Wednesday, July 09, 2014

Dieser kurze Film wird zur Pressekonferenz in Taipeh gezeigt werden, wenn Yeh Lipings Buch über unsere achtjährige Weltumsegelung gegen Ende Juli oder Anfang August veröffentlicht wird.

https://vimeo.com/100294754   大海 - The Sea - Das Meer
 
http://youtu.be/saKWtyq8z6g  大海 - The Sea - Das Meer

Friday, April 18, 2014

Frohe Ostern! : - )

Moinsen,
Hier in Frörup/Oeversee ist soweit alles OK.  Ich habe immer noch ein rechtes Matschauge, brauche alle zwei Stunden künstliche Tränen und muss nachts mit einem Uhrglasverband schlafen.  Die Hausärztin meint, es könnte noch ein Jahr so weiter gehen, während die Logopädin der Meinung ist, dass es auch so bleiben könnte.  Gehör und Gleichgewichtssinn werden so bleiben wie sie sind. 
Ansonsten haben wir den Keller (Auroras Zimmer & mein Büro) renoviert und inzwischen auch einige Möbel bekommen.  Bis auf das übliche Jacobsen-Chaos sieht es fast normal aus inzwischen.  Die neue Firma macht uns allerdings nicht gerade nur Spaß.  Aufgrund von Konkurrenz bei eBay können wir unsere Preise nicht so setzen wie geplant, so dass nach Abzug aller Kosten kaum mehr etwas übrig bleibt.  Bei Amazon ist das zwar nicht so, aber dort sind eben auch der finanzielle Aufwand und die Provisionen ungleich höher.  Auch habe ich noch nicht entschieden ob ich es vorziehe alle paar Wochen Seepocken abzukratzen oder aber Rasen zu mähen.  <Grins>
Gloria unterrichtet hier an der Schule eine Chinesisch AG & hat ansonsten ihr Buch fertig, was noch dieses Jahr ganz groß in Taiwan herausgebracht werden wird.  Es ist einer der größten Verlage dort, bei dem auch fast alle von Glorias Lieblingsautoren verlegt werden.  Es wird als großformatiges Buch mit hunderten von Fotos herausgebracht werden, mit Pressekonferenz und allem Tamtam. 
Aurora ist inzwischen in fast allen Fächern Klassenbeste und wird ab August auf die Auguste Viktoria Schule gehen, weil man dort Spanisch als "offizielle" 2. Fremdsprache nehmen kann.  Außerdem haben sie dort eine Streicher AG, woran sie teilnehmen möchte, obwohl Geige nicht das Instrument erster Wahl für sie ist.  Sie wird irgendwann kurz vor oder nach den Sommerferien nach Berlin ins Fernsehstudio gehen, um dort eine Sendung für "Klein gegen Groß" aufzuzeichnen.  Das ist nicht etwa auf unserem Mist gewachsen, sondern die Redakteurin hat den Film über sie gesehen, den Kamerafrau Christine Schmitthenner gedreht hat, um sich damit um einen Job zu bewerben.  Ich nahm allen Ernstes an, dass es sich bei der Geschichte um einen Aprilscherz handelte. 
Viel Freude – und auch viel Unruhe – verbreiten unsere zwei Katzen.  Schnurri ist ein "Kartäuser", tatsächlich ein "blauer" British Kurzhaar Kater.  Noch ziemlich jung und eher scheu, aber sehr frech gegenüber Puschel.  Diese ist eine schwarze Maine Coone Katze und etwas über zwei Jahre alt.  Wenn ich gewusst hätte, wie faszinierend diese Viecher sind, dann hätte ich mich schon viel früher eine angeschafft.  Normalerweise kosten Rassekatzen ja richtig Geld, aber das war bei uns nicht so.  Schnurri sind sie als Kätzchen nicht losgeworden – und die Leute wollen eben immer nur kleine Kätzchen.  Puschel war dagegen in der Zucht, hatte auch schon einmal kleine Kätzchen zur Welt gebracht, aber dann war der einzig übrige Zuchtkater ihr Papa und noch einen Kater wollte die Züchterin nicht haben.  Und die Leute wollten keine fast ausgewachsene Riesenkatze.  (Noch größere Katzen gibt es nur noch als Raubkatzen.  Verhält sich eher wie ein Hund als eine Katze, wurde früher in Nordamerika als Jagdkatze eingesetzt, apportiert gerne und liebt das Schwimmen.  Sinkt aufgrund der Fellbüschel zwischen den Zehen nicht im Schnee ein und kann auch bei -30°C überleben.) Wir hatten also in beiden Fällen Glück und mussten nur den Unkostenbeitrag bezahlen.  In Atem hielt uns Puschel mit einer Scheinschwangerschaft, wo mich dermaßen viele Leute um Kätzchen gebeten hatten, dass ich es gar nicht glauben konnte. 
Wie man sieht wird uns auch an Land das Leben keineswegs langweilig und wir haben uns auch schon prima an die Temperaturen und das Klima hier gewöhnt. 
So, jetzt wisst ihr wieder einmal so das meiste über uns.  : – ) 
Viele liebe Grüße von Aurora, Liping & Holger
Bingos-Tonstudio.de - Holger Jacobsen - Quellenweg 2, 24988 Oeversee, Germany

Wednesday, December 18, 2013

Wir wünschen euch fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins Neue Jahr!

Liebe Freunde,
 
Wir wünschen euch fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins Neue Jahr! 
 
Für uns war 2013 das Jahr der großen Veränderungen.  Noch letzte Weihnachten standen wir bei Powerboats in Trinidad an Land und feierten auch Aurora Ulanis 9. Geburtstag und das Silvesterfest dort.  Wenige Tage später ging es ins Wasser, auf den Karneval und zum Frühlingsanfang ging es dann endlich los Richtung Norden, denn die Bequia Race Week und viele Freunde warteten.  Als auch dieser Rummel vorbei war, ging es weiter nach Martinique zu unseren alten Freunden Karl & Libu auf der ROSINANTE in Martinique.  Andere Freunde hatten wir zurück lassen müssen, teils wegen des horrenden Speedboat-Unfalls von Max und Sandy bei Hog Island (Grenada) und teils weil der Ruf der Arktis für Doug & Jill stärker war als derjenige der Tropen.  Nun wissen wir nicht ob wir die VOLO oder die COMPAÑERA bald wieder sehen werden. 
 
Karl & Libu kenne ich schon seit 1989 in Kourou (Französisch Guyana) und wir hatten sie auch vor unserer Weltumseglung in Trinidad wieder getroffen.  Das Wiedersehen war natürlich einzigartig.  Das Essen war gut, die Gespräche waren gut und auch sonst war alles bestens.  Da mein Vater am 15. Mai seinen 80 Geburtstag feiern würde, beschlossen wir DHARMA BUM III bei Karl & Libu zu lassen, um nach Deutschland zu fliegen.  Von dort aus geht das sehr einfach, denn Martinique gehört offiziell zu Europa, so dass Gloria nicht schon wieder ein neues Visum brauchte. 
 
Die Rektorin der Grundschule Oeversee hatte sich freundlicherweise bereit erklärt, Aurora an der Schule teilnehmen zu lassen und dabei verschiedene Klassenstufen auszuprobieren.  Das klappte alles ganz wunderbar, und wir beschlossen, dass unsere Tochter am 5. August dort in die 4. Klasse kommen sollte.  Denn auch mit dem Verkauf unseres Bootes schien das Blatt sich gewendet zu haben.  Als wir in Oeversee waren, sah Günter sich mit seinem Sohn unser Boot mehrmals an und befand für gut was er sah.  Günter & Yvette aus der Nähe von Bargteheide besuchten uns in Oeversee und wir planten gemeinsam, wie es nun weiter gehen sollte. 
 
Zurück in Martinique bastelten wir wie üblich an unserem Boot herum, um danach zurück nach Trinidad zu segeln, wo Günter & Yvette für eine Woche zu uns an Bord zogen.  Wir kamen zu einer Einigung, womit dann erst einmal Schluss mit Scotland Bay, Brüllaffen und Dschungel war.  Es galt sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge nach acht Jahren (bzw. 25 Jahren wenn man die anderen beiden DHARMA BUMs mitzählt) vom Yachtieleben zu verabschieden.  Ärgerlicherweise auch von unseren über 600 Büchern, denn die Frachtkosten von Trinidad nach Hamburg sind wahrhaft astronomisch.  So wollte eine Spedition fast US$ 1.500 für den Transport einer Kiste alter Bücher (50 cm x 50 cm x 50 cm, 40 kg) von Port of Spain nach Hamburg haben! 
 
