ossiland erfolgreich gegen den Passat von Brasilien aus zu den Kap Verden und den Kanarischen Inseln gesegelt.  Hut ab!!!  Wer Interesse hat, soll sich melden, dann schicke ich die ganze Story. 
 
Ansonsten ist Amerikanisch Samoa tatsächlich viel besser als sein Ruf.  Sicher, das Wasser in der Bucht - alter Vulkankrater - ist von den zwei Fischfabriken verschmutzt und manchmal stinkt es auch dementsprechend.  Aber diese Geschichte wird locker aufgewogen von den Samoanern.  Der alte Busfahrer aus dem ehemals deutschen Teil Samoas heute hat wie ein Taxi fungiert, als ich ihn fragte ob er in Richtung Krankenhaus führe.  Er war baß erstaunt, daß wir auf einem kleinen Boot durch die Weltgeschichte segeln, klopfte mir immer wieder auf die Schulter und - während des Fahrens auf der kurvenreichen Strasse direkt an der Steilküste - sah sich meine beiden Mädels eingehend an.  Auch die Segler hier sind mehr nach unserem Geschmack.  Irgendwie scheinen hier nur die Parias unter den Seglern hinzukommen, denn alle anderen legen einen ausgesprochenen Herdentrieb zu Tage. 
 
Das für uns Unerwartete ist, daß es hier gar keine Stadt gibt, sondern eher ein sehr langgestrecktes Dorf.  Alles liegt an einer Strasse und man ist per Bus vielleicht eine halbe Stunde unterwegs, um dahin zu gelangen, wo man eigentlich hin will.  Ein echtes Zentrum gibt es nicht, es sei denn man betrachtet den Markt oder den Hafen als Zentrum. 
 
Kurz vor Sonnenuntergang kamen Peter & Ginger von der MARCY vorbei.  Sie erzählten, daß sie unsere Solarlampen schon aus einer Entfernung von zwei Seemeilen (3,7 km) gesehen hätten!!!  Da waren wir doch sehr erstaunt.  Auch diese beiden, die in einem früheren Leben mit dem Fahrrad durch Tunesien geradelt sind und eine 22-jährige Tochter haben, mußten ihre Pläne dahingehend ändern, daß sie ihr Boot in Neuseeland aus dem Wasser holen müssen. 
 
So, nun geht mir wieder einmal der Strom aus.  Beide Computer sind "alle".  Der Tag war bewölkt und außerdem herrscht totale Windstille.  Aber irgendwann werde ich diese Geschichte zu Ende erzählen können.
 
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                                                                                      Mi., 25. Juli 2007
 
Gab es gestern extrem viel Regen in sehr kurzer Zeit und heute gibt es mächtig viel Wind.  Da der Ankergrund ausgesprochen schlecht ist, traue ich mich nun nicht von Bord.  Dabei gibt es noch so viel zu erledigen und die Zeit rennt wie verrückt.  Gestern habe ich noch erfahren, daß man hier Schwimmerschalter zu normalen Preisen kaufen kann, so daß ich mir heute wohl drei oder vier davon holen werde.  Leider gibt es anscheinend kein Tauwerk, welches wir ebenfalls dringend benötigen.  Na ja, irgendwo werden wir es schon kriegen.  Ich hoffe nur, daß die Dirk so lange hält, denn sonst muß ich mir überlegen wie ich den Baum hochhalten soll, wenn das Großsegel nicht steht.  Notfalls kann ich dann ja das Großfall benutzen. 
 
Auch meine beiden Ruder machen mir Sorgen.  Vielleicht haben sie doch von einem der Baumstämme, die wir gerammt haben etwas abbekommen, denn sie sind jetzt sehr schwergängig.  Kann gut sein, daß sich deswegen der Linear Drive des Autopiloten verabschiedet hat.  Dann sind da noch diverse Löcher unter der Wasserlinie.  Das Boot muß aus dem Wasser & endlich mal wieder vernünftig überholt werden.  Nur wo?  Einen neuen Paß zu bekommen dauert mindestens zwei Monate & Liping mit ihrem Taiwan-Paß braucht sowieso für jedes Land ein neues Visum.  Wie lange sie dann irgendwo bleiben darf, wissen wir auch nicht, da die Vertretungen uns das so nicht sagen wollten. 
 
Viele Grüsse von den drei Dharma Bums Aurora Ulani, Liping & Holger

Wednesday, June 27, 2007

Fotos

http://picasaweb.google.com/krautholg/

Hier kann ich zur Zeit umsonst Fotos Hochladen. Damit werde ich mich
also heute mal beschäftigen, denn wir haben gerade genug Strom für
solche Scherze... :-)

Sunday, June 10, 2007

Von Panama nach Tahiti -- S/V DHARMA BUM III -- Tahiti, 9. Juni 2007

Eigentlich hatten wir ja gar nicht zu den Galapagos Inseln wollen, sondern zur Osterinsel und anschließend nach Pitcairn.  Doch als nach nur einem Tag der Linear Drive unseres Autopiloten das Zeitliche segnete und an eine Umkehr wegen der sechs Beaufort mit den dazugehörigen Wellen nicht zu denken war, hielten wir kurzentschlossen auf Isla San Cristobal zu.  Unser alter 12 Meter Privilege Katamaran DHARMA BUM III hat eben nicht nur Vorteile.  Gegen den Wind kommt man nur schwerlich voran. 
 
Kaum hatten wir die Entscheidung getroffen, als auch schon der Wind nachließ und Flaute herrschte.  Ab und zu kam mal ein leichter Hauch vorbei, so daß das Steuern per Hand zwar nicht sonderlich mühsam war, aber eben auch nicht viel Fortschritt brachte.  Statt die beiden 40 PS Volvo Diesel anzuwerfen, zogen wir nachts die Segel runter und hatten Zeit für die Familie.  Meine Frau Liping aus Taiwan kochte hervorragende chinesische Gerichte, unser kleines Töchterlein Aurora Ulani tobte überall herum und bis auf das Steuern per Hand hatten wir praktisch zwei Wochen "Doldrums-Urlaub" bis zur Ankunft. 
 
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Anfangs fanden wir es ganz niedlich, wenn die Seelöwen auf unser Heck krabbelten und Aurora Ulani blieb die ganzen 20 Tage begeistert.  Liping & ich änderten allerdings bald unsere Meinung, besonders wenn einer von uns mit einem zerbrechlich aussehenden Besenstiel auf einen wahrhaft riesigen Seelöwenbullen zuging, der mit höchst ärgerlichem Bellen antwortete, sich aber keineswegs von seinem Platz am Cockpittisch wegbewegen wollte.  Es brauchte nur wenig Vorstellungskraft, um sich vorzustellen, was das Biest mit seinen monströsen Hauern ausrichten könnte.  Der Gestank und die Reste von Fischen, welche die Viecher überall herumstreuten trugen ebenfalls dazu bei, sie bei uns zu eher unbeliebten Besuchern zu machen.  Dabei hatten wir manchmal bis zu sieben Stück an Bord. 
 
Da waren die urigen Seeleguane uns schon lieber, zumal sie sowieso nicht an Bord kamen.  Wenn die blaufüßigen Tölpel ihre Sturzkampfbomberakrobatik direkt neben der Bordwand ausführten, so erschreckten sie einen zwar manchmal, waren ansonsten aber immer willkommen.  Auch wenn die Solaranlage öfter reinigen mußten als gewohnt. 
 
Ansonsten hatten wir nicht so viel Zeit für die Inseln, wie wir sie gerne gehabt hätten.  Ein Offizieller der Hafenmeisterei wollte mir nicht so recht glauben, daß wir wirklich Probleme hatten, so daß ich schließlich den Linear Drive ausbaute, um ihn seinem Vorgesetzten und schließlich dem Boss selbst vorzuführen.  Zwanzig Tage Maximum wurden mir beschieden.  Mehr ginge auf gar keinen Fall.  Nur war der neue Linear Drive leider beim Zoll in Guyaquil hängen geblieben, die erst einmal US$ 400 von mir sehen wollten, Ship-in-Transit oder nicht.  Trotz FedEx wurde alles sehr knapp.  Tatsächlich bekam ich ihn am letzten Tag und hatte inzwischen auch den alten reparieren lassen. 
 