Wieder in Deutschland, ging es dann gleich los mit dem Papierkrieg.  Da fällt schon so einiges an, wenn man 31 Jahre im Ausland gelebt hat.  So schlimm, wie es einem viele Leute weismachen wollen, ist es allerdings nun auch wieder nicht.  Ich meldete uns gleich beim Einwohnermeldeamt, beim Arbeitsamt und bei der gesetzlichen Krankenversicherung an, was alles problemlos vor sich ging.  Das war auch gut so, denn auf mich wartete eine ganz besondere Überraschung.  Mit Günter & Yvette hatte ich vereinbart, dass ich den Online-Teil ihrer Firma übernehmen sollte, um diesen dann weiter über eBay.de und vor allem Amazon.de auszubauen.  Da merkte ich dann zum ersten Mal, dass nicht alles in meiner Heimat so war, wie ich mir das vorgestellt hatte.  Vor allem das Finanzamt konnte man beim besten Willen nur als unfähig bezeichnen.  Unterlagen blieben auf dem Schreibtisch liegen, Anträge gingen verschollen, alle möglichen Formblätter kamen doppelt und dreifach – es war wirklich katastrophal.  So dauerte es tatsächlich über drei Monate, bis ich endlich meine Umsatzsteuernummer bekam.  Dadurch wiederum verpasste ich das Weihnachtsgeschäft, was immerhin ein vielfaches des Normalgeschäftes ausmachte.  Holg war sauer. 
 
Die Überraschung war allerdings ganz anderer Art.  Schon seit 1992 war ich auf meinem rechten Ohr taub und seit 2009 hatte ich zusätzlich erhebliche Gleichgewichtsstörungen.  In Darwin und Bali war es so schlimm, dass ich wie volltrunken durch die Gegend torkelte.  Dieses führe mich über unseren Hausarzt zum HNO-Spezialisten und von dort zum MRT.  Die Magnetresonanztomographie zeigte dann auch ganz deutlich einen 3,5 cm großen Hirntumor im Kleinhirn, dort wo besonders wenig Platz ist.  Mir wurde schon ganz anders...  Zurück ging es zum Hausarzt, der mit der Neurochirurgie telefonierte.  Sie wollten mich sofort sehen.  Der Arzt dort untersuchte mich ein weiteres Mal, um sich danach mit dem Chefarzt zu beraten.  Vorher meinte er noch zu mir: "Wir wissen noch nicht, ob wir sie heute wieder nach Hause gehen lassen können."  Konnten sie aber doch. 
 
Das war ein Glück, denn am 23. Dezember bekamen wir in Cuxhaven den Weltumseglerpreis von Trans-Ocean verliehen, einen schweren Würfel aus Kristallglas in dem per Laser eine Weltkugel und ein Segelboot mitten drin eingebrannt sind, während auf zwei Seiten Trans-Ocean und DHARMA BUM III 2013 eingebrannt sind.  Der hat jetzt einen Ehrenplatz bei uns. 
 
Am 2. Dezember kam ich ins Krankenhaus und wurde am nächsten Tag vom Chefarzt Professor Dr.med.Wolfgang Börm und Stationsarzt Bernhard Feldt operiert.  Ich sollte zwar schon am frühen Nachmittag aufwachen, doch kam ich erst abends auf der Intensivstation zu mir, wo ich über Nacht blieb.  Die Operation war gut verlaufen, wenn auch mein Kopf dem von Frankensteins Monster ähnelte und ich nach ein paar Tagen übelste Kopfschmerzen bekam.  Inzwischen bin ich schon wieder zu Hause, wo ich weiterhin starke Schmerzmittel nehme, aber immerhin Weihnachten und Auroras Geburtstag mitfeiern kann.   Am 3. Januar geht es für drei Wochen auf ReHa nach Damp an der Ostsee, denn meine rechte Gesichtshälfte hängt nach wie vor auf halb acht und mein rechtes Auge kann nicht vernünftig fokussieren.  So weit so gut! 
 
Gloria hat derweil die erste Fassung ihres chinesischen Buches über unsere Weltumseglung so gut wie fertig, während ich mit den Verlegern am Verhandeln bin, denn eigentlich möchte ich lieber einen Vertrag in der Tasche haben, bevor ich wieder so viel Arbeit investiere.  Das wird sowieso alles noch eher spannend hier, denn wie unsere finanzielle Zukunft aussieht, steht nach wie vor in den Sternen.  Eines lasst euch auf jeden Fall gesagt sein:  Das Leben an Land ist ungleich teurer als auf dem Boot und von wegen wir können uns eine Weltumseglung nicht leisten stimmt einfach nicht!  Wir wünschen euch, dass ihr eure Träume verwirklicht, dass ihr schöne Weihnachtsfeiertage und einen guten Rutsch ins Neue Jahr habt!
 
Viele liebe Grüße schicken euch,
 
Holger, Liping & Aurora Ulani Jacobsen - Quellenweg 2, 24988 Oeversee, Germany

Sunday, September 29, 2013

Zwei Monate wieder in Deutschland

Moinsen,
 
Nun sind wir schon seit über zwei Monaten wieder in Deutschland und es wird langsam Zeit, dass ich ein Lebenszeichen von mir gebe.  Der Schocker erfolgte allerdings vor der Abreise, als ich nämlich unsere etwa 600 Bücher nach Hause schicken wollte.  Teuer war das ja immer schon, aber jetzt ist es wahrlich unbezahlbar.  Die Post sowohl in Martinique als auch in Trinidad macht nur noch Luftpost, war also nichts.  Im Voraus und per Online Übergewicht bei Condor buchen geht in Trinidad überhaupt nicht.  Ein Spediteur wollte vom Hafen in Port of Spain zum Hafen nach Hamburg für ein Seefracht-Paket von 50 cm x 50 cm x 50 cm und einem Gewicht von 40 kg sage und schreibe US$ 1.277 haben!  Schweren Herzens mussten wir also unsere Bücher dort lassen.  Doch auch so hatten wir noch genug zu schleppen.  Ohne einen hilfreichen Chinesen, der in Trinidad als Koch gearbeitet hatte, wäre es noch schwieriger geworden.  Er hat nämlich kurzerhand unser Gepäck bei sich mitgenommen und wir haben es uns dann in Frankfurt wieder geholt.  Eigentlich sollte die Gepäck-Saga damit zu Ende sein, doch leider war sie es immer noch nicht.  Wochenlang litt ich unter starken Rückenschmerzen (Muskelzerrung), konnte kaum gehen und war deswegen fast jeden Tag beim Arzt.  Immerhin ist jetzt alles wieder OK.  : – ) 
 
Erfreulich war die Tatsache, dass es überhaupt gar keine Probleme machte mit der ganzen Familie in die gesetzliche Krankenversicherung einzutreten.  Ich musste nur wieder in die alten Krankenversicherung, bei der ich als Student versichert gewesen war und das war auch schon alles.  Damit war ich eine meiner größten Sorgen los.  Aurora Ulani kam mit der Schule ganz ausgezeichnet klar und hat jetzt schon mehrere Einsen nach Hause gebracht.  Selbst in Mathe, ihrem schlechtesten Fach!  Mit Gloria durfte ich zwar öfters nach Schleswig zur Ausländerbehörde fahren und anfangs sah es auch so aus, als ob sie meinen Keaigui zum Sprachunterricht verdonnern wollten, aber das hat sich alles erledigt und jetzt hat sie ihren "elektronischen Aufenthaltstitel" und damit erst mal ein Jahr Ruhe.  Die Zeit nutzt sie, um mit den alten Schulbüchern meiner Schwägerin Valentina aus Chile selbst Deutsch zu lernen.  Kann sie ja nebenbei noch ein wenig Spanisch lernen.  <Grins> 
 
Die Behördengänge (Einwohnermeldeamt, Arbeitsamt, Krankenkasse, Familienkasse, Finanzamt, Ausländerbehörde, Ordnungsamt usw.) waren weitaus nicht so schlimm wie von anderen oft dargestellt und beim Arbeitsamt habe ich mich gleich wieder abgemeldet, indem ich ihnen einen Gewerbeschein zugeschickt habe.  Mit dem Gewerbe ist das allerdings so eine Sache.  Die Software von plentymarkets für den Online-Shop, welchen ich übernehmen als auch ausbauen will, kann sehr viel - ist dadurch aber auch sehr komplex und alles andere als user-friendly.  Es wird sehr, sehr lange dauern, bis ich das auch nur halbwegs im Griff habe.  Erschwert wird das Ganze dadurch, dass man immer damit rechnen muss von der Konkurrenz abgemahnt zu werden, wenn man auch nur den kleinsten Fehler macht.  Ich hatte gehofft für das Weihnachtsgeschäft sowohl bei eBay als auch bei Amazon vertreten zu sein, aber zur Zeit sieht es eher aus, als wenn die Geschichte noch viel länger dauern würde. 
 