Nach nur 19 Stunden gab dieser allerdings erneut seinen Geist auf, so daß wir ausgesprochen froh waren, tief in die Tasche gegriffen zu haben.  Trotzdem entschieden wir uns für die Marquesas, die wir 1995 mit unserem Horstman Tri-Star 38 Trimaran DHARMA BUM II besucht hatten.  Wir hatten zwar einen gewissen Bammel, daß wir eine herbe Enttäuschung erleben würden, aber andererseits hatten wir gute Freunde dort, die wir gerne noch einmal besuchen wollten. 
 
Die Segelei glich wieder der in den Doldrums, denn oft gab es überhaupt keinen Wind und wenn welcher wehte, dann füllte er kaum unsere Segel.  Das störte uns allerdings nicht die Bohne, denn wir segeln keineswegs um schnell irgendwo anzukommen, sondern unter anderem weil wir besonders längere Passagen lieben.  Nur dann kommen wir in den richtigen Rhythmus und können das Bordleben so richtig genießen.  Folglich kommen unsere beiden Dieselmotoren nur dann zum Einsatz, wenn es in einen Hafen zu segeln gilt.  Strom kommt durch die vier 80 Watt Solarpanele und den KISS Windgenerator aus Trinidad. 
 
Wir hatten also viel Zeit, um mit unserer Tochter zu spielen, Schildkröten, Delphine, Fliegende Fische, Wale und anderes Getier zu beobachten.  Und obwohl unser Zwerg noch keine 3 1/2 Jahre alt ist, will sie immer wieder etwas lernen, ob es nun chinesische Schriftzeichen, deutsche Buchstaben oder englische Vokabeln sind.  Sie versteht zwar alle drei Sprachen, aber die Antworten kommen fast ausschließlich auf Mandarin-Chinesisch.  Jetzt wissen wir also warum es Muttersprache heißt und nicht anders. 
 
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Die kleine Bucht bei Atuona, Hiva Oa, hatte sich drastisch verändert.  Durch einen Wellenbrecher war sie nur etwa halb so groß wie vor 12 Jahren.  Ein schwimmender Bagger war dabei sie zu vertiefen, wobei er selbstverständlich einen Höllenlärm machte.  Am Valentinstag 1995 waren wir allein in dieser Bucht, während inzwischen so viele Boote vor Anker lagen, daß fast gar kein Platz mehr da war. Außerdem stand ein gefährlicher Schwell in die Bucht, so daß in der Nacht vor unserer Ankunft am Karfreitag etliche Boote in ernste Schwierigkeiten geraten waren.  Stehende Brecher hatten Yachten auf Grund kommen lassen, eine hatte ernsthafte Schäden am Ruder zu beklagen, einige hatten Ankergeschirr oder Beiboote verloren. 
 
Natürlich hatte die Gendarmerie geschlossen, aber trotzdem konnte ich einen der Hüter des Gesetzes ausfindig machen.  Ich erklärte ihm, daß ich mein Boot nicht riskieren wollte, bis das Büro nach Ostern wieder geöffnet wurde und bat um Genehmigung, das lange Wochenende anderswo verbringen zu dürfen.  Ich durfte.  Überhaupt waren alle Leute auf Hiva Oa noch genau so freundlich und hilfsbereit, wie wir in Erinnerung hatten. 
 
Weiter ging es in die wunderschöne Hana Moe Noa Bucht, wo wir ein paar Wochen mit Segel nähen verbrachten.  Eine schönere Kulisse für diese Arbeit kann man sich kaum vorstellen, aber leider war auch diese Bucht bald gerammelt voll.  Klar, daß die schönsten Ecken auch die meisten Leute anziehen.  Und wenn dann noch in einem der Cruising Guides (ohne die heutzutage keiner mehr auszukommen scheint) zu lesen steht, daß es sich um den schönsten Ankerplatz in Französisch Polynesien handelt, dann ist es fast garantiert, daß so eine Bucht zu einem Treff für Fahrtensegler wird. 
 
Und diese haben sich in den letzten beiden Jahrzehnten sehr verändert.  Zum einen die Altersgruppe.  Seit wir im Pazifik sind, haben wir so gut wie keine jüngeren Leute mehr getroffen.  Wo sind sie nur?  Können sie sich die Segelei nicht mehr leisten, haben sie das Interesse verloren oder segeln sie inzwischen woanders?  Fast alle anderen Yachties haben ein volles Berufsleben an Land hinter sich und befinden sich jetzt im Ruhestand.  Und während untereinander Einladungen wie Schneebälle durch die Gegend fliegen, so ist der Kontakt zu den Polynesiern inzwischen minimal.  Als wir sagten, daß wir vor dem Dorf Vaitahu ankern wollten, fragte uns eine ältere Kanadierin wozu das denn gut sein solle. 
 
Anfangs sah es tatsächlich nach einer schlechten Idee aus, denn die Fallwinde pfiffen derart von den hohen Bergen herab, so daß wir trotz des schweren Delta Ankers und 60 Meter Kette zwei Mal ins Treiben gerieten.  Eine unangenehme Situation, die nicht zur erholenden Nachtruhe beiträgt. 
 
Als wir allerdings unsere Freunde Koki, Titi und Teaiki wieder trafen, da wußten wir, daß wir genau an der richtigen Adresse waren.  Die Freude über unsere tatsächliche Rückkehr war groß und echt.  Sofort wurden wir in die Familie miteinbezogen, die in unserer Abwesenheit um fünf Kinder gewachsen war.  Wir halfen die Bananen in der Sonne auf polynesische Art zu trocknen und für über ein Jahr lang haltbar zu machen macht.  Wir waren mit oben im Gebirge, um Pistazien zu ernten.  Wir machten alle zusammen ein gigantisches Picknick am Strand, bei denen unglaubliche Mengen an Köstlichkeiten vertilgt wurden.  Wir lernten, wie man die Noni-Blätter trocknet und zu einer Art Tee verarbeitet, welcher ins Ausland exportiert wird.  Wir sangen polynesische Lieder. 
 
Immer gab es etwas zu tun, aber alles geschah mit einer inneren Ruhe und alles wurde mit Freunden, Verwandten, Bekannten und vollkommen Fremden geteilt.  Das Leben war bestimmt von viel Arbeit, aber auch von viel Zeit mit der Familie und Freunden.  Es gab zwar inzwischen mehr Strassen und Autos auf Tahuata, auch Kühlschränke und Telefon, aber ansonsten war das Leben immer noch ausgesprochen einfach.  Vielleicht zu einfach, als daß man sich als europäischer Stadtmensch leicht daran gewöhnen könnte.  Trotzdem, wir konnten uns gut vorstellen, dieses einfache und manchmal auch harte Leben zu teilen. 
 
Ein wichtiger Grund dafür ist Aurora Ulani.  In kürzester Zeit fing sie an französische Wörter zu benutzen und spielte und tobte mit den anderen Kindern.  Es gab kleine Kätzchen und Zicklein, die sie faszinierten und auch sonst hatten wir sie selten so aufgeregt und glücklich gesehen wie hier.  Um so mehr erstaunte es uns, als Koki beiläufig erwähnte, daß er in den letzten 12 Jahren so gut wie keinen Kontakt zu anderen Fahrtenseglern gehabt hatte.  Ab und an kämen zwar ein paar vorbei, vor allem um sich tätowieren zu lassen - steht auch in einem der Cruising Guides - aber ansonsten passierte nicht viel. 
 
Leider ging die schöne Zeit viel zu schnell vorbei, denn da Liping einen taiwanesischen Paß hat, bleiben ihr genau 90 Tage in dieser wundervollen Ecke.  Nicht einmal das Zollboot DF48 kam vorbei, um unseren Wein unter Verschluß zu legen, wie beim letzten Besuch. 
 