Wir müssen uns auch langsam überlegen wie es mit der Knete weitergehen soll.  Da ist zum Einen der Erlös aus dem Verkauf von DHARMA BUM III.  Das Geld einfach auf der Bank vermodern zu lassen, erscheint uns denkbar ungünstig.  Und die Meinungen unserer Freunde, auch von Fachleuten, gehen himmelweit auseinander.  Ich selbst neige dazu, die Asche in eine Immobilie zu stecken und das Teil dann zu vermieten.  Bringt zwar hierzulande reichlich wenig, ist aber immer noch besser als Cash.  Unsere Freunde aus Taiwan sind allerdings der Ansicht, dass es der helle Wahnsinn ist auf irgend eine Art und Weise in Deutschland zu investieren.  Wenn schon nicht Taiwan, dann doch wenigstens Asien.  Und vielleicht wäre es sowieso besser nach Anleihen Ausschau zu halten, da der Immobilienmarkt nicht sehr vielversprechend sei.  Aber Glorias Freunde waren eben schon immer High Flyer und geborene Optimisten.  Dann ist da noch unsere alten Wohnung in Garden City.  Demnächst wird dort ein neuer Mietvertrag fällig und die Preise für die Wohnungen dort sind um fast 70% gestiegen, seit Gloria das Teil gekauft hat.  Nicht gerade die beste Zeit, um dort jetzt etwas zu kaufen.  Aber irgendwie müssen wir unsere Altersversorgung sicher stellen, denn wir können uns jetzt schon an zwei Fingern abzählen, dass es mit dem Geld verdienen zumindest in dieser Gegend äußerst mau aussehen wird.  Wir machen uns viele Gedanken und führen unzählige Diskussionen...
 
Durch unserem alten Freund Gunnar Witt bekamen wir drei Fahrräder, so dass wir inzwischen auch Fahrradtouren unternehmen können.  Erst wollte unsere Tochter nicht so recht und fuhr immer mit einem kleinen Klapproller durch die Gegend, doch nachdem wir ihr ein Spielzeug versprochen hatten, konnte sie auf einmal sofort Fahrrad fahren.  Bestechung funktioniert!  Letzten Dienstag war sie mit dem Fahrrad zum Ballettunterricht im Nachbardorf, was ich eigentlich nie mitmachen wollte.  Sie will aber unbedingt, ihre Freundinnen sind auch da und die Kosten sind minimal.  Montagnachmittag hat sie ihre erste Fete geplant, damit sie die anderen Mädchen besser kennenlernen kann.  Sie hat ein richtiges Programm ausgearbeitet, für verschiedene Geschmacksrichtungen, Zeiten und so weiter.  Von mir hat sie das ganz bestimmt nicht!  Ansonsten gehen wir viel spazieren, entweder durch den Wald, am Fluss entlang oder um den See herum.  Pilze sammeln bringt viel Spaß und Gloria hat sich mal wieder selbst in der Küche übertroffen, indem sie frische Pilze im Backofen in der Pyrexform mit Lauchzwiebeln & Knoblauch gebacken hat.   Einfach köstlich! 
 
Bei all den Leckereien bleibt eines natürlich nicht aus:  Unsere Bäuche wachsen und wachsen, so dass wir jetzt lieber doch gänzlich auf Butter und Margarine verzichten.  Leckeres Essen ist auf jeden Fall weiter wichtig, wie man es von einer Chinesin nicht anders erwarten kann.  Inzwischen hat sie ihre Küchenausstattung um eine Fritteuse erweitert, da in der chinesischen Küche Gemüse oft ganz kurz frittiert wird, um es hinterher weiterzuverarbeiten.   Nachdem ich mich schon auf dem Boot gegen einen der großen chinesischen Jet Gasbrenner ausgesprochen hatte, mit dem der Wok schnell auf die richtige Temperatur gebracht wird, so wollte ich mir auch jetzt nicht unbedingt die Bude über dem Kopf abbrennen. 
 
Apropos Wohnung.  Überraschenderweise will unsere Mieterin am 1. November ausziehen, so dass wir die Wohnung ohne größeren Stress selbst nutzen können.  Da sie allerdings nur ein Schlafzimmer hat, werden wir die alte Treppe wieder herrichten, so dass die kleine Winzwohnung unten im Keller und die normale Einzimmerwohnung mit großem Wohnzimmer im Erdgeschoss beide nutzen können, ohne draußen immer durch Kälte, Wind, Regen oder Schnee stiefeln zu müssen.  Ein Auto hatten wir schon ganz am Anfang gekauft, denn ohne geht es hier auf dem Land wirklich nicht.  Wir leben also ganz "normal" und ich muss sagen, dass ich im Wesentlichen mit Segelpapst Bobby Schenk übereinstimme:  Um die Wiedereingliederung an Land wird viel zu viel Wind gemacht und sie ist bei weitem nicht so schwierig wie das Langstreckensegeln mit relativ kleinem Budget.  Und noch mit einer anderen seiner Ansichten stimme ich durchaus überein:  Es fahren heutzutage viel zu viele Leute auf den Weltmeeren herum, die dort im Prinzip nichts verloren haben.  Die Leute vermisse ich ganz und gar nicht. 
 
Zur Zeit finden wir es jedenfalls ganz große Klasse wieder hier zu sein, Zeit mit Familie und alten Freunden zu verbringen und die Eigenarten der Norddeutschen wiederzuentdecken.  Natürlich vermissen wir unsere Yachtie-Kumpels und die vielen schönen Plätze, die wir in den letzten acht Jahren besucht haben.  Glücklicherweise gibt es ja eMail und diverse andere elektronische Medien, so dass die Entzugserscheinungen hoffentlich nicht gar zu heftig ausfallen werden.  In den nächsten Sommerferien planen meine beiden Mädels nach Taiwan zu fliegen, denn unsere Tochter soll ja nicht ihr ganzes Mandarin-Chinesisch verlernen, welches wir ihr so mühsam beigebracht haben.  Deswegen machen wir auch weiterhin noch Calvert School, denn Englisch ist nach wie vor ihre beste Sprache und die soll sie ebenfalls nicht verlernen.  Ansonsten liest sie zur Zeit in Windeseile alle Hanni & Nanni Bücher durch, dass es eine wahre Freude ist.  Sie hat gleich bei zwei Büchereien eine Mitgliedskarte, so dass sie wohl erst einmal versorgt ist. 
 
Demnächst fangen hier die Herbstferien an und der Sommer ist auch definitiv vorbei.  In den Geschäften kann man Stollen, Lebkuchen, Dominosteine und Adventskalender kaufen.  Grünkohl gibt es auch schon, aber noch keinen Glühwein.  Wird sicher auch bald kommen.  Ich habe mir schon ein Heizkissen für kalte Füße zugelegt und bin ganz gespannt wie wir den ersten Winter hier erleben werden.  Und die erste Einladung für eine Silvesterfete bekam ich auch gestern schon.  Auf jeden Fall lässt sich alles gut an!  Hoffen wir, dass es auch im nächsten Jahr so weiter geht. 
 
Viele liebe Grüße aus Norddeutschland schicken euch
 
Holger, Liping & Aurora Ulani Jacobsen

Monday, February 04, 2013

Latest video https://vimeo.com/58765661

 

I met Aurora Ulani and her parents Gloria and Holger at the anchorage of Chaguaramas in Trinidad.
They just finished their six year long circumnavigation with their catamaran DHARMA BUM III.
My partner Alwin met DHARMA BUM III already 5 years ago in New Zeeland.

All shots are handheld with a Canon 7D.

Music: Audiojungle
Consolation by Jochem Weierink,
Relax and Be Calm by Improve Audio
Ocean by Andrey Lvov

 
Holger, Liping & Aurora Ulani Jacobsen
Catamaran DHARMA BUM III
HolgPhone:   +18683995675
LipingPhone: +18683325494
Powerboats, Chaguaramas, Trinidad, 10°40.61'N 061°38.22'W

Wednesday, December 12, 2012

Weihnachtsgrüsse aus Chaguaramas in Trinidad

Dienstag, der 11. Dezember 2012
Liebe Freunde,
 
 
Sehr weihnachtlich sieht es hier in Chaguaramas allerdings nicht aus, zumal es tropisch heiß und feucht ist.  Da unsere Freunde Arno & Peter uns eine kleine Klimaanlage geliehen haben, ist es in unserem Boot sogar erträglich.  Seit dem 19. November stehen wir hier bei Powerboats an Land und ohne dieses Wunder der Technik wären wir hier wohl schon längst durchgedreht. 
 
Aber nun mal ganz von vorne.
 
Vor einem Jahr lagen wir noch mit einer gebrochenen Want in Richards Bay, Südafrika.  Der Törn um das Kap der Guten Hoffnung herum war einer der haarigsten, den wir je gemacht haben. Es ist zwar nichts weiter schreckliches passiert, aber eine Zitterpartie war es trotzdem.  Und ausgesprochen teuer!  Bei den harten Bedingungen dort unten geht einfach mehr kaputt als woanders.  Kurscomputer, Steuerseile, Ruderquadrant, ein Saildrive und noch vieles weitere mehr.  Wir waren froh als wir endlich in Houtbay in dem kleinen Yachthafen lagen.  Liping benannte die Ecke um in "Howling Bay", da die Fallwinde bei Sturm ziemlich schnell und oft Orkanstärke erreichen.  Kalt war es auch und zwar richtig, aber trotzdem gefiel uns Houtbay gut. 
 
Weiter ging es nach Sankt Helena - dieses Mal allerdings nicht mit Absicht.  Bei der schweren See dort unten brach ein Stutzen an unserer Süßwasserdruckpumpe und all unser Wasser landete in der Bilge.  Wir hatten nur noch den Notvorrat in Kanistern.  Auch mal was neues.  Dieses Mal - und überhaupt zum allerersten Mal - segelten wir zusammen mit einem anderen Boot und zwar der SALSA von Kirk.  Während wir allerdings mit 25 Knoten genau von hinten ein sehr angenehmes Segeln nur unter Genua hatten, so rollte die kleine Alberg 30 ganz fürchterlich. 
 
Sankt Helena war angenehm, wenn auch der Ankerplatz mitten im Ozean lag.  Mit Grausen stelle ich mir vor was passieren würde, wenn der Außenbordmotor einmal streiken sollte.  Tat er aber nicht und so ging es recht bald weiter nach Brasilien.  Nach Salvador de Bahia sind wir überhaupt nicht gefahren, sondern gleich daran vorbeigesegelt nach Itaparica, wo die Kriminalität wesentlich niedriger ist als in der Großstadt. 
 
Furchtbar lange haben wir es dort auch nicht ausgehalten und so ging es weiter nach Trinidad.  Das dauerte unverhältnismäßig lange, denn wir sind zu weit aufs Meer raus gefahren und kamen in eine starke Gegenströmung gekoppelt mit Flaute.  Doldrums oder Intertropical Convergence Zone (ITCZ).  So kam es daß die viele kleinere SALSA schon drei Tage vor uns am Ziel war.  Der krönende Abschluß unserer Weltumsegelung war ein Sturmbö mit 50 Knoten und Sicht Null, natürlich alles bei strömendem Regen und äußerst regem Schiffsverkehr. 
 
Kirk ist inzwischen schon in Cartagena, ein paar Freunde sind hier und ein paar kommen demnächst an.  Ansonsten muß ich sagen, daß das Ende einer Weltumsegelung eher enttäuschend ist.  So ziemlich der einzige der wirkliche Begeisterung zu erkennen gab, war unser alter Kumpel Jörn Grote aus Hamburg, der schon seit ewigen Zeiten hier lebt und selbst auch eine Weltumsegelung plant.  "Der Weg ist das Ziel" (Konfuzius) - so läßt sich das ganze Projekt am besten beschreiben. 
 
Wir vermissen (Jetzt schon!) Madagaskar, Chagos, Neuseeland, Kiribati, die Marschallinseln, die Tuamotus, die Marquesas, unsere Freunde dort und diverse Segelfreunde und gucken uns Bilder von den San Blas Inseln an.  Ich bekomme fast schon Lust alle Vernunft in den Wind zu schlagen und einfach weiterzusegeln...   Die Frau von Capt'n Fatty Goodlander hatte uns schon vor der Post Partum Depression gewarnt, was allerdings nichts genützt hat.  Leider hatte sie nur all zu Recht.  Cool war daß unser guter Kumpel Michael Herbst von der TANOA für seine langjährige Weltumseglung und seine Fahrt um Südaustralien und Tasmanien herum die begehrte Auszeichnung von Trans Ocean verliehen bekommen hat.  Glückwunsch, Michael!!!
 
Die Preise sind hier ganz enorm gestiegen, so daß man Trinidad nicht mehr billig nennen kann.  Karibik ist genausowenig unser Fall wie Brasilien, scheint es.  In Sachen Boot, Ersatzteile und Reparaturen ist es sogar ganz extrem teuer geworden!  Die Saildrives bekommen heute neue Lager, die beiden Driveplates sind schon eingebaut und bald geht es weiter mit dem Antifouling und dann zurück ins Wasser.  Unsere Freunde Arno & Peter aus Holland haben ganz wunderbare Fiberglasarbeiten an dem Mittelrumpf (Nacelle) geleistet und die Ecke neu gespritzt.  Den Rest können wir auch im Wasser machen.  Sobald unser Boot wieder halbwegs vernünftig aussieht, werden wir ernsthaft mit dem Verkauf beginnen und vielleicht sogar einen Yachtmakler anheuern. 
 
Aurora Ulani ist in der 4. Klasse in der Calvert School und nach wie vor eine gute Schülerin.  Lust hat sie allerdings keine mehr, zumal sie ja auch noch Pusteblume 3 für Deutsch, sowie ihre Chinesischen Schularbeiten machen muß.  Vor kurzem erfuhr ich, daß ich meine permanente Aufenthaltsgenehmigung für Taiwan (PARC) nun garantiert verloren habe und somit den ganzen Kram von vorne beantragen müßte.  Das gleiche gilt für Liping in Deutschland.  Es ist also klar, daß mal wieder ein gewaltiger Papierkrieg auf uns zukommt.  Deutschland fällt wahrscheinlich aus finanziellen Gründen aus - wir können uns ein Leben dort nicht mehr leisten.  Also werden wir wohl früher oder später wieder in Taiwan leben und kleine chinesische Kinder unterrichten.  Etliche unserer ehemaligen Schüler sind inzwischen verheiratet. 
 
Mit zwei Yachtmaklern war ich schon in Kontakt und mir wurde gleich auf Anhieb gesagt, daß wir uns keinen schlechteren Zeitpunkt für den Bootsverkauf ausgesucht haben.  Auch vom Ort her ist Trinidad ziemlich unten auf der Liste.  Fast alle sind der Ansicht, daß wir woanders wesentlich bessere Chancen hätten,vor allem in Australien.  Es ist aber nicht geplant, daß wir dorthin segeln, es sei denn hier wird uns wirklich kein vernünftiges Angebot gemacht.  So kommen wir vielleicht doch noch zu den San Blas Inseln und können auch ein paar alte Freunde wieder treffen.  : -)
 
Jetzt wünschen wir euch allen erst einmal ein schönes Weihnachtsfest sowie einen guten Rutsch ins Neue Jahr!
 