Koki, Titi & Teaiki überhäuften uns mit polynesischer Musik, zwei Stauden Bananen, etlichen saftigen Pampelmusen oder Pomelos, Apfelsinen, Limonen, Gurken, getrockneten Bananen, Mangos, Guaven, Perlenketten, einem riesigen Stück Emmentaler und so weiter und so fort.  Wenn wir beteuerten, daß wir unmöglich so viel würden essen können - unsere Freunde waren immer sehr besorgt um unsere offensichtlich krankhaft mangelnde Nahrungsaufnahme - meinte Koki:  "Hier verfault das Zeug nur auf dem Boden.  Trockne was Du kannst und verschenke den Rest an die armen Leute auf den Tuamotus.  Die haben nur Fisch, Kokosnüsse und Fafaru (fermentierten Fisch) zu essen."  Wir waren tief gerührt und zermarterten uns den Kopf wie wir uns revanchieren konnten.  Das einzig Vernünftige was uns einfiel war ein Stapel Fotos, denn wir wußten, daß besonders Titi diese liebte. 
 
Schon ging es weiter, auch dieses Mal wieder mit äußerst schwachen Winden.  Seit Panama hatten wir keine einzige Gewitterbö erlebt und nur an drei Tagen hatten wir mal Wind mit acht Beaufort.  Wir futterten Bananen wie die Urwaldaffen und trockneten den Rest an Deck, wobei wir entdecken, daß sich unser Boots-Gecko ebenfalls an ihnen gütlich tat.  Er war in Hiva Oa als blinder Passagier zugestiegen und auch in Tahiti sprang er immer noch über das Deck. 
 
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Als Takaroa an der Kimm auftauchte, war es schon zu spät um durch den Paß zu gehen.  Am nächsten Tag gingen wir an die Pier & ich trampte gleich zur Perlenfarm unseres Freundes Pita Temanaha, der gar nicht wieder aufhören konnte zu grinsen als wir uns in den Armen lagen.  Für die nächsten paar Minuten war außer "Sacre Holger!" gar nichts mehr aus ihm herauszukriegen.  Am nächsten Tag ging es durch den langen und engen Paß, was immer eine interessante Zitterpartie ist.  Es ging aber alles glatt und trotz einer Vielzahl von Bojen sowohl an der Oberfläche als auch darunter, die zum Teil mit Seilen miteinander verbunden sind, gab es auch in der Lagune keinen Streß.  Polaroidbrille auf, Korallenköpfe werden sichtbar und außerdem waren wir ja schon mal da gewesen.  Nur war inzwischen die Lagune so voll mit Perlenfarmen, daß sie eher einem Labyrinth ähnelte. 
 
Pita wanderte mit unserem Anker auf dem Grund herum und pflanzte ihn schließlich in sein "Hausriff", an dem wir ungemütlich nahe dran lagen.  Vier Enden wurden noch an Korallenriffen vertäut und schon hatten wir unseren eigenen Bootssteg samt Haus & Garten nur wenige Meter von uns entfernt.  Die nächste Zeit verbrachten wir mit Pita und seiner neuen Freundin Lucie und erfahren auch hier wieder Gastfreundschaft allererster Güte. 
 
Doch leider stand es ansonsten nicht zum Besten mit Takaroa.  Alkohol- und Drogenmißbrauch sind ein ernstes Problem, ebenso wie Diebstahl und Vandalismus.  Die jungen Frauen verlassen die Inseln, während die Männer zurückbleiben, um in der Kopra oder Perlmuttindustrie zu arbeiten.  Auch Pitas Ex-Frau lebt jetzt in Neukaledonien.  Wichtige Arbeiten werden nicht gemacht, und der früher stabilisierende Einfluß der Mormonenkirche ist stark zurückgegangen.  Dagegen hat die katholische Kirche auf Tahuata mit ihrem neuen Priester aus Vanuatu eben diesen stabilisierenden Einfluß sogar noch vermehren können. 
 
Drei Mal pro Woche kommt der Flieger aus Tahiti und wenn das Versorgungsschiff kommt, wird alles Hinano Bier Ruck Zuck ausgetrunken, so daß die Insel anschließend vollkommen trocken ist bis das nächste Schiff kommt.   Hoffnungslosigkeit und Arbeitslosigkeit sind nichts ungewöhnliches.  Früher kamen die Aufkäufer für Tahiti Black Pearls sehr oft nach Takaroa, was immerhin der größte Produzent dieser Perlen ist.  Inzwischen arbeiten statt dessen etwa 130 Chinesen auf der Insel, die per Motorboot jeden morgen vom Dorf zur Arbeit fahren.  Die Perlen werden von den großen Firmen direkt exportiert.  Für die Polynesier ist der Perlenboom somit so ziemlich gelaufen.  Übrig geblieben sind die Satellitenschüsseln, die Klimaanlagen und die vielen Autos und großen Außenbordmotoren.  Irgend etwas anderes, etwas wichtiges, ging verloren. 
 
Während früher unsere alten Freunde Lucky Luke, Marere & Co an der Pier zusammenkamen, um ihre Instrumente zu spielen und Lieder aus der ganzen Südsee zu singen, so hören heute die jungen Leute importierte Musik von ihren Laser-Disks und MP3-Spielern.  Es ist fast genau die gleiche Geschichte wie mit meinen beiden Besuchen in Tonga 1987 und 1995.  Der Unterschied ist so enorm, daß man Tatsächlich von einer anderen Welt sprechen muß.  Ob es Takaroa gelingt, dieses Nachspiel des Perlenbooms relativ schnell zu verdauen, wird sich zeigen. 
 
Als wir auslaufen wollten, bat Pita uns noch ein paar Tage zu warten.  Nach ein paar Tagen wußten wir auch warum.  Er und Lucie überreichten uns nämlich ein Kunstwerk, welches sie aus vielen schwarzen Perlen, Muscheln, von der Sonne gebleichten und lackierten Wurzeln gebaut hatten.  Wir nennen es den Perlenmuschelblütenbaum und er hat einen Ehrenplatz auf unserem Salontisch gefunden.  Damit nicht genug, schenkten sie uns noch Unmengen von schwarzen Perlen, die wir zu Schmuck für unsere beiden Schönheiten verarbeiten sollen.  Damit wir sie nicht vergessen.  Wir hatten einen Klos im Hals, als wir endlich den Anker hochzogen. 
 
Eines ist sonnenklar.  So schön auch die Landschaften, die Tiere und das Segeln selbst sind - der Höhepunkt auf dieser Reise war die Zeit mit unseren polynesischen Freunden. 
 
Trotz Gezeitentafel und Inaugenscheinnahme des Passes stand uns ein starker Strom entgegen, so daß wir schon überlegten es später zu versuchen.  Auf DHARMA BUM II mit dem kleinen 13 PS Diesel wäre die Sache undenkbar gewesen.  Doch so waren wir schon kurze Zeit später wieder allein mit dem Meer und auch dieses Mal gab es so gut wie gar keinen Wind, was bis Tahiti so bleiben sollte.  Wahrhaftig ein stiller Ozean, so ganz anders als die Karibik über 100 Seemeilen vor Kolumbien, wo es drei Tage lang mit über 50 Knoten wehte und die Böen 60 Knoten erreichten.  Dort surften wir mit dem Wind genau von hinten mit einem winzigen Fetzen Vorsegel mit über 15 Knoten dahin und fragten uns wie wir das Risiko vermindern könnten.  Nur fiel uns zu dem Thema nicht mehr viel ein, da wir sofort quer zur schweren See standen, wenn wir das Segel weiter verringerten.  Seit der Zeit haben wir noch mehr Vertrauen in unsere überladene Ente.  Besonders als wir erfuhren, daß in Panama durch denselben Sturm drei große Frachtschiffe kollidiert, gestrandet und ernstlich beschädigt wurden.  Bei fast allen Yachten hielt der Anker nicht und eine Yacht war gesunken.  Bei unserer Ankunft war nur noch die Mastspitze zu sehen. 
 