Viele liebe Grüße schicken euch
 
Holger, Liping & Aurora Ulani Jacobsen
Catamaran DHARMA BUM III
HolgPhone:   +18683995675
LipingPhone: +18683325494
Powerboats, Chaguaramas, Trinidad, 10°40'51.70"N 061°38'02.71"W

Saturday, October 20, 2012

Weltumsegelung beendet - DHARMA BUM III ist wieder in Chaguaramas, Trinidad

Weltumsegelung beendet - DHARMA BUM III ist wieder in Chaguaramas, Trinidad

Sonnabend, der 20. Oktober 2012
 
Wir verließen Itaparica zusammen mit SALSA und PARPAR.  Während Kirk und Henry relativ nahe an der Küste segelten, gingen wir sofort auf Abstand.  An der Küste gibt es oft viele kleine Fischerboote, flache Stellen, Felsen, Riffe und andere unangenehme Dinge.  Anfangs zischten wir auch richtig gut ab, denn der starke und beständige Passat ist genau das Richtige für unser Boot.  Später jedoch starb der Wind und wir waren umgeben von Regenschauern, Böen und einem bleiernem Himmel.  Doldrums.  Dazu kam noch eine starke Gegenströmung, die uns unausweichlich immer weiter ins Schlamassel trieb.  Kirk sah was Sache war und fing an Richtung SO zu steuern.  Nahe an der Küste bekam er leichten Wind, was für die kleine SALSA optimal ist.  Wir dagegen hingen fest.  So kam es, dass SALSA schon drei Tage vor uns in Trinidad ankam.  Henry wollte von vornherein erst nach Surinam & Französisch Guyana. 
 
Draußen im Atlantik brachte das Blauwassersegeln wie immer viel Spaß, aber zwischen Trinidad und Tobago sah die Sache dann anders aus.  Der Schiffsverkehr nahm drastisch zu und niemand nahm auch nur die geringste Notiz von uns.  Ich bekam keine Antwort auf UKW Kanal 16 und keinerlei Reaktion, als ich die Jungs mit meinem starken Halogen-Suchscheinwerfer anblinkte.  Es scheint tatsächlich noch schlimmer als früher zu sein, so dass die Leute auf den großen Pötten sich nur noch auf ihre Bildschirme, ihr AIS, ihr Radar und generell auf ihre Elektronik verlassen.  Wenn ich jetzt noch einmal losfahren würde, dann hätte ich einen AIS-Transponder, ein Radar (nicht so sehr um zu sehen, sondern mehr um gesehen zu werden) und ein Sprechfunkgerät mit DSC an Bord.  Es ist schlicht und einfach zu haarig ohne.  Dabei machen wir immer abwechselnd unsere sechs-Stunden-Wache.  Dazu kam wieder einmal starke Strömung und zu guter Letzt hatten wir noch eine Bö von 50 Knoten (Windstärke 10), die unser Bimini noch weiter zerlegte.  Ein weiterer Job für nach unserer Ankunft. 
 
Wunderbar war allerdings die Tierwelt.  Eine Schule großer Delphine begleitete uns fast einen ganzen Tag lang.  Oben flogen verschiedene Sorten Fregattvögel als auch Greifvögel und Pelikane herum, im Wasser gibt es große bunte Hornhechte (etwa 1 m lang) als auch deren Jungfische, während es an Land von wahrhaft riesigen Nachtfaltern, Leguanen, Brüllaffen und vielen anderen Tieren geradezu wimmelt.  Perfekt für Aurora Ulani. 
 
 
 
Als ich bemerkte, dass wir in meiner Freiwache durch die Enge zwischen der Insel Monos und Trinidad selbst durchfahren würden, hatte ich einen Zahn zugelegt.  Normalerweise fahren wir nirgendwo nachts rein, aber wir waren ja 2006 schon einmal sieben Monate in der Gegend gewesen und außerdem waren uns draußen einfach zu viele Schiffe, zu starke Strömung und zu viele Böen.  Eine Stunde nach Mitternacht fiel der Anker und wir verkrochen uns in die Koje. 
 
Als wir wieder aufwachten, sahen wir um uns herum die grünen Hügel von Trinidad, die uns sehr an Taiwan erinnern.  Sieht fast wie zu Hause aus.  Ich muss gestehen, dass es auch ein sehr gutes Gefühl war, die Weltumsegelung tatsachlich geschafft zu haben.  Es gab so viele Zweifler – aber hier sind wir nun.  Für mich ist es einer der Höhepunkte meines Lebens und es ist mir total egal, wie viele Leute es vorher schon gemacht haben.  Einmal selber machen und erst hinterher darüber reden, wie einfach es doch ist, würde ich vorschlagen.  ; – )  
 
Es gab aber sofort eine Sache, welche uns überhaupt nicht gefiel.  Wir waren nämlich umgeben von großen Schiffen.  Aber bevor wir uns darum kümmern konnten, mussten wir erst einmal einklarieren, was wir dann auch unverzüglich gemacht haben.  Überhaupt gar kein Problem.  Wir sollen vor dem 1. Januar 2013 wieder dort antanzen, um unsere Aufenthaltsgenehmigung zu verlängern.  Ein schwedischer Fischer nahm uns in seinem Volvo zum nächsten funktionierenden Geldautomaten mit.  Dann fanden wir heraus, dass die Preise während unserer Abwesenheit sehr gestiegen waren.  Wir sind ja jetzt in der Karibik und das bedeutet vor allen Dingen teuer.  Außerdem trafen wir überall eine ganz andere Sorte von Yachties, die sich vollkommen von den Leuten unterschieden mit denen wir es seit Madagaskar zu tun hatten. 
 
Wir haben im HiLo Supermarkt frisches Gemüse und ein paar andere Kleinigkeiten eingekauft und trafen dann SALSA-Kirk, der mit zu uns an Bord kam.  Wir bemerkten ein Schiff in Militärgrau, welches viel zu dicht bei uns ankerte.  Das entwickelte sich zu einem Problem, denn gegen Mitternacht rumsten wir in das Teil hinein.  Glücklicherweise hatten Johann und seine Frau die Sache im Griff und standen schon mit den Fendern bereit.  Ihr Boot war ein altes holländisches Minensuchboot, ganz aus 6 Zoll starkem Teak gebaut.  Das Lotsenboot hatte ihn angewiesen dort zu ankern und nun stand er genau über unserer Kette und unserem Anker.  Wir haben eine Stunde lang miteinander geschnackt, bis die konfuse Strömung sich wieder beruhigt hatte.  Diesen Umstand hatte ich während unserer langen Abwesenheit fast vergessen. 
 
 
Morgens in aller Frühe holten wir den Anker hoch, der mir unnatürlich schwer vorkam.  Das lag an einem großen und überaus schweren Stahlrohr, welches sich in meinem Bügelanker verklemmt hatte.  Es dauerte so um die zwei Stunden, bis ich den ganzen Mist klariert hatte.  Während dieser Zeit fuhren wir in der Bucht unsere Kreise, der Schweiß floss in Strömen und ich fluchte wie ein altgedienter Soldat. 
 
Die nächsten paar Tage mussten wir immer wieder umankern.  Es war keine Muring frei, alles war proppenvoll und gleich neben dem Muringfeld verläuft ein über 30 Meter tiefer Graben für die großen Schiffe.  Keine wirklich guten Bedingungen zum Ankern.  Außerdem verscheucht einen das Lotsenboot wenn ein großes Schiff oder die noch viel größeren Lastkähne (auf denen Teile einer Erdölraffinerie nach Venezuela transportiert werden) hier reinkommen wollen und man nicht in der designierten Ankerzone liegt.  Viel schlimmer ist es allerdings, wenn man zu der Zeit nicht an Bord ist.  Dann kommt nämlich ein Hafenschlepper und zieht einen samt Anker aus dem Weg.  Danach hält der Anker meist nicht mehr.  Und da man sich ja nicht an Bord befindet, kann man wahrlich von Glück reden, wenn das Schiff nicht auf Grund geht oder in eine andere Yacht donnert. 
 
Nach einigen Tagen ergatterten wir dann doch eine YSATT-Muring, die wir gleich für einen Monat gemietet haben.  Jeff von der SELAH, den ich schon aus Langkawi kenne, half mir unseren Kahn dorthin zu verlegen.  Auf einem Kat ist es ja immer ein wenig problematisch, wenn eine der Maschinen ausfällt.  Vorwärts kann man nur dann vernünftig steuern, wenn Fahrt im Schiff ist und rückwärts ist es so gut wie unmöglich.  Es klappte aber alles ohne größeren Stress.  Ich sprach mit Don, dem Boss von Powerboats und heuerte unseren alten Mechaniker Raymond wieder an.  Er hatte uns damals einen neuen Zylinderkopf aufgesetzt und wird sich jetzt die Maschinen/Saildrives vorknöpfen.  Unser alter indischer Freund Scooby wird die Luken neu abdichten und die beiden Brüder Arno & Peter aus Holland werden die Fiberglasarbeiten an der Nacelle (einer Art Mittelrumpf typisch für Privilege Katamarane) machen.  Diese Katamaranspezialisten hatten während unserer Abwesenheit einen 55 1/2 Fuß Luxuskatamaran auf eigene Rechnung gebaut.  Das Boot soll in etwa zwei Wochen ins Wasser, wo es erst einmal gründlich auf Herz & Nieren geprüft werden muss.  Leider müssen wir nun bis Mitte November warten, bis Arno und Peter Zeit haben.  So lange werden wir wohl hier im Wasser warten.  Die beiden sind übrigens gute Freunde von unserem alten Kumpel Roy Starkey auf SEA LOONE (müsste gerade in Madagaskar sein) als auch von SULA-Ron, den wir gerade in Itaparica besucht hatten und der ebenfalls ein guter Freund von Roy ist.  Irgendwie ist die Welt der Yachties doch sehr klein, ganz egal wie weit sie räumlich voneinander getrennt sind. 
 
Wenn all diese Arbeiten abgeschlossen sind, wird unser Boot in einem wahrhaft guten Zustand sein.  Schon komisch, wenn man all diese Reparaturen macht, nur um sein Boot hinterher zu verkaufen.   Wir trafen eine Unmenge alte Freunde hier.  Hamburger Jörn Grote, der früher die Firma First Mate innehatte, macht jetzt sein Kapitänspatent für Luxusyachten in Fort Lauderdale.  Engländer Henry, dem die schöne kleine knallrote TABASCO  gehört und der früher als Bühnenmanager für Elton John arbeitete, diverse Ehefrauen und Kinder trafen sich auf der Insel Gaspar Grande zu einem "Cooler Lime" wie Jörn es nennt.  Es tat gut mal wieder mit so vielen alten Freunden zu schnacken. 
 
 
Amerikaner Peter Laine hatte ebenfalls in unserer Abwesenheit einen großen Kat gebaut und war leider genauso überarbeitet wie früher.  Der Deutsche Alwin, der mit uns in Neuseeland auf der Norsand-Werft lag, hatte sich gerade einen Fountain-Pajot Venezia Kat gekauft.  Er meinte, wenn er nicht schon ein Boot hätte, würde er unser Boot vom Fleck weg kaufen.  Leider ist die Karibik eigentlich gar kein guter Platz, um ein Boot zu verkaufen.  Es ist schon schwierig genug mit den Reparaturen und der Verkaufsprozess ist wie emotional Achterbahn fahren.  Unser alter Freund Douglas Billings, ursprünglich Fondsmanager in Nordamerika und später Eigner der Firma KISS-Windgeneratoren, hat seinen Laden inzwischen verscheuert.  Ansonsten haben sich die meisten Leute wenig verändert und machen im Prinzip immer noch das Gleiche wie damals. 
 
Natürlich machen wir uns auch viele Gedanken um "das Leben danach".  Die Frau von Captain Fatty (kennen wir seit Samoa), meinte schon: "Vorsicht vor den Post Partum Depressionen!"  Wir haben weiterhin vor, es mit Deutschland zu versuchen, obwohl uns praktisch jeder davon abgeraten hat.  Dabei scheint selbst der Papierkrieg schon ein ernstes Thema zu werden.  Es sieht fast so aus, als ob wir die Familienzusammenführung erneut beantragen müssen und dieses Mal muss Liping ihre Deutschkenntnisse sogar vor Ausstellung eines Langzeitvisums nachweisen.  Schöne Geschichte! 
 
Wenn alles wirklich lange dauert, kann es gut sein, dass wir Roy und noch ein paar andere alte Freunde hier wieder treffen werden.  Schelmi & Isabelle auf ihrem 46 Fuß Wharram Tiki Katamaran WAKATAITEA (sie hatten ihn Neuseeland selbst gebaut als wir da waren) sind zwar zur Zeit noch in Kudat, Borneo aber sie planen im Eiltempo weiterzufahren und uns hier zu treffen.  Das wäre natürlich supercool!  Auch unsere deutsch-tschechischen Freunde Karl & Libu planen schon bald mit ihrer ROSINANTE aus Martinique hierher zu kommen.  Sie sind zusammen mit Roy unsere erfahrensten Yachtiefreunde.  Genau wie er, haben sie ihr Boot Anfang der 70er selbst gebaut und leben seither an Bord.  Sie haben ihre beiden Kinder bis zum Abitur selbst an Bord unterrichtet, sind einmal um die Welt und nun freuen wir uns schon auf die kulinarischen Köstlichkeiten, denn Libu ist ein genau so guter Chef wie Liping. 
 
Das wäre wahrhaftig ein schöner Abschluss unseres Yachtielebens. 
 
 
Holger, Liping & Aurora Ulani Jacobsen
Catamaran DHARMA BUM III
HolgPhone:   +18683995675
LipingPhone: +18683325494
Chaguaramas, Trinidad

Saturday, July 28, 2012

Itaparica bei Salvador de Bahia in Brasilien

Sonnabend, der 28. Juli 2012
 
Moin,moin aus Brasilien!
 
 
Unsere Uhren sind jetzt auf UTC-3 Stunden, will heißen, daß es hier jetzt  08:43 morgens und in Deutschland 13:43 am Nachmittag ist.  Der Törn über den Südatlantik war für uns einer der angenehmsten aller Zeiten.  Nur der von Chagos nach Mauritius im Indischen Ozean war vergleichbar.  Das gilt allerdings nur für uns Leute mit einem Katamaran!  Wir haben das Großsegel nicht ein einziges Mal ausgepackt, es steckt immer noch unter dem grünen Sailcover.  Einzigartig waren auch die vielen Wale, die wir gesehen haben und die uns Stunden- und Tagelang begleiteten.  Zum Glück haben wir keinen umgefahren, so wie es ADIO passiert ist, denn dann können die Viecher in der Tat böse werden.  Der Wal hat sie nach dem Zusammenstoß mit voller Wucht seitlich gerammt, so daß sie jetzt eine Riesenbeule in ihrem Schiff haben.  Glücklicherweise ist es aus Metall! 
 
 
Die Ankunft hier war ebenfalls eher tranquilo.  Statt wie fast alle anderen in den Yachthafen in Salvador de Bahia zu gehen, sind wir direkt zu der Insel Itaparica weitergesegelt, wo alles  sehr viel ruhiger und sicherer ist als in Salvador de Bahia.  Das nennt man hier übrigens das Schwarze Loch und zwar aus zwei Gründen.  Erstens weil dort einfach alles verschwindet, ob nun wegen Diebstahl, Raubüberfall, bei der Post oder beim Zoll und zweitens weil die Bevölkerung überwiegend schwarz ist. 
 
Inzwischen können wir auch wieder in der Plicht duschen, denn es ist endlich wärmer geworden.  Allerdings nur tagsüber, denn sobald es dunkel wird, fällt die Temperatur auf etwa 27°C oder sogar noch weiter ab.  Jetzt ist hier Regenzeit und so kann es  vorkommen, daß es  wochenlang regnet und außerdem muß man mit Kaltfronten und Sturmböen von bis zu 40 Knoten rechnen.  Hmmm...
 
Die letzten paar Tage auf See schlief Aurora auf dem Sofa im Wohnzimmer, denn sie war viel zu aufgeregt, wie immer wenn wir irgendwo ankommen.  Die  Lichter von Salvador waren schon einen Tag vorher am Nachthimmel zu sehen.  Unglaublich was wir Menschen so an Elektrizität verschwenden!  Als wir näher kamen, erinnerte es mich sofort an Belem, denn es stand ein Wolkenkratzer neben dem anderen.  Mir wurde allerdings erzählt, daß ansonsten alles total verkommen, verdreckt und zerstört ist. 
 
Hier ist mehr so die dörfliche Atmosphäre eines Touristenorts.  Es hat mich total an Soure in Marajó im Amazonasdelta erinnert, wo mein Bruder Birger & ich auf DHARMA BUM I zusammen mit den beiden Franzosen Dede & Riton von der VILLE DE SAINT NAZAIRE am 22.8.1989 waren.  Ich kann es nicht gut beschreiben, wahrscheinlich liegt es am Stil der Architektur und and dem flachen Land.  Typisch brasilianisch eben. 
 
Gleich am ersten Tag habe ich Schlauchboot und Außenborder runtergelassen und bin rüber zu dem älteren Ehepaar Reinhart & Marlene auf der ADIO aus Cuxhafen, die ich aus Mauritius kenne und die gute Freunde von Michael auf der TANOA sind.  Der ist übrigens sicher und wohlbehalten in Deutschland zu einem großen Empfang angekommen.  Mittwoch morgen waren wir auf der deutschen UI, wo eine Mutter mit ihren beiden kleinen Töchtern lebt, während der Vater in Deutschland arbeitet.  Viele Boote hier kommen aus Europa und haben mit der Segelei gerade erst angefangen.  An Land konnten wir Geld aus dem Automaten im Yachthafen holen, was wirklich sehr praktisch ist.  Danach haben wir eine Gurke für Hamsti und noch ein paar andere Sachen eingekauft.  Zurück an Bord gab es die "guten" Drei-Minuten-Nudeln aus Taiwan und ich habe erst  einmal das oberlahme WiFi/WLAN  ausprobiert.  Die  eMail geht so mit Ach und Krach, aber alles andere kann man vergessen.  ;-( 
 
Immerhin gelang es uns mit dem Kumpel von Roy Starkey von der SEA LOONE (12.9.1989 in Kourou kennengelernt) Kontakt aufzunehmen.  Zufälligerweise haben wir genau vor seinem Haus geankert.  Ron Llewellyn hat uns zu sich eingeladen und uns allerlei erzählt.  Er ist Fallschirmspringer bei den Special Forces in Australien gewesen und war spezialisiert auf "High Altitude, Low Opening" Absprünge wobei man extrem hoch oben mit Sauerstoffgerät und Spezialausrüstung aussteigt, den Fallschirm allerdings erst dann öffnet wenn es fast schon zu spät ist.  Das ist dazu gedacht, um nachts unbemerkt hinter die feindliche Front zu kommen.  Er hat auch die Engländer, Amis usw. in diesem Zeugs unterrichtet, doch nach 10 Jahren ist er ausgestiegen und hat seine eigene Fallschirmspringerschule eröffnet.  Alles sehr militärisch, mit Nahkampf in allen Variationen usw.  Der thailändische Kronprinz wurde von ihm trainiert und nach 14 Jahren konnte er dann endlich segeln gehen, was er die nächsten 16 Jahre auch gemacht hat.  Nach seiner ersten Weltumseglung wollte er von Neuseeland aus non-stop um Kap Horn, kam aber in einen gewaltigen Orkan mit von der Wetterstation am Kap Horn gemessenen 120 Knoten.  Gute Güte!  Obwohl er kein Fitzelchen Segel oben hatte, brach ein Norseman-Terminal, der Mast zerbröselte, die SULA kenterte durch und trieb mit dem Kiel nach oben.  Da dachte Ron dann, daß es das wohl gewesen wäre, denn er stand auf der Decke und das Boot wollte sich nicht wieder aufrichten. 
 
Irgendwann tat es das aber doch und Ron kroch nur im T-Shirt & Trainingshosen an Deck.  Totales Chaos (wir haben die Bilder gesehen), die riesige Luke vorne war auf und wurde vom Mast in dieser Stellung festgedrückt.  Bei jeder Welle schwappten Unmengen 5°C kaltes Seewasser rein und SULA drohte zu sinken.  Irgendwie hat Ron es aber doch mit Gewalt geschafft, die Scharniere der Luke zu zerstören, diese vor das Loch zu zerren und mit Draht wieder halbwegs vernünftig zu befestigen.  Er kroch wieder rein und bemerkte, daß er gerade dabei war an Hypothermie zu sterben.  Alles war voller Seewasser, Diesel, überall Kurzschlüsse, Qualm und Terror.  Da dachte er dann das zweite Mal, daß er diese Geschichte wohl nicht überleben würde.  Er zog sich all die (nassen) Klamotten an, bis er wie ein Michelinmännchen aussah und irgendwann mußte er sich dann daran machen, den Motor anzuschmeißen, was wiederum 2 Tage in Anspruch nahm.  Dann war die Funke dran.  Die Chilenische Marine war *total* ätzend zu ihm, er hätte monsterviel bezahlen müssen und wahrscheinlich sein Boot eingebüßt.  Da wurde er dann langsam grantig und ist mit dem Boot so wie es war unter Maschine non-stop nach Ushuaia in Argentinien gefahren.  Auch sonst war sein Leben ein einziges großes Abenteuer.  Warum er allerdings freiwillig in Südamerika leben will, kann ich beim besten Willen nicht verstehen.  Dabei gibt es doch so schöne Länder wie Neuseeland, Taiwan und auch sonst noch so allerlei in Asien.  ;-)))))
 
Es war schon dunkel und wir wollten dringend zurück an Bord, als wir PARPAR bemerkten und von Henry und Tuk wild an die SEUTE DEERN gewunken wurden.  Die kennen sich nämlich auch schon seit Jahren und zwar aus Chagos.  Dort saßen wir noch eine ganze Weile bei Hamburger Hans (72) und SangHee aus Korea.  Hans ist ähnlich wie ich schon als junger Mann aus Deutschland weg und hat viele Jahre in Südafrika und etlichen anderen Ländern verbracht.  Irgendwann hat er sich in Kapstadt eine 16 Meter lange Reinke aus Alu bauen lassen und die beiden sind damit um die Welt gesegelt.  Nach einem Zwischenspiel in Kapstadt sind die beiden nun wieder unterwegs in Richtung Karibik.  Natürlich haben wir beiden Nordlichter schön miteinander geklönt.  :-)
 
Unser Landausflug war allerdings nicht wirklich erfolgreich gewesen.  Zwar bekamen wir das leckere Mineralwasser  aus dem artesischen Brunnen Fonte da Bica de Itaparica, aber mit der SIM-Karte für das Internet wurde es nichts.  Die dürfen zur Zeit nämlich keine mehr verkaufen.  Auch von jeglichen Reparaturen in Brasilien wurde uns von allen Seiten dringend abgeraten.  Schöne Geschichte... 
 
Donnerstag waren wir gerade am Aufräumen, als Ron uns auf UKW-Kanal 69 anrief.  Wir waren zusammen in einem winzigen "Restaurant" essen, wo die reichliche Portion Reis, Nudeln, Bohnen und gebratene Hühnerbeine samt Wasser, Saft und Kaffee vier Real (€ 1,61) kostete.  Da waren wir dann auch wirklich satt.  Später stieß Henry zu uns, der ja ebenfalls Australier ist.  So kam es, daß ich wieder erst nach Hause kam, als es schon längst dunkel war. 
 
 
Gestern dann habe ich unseren Strandkajak zu Wasser gelassen, um mit Ulani zusammen Henry und Tuk zu besuchen.  Wir hatten eine ganz ausgezeichnete Unterhaltung.  Henry ist Geologe und zwar einer von denen, die tatsächlich draußen in der Wildnis herumkriechen und dort Forschungen betreiben.  Sein Satellitentelefon ist immer auf Empfang, und so braucht er sich um Arbeit keine Sorgen zu machen.  Er läßt Tuk und das Boot im Hafen, fliegt nach Papua Neuguinea, Ghana oder sonst irgendwohin und arbeitet ein paar Monate lang.  Henry liebt das Reisen in fremde Länder, Abenteuer und hat sich dazu noch die wissenschaftliche Neugier und Begeisterung bewahrt.  Es ist wahrlich ein Genuß sich mit ihm zu unterhalten!  Die beiden hatten an dem Morgen drei Langusten von einem Kanu gekauft, die es dann abends auf der SEUTE DEERN gegrillt gab.  Lecker!  Dazu Wein, Caipirinha, Steak, chinesische, thailändische und koreanische Gerichte, denn unsere drei Asiatinnen hatten sich alle am Kochen beteiligt.  Somit waren wir von 17:00 bis um 22:00 Uhr mit dem Abendessen beschäftigt. 
 
Eigentlich ist jetzt Schule dran, aber Ulani hat gerade Besuch von den beiden deutschen Mädchen Lina (6) und Yara (4), die ganz allein mit ihrem Schlauchboot angerudert kamen.  Sie schwimmen wie die Fische und sind genau so selbstständig wie die Franzosenkinder, die wir kennengelernt haben.
 
Ich werde mich demnächst mit Aufräumarbeiten beschäftigen, denn hier sieht es wirklich unglaublich aus. 
 
Viele liebe Grüße von
 
Holger, Liping & Aurora Ulani Jacobsen
Catamaran DHARMA BUM III
Itaparica, Brazil, 12°53.22'S 038°41.31'W

Wednesday, July 04, 2012

Südafrika bis Sankt Helena - 4. Juli 2012

Unsere Zeit in Sankt Helena geht nach drei Wochen ihrem Ende entgegen.  Die Überfahrt von Kapstadt war für uns bis auf den ersten Tag einer der besten Törns überhaupt.  Der Wind kachelte fast ständig mit um die 25 Knoten ziemlich genau von hinten, so daß das Groß die ganze Zeit unten blieb und wir trotz der ebenfalls von hinten kommenden gewaltigen Dünung streßfrei wie auf Kufen liefen.  Für unseren Kumpel auf einem 30 Fuß Langkieler war es allerdings das genaue Gegenteil.  Er rollte wie verrückt, mußte ständig drei Reffs im Groß fahren und hatte eine sehr unangenehme Überfahrt.  So viel kommt es darauf an, mit was für einem Boot man unterwegs ist!  Selbst am Ankerplatz ist der Unterschied ob des Rollens unübersehbar. 

Eine Sache hatten die Wellen allerdings auch bei uns verursacht.  Meine schwere Ersatzbatterie riß sich los, fiel auf die Frischwasserdruckpumpe, welche das ganze Boot mit Trinkwasser versorgt und brach dort den Stutzen ab.  Da die Pumpe sich unten im Maschinenraum befindet, der Tank aber oben im "Wohnzimmer" steht, verloren wir all unser Trinkwasser. 
 
Nicht gerade lebensbedrohlich, da wir weiteres Wasser in Flaschen, sowie noch alle möglichen anderen Getränke an Bord hatten.  Während ich mich in der Not damit abfinden kann nur noch Homebrew zu trinken, so ist es zum Duschen und Haare waschen allerdings eher ungeeignet.  Besonders die beste aller Frauen wird dann ganz schnell grantig und so mußte ich mir schnell etwas einfallen lassen.   Wir mußten sofort in den nächsten Hafen und Wasser bunkern.  Nur, der nächste Hafen war Jamestown in Sankt Helena, wo wir eigentlich dran vorbeisegeln wollen. 
 
Nach 16 Tagen auf See kamen wir dort an, wobei wir die letzte Nacht gedriftet waren, da wir nicht im Dunklen ankommen wollten.  Wie uns Freunde schon berichtet hatten, war es ausgesprochen tief und extrem wackelig.  Nicht ganz so extrem wie in Betio, Tarawa, Kiribati, aber dafür kamen die Wellen hier fast immer genau von der Seite. 
 
Nach kurzer Zeit waren wir mit ein paar alten Freunden und Bekannten zusammen und konnten auch gemeinsam meinen 52. Geburtstag feiern.  Dabei waren Henry & Tuk von der PARPAR, Kirk von der SALSA, Neil von der FULL MOON, sowie Bill & Melissa von der RELIANT.  Ich habe mich viele Tage mit dem Wassersystem beschäftigt, wobei es ein Problem nach dem anderen gab.  Ich hatte eine Ersatzpumpe eingebaut und Wasser in den Tank gekippt, aber nichts ging mehr.  Selbst die Fußpumpe in der "Küche" wollte nicht mehr.  Es blieb mir nichts anderes übrig, als den ganzen Salon auseinanderzunehmen, um den Tank aufmachen zu können.  Dann mehrmals Ein- und Ausbau diverser Pumpen (die alte, stärkere hatte ich inzwischen repariert).  Endlich kam wieder Wasser, welches allerdings dermaßen verdreckt war, daß wir es gleich ins Meer gekippt haben.  Die Fußpumpe wollte immer noch nicht.  Langsam wurde ich ernsthaft gereizt und rastete bei dem kleinsten Anlaß vollkommen aus. 
 
Zu dem Zeitpunkt beschloß ich dann, meine Mädels allein an Land zu schicken, so daß ich ungestört arbeiten konnte.  Das hatte allerdings noch einen zweiten Grund, denn inzwischen war die  Dünung so stark, daß ich mich nicht mehr traute, mein Schlauchboot selbst mit Heckanker dort zu lassen.  Wenn es wie im Fahrstuhl immer 2 Meter rauf und runter geht, daß hält so ein kleiner Anker nicht unbedingt - und dann ist das Beiboot Schrott.  Kirk hat es trotzdem versucht und dabei seine gute Taucherbrille samt Schnorchel eingebüßt.  Und sein Schlauchboot hat seitdem ein Leck und läuft immer voller Wasser. Sein Anker hielt allerdings dermaßen gut, daß er mit einem Brecheisen tauchen mußte, um ihn wieder zu bergen. 
 
Zu guter Letzt kam ich zu der Einsicht, daß ich eine riesige Luftblase im System hatte.  Der Gegendruck war dermaßen stark, daß es auch nichts half von oben Wasser in die Druckleitung zu füllen.  Ich schnappte mir eine starke manuelle Bilgepumpe fürs Beiboot und funktionierte sie kurzerhand um.  Mit viel Druck pumpte ich oben sauberes Wasser in die Leitung, während Liping gleichzeitig unten die Fußpumpe bediente.  Und siehe da!  Alles war wieder beim alten. 
 
Bis auf die Tatsache, daß ich ein Leck im Frischwassertank bemerkte.  Nach unzähligen Flüchen und weiteren zwei Tagen Arbeit, war auch diese Sache behoben.  PARPAR & FULL MOON waren gleich nach meinem Geburtstag nach Ascension abgesegelt und irgendwann machte sich auch RELIANT auf den Weg.  Kirk hatte erheblichen Streß mit seiner Windselbststeueranlage und mußte ebenfalls reparieren.  Über Funk hörten wir dann, daß sowohl FULL MOON als auch RELIANT Probleme mit ihrer Einseitenband-Funke hatten.  Nur PARPAR bleib vorerst verschont. 
 
Trotzdem hatten wir Zeit für eine Inselrundfahrt, bei der wir uns vor allem die Häuser von Napoleon Bonaparte, sein Grabmal, die Riesenschildkröten, die Jakobsleiter und viele andere Dinge angesehen haben.  Der einzige Nachteil war, daß wir auf der Ladefläche eines Pickup-Trucks saßen, was mein Rücken gar nicht gerne mag.  Die Mädels waren auch noch zu einer Grillfete auf der andere Seite der Insel, doch ich hatte mir irgendeinen Virus eingefangen und litt etwa drei Wochen lang an Kopf- und Nackenschmerzen. 
 
 
Aurora Ulani und ich waren mit ihrem Kescher und einem Eimer unterwegs, um Meeresgetier zu fangen.  So etwas liebt sie über alles - genau wie ihr Vater.  Kurze Zeit später hatten wir zwei Seesterne, einen Krebs und ein paar andere Krabbeltiere im Eimer, die wir allerdings nicht bestimmen konnten.  Die Fische waren leider zu schnell für uns und die Seeigel waren zu fest in ihren Löchern verschanzt. 
 
Das "Royal Mail Ship" RMS ST. HELENA kam vorbei, wobei wir beobachten konnten, wie sie die Container auf Leichter mit riesigen "Außenbordmotoren" (sehen wie Baumaschinen aus) verladen und auf diese Weise an Land bringen. 
 
 
Dann gab es noch die große Diskussion, ob wir uns das Schlüpfen der kleinen Seeschildkröten auf Ascension angucken sollten.  Wir hatten es schon im Ashmore Reef zwischen Australien und Indonesien versucht, waren aber nicht erfolgreich gewesen.  Wir würden es uns so gern einmal anschauen!  Wir wußten allerdings von unseren Freunden, daß es dort oft gar nicht möglich ist an Land zu gehen, da die Dünung dort noch mehr Unwesen treibt als hier.  Außerdem bedeutet Ascension einen Umweg, bei dem zusätzlich der Wind von Ascension bis Salvador de Bahia aus einem ungünstigeren Winkel kommen würde.  Selbst heute, am vorletzten Tag, haben wir uns immer noch nicht entschieden. 
 
Auf jeden Fall steht uns wieder einmal eine längere Zeit auf See vor, was uns sehr gut in den Kram paßt.  Außerdem verspricht es immer wärmer zu werden und der Mond wird uns am Anfang des Nachts beleiten.