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In Papeete dachte ich erst, daß ich mich verfahren hätte, denn außer an die großen Öl- und Gastanks konnte ich mich an so gut wie gar nichts erinnern.  Am alten Ankerplatz war der Strand verschwunden und alle Boote lagen an einer Pier mit Wasser und Stromanschluß.  Und da Pfingsten war, hatte natürlich alles geschlossen, worüber hinaus die Leute auch noch im Streik waren.  Aus eigener Erfahrung wußten wir daß der Haltegrund schlecht war und wir befürchteten früher oder später mit dem Heck in die Betonpier zu donnern.  Aber einstweilen hielt der Anker prima und wir machten uns auf die Suche nach Baguette, Brie, Pate de Campagne und ähnlichen Delikatessen.  Das ansonsten leckere Hinano Bier ließen wir allerdings links liegen, da uns der Preis von 2 1/2 Talern pro Dose nicht so recht gefallen wollte. 
 
Am nächsten Tag kam Wind auf, der Anker hielt nicht und wir krachten in die Pier.  Ich hätte die Autoreifen lieber vorher ausbringen sollen, aber der Plastikschutz tat es dann auch.  Wir brachten einen Bruce aus, holten ihn mit der Winsch dicht und hatten erst einmal Ruhe.  Bis ich versuchte meine Maschinen anzuschmeißen und nicht einmal mehr ein "Klick" zu hören bekam.  Ein Kurzschluß (wieder einmal Pfuscherei auf Karibik-Art) hatte zu einer Tiefentladung der beiden großen Starterbatterien geführt.  Ich befürchtete schon, daß ich wieder bei meinem Freund Christian Lausan von Yune Tung zum Kunden werden wurde.  Er hat ein Faible für Segler (hat auch schon mal den großen Rennmulti GERONIMO von Philip de Kersauson gesteuert) und ist ein seit vielen Generationen hier lebender Hakka Chinese. 
 
Er meinte es sähe schlecht aus, hat aber die beiden Dinger erst einmal an seine Ladebank gehängt und andauernd Säuretests durchgeführt.  Derweil humpelte ich im Laufschritt durch Papeete, um wenigstens nicht ganz umsonst die teuren Marinagebühren bezahlen zu müssen.  Der DRCL schloß eine Verlängerung des Visums für taiwanesische Pässe kategorisch aus und auch sonst verlief nicht viel nach Wunsch. 
 
Dann war der Streik beendet und die gebühren wurden auf US$ 70 pro Nacht verdoppelt.  Rückwirkend seit dem 1. Juni.  Ich zog die Konsequenzen und klarierte sofort aus, rannte zu Christian und ein paar Stunden später liefen beiden Motoren. Ein Freund warf die Leinen los, wir zogen die Ankerleine ein und - nichts ging mehr.  Die Ankerkette war gespannt wie einen Violinenseite und ich versuchte eine Stunde lang alles mögliche, um den Anker frei zu bekommen.  Nada. 
 
Die Zeit rannte, die Sonne sank immer tiefer als sich auf einmal doch etwas bewegte.  An unserem Anker hing ein anderer, der mindestens drei Mal so groß war.  In dem Moment bemerkte ich, daß eine große Swan am anderen Ende hing, brüllte eine Entschuldigung rüber, bekam den Anker allerdings aufgrund seines Gewichtes immer noch nicht frei.  Nach zwei weiteren Versuchen waren wir endlich frei und ich mit meinen Kräften restlos am Ende.  Die Sonne rannte. 
 
Per Funk fragte ich beim Flugplatz um Erlaubnis an der Einflugschneise vorbeizusegeln.  Wir liefen mit über sieben Knoten Richtung Marina Taina, vor der wir ankern wollten.  Liping stand mit der Polaroidbrille bewaffnet im Bug, denn ich wollte mich nicht zu sehr auf die Instrumente verlassen, vor allem hier in der Südsee.  Die Markierungen waren verwirrend, da auf den ersten Blick nicht klar war, welches die Marker für den Hauptpaß und welches die für unser relativ schmales Fahrwasser waren.  Außerdem standen überall noch gelbe Markierungen herum, welche die Verwirrung noch vermehrten.  Zu guter Letzt stand genau vor uns ein großes Schild, welches allerdings von unserer Seite aus nicht lesbar war.  Auf welcher Seite sollten wir es umfahren? 
 
Ich verringerte unsere Geschwindigkeit, blickte auf das Echolot, welches immer noch über 20 Meter Wassertiefe anzeigte.  Die Sonne stand uns ins Gesicht, Liping rief "Stopp!!!" und sofort daraufhin krachte es auch schon.  Es gab ein unglaubliches Krachen, Knirschen, Rumpeln und Ächzen während mein Gehirn sekundenlang gelähmt war.  Ein Zittern lief durch das ganze Boot.  Das konnte doch nicht wahr sein!  Das konnte mir doch niemals passieren!  Wir waren genau auf das Korallenriff gebrettert, mitten in einer der bekanntesten Gegenden überhaupt. 
 
Ich warf den Rückwärtsgang ein, gab Gas, mehr und immer mehr.  Erneutes Krachen und Rumpeln kam von unten.  Erst kam ein Rumpf frei und wir lagen quer zum Riff, dann der andere und wir entfernten uns mit pochenden Herzen.  Ich konnte immer noch nicht vernünftig denken, aber ich wußte, daß wir schleunigst aus der Einflugschneise verschwinden mußten. 
 
Als wir vor der Marina Taina ankamen, ging die Sonne schon unter.  Wir fanden ein freies Plätzchen, ankerten, nur um feststellen zu müssen, daß es kein guter Ankerplatz war.  Also Anker wieder hoch, rann an die Innenkante vom Außenriff und Anker wieder runter.  Als ich fertig war, sah ich lauter braunes Öl auf dem Wasser treiben.  Mir wurde übel. 
 
Würden wir aus dem Wasser müssen und vielleicht lange Zeit dort verbringen?  Hier in Mega-Ober-Teuer-Tahiti?  Würde Liping gar ausfliegen müssen, da ihr Visum nicht verlängert werden konnte?  Ein Schreckensszenario folgte dem anderen. 
 
Man stelle sich meine Verwunderung vor, als ich bei einem Tauchgang feststellte, daß außer einigen bösen Kratzern und einem kleinen  Loch unten im Kiel fast überhaupt keine Schäden zu sehen waren.  Auch das Öl im Wasser hatte anscheinend gar nichts mit unserem Boot zu tun, sondern mußte schon vorher dagewesen sein.  Wir sind noch einmal glimpflich davongekommen und beim nächsten Mal werde ich lieber meine 70 Dollar bezahlen, statt auf Teufel-komm-raus auf einen anderen Ankerplatz zu segeln.  Ich werde meinen Augen nicht mehr trauen, wenn die Sonne so niedrig am Himmel steht.  Und ich werde mich viel mehr auf meine Instrumente verlassen, wenn ich in einer derart bekannten Gegend unterwegs bin. 
 
Wie es in nächster Zeit weiter geht, wissen wir noch nicht.  Ich brauche einen neuen Reisepaß, was im Ausland mindestens acht Wochen dauert.  Außerdem gibt es nicht überall deutsche Botschaften oder Konsulate.  Liping braucht ein langfristiges Visum für das nächste Land, welches nicht unbedingt gewährt wird.  Unser Boot braucht eine gute aber dennoch preiswerte Werft in der die Blessuren der letzten zwei Jahre beseitigt werden können. 
 
Falls wir diese Sachen auf dem Cook Inseln erledigen, werden wir kaum mehr Zeit haben andere Inseln zu besuchen, bevor die Saison der Zyklone beginnt.  Und wenn wir das nicht wollen, dann sind wir gezwungen dorthin zu segeln, wo wir eigentlich gar nicht hin wollten.  Und selbst danach, wenn all diese Geschichten erledigt sind, dann müssen wir uns langsam überlegen, ob wir nach Mikronesien und vielleicht Asien wollen, ob wir noch eine Runde im Pazifik drehen oder aber durch die Torresstraße gehen und Kurs auf Südafrika nehmen.  Es gibt so viele Möglichkeiten.  Und es ist ein interessantes Leben! 
 
Copyright ©2007 Holger Jacobsen
 
Hier sind ein paar Fotos von unserer Reise: