Thursday, May 03, 2007

Auf dem Weg zu den Marquesas Inseln

02°38.7301' S, 095°40.8796' W                                                       Sa., 17.3.2007
 
Heute sind wir seit genau fünf Tagen unterwegs, wobei wir uns nach wie vor in den Doldrums befinden.  Das paßt Liping & mir eigentlich ausgezeichnet, denn obwohl wir pro Tag nur etwa 75 Seemeilen gut machen, so geht doch alles viel gemächlicher & ohne Streß ab, was uns im Prinzip viel wichtiger ist.  Daß kaum einer der Segler das so sieht wie wir, merkten wir erst gestern abend wieder. 
 
Gegen 22:30 Uhr sah ich ein Licht am Horizont, woraufhin ich mein Flutlicht angeworfen habe.  Nach kurzer Zeit wurde mein Signal erwidert & auf Kanal 16 erfuhr ich, daß es sich um die Segelyacht S/V CONSTANCE handelte, die erst vorgestern abend in den Galapagos losgesegelt sind.  Ganz offensichtlich unter Maschine, denn Wind gab es ja so gut wie keinen.  Sie meinten, daß sie vorhätten, schon in 14 Tagen in Hiva Oa einzuklarieren, während mein MaxSea Programm zur Zeit für uns mit 40 Tagen rechnet. 
 
Solange genug zu essen und trinken an Bord ist, gefällt es uns hier ganz gut.  Liping meinte schon, daß es wohl die erbärmliche Verpflegung auf den anderen Booten sein muß, welche die Leute dazu treibt Tag und Nacht unter Maschine zu "segeln".  <Grins>
 
Vorgestern abend sahen wir ebenfalls ein Licht & in der Nacht davor schnaufte es auf einmal ganz fürchterlich neben uns, so daß uns wohl ein Wal oder ein großer Delphin besucht hat. Sehen konnte ich bis auf kleine rot leuchtende hüpfende Punkte allerdings gar nichts.  Was das nun wieder für Viecher waren? 
 
Unser frisch reparierter & neu lackierter Linear Drive hielt übrigens keine 19 Stunden.  Drei Stunden später war der neue drin, der bis jetzt noch keine größeren Schwierigkeiten gemacht hat.  Seekrank wurde dieses Mal überhaupt keiner, was bei uns das erste Mal der Fall ist.  Bis jetzt fiel noch kein Regentropfen, kein Gewitter zwang uns zur Segelarbeit & überhaupt ist alles so tranquilo wie noch nie zuvor.  Wenn ich daran denke, wie mein Bruder Birger & ich uns 1989 auf dem Weg nach Belem abgerackert haben bzw. wie rauh der Törn von Cabo San Lucas nach Hiva Oa mit Liping 1995 war, so bin ich wirklich sehr dankbar. 
 
Selbst die Maschinen machen gerade keinen Streß.  Die einzige Sache, die ich zur Zeit im Auge behalten muß, ist das Leck an der Logge.  Ich pumpe alle 12 Stunden die Bilge aus, lasse aber sonst alles wie es ist, denn mir scheint, daß meine Abdichtungsversuche die Sache eher verschlimmern. 
 
Seit gestern steht die Sonne nördlich von uns & nun wird sie sich jeden Tag weiter von uns entfernen.  Nachts werfe ich oft das Fuji-Planetarium an, wobei man immer wieder etwas dazulernt.  Vor allem, wenn man zusätzlich noch im Lexikon nachsieht, in dem ich sowieso in letzter Zeit recht viel herumstöbere.  (Das Lexikon schrieb zum Bleistift, daß nur etwa 10% der Gymnasiasten in D-Land es auch tatsächlich bis zum Abitur schaffen.  Die Oberstufe ist also deutlich schwieriger als in Amiland, Taiwan oder anderen Ländern.  "Those who are university-bound then enter a track of rigorous preparatory secondary education by attending a highly competitive, academic Gymnasium (junior and senior high school)."  Hatte meinen Kumpels ja schon immer gesagt, daß die Oberstufe bei uns etwa dem Bachelors Degree an einer Ami-Uni entspricht.)
 
Immer wieder verblüffend ist der sehr helle Doppelstern Sirius (Hundestern), welcher nahe am Horizont in allen möglichen Farben funkelt.  Erst rot, dann grün, aber auch blau, lila oder gelb.  Auf DHARMA BUM II hielt ich ihn einmal für die Positionslichter eines Schiffes, welches genau auf mich zukam.  Ich ging damals ans Funkgerät & wurde langsam nervös, als absolut keine Antwort kommen wollte.  Als Sirius dann blau und lila erschien, war ich komplett desorientiert, denn eine Lichterkombination mit blauen Lichtern war mir noch nicht untergekommen. 
 
Ich übernehme grundsätzlich die erste Wache bis gegen 1:00 oder manchmal 2:00 Uhr, denn Liping muß unbedingt dann Freiwache haben, wenn Aurora Ulani schläft.  Glücklicherweise ist unsere Kleine beim Segeln überaus pflegeleicht & wenn ich schlafe, pflegt sie stundenlang nur zu flüstern, um mich nicht zu wecken.  Wenn ich nicht gerade lese, am Computer oder an der Funke sitze, bzw. die Sterne betrachte, so vergnüge ich mich damit mir über alle möglichen Sachen Gedanken zu machen, Pläne zu schmieden & Szenarien zu entwerfen.  Viel heraus kommt dabei naturgemäß nicht, aber irgendwomit muß man sich die sechs Stunden ja beschäftigen, um nicht einzuschlafen. 
 
So, nun soll ich gleich Lipings Haare schneiden und ein kleines Nickerchen machen, damit ich nachher wieder fit bin. 
 
                                                                                                                               So., 18.3.2007
 
03°49.7833' S, 098°13.2737' W
 
Hätte mir ja denken können, daß es keine gute Idee ist, das Wetter zu loben.  Kaum war ich draußen in Cockpit, als auch schon der erste Regen fiel.  Eine typische Squall, zum Glück ohne größere Windstärken (es ging nur bis 7 Beaufort) und ohne Blitze.  So regnete es ab und an immer wieder, manchmal sehr heftig & richtig prasselnd, was zumindest den positiven Seiteneffekt hatte, daß wir Wasser sammeln konnten.  Wir haben es gefiltert und in Flaschen abgefüllt.  Dumm war nur, daß beim Setzen des Großsegels und der anschließenden Halse ein weiterer Gartenstuhl zu Bruch ging & auch der schwarze Boppel des Gashebels dran glauben mußte.  Nun darf kein weiterer Stuhl mehr zerbröseln!  Drinnen ging eine Flasche mit Ammoniak zu Bruch (war wohl zu heiß gewesen in dem Schrank direkt an der Bordwand) und machte einen Karton chilenischen Rotwein ungenießbar. 
 
Die Geschwindigkeit des Bootes ging bei der ganzen Geschichte von etwas über einem Knoten auf bis über acht Knoten hoch, hat sich aber jetzt bei etwa 5 1/2 Knoten eingependelt. Mit dem angenehm ruhigen Dahinzuckeln ist es also erst einmal vorbei, denn immer noch sind wir von schwarzen Wolkenbänken und Rumpelwasser umringt.  Und irgendwann kommt dann ja sowieso der Passat & es ist ganz vorbei mit den Doldrums. 
 
Auf dem Vordeck fand ich heute einen Tintenfisch, den ich gleich Liping übergeben habe, damit sie ihn Aurora zeigt und eventuell zu Futter verarbeitet.  Bis jetzt haben wir 548 Seemeilen (ca. 20% der Gesamtstrecke) zurückgelegt & haben noch 2453 Sm (oder etwa 80%) vor uns.  Wenn unsere Geschwindigkeit so bleiben würde wie in diesem Augenblick, dann dürften wir zwischen dem 4. und 6. April in Hiva Oa eintrudeln.  Letztes Mal erwies sich die Prognose als ausgesprochen akkurat, aber ich nehme nicht wirklich an, daß wir es so schnell schaffen werden.
 
                                                                                                                               Mo., 19.3.2007
 
04°15.8560' S, 099°36.8859' W
 
Es ist erst 9:42 Uhr morgens, doch seit gestern mittag haben wir schon über 142 Seemeilen zurückgelegt.  Wenn nicht die Regenschauer wären, würde ich fast sagen, daß wir die Doldrums hinter uns gelassen haben und nun in den Bereich des Südostpassates gelangt sind.  Tatsächlich bläst es mit Windstärke sechs aus Ostsüdost bis Ost, so daß wir mit über sieben Knoten dahingleiten.  Bin schon gespannt auf unser heutiges Etmal. 
 
Das Leben ist ein wenig anstrengender als vordem, da die Bootsbewegungen natürlich heftiger ausfallen.  Man stützt sich am besten irgendwo ab, wenn man herumspaziert aber glücklicherweise leben wir ja auf einem Kat und nicht auf einer Bleiente.  Ich kann immer weniger verstehen, warum es davon überhaupt noch so viele gibt.  Liegeplätze sind hier unten ja kein Problem & das Geld ist es offensichtlich auch nicht, wenn man den Leuten denn so glauben darf.  S/V RIFF RAFF zum Beispiel ist eine nagelneue Halberg-Rassy, welche etwa €400.000 gekostet hat (ohne MwSt.) & die Rob & Amanda selbst in Schweden abgeholt haben.  Sicher ein schönes Schiff, aber eben doch mit wesentlich (!!!) weniger Platz als auf DHARMA BUM III & auch um Ecken unangenehmer im Passat.  Einrumpfboote rollen bei Wind von hinten immer von einer Seite auf die andere & wenn man das "Glück" hat Lage schieben zu dürfen, so spielt sich das Leben meist auf einer Bordwand oder dem Fußboden ab.  So berichteten uns damals Marie-Therese & Jean-Marie von der S/V POSSIBLE.  Sie waren mit ihren beiden kleinen Kindern nonstop von Panama nach Hiva Oa gesegelt, wo ich sie mit frischem Brot, Früchten & Gemüse empfangen hatte. 
 
Heute nacht träumte ich, daß ich in Flensburg keinen Job bekommen konnte, nicht einmal als Taxifahrer.  So verdingte ich mich also als Rikschafahrer auf dem Jahrmarkt in Flensburg, wobei ich es als unangenehm empfand die Rikscha erst die 11 Kilometer von Oeversee auf die Exe fahren zu müssen.  :-)))
 
                                                                                                                               Di., 20.3.2007
 
05°24.5156' S, 101°56.8577' W
 
Das Etmal betrug gestern 159 Seemeilen, was eigentlich ein guter Anfang war.  Weniger schön war, daß der Schutz an der ersten Saling sich selbstständig machte & wir ein Loch im Vorsegel hatten.  Da es dunkel werden wollte, war daran erst einmal nichts zu ändern. 
 
Heute morgen hatte sich das Loch um ein Vielfaches vergrößert, so daß mir nichts anderes übrig blieb, als alle Segel zu bergen, um in den Mast zu steigen.  Das ist meine absolute Ober-Lieblingsbeschäftigung, vor allem auf hoher See & bei entsprechendem Seegang.  Dementsprechend dann auch die Stimmung an Bord.  Statt Bootsmannstuhl mußte der Harneß herhalten, aber nach "nur" etwa 45 Minuten dort oben war die Sache bereinigt.  Wir haben die Mylar-Ersatzfock gesetzt & uns mit Segel nähen beschäftigt.  Kurz vor Sonnenuntergang waren wir fertig damit & haben die Fock zusammen mit der Mylar-Ersatzfock als Passatsegel gesetzt.  Der Wind wurde immer weniger, so daß wir nur noch mit weniger als fünf Knoten dahinzuckeln.  Wir haben den Autopiloten so umprogrammiert, daß er die Signale der Windfahne oben im Mast erhält und so steuert, daß der Wind genau von hinten kommt.  Das Etmal wird morgen natürlich eher knickerig ausfallen, aber was soll's?
 
                                                                                                                               Mi., 21.3.2007
 
05°14.9533' S, 103°09.8292' W
 
Heute überquert die Sonne den Himmeläquator, so daß überall auf der Erde Tag & Nachtgleiche herrschen müßte.  Auf der Südhalbkugel fängt jetzt der Herbst an, während in D-Land Frühlingsanfang sein müßte.  Die Tage werden dort bis zur Sommersonnenwende also immer länger werden. 
 
Wir stehen wieder ein wenig nördlicher als gestern, was natürlich daran liegt, daß wir mit den Passatsegeln den Südostpassat genau von hinten nehmen müssen.  So ganz der Hit ist diese Methode nicht, denn erstens hat der Autopilot damit noch größere Schwierigkeiten und außerdem liegt die Geschwindigkeit meist unter drei Knoten.  Gerade ist die Sonne aufgegangen & ich habe die Maschine der Tiefkühltruhe wegen angeworfen.  Seit gestern Mittag haben wir noch keine 75 Seemeilen zurückgelegt, denn der Wind will nicht so recht mitspielen.  Ab und zu kann man in nicht allzu weiter Ferne ein paar Regenschauer niedergehen sehen, wovon wir bis jetzt allerdings noch verschont wurden.  Es ist erstaunlich in wie wenigen Minuten die Sonne vom Horizont auf eine respektable Höhe klettert, denn man würde nicht glauben, daß sie erst vor 23 Minuten aufgegangen ist.  Wenn mein Töchterlein es mir gestattet, werde ich mich um 7:00 Uhr wieder aufs Ohr legen. 
 
~~~~~
 
Mit dem Schlafen wurde es natürlich nichts, aber dafür hatten wir einen angenehmen Tag unter Passatbesegelung.  Den Autopilot haben wir inzwischen wieder auf Kompaßkurs eingestellt, denn sonst piepte andauernd der Alarm & des öfteren schoß der Kahn in den Wind.  Scheint wohl doch was dran zu sein, an der Behauptung, daß sich bei einem Mehrrumpfboot der scheinbare Wind mit zunehmender Geschwindigkeit zu schnell ändert.  Warum das allerdings von Belang sein soll, wenn der Wind mehr oder weniger genau von hinten kommt, habe ich bis jetzt noch nicht begriffen. 
 
Wir saßen gerade beim Dinner, als ich ein Licht bemerkte, welches sich als Hochseefischer entpuppte.  Auf meine Lichtsignale haben sie zwar geantwortet, aber auf Kanal 16 herrschte Stillschweigen.  Sie sind so dicht an uns vorüber gefahren, daß man den Motorenlärm ganz deutlich hören konnte. 
 
Beim Spielen mit der "Festbeleuchtung" konnte ich einen schönen Effekt beobachten, als das Dampferlicht die Passatsegel von innen beleuchtete.  Sah fast aus wie eine riesige chinesische Papierlaterne, so wie ich sie vor vielen Jahren in meinem Zimmer in Frörup hatte.  Noch schöner allerdings sah es aus, als die messerscharfe Sichel der neuen Mondes vorhin blutrot im Meer versank.  
 
                                                                                                                               Do., 22.3.2007
 
04°33.8856' S, 105°59.8910' W
 
Heute war ein echter Yachtie-Tag.  Erst bemerkte ich, daß die Stbd-Fockschot an der Want fast ganz durchgescheuert war.  Wir mußten also schleunigst die beiden Vorsegel bergen.  Da wir schon dabei waren, sind wir wieder auf die normale Besegelung umgestiegen, will heißen die normale Fock & das Groß.  Die ganze Aktion dauerte nur eine Dreiviertelstunde.  Anschließend verschwand ich im Maschinenraum, der halb unter Wasser stand.  Die Bilgepumpe - oder genauer gesagt der Schwimmerschalter dafür - funktionierte nicht & da Öl bekanntlich auf Wasser schwimmt, sah es dort unten selbst nach dem Abpumpen des Wassers zum Weinen aus.  Dafür schienen beiden Maschinen absolut in Ordnung zu sein.  Ich goß ein wenig Getriebeöl an Stbd nach und bewegte mich ein Stockwerk höher. 
 
Kaum war ich mit der Navigation fertig, da meldete Liping auch schon, daß in der Küche kein Wasser ankam.  Ganz schlecht so was.  Da ich die Frischwasserpumpe schon lange im Auge behalte - ich hatte in Panama extra eine neue gekauft -  baute ich diese erst einmal aus, um sie zu testen.  Sie schien jedoch einwandfrei zu funktionieren.  Warum kam kein verdammtes Frischwasser in die Küche?  Ob der Tank leer war?  Kaum hatte ich unter die Sitzbank geschaut, als mir auch schon übles schwante. 
 
Die Schwimmwesten waren allesamt naß & teilweise rostig.  Überall tropfte Wasser und unten schwappte es.  Also raus mit den Dingern.  Dann kam der Schocker.  Das Wasser floß nämlich über ein paar Rohre ab, in denen elektrische Leitungen verlegt waren.  Mir wurde schlecht. 
 
Wie befürchtet führten besagte Rohre genau zu unserer Hauptschalttafel mit sämtlichen Sicherungen, sowohl für 12 Volt als auch für 110 Volt.  Wenn ich in dem Moment den Konstrukteur zu fassen gehabt hätte, so hätte er hinterher sicherlich einen Krankenhausaufenthalt benötigt. 
 
Ich habe erst einmal eine kräftige PARMAX-4 Pumpe geriggt, die eigentlich zum Abspritzen des Decks gedacht war.  Nach etwa 20 Litern konnte ich "Land" sehen, was aber auch kein Grund zur Freude war.  Es sah ganz danach aus, als ob unsere beiden Edelstahl-Haupttanks durchgerostet waren, denn aus dem Abteil nebenan floß immer mehr rostiges Wasser nach.  Waren etwa die ganzen 378 Liter Wasser aus den Haupttanks ausgelaufen?  Das würde bedeuten, daß wir nur noch gute 130 Liter im Ersatztank als auch das gefilterte Wasser in den Flaschen hätten.  Keine verlockende Aussicht.  Wir mußten unbedingt herausfinden, was denn nun Sache war. 
 
Dieses erwies sich als wesentlich leichter gesagt als getan.  Wir mußten tatsächlich erst die ganze Sitzecke im Salon demontieren, bis wir überhaupt an die Tanks herankamen.  Als wir sie aufmachten, waren diese randvoll!  Allerdings schwammen Unmengen an Algen und anderem Dreck in dem Wasser herum.  Das hatten wir natürlich Daffodil Marine Services auf Bequia zu verdanken, die uns schlechtes Wasser geliefert hatten. 
 
Bis auf die Verschmutzung & das Leck konnten wir uns allerdings immer noch nicht erklären, warum denn nun kein Wasser in der Küche ankam.  Ich habe also erst einmal die neue Pumpe aus Panama eingebaut, aber das war es auch nicht.  Das Boot sah inzwischen aus als ob der Zoll nach Verbotenem gefahndet & dann Hals-über-Kopf geflüchtet wäre.  Ein unglaubliches Durcheinander von meist nassen und rostigen Sachen, Werkzeug, Polstern, Sperrholzplatten, Brettern, Kissen usw. usf. stapelten sich überall im Boot und selbst draußen im Cockpit.  Dabei waren wir noch relativ glücklich, da wir die Tanks nicht leer vorgefunden hatten. 
 
Als es langsam dunkel werden wollte, dämmerte es mir dann.  Es muß die Druckleitung sein, die in die Küche führt!  Also habe ich morgen wieder ein interessantes Projekt.  Von wegen "was macht Ihr nur den lieben langen Tag ganz allein mitten auf dem Ozean?"!?!
 
Um 18:00 Uhr galt es die Maschine der Tiefkühltruhe wegen anzuschmeißen.  Nur wollte diese nicht mehr.  Es hörte sich fast so an, als ob nicht genug Saft da wäre.  Ich kam dann bald so richtig auf Touren.  Aurora fragte schon, warum ihr Papa denn immer diese Wörter benutzen würde, die kleine Kinder nicht sagen dürfen.  Sicherheitshalber habe ich erst einmal die andere Maschine angeschmissen - die Lichtmaschine lud dann auch mit über 50 Ampere - und erst danach die Stbd-Maschine.  Hatte ich schon erwähnt, daß auch meine Toilette nicht mehr richtig will?  Ich nehme an, die Entenmuscheln haben den Zufluß verstopft...
 
Jetzt sitze ich hier auf meiner Nachtwache, höre AC/DC, Black Sabbath, 999, "Search & Destroy" von Iggy Pop und ähnliche Sachen.  Was wohl morgen so alles passieren wird? 
 
Trotz alledem:  Ich bin nach wie vor um Ecken besser drauf als in den letzten Jahren in Taipei.  Im Prinzip fühle ich mich sogar pudelwohl.  Muß wirklich total plemplem sein... 
 
~~~~~
 
Habe ich überhaupt schon erzählt, daß hier nachts ganz gewaltige Riesenviecher herumschwimmen?  Durch die Phosphoreszenz kann man immer sehr gut sehen, wenn sich etwas durch das Wasser bewegt.  So lassen auch wir immer zwei leuchtende Streifen zurück.  Sieht wirklich aus, als ob wir auf Kufen dahingleiten.  Die großen Leuchtviecher - wenn es nicht so beknackt nach Übertreibung klänge, würde ich sagen fast so lang wie unser Boot breit ist - zischen allerdings mit einer unglaublichen Geschwindigkeit dahin.  Vielleicht sind es Wale, die es in dieser Gegend recht häufig geben soll.  Ich habe allerdings nur ein einziges Mal etwas atmen gehört & gesehen haben wir auch noch keinen.  Oder es sind wahrhaftig gewaltige Haie.  Scott & Mike von der AVVENTURA berichteten, daß sie wirklich große Haie in ihrem Kielwasser erkennen konnten.  Mike hat früher auf Fischtrawlern gearbeitet & berichtete von ganz zerfransten Fischen, die von Mako-Haien oder Robben abgefressen worden waren.  Und eben auch von anderen, die wie mit einer Rasierklinge abgeschnitten schienen - das Machwerk der großen weißen Haie. 
 
Haie machen uns eigentlich so gut wie keine Sorgen, aber sobald ich einen Wal oder Orca zu Gesicht bekomme, werde ich sicherheitshalber den Motor anschmeißen in der Hoffnung die Viecher mit diesem Lärm zu vertreiben.  Die Geschichte mit Herberts Schwertfisch möchte ich eigentlich auch nicht so gerne am eigenen Boot erfahren. 
 
                                                                                                                               Fr., 23.3.2007
 
05°25.2550' S, 109°07.4695' W
 
Zur Zeit geht es mit teilweise über acht Knoten unserem Ziel entgegen.  Seit heute Mittag haben wir schon fast 60 Meilen hinter uns.  Bei dieser Geschwindigkeit wären wir schon in 10 Tagen in Hiva Oa! 
 
Heute morgen ging es weiter in Sachen Wasser, wobei ich dieses Mal nicht nur das Wohnzimmer, sondern auch die Küche zerlegt habe.  Dort fand ich dann auch einen abgeknickten Schlauch, der die Ursache war.  Als alles wieder gerichtet war, haben wir schnell etwas gefuttert & ich habe mich erst einmal aufs Ohr gehauen.  Liping hat sich auch eine Stunde hingelegt, mußte aber dann weiter in ihrem Buch von Isaac Asimov lesen.  Inzwischen liest sie Bücher auf Englisch fast genauso schnell wie ich, wenn es auch noch weit hinter den Chinesischen hinterherhinkt. 
 
Meine nächsten Projekte sind die recht niedrige Spannung der Hausbank & die Startschwierigkeiten der Stbd-Maschine.  Damit werde ich allerdings warten, bis es wieder hell ist. 
 
                                                                                                                               Sa., 24.3.2007
 
3/25/2007 16:00 UTC 267°(T) 8.95 Kn  05°57.4202' S 111°52.8853' W 
 
Wie erwartet waren die elektrischen Verbindungen korrodiert.  Sowohl bei dem Vorglüh-Relais, als auch bei der Wasserpumpe.  Nun müßte erst einmal wieder alles in Ordnung sein.  Ich könnte auch gut mal wieder ein paar Tage ohne dergleichen gebrauchen.  Ansonsten hatten wir in den Spitzen bis zu 8 Windstärken, so daß ich schon ernsthaft ans Reffen dachte. 
 
Heute nachmittag hatte ich die Logge ausgebaut, wobei mir ein wurstfingerdicker Wasserstrahl ins Gesicht schoß.  Das Teil scheint einwandfrei zu funktionieren, aber nach dem Einbau zeigt es trotzdem nur einen kleinen Bruchteil der wirklichen Geschwindigkeit an.  Obwohl ich die Einstellungen am Bordcomputer dahingehend geändert habe. 
 
Inzwischen ist unser durchschnittliches Etmal von 75 auf über 110 Seemeilen angestiegen, was wir vor allem dem fast schon stürmischen Passat in den letzten paar Tagen zu verdanken haben.  MaxSea10 meint, daß wir schon in 8 Tagen in Hiva Oa sein müßten.  Ich rechne allerdings eher mit 2 Wochen.  Auch wenn unser letztes Etmal 159,1 Seemeilen war, was wiederum eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 6,63 Knoten bedeutet.  Nicht schlecht, aber auch nichts besonderes. 
 
                                                                                                                               So., 25.3.2007
 
3/25/2007 19:00:00 UTC 253 ° 7.45 Kn Noon Position 06°11.9162' S 113°36.8413' W 
 
Jetzt ist es schon viele Stunden später (04:00 UTC) & ich habe die Borduhren auf UTC-8 umgestellt.  Es geht also doch voran; das Etmal von gestern lag sogar bei 169,3 Seemeilen.  Meine beiden Mädels liegen in der Heia, draußen ist es bis auf das Licht vom Mond recht dunkel & gerade eben fuhr ein Schiff vorbei.  Es hat gleich auf meine Lichtsignale geantwortet & auf UKW erzählte mir der Funker, daß sie vor etwa zwei Stunden ein anderes Schiff gesichtet hätten. 
 
Mit Strom sieht es bei uns nicht so toll aus, da der scheinbare Wind von hinten für den Windgenerator nicht so der Hit ist.  Außerdem ist nachmittags die Solaranlage durch das Großsegel abgedeckt.  Da Positionslichter, Funke & Computer viel Saft verbrauchen (ganz zu schweigen von Kühlschrank & Autopilot), wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben als nachher die Maschine anzuschmeißen.  Morgens um 6:00 Uhr ist dann die Stbd-Maschine dran, denn uns soll ja nicht das Tiefgefrorene schlecht werden. 
 
Heute beschäftigt mich die Frage, ob der Osterhase sich damit begnügen kann nach Hiva Oa zu kommen oder ob er tatsächlich mitten aufs weite Meer muß, um dort auf DHARMA BUM III seine Ostereier für Aurora Ulani zu legen.  A propos Eier:  Die von den Galapagos schmecken nach Fisch. 
 
                                                                                                                               Mo., 26.3.2007
 
3/27/2007 4:00 UTC 269°(T) 6.27 Kn  06°51.1456' S 117°13.5430' W 
 
Passatstörung.  Fing schon gestern an.  Der rosa Schönwetterdunst am Horizont wurde immer dicker, die Wolken immer mehr & der Wind immer ungestümer.  Großer Hof um die Sonne, jetzt großer Hof um den Mond.  Eine Welle stieg über die Luke in Liping & Auroras Bett ein, so daß die beiden nicht glücklich waren, obwohl sie eine Stunde länger als sonst schlafen konnten.  Bei mir sind die Luken meist sowieso dicht, da ich auf derartige Geschichten nicht so erpicht bin.  Da dünste ich lieber so vor mich hin.  Dumm war nur, daß die Nacht so holperig wurde, daß an Schlaf kaum zu denken war.  Außerdem platzte die neu genähte Naht an der Fock.  Garn war durchgescheuert. 
 
Das Etmal lag bei 162 Seemeilen, so daß der Durchschnitt auf über 118 Sm/Tag gestiegen ist.  Immer noch extrem lahm, vor allem für einen Kat, aber das macht ja nichts.   
 
Wir haben die Fock runtergeholt, damit wir sie im Cockpit nähen können & die Mylar-Ersatzfock gesetzt.  Will heißen, die Balance von Groß/Fock ist noch schlechter als vorher, so daß der Autopilot noch stärker arbeiten muß.  Mit dem haben wir auch so unseren Spaß, denn wir haben einen älteren Computer, aber eine neuere Kontrolleinheit.  Und nur für diese beschränkte Infos, nicht aber den dringend benötigten SmartPilot Commissioning Guide.  Eigentlich nicht so schlimm, denn mit Computern kann ich ja ganz gut, nur müßte dazu das Boot ruhig irgendwo vor Anker liegen.  Oder in den Doldrums treiben.  (Ich hör' schon auf mit den Doldrums...   ;-) 
 
Die letzten Tage habe ich keine Zeit und Energie, mir über irgendwelche Sachen Gedanken zu machen.  Das Boot beansprucht mich vollkommen & Liping auch.  Uns fiel ein altes Fax von 1995 in die Hände in dem es hieß:  "...die faulen Tage am Strand..."  Schön wär's ja.  
 
Aurora ruft immer aus:  "Potz Pestilenz!"  Hat sie wohl von einer gewissen Räubertochter namens Ronja gelernt.  Sie sehnt sich sehr nach mehr Bilderbüchern, womit wir ihr allerdings leider nicht dienen können.  Gestern wollte ich ihr einen lebenden Fliegenden Fisch in einem Eimer zeigen, was allerdings nicht klappte, da der Fisch aus dem Eimer in die Spüle gesprungen ist, wo natürlich kein Wasser war.  Schade!  Und jeden Tag sammeln wir etliche Tintenfische an Deck ein, welche Liping zur Zeit einsammelt, um sie zu Chipirones zu verarbeiten.  Gerade eben surften wir laut GPS mit 12,99 Knoten durch die Gegend!  Normalerweise geht es allerdings mit so sechs bis sieben Knoten zu Gange.
 
                                                                                                                               Di., 27.3.2007
 
3/27/2007 8:00 UTC COG 263° 6.34 Kn  06°59.2249' S 118°57.1310' W 
 
Seit gestern kachelt es hier in den Spitzen mit 8-9 Windstärken (max 43,8 Knoten), so daß wir inzwischen zwei Reffs im Groß & auch die kleine Fock teilweise aufgerollt haben.  Dabei steht in den Pilot Charts (Statistische Monatskarten), folgendes:  "North of 40°S, winds of force 8 or greater are infrequently observed over the western half and rarely observed over the eastern half of the South Pacific."  (Ha! Ha!)  Wir sind jetzt seit 15 Tagen unterwegs und haben schon 1820 Sm (60%) gesegelt und noch 1201 Sm (40%) vor uns.  An Segel nähen ist bei diesem Gewackel natürlich nicht zu denken. 
 
3/28/2007 5:39 UTC 272° 7.41 Kn  07°06.8886' S 120°01.4198' W
 
Auch jetzt will das Wetter nicht besser werden.  Vorhin surften wir schon wieder mit fast 11 Knoten, obwohl wir nach wir vor zwei Reffs im Groß & nur die kleine Fock gesetzt haben.  Ein positiver Seiteneffekt ist die Tatsache, daß der Windgenerator wieder in der Lage ist vernünftig Strom zu spenden, zumal ja die Sonne den ganzen Tag hinter den Wolken verschwunden war & die Solaranlage so zu nicht viel nütze war. 
 
Ich finde es ausgesprochen erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit DHARMA BUM III schweres Wetter nimmt.  Sicher, auch hier muß ich reffen, auf kleinere Segel umsteigen & diese teilweise aufs Rollreff wickeln.  Und wenn es ganz hart kommt, dann versuche ich den Kurs dahingehend zu ändern, daß der Wind möglichst von hinten einfällt, ohne daß die Segel einfallen oder wir über Stag gehen.   So habe ich eben auch wieder 10° zum Kurs hinzugefügt, da hier drinnen alles durcheinander kegelte.  Aber ansonsten ist es wirklich kein Vergleich zu meinen beiden früheren Booten.   
 
Auch glaube ich, daß gerade dieser Fortschritt, zusammen mit GPS, der erweiterten Infrastruktur usw. usf. dafür verantwortlich ist, daß jetzt so viele Opas & Omas auf Weltumseglung gehen.  Sie stellen mit Abstand den größten Teil der Segler dar & eines der Hauptgesprächsthemen sind oft die Enkelkinder.  Schon komisch:  Nach wie vor bin ich einer der jüngeren Fahrtensegler. 
 
Und trotzdem:  Abenteuerlich genug ist die Ozeansegelei immer noch.  Wenn es richtig bläst, dann fallen alle anderen Gesichtspunkte vollkommen unter den Tisch & man ist ganz automatisch in dem Bereich, vom dem Gurus a la Bhagwan ("Ganz entspannt im Hier & Jetzt" <HiHi>) immer wieder reden.  Das ist kein Traum oder Hirngespinst mehr, sonder ganz klar die knallharte Realität.  Und wenn man mit dieser Realität halbwegs klar kommt, so ergibt das eben ein gutes Gefühl. 
 
Anders sieht es natürlich aus, wenn man gerade so richtig Streß hat.  ;-))))
 
                                                                                                                               Mi., 28.3.2007
 
3/28/2007 8:00:01 PM 267 ° 6.99 Kn  07°12.8140 S 121°32.7897 W
 
Meine Wache ist schon bald vorüber & wir haben immer noch schlechtes Wetter.  Es bläst mit 7-8 Windstärken, auch mal mit 9 & die höchste Windgeschwindigkeit war bis jetzt 52,5 Knoten - aber zum Glück nicht durchgehend.   Langsam fängt es trotzdem an zu nerven, denn alles ist naß & salzig.  Die Luken müssen so gut wie durchweg geschlossen bleiben & so sitzen wir also meist in unserem klebrigen Mief.  Schlafmangel wird zu einem echten Thema, vor allem für Liping, da Aurora sie nicht schlafen lassen will.  Bei mir selber sieht es auch nicht viel besser aus, denn ich muß mich um das Boot kümmern, Segelmanöver machen usw. usf.  Aber irgendwann ist bestimmt auch dieser Spuk vorüber, wenn er auch jetzt schon vier volle Tage gedauert hat. 
 
                                                                                                                               Do., 29.3.2007
 
3/29/2007 8:00 UTC 254° 6.93 Kn Noon Position 07°53.9703' S 123°49.8544' W
 
Heute haben wir wieder die normale Besegelung gesetzt, wenn auch vielleicht ein wenig zu früh.  War mal wieder ein wenig zu optimistisch.  So können wir uns also nun um die Mylar-Fock kümmern, deren eine Seite ein wenig ausgefranst ist.  Seit gestern hatten wir auch ernsthaften Streß mit der Tiefkühltruhe, denn Liping meldete, daß es dort anfing zu tauen.  Ich habe also gestern versucht bei acht Windstärken den Keilriemen auszuwechseln, wobei ich feststellen mußte, daß sie mir in Trinidad einen falschen gegeben haben, obwohl ich ja den alten extra mitgenommen hatte.  Er war ein bißchen zu klein & war beim besten Willen nicht aufzuziehen.  Ich überlegte schon, den ganzen Kompressor auszubauen, um es vielleicht doch noch irgendwie zu schaffen.  Da fiel mir ein, daß ich noch einen älteren hatte, der noch gut genug sein müßte & habe erstmal den aufgezogen. 
 
Leider war das ein Satz mit X, denn heute morgen sah es im Freezer noch schlimmer aus als gestern.  Liping hat ein Huhn verarbeitet & Fleischstücke in das Eisfach vom 12V-Kühlschrank verlagert, während ich wieder in die Tiefen das Maschinenraums abgetaucht bin.  Dort bemerkte ich, daß am Kompressor noch eine weitere & leicht angerostete "Riefe" für einen Keilriemen war.  Das Ding schien einen geringfügig größeren Durchmesser zu haben, so daß der alte Keilriemen vielleicht dort noch ein wenig bringen würde.  Ich hatte zwar auch dort leichte Schwierigkeiten, diesen aufzuziehen, aber irgendwann hat es dann doch geklappt & war anscheinend auch erfolgreich.  Auf jeden Fall ist der Kältespeicher jetzt wieder voller "Rauhreif".  Bin ja mal gespannt ob sie in Hiva Oa solche Keilriemen haben, denn sonst muß ich mir schnell etwas einfallen lassen. 
 
Das Wetter ist immer noch nicht so der Hit, scheint sich aber langsam auf dem Wege der Besserung zu befinden.  Wir hatten sogar überlegt, wieder im Cockpit zu essen, sind dann aber doch drinnen geblieben.  Das war auch gut so, denn sonst wären wir waschelnaß geworden, als eine besonders große Welle gegen die Bordwand klatschte.  
 
Inzwischen haben wir nur noch 850 Seemeilen bis Hiva Oa, was bei unserer derzeitigen Geschwindigkeit in fünf Tagen zu schaffen wäre.  Im Prinzip hoffen wir allerdings auf ein paar Tage ruhiges Wetter, damit wir uns mal ein bißchen erholen können.  
 
                                                                                                                               Sa., 31.3.2007
 
3/31/2007 8:00 UTC 243 ° 5.60 Kn Noon Position 09°24.1619' S 128°34.5626' W
 
Mit dem ruhigen Wetter wurde es auch vorletzte & letzte Nacht nichts.  Also haben wir immer noch zwei Reffs im Groß & eine teilweise aufgerollte Fock.  Auch mit der Reparatur der Mylar-Fock wurde es nichts, da wir Streß mit der Tiefkühltruhe als auch dem Kühlschrank hatten.  Da der Wind nun direkt aus Osten kommt & außerdem schwächer zu werden scheint, werde ich gleich mal halsen und anschließend volles Zeug setzen. 
 
~~~~~
 
Daraus wurde nichts, denn ich habe heute das Bett gehütet.  Entweder ist mir das Essen nicht bekommen, oder ich habe mir irgend etwas eingefangen, denn außer Magen- hatte ich auch Kopf- & Muskelschmerzen, sowie mal wieder Flotten Otto. 
 
Statt Windstärken 7-8 haben wir jetzt nur noch 3-4 Beaufort.  Da die Reparatur der Mylar-Fock noch ein paar Tage dauern wird, blieb uns nichts anderes übrig als jetzt Richtung NW zu segeln, und zwar mit einer Geschwindigkeit von nur etwa 4 Knoten.  Gerade eben mußte ich zu meinem Erstaunen feststellen, daß sich die Weltzeit in meinem Navigationsprogramm von selbst um eine Stunde verschoben hat.  Hängt wohl damit zusammen, daß in dieser Zeitzone heute die Sommerzeit beginnt.  Habe es per Hand wieder umgeschaltet.  Bei so wenig Wind macht der Windgenerator keinen Strom, so daß ich den Computer lieber wieder abschalten muß.
 
                                                                                                                               So., 1.4.2007
 
4/1/2007 9:00 UTC 305° 4.21 Kn Noon Position 08°41.6973' S 130°05.9637' W
 
Heute morgen habe ich die Borduhren auf UTC-9 umgestellt.  Danach ging die Sonne heute um 5:43 Uhr auf, Mittag ist um 11:44 & Sonnenuntergang findet um 17:44 Uhr statt.  Gerade eben hat sich Liping total erschreckt, denn ein Krebs kam aus dem Abfluß des Waschbeckens hochgekrabbelt.  Erstaunlich, daß sich die Viecher an der Bordwand festhalten können, selbst wenn das Boot öfters mit über 10 Knoten surft!  Inzwischen haben wir wieder leichte Passatwinde von etwa Stärke 2 bis 4, aber die See hat sich immer noch nicht so recht beruhigt. 
 
Gestern habe ich das Buch über die 1998 Sydney-Hobart Regatta zu Ende gelesen.  Noch übler als die 1979 Fastnet Regatta.  Ganz schön heftig.  Normalerweise können die Böen bis zu 20% stärker sein als die mittlere Windstärke, doch dort sah es so aus, als ob sie bis zu 40% höher waren.  Bei 50 Knoten Wind kann eine Bö in den Spitzen so also 70 Knoten erreichen!  Ganz schön schön schon, oder nicht?  Ich hatte eher so mit maximal 60 Knoten gerechnet.  Im Boater's Weather Guide stehen zum Thema Schwerwetter weniger Sachen als in dem Bericht über die Regatten.  Ich suche nämlich gerade vergeblich nach der Kraft des Windes, die sich mit zweifacher Windgeschwindigkeit nicht verdoppelt, sondern statt dessen im Quadrat wächst.  Ich müßte mir sowieso noch ein paar mehr technische Bücher anschaffen, so z.B. die Seemanschaft, den Bowditch, vor allem den Nigel Calder, sowie Bücher über Segeltrimm und vieles andere mehr. 
 
Gerade eben mußte ich allerdings erst einmal etwas ganz anderes erforschen, denn ich fragte mich schon lange, was denn nun "Tensoren" sind.  Erst fand ich selbst im Lexikon nichts, doch dann stieß ich auf Georg Friedrich Bernhard Riemann (1826-66), seines Zeichens Mathematikprofessor an der Uni in Göttingen.  Ohne die von ihm entwickelte Riemann-Geometrie wäre es Albert Einstein schwer gefallen, seine Theorie der speziellen Relativität & der Gravität zu entwickeln.  (Gravität scheint die dominierende Kraft im Universum zu sein, denn letztendlich wird das Ende des Weltalls von der Gravität bestimmt.)  Den Rest von diesem Kram kann allerdings nur Liping verstehen, denn Mathe war ja eines ihrer besten Fächer und als ich sie kennenlernte, verdiente sie sich ihren Wasserreis mit Mathe-Nachhilfe für die Oberstufe. 
 
Eine Sache, die wir äußerst mysteriös finden, ist die Tatsache, daß DHARMA BUM III wesentlich besser auf dem Port Tack (Backbordbug?) segelt als wenn der Wind von Steuerbord kommt.  Erst dachten wir, daß wir uns das nur einbilden würden oder die Instrumente verrückt spielen würden.  Der GPS zeigt es allerdings ganz deutlich.  Der scheinbare Wind fällt deutlich höher aus, kommt aus einer günstigeren Richtung und auch die Etmale sind um Ecken besser.  Zur Zeit haben wir nicht den blassesten Schimmer einer Ahnung, woran das wohl liegen könnte. 
 
So langsam dürfte unsere komplette Segelgarderobe mal wieder zum Segelmacher.  Das Leech der kleinen Mylar-Fock ist hin, das Loch in der normalen Fock muß einmal profimäßig repariert werden & das Groß hat Scheuerstellen an den Lattentaschen, wo diese auf den Lazy Jacks aufliegen.  Auch sonst gibt es durchgescheuerte Nähte und andere Blessuren.  Linda von DREAM MAKER hatte uns zwar geraten eine Segel-Nähmaschine zu kaufen, aber bei US$ 5000 für so ein Teil geben wir unsere Segel lieber ab und zu bei einem Segelmacher ab.  Irgendwann ist sowieso ein neuer Satz dran, denn weitere zwei Jahre oder so halten die Segel bestimmt nicht. 
 
So, jetzt muß ich wieder Strom sparen & draußen nach dem Rechten gucken.
 
                                                                                                                               Mo., 2.4.2007
 
4/2/2007 9:00 UTC 253° 4.93 Kn Noon Position 09°49.7076' S 131°57.1988' W 
 
Im Westen ging gerade Venus unter, wir haben fertig zu Abend gegessen, haben kurz gehalst ("You can't back the jib, when you are doing a gybe!!!") & jetzt liegen meine beiden Schönen im Bett.  Will heißen, daß ich für die nächsten sechs Stunden meine Ruhe habe, denn ich mache seit Tortola immer die 1. Nachtwache.  Anfangs ging diese bis um 1:00, dann bis um 2:00 & gestern bis um 3:00 Uhr.  Heute hat Liping allerdings den Wecker auf 2:00 Uhr gestellt, um weiteren Exzessen meinerseits einen Riegel vorzuschieben. 
 
Die Nachtwachen sind zur Zeit das Beste.  Alles schön ruhig, DHARMA BUM III zuckelt bei 3-4 Windstärken mit 5,94 Knoten (sagt der GPS - die Logge spinnt total) & Kurs 303° gemütlich vor sich hin - so stellt man sich Passatsegeln vor.  Tatsächlich gibt es aber oft um die 7 Beaufort, wobei die Fahrt schon recht holperig wird.  Und so furchtbar viel schneller geht es dann auch nicht zu Gange, da man unter Berücksichtigung auf eventuelle Squalls dann ein oder auch zwei Reffs im Groß fährt. 
 
Nach wie vor begreife ich nicht, warum die Windinstrumente so asymmetrisch anzeigen, zumal Mike auf den Galapagos ja extra deswegen oben im Mast war.  Sehr merkwürdig.  Auch der Freezer fängt an wirklich Streß zu machen, was wohl daran liegt, daß er immer leerer wird.  Werde mir also in der Beziehung etwas einfallen lassen müssen.  Zur Zeit muß die Maschine nämlich alle acht Stunden eine Stunde laufen, was ich denn doch etwas übertrieben finde. 
 
Ohne Passatbesegelung segeln wir nun also im Zick-Zack auf Hiva Oa zu, was eigentlich blöd ist, da es erstens länger dauert, zweitens mehr Arbeit macht und drittens auch noch ungemütlicher ist.  Ich will mir allerdings das Mylar-Segel nicht komplett verhunzen.  Eine Nadel brach heute beim Segel nähen ab, vernünftiges Garn haben wir gar keines mehr & auch das Segeltuch richtiger Stärke geht zur Neige. 
 
                                                                                                                               Di., 3.4.2007
 
4/3/2007 9:00 UTC 330° 6.06 Kn Noon Position 09°11.4388' S 133°26.7729' W  
 
Unser Etmal lag heute peinlicherweise unter 100 Seemeilen.  Lag natürlich an dem großen Zick und dem Zack, welches wir in den letzten 24 Stunden gefahren sind.  Dabei war gar nicht einmal so wenig Wind.
 
Mit der Ankunft in Polynesien müssen wir auch langsam ein paar Grundsatzentscheidungen fällen.  Nämlich:  Ist uns a) die Weltumsegelung an sich wichtiger oder wollen wir b) möglichst viele Inseln im Pazifik oder sonstwo besuchen?  Wir könnten schon vor dem Anfang der nächsten Zyklonsaison voll durchstarten & dann in etwa einem Jahr wieder in Bequia sein.  Das würde bedeuten, daß wir nur relativ wenige Inseln besuchen würden, dort immer nur ein paar Wochen bleiben würden und ansonsten den kürzesten Weg nach Südafrika nehmen würden. 
 
Ansonsten müssen wir uns überlegen, wo wir die Zeit der Wirbelstürme verbringen wollen.  Entweder im Nordpazifik, so wie Herbert es gerade gemacht hat, oder aber in Australien, Neuseeland oder gar Asien.  So würden wir hoffentlich genug Zeit für alle möglichen Inseln überall haben, aber es würde eben auch bedeuten, daß wir mindestens (!) ein weiteres Jahr unterwegs wären.  Wie wir von anderen Yachtie-Freunden wissen, erhöht das die Chance ganz beträchtlich, daß die Weltumsegelung ad acta gelegt wird.  Reparaturen, Reisekasse, Frust, Streß, unerwartete Probleme - es gibt eine unendlich lange Reihe von Gründen, warum Leute ihre Weltumseglung schließlich aufgeben. 
 
Im Prinzip sind wir uns einig, daß b) die vernünftigste Lösung ist, zumal wir wohl nie wieder diese Chance haben werden.  Nur würden wir uns bestimmt schwarz ärgern, wenn wir die Weltumseglung dann wirklich nicht beenden würden.  Aus diesem Grunde neige ich zur Zeit dazu, es mit a) zu versuchen.  Entscheiden müssen wir uns allerdings schnell, da einem sonst die Zyklonsaison die Entscheidung abnimmt. 
 
Weiterhin müssen wir uns dringendst überlegen, wo denn nun die geplante Generalüberholung stattfinden soll.  So, wie das Boot jetzt aussieht, kann man es nur mit sehr hohem Verlust verkaufen & so wird uns gar nichts anderes übrig bleiben, als irgendwo richtig lange an Land zu stehen, um DHARMA BUM III wieder so schick zu machen, wie es sich für eine Luxusente eben gehört.  Australien, Neuseeland oder Europa fallen aus Preisgründen völlig aus.   Dann lieber gleich den horrenden Verlust hinnehmen, denn so hat man wenigstens all den Ärger nicht. 
 
Oder aber man c) fährt durch nach Südafrika, d) macht einen Abstecher zu den Philippinen, e) versucht es in Tarawa oder so a la Herbert oder aber f) - Horror!!! - fährt doch wieder nach Chaguaramas in Trinidad, um alles, aber auch wirklich alles, von eigener Hand selbst zu machen.  Eine Variation des letzten Szenarios wäre vielleicht noch Grenada oder eine andere Insel in der Karibik. 
 
Die allerbeste Planung nützt uns allerdings überhaupt nichts, wenn auf einmal ein Motor nicht mehr will, das Rigg von oben kommt oder ähnlich schwerwiegende Scherze passieren. 
 
Wie es nach Bequia weitergehen soll, ist uns natürlich auch nicht klar.  Über die Azoren nach Europa, um dort irgendwann (2009) Goldene Hochzeit mit meinen Eltern zu feiern?  Dann müßte ich das Boot allerdings erst an Liping verkaufen & in einem anderen Land registrieren.  Absolut Null Bock die absurd hohe Mehrwertsteuer in Euroland zu bezahlen.
 
                                                                                                                               Mi., 4.4.2007
 
4/4/2007 9:00 UTC 240° 6.03 Kn Noon Position 09°46.8291' S 135°26.9713' W
 
Es sieht fast so aus, als ob wir am Karfreitagmorgen unseren Anker über Bord schmeißen können.  Das paßt auch haargenau ins Konzept, denn auf dieser Reise scheinen wir ja durchweg an Gedenk- oder Feiertagen einzuklarieren. 
 
Lief die Maschine anfangs alle 18 und dann alle 12 Stunden, so muß sie jetzt alle acht Stunden laufen, damit das Fleisch nicht schlecht wird.  So sitze ich also hier morgens um 9:00 Uhr, während meine beiden Mädels in der Heia liegen, denn sie hatten ja ab 2:00 Uhr Nachtwache. 
 
Heute Nachmittag haben wir drei Kanister Diesel, also fast 60 Liter, nachgefüllt.  Der Steuerbord-Tank ist nun wieder voll.  Hat also bis jetzt etwas über 15 Taler gekostet, die Tiefkühltruhe 23 Tage lang kalt zu halten.   Für andere Sachen benutzen wir ja die Motoren nicht. 
 
Wenn wir es wirklich eilig hätten, dann könnte DHARMA BUM III den Rest des Pazifiks von hier in nur 45 Tagen durchsegeln & durch die Torresstraße fahren.  Haben wir zwar nicht vor, aber faszinierend finde ich das schon.  Man hält irgendwo an, kratzt die Entenmuscheln ab, kauft ein, bunkert Diesel & Wasser und ab die Post.  So wie der alte Tom Blackwell, der auf seiner letzten Reise Tahiti verließ & nonstop bis Durban in Südafrika durchgesegelt ist.  Leider ist er dort an Krebs gestorben. 
 
Ich habe überhaupt schon wieder Bekannte in einem Buch gefunden.  Letztes Mal war es unser alter Kumpel Roy von der SEA LOONE in dem Buch "Untergehen werden wir nicht" von Bettina Haskamp.  Dieses Mal ist es die WASA (Aurora Ulani wiederholte immer wieder "Wasa - Spinnegebahr" als die WASA die Spinnaker-Bar im TTSA per Funk rief :-), die wir in der Scotland Bay kennengelernt hatten.  Nette Weltumsegler älteren Jahrgangs & Freunde von Karl & Libu auf der ROSINANTE.  (Die beiden sind nach wir vor unsere wirklichen Vorbilder.)  Sie tauchen im Buch "Fahr weiter bis zum Horizont" von Susanne Zeller auf als sie 1985 in den Tuamotus vor dem Atoll Ahe segeln.  Finde ich immer wieder lustig, so was. 
 
Mit dem wirklich tollen Programm Virtual Passage Planner 2 (inklusive Pilot Charts/Statistische Monatskarten) habe ich den weiteren Verlauf unserer Weltumseglung geplant.  Hier sind ein paar ungefähre Zahlen, um ein wenig den Eindruck der Größenordnungen zu vermitteln.
 
Dharma Bum I             4558 Seemeilen
Dharma Bum II            5709 Seemeilen
Dharma Bum III           5519 Seemeilen
--------------------------------------------
Bis jetzt gesegelt ca.  15768 Seemeilen  67%
--------------------------------------------
Geplante Weltumseglung  23358 Seemeilen
 
Es liegt also noch ein bißchen was vor uns.  :-)))  Wenn wir *nicht* nach Asien oder so segeln, um dort unser Boot komplett zu überholen, dann geht es wahrscheinlich durch die Torresstraße und über Christmas Island und Cocos Keeling nach Mauritius & Reunion.  Weiter dann nach Südafrika, St. Helena & über Brasilien zurück nach Bequia.

Friday, March 09, 2007

Los geht's von Puerto Baquerizo Moreno nach Hiva Oa

Puerto Baquerizo Moreno, Isla San Cristobal, Galapagos Islands, Ecuador  --  8. März 2007
 
Gerade eben bekamen wir unseren sauteuren neuen Linear Drive für den Autopiloten, auf den wir seit Wochen warten.  Hoffentlich gibt der nicht so schnell den Geist auf!  Ansonsten sind unsere Tanks randvoll mit Diesel & auch Wasser müßten wir genug haben.  Vorhin haben wir noch einmal 113 Liter gefiltertes Trinkwasser eingekauft.  Über Funk hatte ein anderer Segler gehört, daß eine Flotte von 30 Booten im Anmarsch ist. 
 
Es wird Zeit, daß wir hier verduften, zumal die Seelöwen uns keine gute Nachtruhe gönnen & außerdem zu zerstörerisch sind.  Ganz zu schweigen von der Tatsache, daß unsere vom Hafenkapitän gesetzte maximale Aufenthaltsdauer von 20 Tagen übermorgen abläuft. 
 
Morgen werden wir ausklarieren, um dann so bald wie möglich in Richtung Hiva Oa abzudüsen.  Liping hat die Tiefkühltruhe langsam wieder aufgefüllt, so daß das Futter unserem gewohnten kulinarischen Standard entsprechen dürfte.  :-)))  DHARMA BUM III ist auch fit, zumindest wenn ich mit dem Reinigen des Unterwasserschiffes fertig bin.  Das wird noch eine ausgesprochen kalte Angelegenheit. 
 
Die Wetterkarte zeigt zur Zeit nur leichte achterliche Winde für die ganzen 3000 Seemeilen (5000 Kilometer), so daß wir damit rechnen müssen über einen Monat für diesen Törn zu brauchen.  (World Cruising Routes:  The average length of this passage is about 30 days, although some boats have taken longer and even up to twice that time, mainly those who are not prepared to motor in calm or light weather conditions.Das oberschnellste Schiff sind wir ja sowieso nicht, sondern eher das wohlbekannte Slow Boat to China.  Anders wollen wir es auch nicht haben.  Die Maschine werden wir nur für die Tiefkühltruhe benutzen & zwar alle 18 Stunden für je eine Stunde.  Wenn kein Wind weht, ist eben Pause & diese angenehmen Aus-Zeiten kommen uns eigentlich auch immer sehr gelegen. 
 
Bin schon gespannt, was wir dieses Mal wieder alles sehen & erleben werden!
 
Ciao!
 
Aurora Ulani, Liping & Holger
 
 

Wednesday, March 07, 2007

Die Pelikane fliegen hier in V-Formation

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Linda Hase & Aurora Ulani mit ihrem "Taipei Financial Center" (Taipei 101 :-)
Posted by Picasa

Friday, February 02, 2007

Panama --> Galapagos --> Osterinsel --> Pitcairn --> Mangareva (Gambier Inseln) --> Tuamotus --> Tahiti

Moin, moin!                                                                                                           
 
Wir haben gestern beschlossen, daß wir Montag, am 5. Februar 2007 ausklarieren werden, um in Richtung Galapagos loszusegeln.  Danach wird es höchstwahrscheinlich *nicht* zu den Marquesas gehen, sondern auf die Osterinsel, nach Pitcairn & nach Mangareva auf die Gambier Inseln, welche zu Französisch Polynesien gehören.  Ein wichtiger Grund ist, daß die Flotte nach Hiva Oa segelt, so daß es dort gerammelt voll sein wird.  Schade um die Marquesas, die ja eigentlich das Hauptziel dieser Reise werden sollten.  Aber bestimmt ist die Osterinsel auch hochinteressant, selbst wenn wir nur ein paar Stunden dort bleiben können.  In Lascaux waren wir ja auch nicht länger & reden jetzt schon seit fast sieben Jahren von den äußerst schönen und beindruckenden Höhlenmalereien dort.  Darüber hinaus ist es mal eine kleine Abweichung von dem Coconut-Milk-Run (der Barfußroute).   Das die Winde besser sind, ist ebenfalls ein wichtiger Grund.  
 
Gegen abend sind wir an Land gefahren, haben bei Mega Depot angerufen & schon nach wenigen Minuten kam der Laster an.  Ich bin bald auf den Rücken gefallen, ob der Mengen, die Liping mal wieder eingekauft hatte.  Außer dem Proviant, waren da noch viele Liter Motoröl, Getriebeöl, 192 Liter Tonic Water sowie diverse andere Kleinigkeiten.  Ich mußte tatsächlich zwei Mal mit unserem großen 12-Fuß Beiboot fahren, um alles an Bord zu verfrachten.  Außerdem wollte die Marina auch noch 10 Taler von uns haben, denn die Schiffe müssen bei der Proviantaufnahme auch bezahlen.  Da habe ich mich allerdings geweigert, denn die $5,25 pro Tag für das dreckige Dock sind eh schon eine Frechheit. 
 
So haben wir bis jetzt an Bord etwa folgendes, was allerdings auch für das nächste Jahr oder zumindest für den ganzen Pazifik halten soll:  200 l Tonic Water, 60 l Rum, 40 Kästen Bier, 120 l chilenischen Wein, 15 l Motoröl, 10 l Getriebeöl, 460 l Diesel sowie 750 l Wasser.  Dazu kommen noch getrocknete Pilze verschiedener Arten, 1000-jährige Eier, getrocknete Quallen, chinesisches Sauerkraut, eingelegte Gurken, getrocknete Krabben, Tintenfische & Kraken in Dosen, Salzeier, Wasserkastanien, Bambussprossen, getrocknetes & eingelegtes Senfgemüse, getrockneten Rettich, Sha Cha Soße, Austernsoße, Bohnenpaste, scharfer Bohnenpaste, schwarze Salzbohnen, Mung Bohnen und ähnlichen Köstlichkeiten.  Von Saft, Kaffee, Tee, Tang, Sirup, Kondensmilch, H-Milch, Mehl, Zucker, Nudeln, Reis, Schwarzbrot, 72 Packungen Instant-Nudeln, Kartoffelbreipulver, fünf Pfund Gummibärchen und anderen Grundnahrungsmitteln ganz zu schweigen.  Vergessen werden sollen auch nicht die etwa 100 Konservendosen mit Früchten, Gemüse & Fleisch, sowie 10 Flaschen Reiswein & zwei Flaschen Annanas-Schnaps zum Kochen.  Hefe, Butter, Margarine, Bratfett, Backpulver, Gewürze & Nüsse runden das Sortiment ab.  Liping erinnert mich gerade noch an all die Plätzchen, Kekse, Cracker, Müsli, Kartoffelchips und andere Kleinigkeiten für die Nachtwachen. 
 
Damit ist es allerdings noch nicht getan!  Die Tiefkühltruhe ist nach wie vor komplett leer.   Das will Liping Samstag in Angriff nehmen. 
 
Ich glaube nicht, daß wir viel Zeit auf der Osterinsel oder Pitcairn verbringen werden, denn die Ankergründe sind dort anscheinend abscheulich.  Wenn wir Pech haben, kommen wir überhaupt nicht an Land & somit wird es eine ganze Weile dauern, bis wir uns wieder melden können.  Aber irgendwo wird schon ein Internetcafe zu finden sein, am ehesten wohl in Papeete auf Tahiti. 
 
Bis dann erst einmal & viele Grüsse von Aurora Ulani, Liping & Holger  --  S/V DHARMA BUM III

Sunday, December 24, 2006

Endlich wieder im Pazifik!! :-)

Moin, moin!!                                                                                                         Fr., 22.12.'06
 
Feliz Navidad!  Wir wünschen Euch fröhliche Weihnachten!  :-) 

Letzten Sonntag waren wir also noch einmal im 4 Alto einkaufen & zwei Stunden im Internetcafe.  Am Montag habe ich mein Zarpe abgeholt, was mich insgesamt 17 Taler gekostet hat.  Außerdem hat der Blödmann das falsche Datum eingetragen, so daß das tolle Zarpe ungültig war.  Ich habe eine 100-Meter-Rolle Polypropylene-Tau für die zehn alten Autoreifen gekauft, dieses Tauwerk teilweise in Stücke geschnitten & die Enden angesengelt.  Auch meine Dieseltanks habe ich bis obenhin gefüllt.  Am Dienstag habe ich mich weiter mit den Reifen vergnügt und mir anschließend die Ankerkette vorgeknöpft.  Die ersten zehn Meter waren mit einem vielleicht fünf Zentimeter langen Bart bewachsen, den es mit einer harten Bürste zu beseitigen galt.  Die Seepocken bekam ich so natürlich nicht wieder ab.  Auch das Unterwasserschiff sah eher schrecklich aus, obwohl ich seit der Ankunft in Panama am 2.12. ja schon einmal alles gereinigt hatte.  Ein Schiff ist wirklich ein Vollzeitjob!  Abends luden wir Helmut zum Dinner ein, da er uns ja bei der Durchfahrt helfen sollte.  Es wurde ein sehr gemütlicher & auch langer Abend, so daß ich erst nach Mitternacht in die Heia kam. 

 
Das Motto seit Sonntag war ja eh schon gewesen:  "Let's Panic!!!"   Besonders die letzten zwei Tage hatten wir es uns auch zu Herzen genommen, da wir immer noch nicht genug Helfer gefunden hatten.  Glücklicherweise klappte dann doch noch alles, denn ich fand eine Privilege 37, die mit einem Austausch einverstanden waren.  Ich werde also um den 28.12. noch einmal mit Daryl & Loretta auf CAN CATA durch den Kanal fahren. 
 
So war ich Mittwoch also voll am Rotieren, wobei mir immer wieder John Coombers Spruch einfiel ("Holg, you really work well under pressure!").  Tatsächlich hatte ich nachher noch eine Stunde übrig, die ich damit verbracht habe, noch einmal bei dem kranken Wolfgang vorbeizuschauen.  Es ging ihm immerhin schon ein wenig besser.  Um 16:15 waren alle an Bord, ich schmiß sogleich die Maschine an & ging Anker auf.  Mir fiel dann doch ein Stein vom Herzen, als der Anker locker hochkam, ohne an einer der großen Ketten hängen zu bleiben.  Bei Helmut mußte nämlich sogar ein Taucher ran.  Schlecht, wenn dann der Advisor schon auf dem Lotsenboot angeprescht kommt.
 
Um 17:30 Uhr war der Panama-Chinese Rick bei uns als Advisor an Bord.  Er machte von Anfang an einen sehr kompetenten Eindruck & war außerdem ausgesprochen freundlich.  Erst warteten wir ein wenig auf einen Frachter, der dermaßen langsam voran kam, daß wir schließlich doch bis zur ersten Schleuse vorgefahren sind.  Dort ging er an uns vorbei & wir gingen hinter ihm in die Kammer.  Eigentlich hätte noch ein zweites Segelboot mit uns durch gehen sollen, aber deren Advisor war an diesem Tage aus unerfindlichen Gründen nicht zur Arbeit erschienen.  CAN CATA hatten übrigens ähnliches Glück mit ihrem Admeasurer.
 
Bei uns lief alles wie bei dem Werbespot von Honda mit dem Autoteile-Domino ("Isn't it nice when everything just ..... works?!"  :-).  Ran an die rechte Wand, Leinen einfangen, ran an die linke Wand, Leinen einfangen, dicke Taue hoch & schon gingen auch die Schleusentore mit lautem Gebimmel zu.  Das Wasser stieg rasant, große Strudel versuchten DHARMA BUM III zu bewegen, aber wir hingen mitten in der Schleuse sicher an unseren vier dicken Trossen.  Das Ganze noch zwei Mal wiederholt & schon schwammen wir im Gatunsee. 
 
Rick warf seinen winzigen Taschen-GPS an & kurze Zeit später waren wir bei den Muringtonnen angelangt.  Das Lotsenboot hat sie uns noch schön beleuchtet.  Etwa drei Meter Durchmesser, aus rotem Plastik  --  und bedeckt von "Pelikanol" (sprich Vogeldreck).  Die Dinger verströmten einen befremdlichen Geruch, waren natürlich auch dementsprechend glitschig, aber irgendwer mußte rüberspringen, um unsere Taue zu befestigen.  Ich habe Daryl dazu verknackt, wofür er sich sicher beim nächsten Mal rächen wird.  Um 21:20 Uhr stellte ich nach etwa fünf Stunden die Motoren ab. 
 
Dann eine leckere Kohl-Lasagne a la Liping, mit Wein & Bier für jeden der wollte.  Auch diese Nacht kam ich erst gegen Mitternacht in die Falle.  Die Ruhe dauerte bis 4:00 Uhr, da es mir mit meinen beiden Mädels in der Koje zu eng & ungemütlich wurde.  So befand ich mich noch im Dunklen schon um 5:30 im Maschinenraum, um Wasser, Motor- & Getriebeöl als auch die Keilriemen nachzusehen.  Ich habe ein wenig Öl nachgefüllt & die Bilgen gelenzt.  Nichts auf DHARMA BUM III kriegt so viel Pflege wie die zwei Volvo-Penta Mistdinger. 
 
Gegen 6:45 kam das Lotsenboot, welches einen älteren dicken Advisor, sowie einen jüngeren dünneren Trainee bei uns abgeliefert hat.  Beide afrikanischer Abstammung.  Passiert anscheinend nicht oft, daß man zwei Leute mit auf die Reise kriegt.  Erst einmal galt es sauberzumachen & aufzuwischen, denn erstens hatte es gerade heftig geregnet und zweitens hatten die beiden Profilsohlen, in denen aller möglicher Dreck stecken geblieben war.  Der ältere der beiden orderte erst einmal Frühstück & wenn mir der jüngere irgend eine Anweisung gab, dann erzählte der andere mir meist genau das Gegenteil. 
 
Rick hatte uns erzählt, daß man ausschließlich auf der rechten Seite das Fahrwassers fährt & sich Schiffe Backbord an Backbord passieren.  Der andere Knabe hatte uns mal an Steuerbord, mal an Backbord, mal ganz außerhalb des Fahrwassers und vor allem immer mit Vollgas.  Ich habe absichtlich so getan, als ob Vollgas bei 6 1/2 Knoten läge, denn ich hatte keinen Bock mir wegen dem Heiopei die Maschinen kaputt zu machen. 
 
Immerhin hatte all dieses Kurven schneiden & der andere Wahn zur Folge, daß wir als allererstes - und einziges - Boot vor den Schleusen auf der anderen Seite des Gatunsees ankamen.  Erstaunlicherweise mußten wir nicht auf irgendwen warten, sondern wurden ganz allein durchgeschleust!  Der Advisor wollte mich überreden, an der Wand runter zu fahren, aber ich habe darauf bestanden in der Mitte runter zu gehen.  Da diese Geschichten immer die Entscheidung des Kapitäns sind, konnte er dagegen nichts sagen, da er eben diese Tatsache vorher seinem Trainee gegenüber erwähnt hatte. 
 
Als wir durch die letzte Schleuse durch waren, floß wieder reines Salzwasser durch unsere Motoren.  Immerhin sind sie ja etliche Stunden lang mit Süßwasser durchgespült worden.  Was die Seepocken angeht, so mache ich mir da keine große Hoffnung.  Die Viecher sind so zäh, daß sie auch den einen Tag im Süßwasser unbeschadet überstanden haben dürften.  Ich selber war total sonnenverbrannt, aber immerhin waren die Füße am zweiten Tag halbwegs in Ordnung, da ich den ganzen Tag mit richtigen Schuhen samt Einlagen am Ruder gestanden hatte. 
Endlich im Pazifik!  Südsee, Mikronesien, Asien & eben auch Taiwan wären mögliche Ziele.  Wir könnten sogar unseren Freund Herbert Salvenmoser auf seiner BAMBOO in Kiribati (ausgesprochen Kiribas) besuchen, der sein Boot gerade vom Riff in Tarawa gezogen hat.  Gott-sei-Dank ohne all zu großen Schaden. 
 
Das Lotsenboot sammelte unsere beiden Jungs wieder auf, so daß wir rund um Flamenco Island motoren & auch dort ankern konnten.  Um 14:05 Uhr waren beide Motoren aus.  Wir setzten unsere Line Handlers wieder ab und für den Rest des Tages war ich damit beschäftigt, mich beim Yacht Club anzumelden & die vier Trossen wieder los zu werden.  Der Schwell war eher heftig & das Wetter unbeständig. 
 
Heute morgen (Freitag, 22. Dezember 2006) habe ich erst einmal unsere Gebühren im Flamenco Yachtclub bezahlt (sie waren seit gestern schon gestiegen), damit wir dort unser Beiboot am Schwimmdock anlanden können.   Der Tidenhub hier ist extrem, so um die fünf Meter. 
 
Daraufhin ging es auf einen langen Fußmarsch in Richtung Balboa & Panama City, hauptsächlich da einfach kein Taxi auf dem Causeway erschien.  Der Hafenkapitän im Container-Terminal (Geheimtip der SECOND LIFE aus D-Land) war ausgesprochen freundlich & hat mich hinterher sogar im Dienstwagen ein Stück mitgenommen.  Lag übrigens daran, daß er für die kommerzielle Schiffahrt zuständig ist und Yachties als angenehme Abwechslung betrachtet.  Ich werde ihn auf jeden Fall noch einmal besuchen & wenn alles klappt, auch auf ein Bier oder zwei einladen, denn solche Leute wie er sind schlicht und einfach Gold wert. 
 
Weiter ging's zum Balboa Yacht Club, wo ich Mei Lin kennenlernte, die mich darüber informierte, daß ich wohl mindestens ein oder zwei Wochen auf eine Muring warten müßte.  Mei Lin war ausgesprochen gut drauf & hilfsbereit, so daß ich mich dort auf die Warteliste habe setzen lassen.
 
Aurora Ulani 1089 Tage alt -- Tag 397 auf Dharma Bum III                           Sa., 23.12.'06
 
Mit einem Taxi ging es über den langen Causeway zurück zur La Playita de Amador Marina, wo man bei den Christmas Winds (die übrigens ein paar Wochen Verspätung zu haben scheinen) wesentlich besser liegt als auf der anderen Seite von Flamenco Island.  In einem nagelneuen Angelladen, der dieses Wochenende eröffnet werden soll, habe ich mir dann auch endlich eine französische Beuchat Arka Sport 1000 Harpune gekauft.  Sie erfüllt fast alle Auflagen, die Karl mir für den Kauf einer guten Harpune mitgegeben hat.  Die richtig guten scheinen alle in Frankreich gebaut zu werden. 
 
Hinterher war ich noch bei der Einwanderungsbehörde, da mir von allen möglichen Seiten gesagt wurde, daß ich mich dort melden müßte.  Sowohl SECOND LIFE als auch Mei Lin waren da allerdings anderer Meinung.  Sie hatten Recht, denn die Frau dort meinte, daß ich diese Sache schon in Colon erledigt hätte & wir somit drei Monate im Lande bleiben dürften. 
 
Zu guter Letzt haben wir noch einen Spaziergang zur La Playita de Amador Marina unternommen, wo wir die Weltumseglner Dennis & Linda von der DREAM MAKER aus Kanada kennengelernt haben.  Sie segeln schon seit den 60ern durch die Weltgeschichte.  Eigentlich wollten sie heute zu den Las Perlas Inseln auslaufen, aber als sie erfuhren, daß wir dringend einen Segelmacher suchten, zückte Linda die Visitenkarte.  Auf denen stand zu lesen, daß Denis Dieselmechaniker & Linda Segelmacherin ist.  Außerdem rieten sie uns dringend einen anderen Ankerplatz aufzusuchen, denn vor Flamenco Marina hatten sie schon zwei Meter hohe Wellen vor Anker ausreiten müssen. 
 
Folglich sind wir heute noch vor dem Frühstück Anker auf gegangen & haben uns auf die andere Seite verlegt.  Linda kam vorbei, besah sich den Schaden & so wird jetzt unser Vorsegel gründlich repariert, das Groß bekommt neue Gurte & außerdem haben wir noch einen Dinghybezug bestellt, der das Dinghy selbst schützen soll.  Des weiteren überlegen wir noch ein gebrauchtes Mylar-Segel zu kaufen, wobei ich allerdings Bedenken habe, daß das Teil rapide von der Sonne zerstört wird.  Andererseits würde ein Dacronsegel fast doppelt so viel kosten & eins einschicken lassen ist aufgrund der abartigen Bürokratie hier auch mit Schwierigkeiten verbunden.  Dazu kommen natürlich noch die Frachtkosten.  Alles in allem neige ich zur Zeit dazu es einmal mit dem Mylar zu versuchen. 
 
Hinterher saß ich den ganzen Tag im Cockpit, um den UV-Schutz sowie die eindeutig rotten oder zerrissenen Stücke aus meinem Vorsegel herauszutrennen.  Das wird noch viele weitere Stunden in Anspruch nehmen, obwohl mir Dennis recht kräftig geholfen hat.  Nebenbei haben wir uns lebhaft unterhalten & ich bekam unzählige Ratschläge.  Unser kleiner Zwerg überraschte Mama & Papa damit, daß sie ganz von alleine ULANI in Lipings elektronisches Wörterbuch eintippte.  Hatte sie wohl von Liping abgeguckt, die sich in dem Teil ab und zu Notizen macht. 
 
So waren wir heute gar nicht an Land, was wir allerdings morgen nachholen werden.  Ich werde mich ins Internet einklinken, um einige Leute per Skype anzurufen und Weihnachtsgrüsse zu verschicken.  Liping & Aurora kommen entweder mit oder fahren einkaufen, vielleicht zusammen mit Dennis & Linda, die auf die Schnelle noch etwas Truthahn organisieren wollen. 
 
Aurora Ulani 1090 Tage alt -- Tag 398 auf Dharma Bum III                           Heiligabend 2006
 
Lustig, lustig, tralalalala, heut ist Heiligabend da, heut ist Heiligabend da.  :-)
 
Gestern abend ist nicht mehr viel passiert, denn als es dunkel wurde, war es natürlich aus mit der Arbeit am Segel.  Nach dem Abendessen saßen wir noch ein wenig im Cockpit & um 23:00 Uhr lagen wir im Bett.  Morgens um 4:00 wurde ich von einer Mücke geweckt & um 7:00 Uhr piepte der GPS-Ankeralarm, da überhaupt kein Wind mehr war & wir uns um mehr als 15 Meter von unserer Position bewegt hatten.  Bei 60 Metern gesteckter Kette ist das überhaupt kein Wunder, aber ich lasse mich lieber ein paar Mal umsonst wecken, als daß ich die Entfernung von vornherein sehr groß einstelle & erst gewarnt werde, wenn mein Schiff sich schon fast 120 Meter von der Stelle bewegt hat. 
 
Passend zu meinem Stroh-Cowboyhut aus Colon, habe ich beschlossen mir testhalber einen Schnurrbart stehen zu lassen.  Eine Art privater Witz, da eben Cowboy so durch die Gegend läuft.  Ich plane ihm, Mike, Joey & Co dann ein Bild in voller Montur zuzuschicken. 
 
Aurora erzählte uns, daß sie in der Schleuse im Panamakanal den Kopf aus der Luke im Wohnzimmer gesteckt & bemerkt hatte, daß DHARMA BUM III höher und immer höher stieg, so daß sie es mit der Angst bekam und sich drinnen versteckt hat.  Hinterher hat sie sich allerdings gesagt, daß sie keine Angst zu haben braucht & hatte dann auch keine Angst mehr.  Liping fragte sie, wo Papa & Mama zu der Zeit waren & sie antwortete, daß Papa am Ruder stand und Mama damit beschäftigt war die Taue einzuholen. 
 
Jetzt bleibt uns nur noch Euch allen ein ganz fröhliches Weihnachtsfest zu wünschen!!!!
 
Viele liebe Grüsse aus dem Pazifik schicken Aurora Ulani, Liping & Holg
 
Latitude: 08°54.61'N  Longitude: 079°31.53'W

Sunday, December 17, 2006

DHARMA BUM III Kanaldurchfahrt

Hallo Leute,
 
Wir werden Mittwoch abend im Dunklen unsere Reise durch den Kanal beginnen.  20. Dezember 2006 gegen 17:00 Uhr Panama Zeit (UTC: 22:00, D-Land: 23:00, Taiwan: Donnerstag, 21. Dezember 2006 gegen 6:00 Uhr morgens).  Da die Schleusen sehr gut beleuchtet sind, koennt Ihr uns eventuall hier entdecken:
 
 
 
Wenn moeglich haette ich gerne ein paar Bilder von dieser Reise.  :-)))
 
Ciao, 
 
Holg 

http://worldtimeserver.com/current_time_in_pa.aspx

Routenplanung, Termine & Namensgebung

Vorhin habe ich mich mal wieder mit der Routenplanung beschäftigt.  Wenn alles optimal läuft (Ha! Ha!), dann sähen die Termine etwa folgendermaßen aus:
 
Galapagos     Januar/Februar    2007
Marquesas     Februar/März      2007
Tuamotus      März/April        2007
Tahiti        Anfang Juni       2007
Fidschi       Anfang Juli       2007
Torresstraße  August/September  2007
Mauritius     September/Oktober 2007
Durban        Oktober/November  2007
 
Kapstadt      Januar/Februar    2008
Bequia        März/April        2008
 
Damit wäre die eigentliche Weltumsegelung abgeschlossen & wir können uns überlegen, ob wir danach über die Azoren nach Europa segeln wollen oder es lieber bleiben lassen.  Und wie ich uns so kenne, werden wir bestimmt irgendwo einen längeren Stopp einlegen müssen, um den Kahn für den nächsten Törn fit zu machen.  In so einem Falle ist es immer mehr als fraglich, ob man dann den Anschluß vom Wetter her noch schafft oder erst einmal fast ein ganzes Jahr lang " Pause" machen muß. 
 
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Zur Zeit lese ich gerade mal wieder "Der Schneeleopard" von Peter Matthiessen, wobei mir fast deucht, dass ich mit dem Namen DHARMA BUM wohl nicht ganz falsch gelegen haben kann: 
 
"Die Suche mag mit einem Gefühl des Unstetseins beginnen, so als ob man sich beobachtet fühlte.  Man schaut in alle Richtungen und sieht doch nichts.  Gleichzeitig ist man sich sicher, dass es einen tieferen Grund für diese Rastlosigkeit gibt; und der Pfad zu dieser Ursache ist nicht der Pfad zu einem fremden Ort, sondern der Pfad nach Hause. ("Du bist aber doch schon zu Hause", rief die Hexe des Nordens.  "Alles was Du tun mußt, ist aufzuwachen!")  Die Reise ist ausgesprochen schwierig, denn der geheime Ort wo wir schon immer waren ist überwachsen mit Dornen und Stachelbüschen von "Ideen", von Ängsten und Abwehrmaßnahmen, Vorurteilen und unterdrückten Gefühlen."
 
Unstetsein, Rastlosigkeit, Fernweh - kaum jemals bin ich frei gewesen von diesen Gefühlen & obwohl mein Dharma (Wahrheit) mit dem der Zen-Buddhisten nur sehr wenig gemein hat, so bin ich trotzdem immer schon auf der Suche nach dieser meiner eigenen Wahrheit gewesen, ohne sie doch jemals zu finden.  Nicht anders ging es ja auch den Protagonisten von The Dharma Bums (Gammler, Zen & hohe Berge, 1955, rororo) von Jack Kerouac.  Und wenn ich den Pfad von Gary Snyder anstrebe, dann kann das eigentlich nur gut sein. 
 
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Mittwoch abend (Panama Zeit) geht es los durch den Kanal!

Tuesday, December 05, 2006

Gruesse aus Panama!!

Moin, moin!                                                                                                         Do., 23.11.'06  --  2. Tag auf See
 
Hat es doch tatsächlich ein ganzes Jahr gedauert, bis wir endlich in die Puschen gekommen sind.  :-)  Habe ich überhaupt schon erzählt, daß Herbert Salvenmosers Trimaran BAMBOO von einem Schwertfisch attackiert wurde, wobei ein Rumpf voll Wasser lief und das Schwert in der Bordwand stecken blieb?  Sachen gibt's...
 
Dienstag haben wir Benzin, Proviant & Wasser gebunkert, als auch in Bequia ausklariert.  Abends war ich noch kurz auf dem deutschen Katamaran DRUNKEN DUCK, um mich bei Maik & Frank zu verabschieden. 
 
Mittwoch (Todestag von Jack London & Kumpel Herberts Geburtstag) morgen kam auf einmal Cowboy mit seinem PDQ36 Kat AVALON vorbei.  Er war auf dem Weg nach St. Lucia.  Später hat Maik mir geholfen, daß sauschwere Dinghy auf dem Vordeck zu verstauen & um 12:00 Uhr Mittags ging es los auf die Reise in Richtung Panamakanal. 
 
Dieses Mal wollte ich zwei Sachen ausprobieren.  Zum einen wollte ich gleich von Anfang an mit zwei Reffs im Segel losfahren, um Arbeit zu sparen & ruhiger schlafen zu können.  So machen Maik & Frank das übrigens immer, während Jörn & die anderen Freunde in Chaguaramas bestimmt den Horror kriegen würden, da sie sehr viel Wert auf die Performance legen.  Ich aber nicht.  :-)
 
Zum anderen wollte ich mal antesten, ob man auf einem Kat nicht vielleicht besser daran tut mit dem Wind im Rücken zu "kreuzen", statt ganz normal downwind zu segeln.  Die höhere Geschwindigkeit soll im Prinzip die weitere Strecke wettmachen.  Außerdem ist das Segeln einfacher, angenehmer & besser für die Segel. 
 
Gleich am Anfang wurde ich erst einmal seekrank, denn ich mußte vorne am Mast einen Knoten lösen, natürlich bei gut Wind & viel Gewackel.  Als ich mich ein wenig erholt hatte, konnte es dann aber doch ernsthaft losgehen.  Am Anfang konnten wir mit etwa sieben Knoten unserem Ziel entgegensegeln, aber danach wurde der Wind immer weniger.  Ich übernahm die erste Wache bis um 1:00 Uhr und war dann ab 6:00 Uhr noch einmal dran.  Liping ging es prima, denn sie hatte Pillen geschluckt.  Klein-Aurora mußte sich ein paar Mal übergeben & ist auch heute noch nicht so richtig fit.  Wir konnten einen großen Schwarm Boobies (Lummen?) und eine ganze Menge jagender Delphine beobachten.  Schiffe gab es keine & unser Etmal betrug man gerade 101 Meilen.   
 
Aurora Ulani 1060 Tage alt -- Tag 368 auf Dharma Bum III                            Fr., 24.11.'06  --  3. Tag auf See
 
Donnerstag hatte ich mich gerade hingelegt, um ein wenig Schlaf zu tanken, da merkte ich daß DHARMA BUM III beschleunigte & anfing zu surfen.  Es standen 12,5 Knoten auf dem Geschwindigkeitsmesser & ich war recht froh, daß ich die zwei Reffs im Groß hatte.  Glücklicherweise konnte ich den Wind immer schräg von hinten halten, aber es pfiff & heulte ganz schön.  Mein Anemometer oben im Mast maß dann auch Spitzenwindgeschwindigkeiten von über 50 Knoten. 
 
Später flaute es ein wenig ab und der Sonnenuntergang erfolgte eine ganze Weile später als in Bequia.  Hatte ganz vergessen wie schnell sich das ändert, denn wir waren ja nur einen guten Tag lang unterwegs. 
 
Ich übernahm wieder die erste Wache bis um 01:00 Uhr morgens.  Ein großer Seevogel hat die ganze Nacht lang auf der Solaranlage gehockt.  Später mußte mich Liping wecken, denn ich durfte aufs Vordeck, da sich eine Fockschot um eine Winsch gewickelt hatte & wir so ohne weiteres nicht wieder auf den halbwegs richtigen Kurs kamen.  Das nervte ganz schön und natürlich sind wir beide heute dementsprechend müde.  Auch Ulani ist ganz besonders quakig & ärgert uns ununterbrochen - und zwar mit voller Absicht.  Die Seekrankheit hat uns nach wie vor in den Krallen, aber irgendwann wird wohl auch das besser werden.     
 
Aurora Ulani 1061 Tage alt -- Tag 369 auf Dharma Bum III                            Sa., 25.11.'06  --  4. Tag auf See
 
Gestern abend kam wieder ein Seevogel zu Besuch, der sich auf dem Rettungsring häuslich niederließ.  Ein zweiter kam angeflattert, konnte aber anscheinend keinen guten Platz zum Landen finden.  Immerhin war er schlau genug, sich dem KISS-Windgenerator fernzuhalten.  Ansonsten gab es auf meiner Wache keine besonderen Vorkommnisse & um 1:00 Uhr morgens überließ ich Liping die 2. Wache.  Gegen 3:30 Uhr weckte sie mich wieder auf, denn ein Schiff kam schnell von achtern.  Sie konnte gut sowohl das rote als auch das grüne Positionslicht erkennen.  Also habe ich unsere "Festbeleuchtung" angeschaltet & den Knaben auf Kanal 16 angepreit.  Ein Mann mit spanischem Akzent war auch sofort da - durchaus nicht immer gegeben - und nachdem ich ihm unsere Daten durchgegeben hatte, konnte er mich etwa fünf Meilen vor sich auf dem Radar entdecken.  Er hat dann leicht den Kurs geändert und ist relativ dicht an Bbd an uns vorübergerauscht.  Danach habe ich mich wieder hingelegt. 
 
Mit der schnellen Reise nach Panama scheint es nichts werden zu wollen.  Daran mag zum Teil Schuld sein, daß wir nach wie vor zwei Reffs im Großsegel fahren und natürlich auch, daß wir hier im Zickzack quer über die Karibik segeln.  Der Hauptgrund liegt allerdings am mangelndem Wind.  Oft weht es so wenig, daß die Segel nicht so recht voll stehen bleiben wollen & der Autopilot nicht mehr mitspielt.  Heute betrug unser Etmal ganze 109 Seemeilen & insgesamt sind wir in drei Tagen Segelei unserem Ziel man gerade 302 Seemeilen näher gekommen.  Wenn das noch lange so weitergeht, dann werde ich mal ein Reff rausnehmen.  Worauf bestimmt eine Hammerbö über uns herfällt. 
 
Klein Aurora will Liping nicht schlafen lassen & ich bin aufgrund meiner nächtlichen Aktivitäten auch sehr müde und habe Kopfschmerzen.  Aber irgendwann wird die Kleine ja hoffentlich ihren Mittagsschlaf halten, so daß auch Liping zwei Stunden Schlaf oder so erhaschen kann. 
 
~~~~~
 
Ich habe gerade Wache, draußen leuchten Mond und Sterne & die Fahrt geht mit etwa fünf bis sechs Knoten in Richtung 300°.  Obwohl die Solarzellen fast den ganzen Tag im Schatten der Segel oder der Wolken lagen und auch der Windgenerator bei achterlichem Wind nicht viel bringt, sind die Batterien doch nach wie vor gut geladen (12,6 Volt).  Folglich haben wir die beiden Maschinen noch nicht anschmeißen müssen, was mich immer wieder erfreut.  Meine beiden Mäuse schlafen gerade & ich habe soeben mal wieder ein Buch zu Ende gelesen.  Die Seekrankheit hat uns nun endlich verlassen, zumindest solange das Wetter angenehm bleibt.  Etwa 76 Meilen SSO stehen die Islas De Aves (Vogelinseln), die noch zu Venezuela gehören & sehr schön und einsam sein sollen.  Die nächste Insel, nämlich Bonaire, gehört dann schon zu den Holländischen Antillen (ABC-Inseln), wo besonders das Tauchen wunderbar sein soll.  Das schrieb schon Hans Hass vor vielen Jahren in seinem Buch Drei Taucher auf dem Meeresgrund.  Auf einer dieser Inseln hatte er es dann auch mit Mynheer Gezaghebber zu tun, dessen Namen mir aus unerfindlichen Gründen immer gut im Gedächtnis geblieben ist.  Trotzdem werden wir alle diese Inseln, wie auch die San Blas Inseln buchstäblich links liegen lassen, denn ich habe es eilig wieder in den Pazifik zu kommen. 
 
In weniger als zwei Tagen müßten wir dann die Grenze zu Kolumbien erreicht haben, von der wir uns in gehörigem Abstand halten werden, obwohl man den Piraten dort anscheinend in den letzten Jahren ernsthaft den Garaus gemacht hat.  Grund sind die Fallwinde aus dem Gebirge, denn vor diesen haben uns sowohl Karl auf ROSINANTE als auch Jimmy Cornell in seinem Buch World Cruising Routes ("Many experienced sailors consider that their passage across the Caribbean Sea was the roughest part of their voyage around the world.  &  Many boats have been knocked down or pooped by the steep following seas while others were lost on the coast of Colombia after having been set off course by the strong current.") eindringlich gewarnt. 
 
Heute mußte ich den Autopiloten komplett neu starten, wobei leider einige Daten verloren gingen.  Macht aber eigentlich auch nichts, denn alles wichtige steht ja sowieso in den beiden Logbüchern (ein automatisches elektronisches & eines auf Papier).  Wir haben jetzt schon 345 Meilen Luftlinie zurückgelegt & müßten in etwa 5 1/2 Tagen in Panama eintrudeln.     
 
Aurora Ulani 1062 Tage alt -- Tag 370 auf Dharma Bum III                            So., 26.11.'06  --  5. Tag auf See
 
Letzte Nacht gab es für uns beide nicht viel Schlaf.  Klein-Aurora wollte Liping nicht schlafen lassen.  Ulani hat sich wohl eine leichte Erkältung eingefangen & ist auch sonst nicht sonderlich fit.  Immerhin ist keiner von uns zur Zeit seekrank.  Ich selber durfte mitten in der Nacht in den Maschinenraum, denn die Bilgepumpe lief unentwegt.  Sieht so aus, als ob ich mal wieder einen neuen Schwimmerschalter benötige.  Die Dinger taugen echt überhaupt nichts und sind zudem noch sauteuer.  Obwohl ich todmüde war, hatte ich hinterher Einschlafprobleme, zumal das Boot recht schnell auf Bonaire zuraste. 
 
Als Liping um 6:00 Uhr wieder in die Heia ging, habe ich den Kurs geändert, so daß wir erstens vom Land wegsegeln & zweitens mehr Licht mit der Photonenfalle (vier 80-Watt Solarmodule) fangen können.  Das hat auch gut geklappt, denn wenn ich den Kühlschrank kurz ausschalte, zeigt das Voltmeter 14 Volt.  Nachts wird es ja immer eher knapp mit dem Strom & selbst tagsüber muß man darauf achten, daß die Solarmodule im richtigen Winkel zur Sonne stehen & möglichst kein Schatten auf sie fällt.  Immerhin habe ich die Maschinen nach wie vor noch nicht anwerfen müssen. 
 
Dann habe ich mich mit dem überaus nützlichen Handy hingelegt, welches ich darauf programmiert hatte, mich alle Viertelstunde zu wecken, um nach Schiffen Ausschau zu halten.  Des Nachts ist die eingebaute Taschenlampe mit nur einer LED auch die optimale Beleuchtung.  Eine Batterieladung hält ewig und drei Tage, so daß wir mit diesen Billighandys wirklich einen guten Fang gemacht haben.  Ein Taschenrechner, eine Stoppuhr und viele andere nützliche Dinge sind auch noch drin. 
 
Vorhin habe ich wieder die Mittagsposition gemacht.  Luftlinie nach Bequia sind es 412 Seemeilen, für die wir vier volle Tage gebraucht haben.  Das gestrige Etmal betrug 110 Seemeilen.  Gerade eben habe ich mich mit der Routenplanung nach Galapagos (etwa 9 Tage oder etwa 900 Seemeilen) und Hiva Oa (etwa 37 Tage oder über 3700 Seemeilen) vergnügt.  Wir sollten Panama also schon Anfang Januar verlassen, wenn wir wieder um die gleiche Zeit ankommen wollen wie 1995.       
 
Aurora Ulani 1063 Tage alt -- Tag 371 auf Dharma Bum III                            Mo., 27.11.'06  --  6. Tag auf See
 
Die gestrige Nachtwache habe ich mir etwas angenehmer gestaltet als die früheren.  Dazu habe ich die Cockpitpolster dort auf dem Fußboden ausgebreitet, was ein richtig schönes Bett ergeben hat.  Viel besser als die verdammt schmale Sitzbank, die man sich außerdem noch mit der Großschot teilen darf.  Die reißt übrigens langsam aber sicher einen der Blöcke aus seiner Verankerung.  War eine schlechte Idee des Voreigners, diese zu versetzen.  Muß ich mich also in Panama drum kümmern.  Auch die Reffleine des 2. Jiffy-Reffes scheuert immer wieder direkt am Segel durch und beim Outhaul muß der Knoten abgeschnitten werden, da er ebenfalls durchgescheuert ist.  Glücklicherweise sind all diese Geschichten relativ einfach und billig zu beseitigen.  Am teuersten wird wohl die neue Reffleine, denn die ist sehr lang, dick & stark.  Wenn es irgendwo quietscht, gucke ich jetzt gleich erst einmal nach, um was es sich denn nun wieder handelt.  Wenn sich an der Sache nichts ändern läßt, dann kommt die Sprühpistole zur Hand in der sich eine 50%ige Geschirrspülmittellösung befindet.  Nach einhelliger Meinung ist das viel besser als teures Teflonspray oder andere High-Tech Sperenzchen. 
 
Zur Zeit machen wir es so, daß wir tagsüber vom Land wegsegeln, um die Photonenfalle besser einsetzen zu können.  Sobald die Sonne untergegangen ist, ändern wir dann unseren Kurs und segeln aufs Land zu.  Das waren in diesem Falle die Inseln Curacao und Aruba. 
 
Auf Lipings Wache kreuzte ein großes Kreuzfahrtschiff (Heißen die deswegen so? ;-) unseren Kurs.  Ich habe mich kurz mit ihm auf UKW unterhalten, denn bei seiner Beleuchtung mit tausend Deckslichtern konnte man die Positionslichter kaum ausmachen.  Mich hat der Knabe auch erst gesehen, nachdem ich ihn angefunkt hatte. 
 
Mitten in dieser Hektik wurde Aurora auf einmal wieder seekrank, obwohl sie sonst eigentlich ganz fit war.  Komischerweise hat Liping dieses Mal am wenigsten Streß mit dieser Sache, obwohl sie nur am allerersten Tag eine Pille geschluckt hat. 
 
Da mir die langsame Eierei auf den Geist ging, habe ich mich heute morgen dazu aufgerafft, die beiden Reffs auszuschütten, was trotzdem immer noch über 20 Minuten gedauert hat.  Ist echt beknackt mit so einem riesigen Großsegel & zurückversetzten Wanten.  Vor allem wenn man bedenkt, daß wir trotz regulärer Passatwinde nur vier bis sechs Knoten machen.  Wenn wir hart am Wind segeln würden, könnten wir wohl bis zu zehn Knoten machen. 
 
Jetzt stehen wir gerade 60 Seemeilen nordöstlich vor der Einfahrt nach Maracaibo.  Das ist so einer der Namen, die mich schon seit meiner Kindheit reizen, genau wie Batavia, Bandar Seri Begawan oder Kota Kinabalu.  Aber nach alledem, was man so über Venezuela hört, muß man heutzutage einen großen Bogen um dieses Land schlagen. 
 
Seit Bequia haben wir nun 505 Seemeilen zurückgelegt & wenn alles gut geht, müßten wir noch weitere fünf Tage bis Panama brauchen.         
 
Aurora Ulani 1064 Tage alt -- Tag 372 auf Dharma Bum III                            Di., 28.11.'06  --  7. Tag auf See
 
Gestern hat es nicht lange gedauert, bis ich ein Reff wieder ausschütten durfte, da von hinten ein Gewitter aufzog.  Den ganzen Tag wurde es nicht viel mit Schlafen & ich fühlte mich genauso müde wie der Wikinger Sigvald Speckseite in Speckseites Ostseefahrt.  Wie auch bei ihm, wird dies wohl die dritte und letzte Fahrt Sindbad des Seefahrers werden.  Dabei haben wir ja bis jetzt mit dem Wetter immer nur Glück gehabt.  (Das glaubt uns bestimmt kein anderer Langstreckensegler.) 
 
Gestern durften wir erst einmal die Borduhren um eine Stunde (auf UTC-05:00) zurückstellen, denn bekanntlich soll es hier ja um 17:30 Uhr dunkel werden & nicht erst um 18:30.  So dauerte denn meine Wache noch eine Stunde länger, was aber nicht weiter schlimm war.  Nerviger war da schon, daß teilweise drei Schiffe gleichzeitig um mich herum fuhren, von denen man die Positionslichter kaum sehen konnte und von denen keiner auf UKW geantwortet hat.  Auch der Wind wehte recht frisch, so daß wir teilweise mit über 10 Knoten dahinzischten, der Autopilot des Öfteren nicht mehr so recht klarkam & der Wirbel des Bullenstanders zerbröselte.  Dementsprechend war dann auch meine Ausdrucksweise. 
 
Seit Bequia haben wir 622 Seemeilen zurückgelegt und in vier Tagen sollen wir in Panama ankommen.  Natürlich genau zum Wochenende, so daß wir wieder Überstundengebühren bezahlen dürfen.  Bestimmt geschieht es auch wieder mitten in der Nacht. 
 
Die Wellen sind hier deutlich höher geworden, aber statt der prophezeiten acht, haben sie bis jetzt höchstens zwei Meter Höhe erreicht.          
 
Aurora Ulani 1065 Tage alt -- Tag 373 auf Dharma Bum III                            Mi., 29.11.'06  --  8. Tag auf See
 
Der Passat weht zur Zeit durchgehend mit 35 Knoten.  Interessant ist auch, daß er des Nachts zuzulegen scheint, was ich ohne Instrumente für eine psychologische Täuschung halten würde.  Und natürlich passiert auch immer irgend etwas, wenn es gerade stockdunkel ist & ordentlich Wind weht.  <Grins>  So bin ich schon seit gegen 4:00 Uhr auf den Beinen, obwohl meine Wache ja schon um 1:00 Uhr zu Ende ging.  Als Liping nämlich Aurora in die Heia gebracht hat, flippte mal wieder der Autopilot aus, so daß DHARMA BUM III vom Kurs abkam und sich außerdem die Fockschot total verheddert hatte.  Ich durfte also raus aufs Vordeck, um die Sache zu entwirren.  Vorher mußte ich allerdings die Fock einrollen, was mir bei dem Wind nur schwer gelingen wollte.  Das Deck war naß und salzig, so daß ich alle naslang ausgerutscht & in all meiner Herrlichkeit auf meinem Allerwertesten gelandet bin.  Als ich damit fertig war, bemerkte ich, daß inzwischen auch das riesige Großsegel back stand & auf dem Bullenstander dermaßen viel Druck war, daß ich ihn nicht lose bekam.  Kein Mond, keine Sterne, aber dafür reichlich Blitze.  Zu guter Letzt durfte ich dann auch noch den Autopiloten neu starten, so daß wir insgesamt vielleicht  1 1/2 Stunden damit beschäftigt waren, alles wieder so hinzukriegen, wie ich es gerne haben wollte.  So salzverkrustet wie ich war, bekam ich dann noch Big YangYang - das große Kribbeln - so daß ich Liping zu Bett geschickt habe.  Werde den Schlaf dann heute im Laufe des Tages nachholen.  Hoffentlich. 
 
Statt über Punkt X (N 13°, W 76°) zu segeln, habe ich nun direkt Kurs auf Panama angelegt, denn wir sind auch so mindestens 80 Meilen von der Küste entfernt.  Wir zischen gerade mit 11,34 Knoten durch die Gegend, so sagt mir zumindest mein GPS. (Die Logge redet von weniger, so daß wir wohl einen kräftigen mitlaufenden Strom haben.)  Und mein Chartplotter sagt mir, daß wir in weniger als 46 Stunden in Panama eintrudeln sollten.  Da wir im Zickzack fahren, wird es natürlich ein wenig länger dauern. 
 
Wenn ich Aurora die Bilder aus D-Land zeige, dann ist sie der Meinung daß es ihr dort gefallen könnte.  Denn, so meint sie, dort wären die Wolken so schön.  ;-)  Falls wir es uns nicht doch noch anders überlegen & wirklich versuchen wollen um die Welt zu segeln, so könnten wir ja drei Flugtickets sparen und gleich mit dem Boot nach D-Land segeln.  Rechtzeitig zur Goldenen Hochzeit müßten wir es schaffen, da etliche Leute alle zwei Jahre um die Welt segeln.  Bei unserem Slow Boat to China mag es sich da allerdings anders verhalten. 
 
~~~~~
 
Jetzt weht es schon den ganzen Tag mit acht oder manchmal auch neun Windstärken.  Die stärkste Bö maß 52,4 Knoten & unser Boat surfte mit 12 Knoten dahin, obwohl ich zwei Reffs im Groß und die Rollfock mehr als zur Hälfte eingerollt habe.  Dumm nur, daß es so gut wie nie in die für uns richtige Richtung geht.  Vorhin kam eine große Schule kleiner Delphine vorbei, welche die tollsten Luftsprünge machten.  Ein Delphin sprang mehrere Meter hoch in die Luft.  Wir waren leider nicht sehr erfolgreich, sie dabei zu filmen.  Eine große Welle kam gegen die Bordwand geklatscht, so daß wir alle im Cockpit eine unfreiwillige Dusche nahmen, was vor allem Aurora gar nicht schön fand. 
 
Gleich werde ich mal die Mittagsposition machen.  --  Die war N 12°41' und W 74°22'.
 
Seit gestern mittag haben wir 139 Seemeilen zurückgelegt (Etmal), seit Bequia 773 & in etwas mehr als zwei Tagen müßten wir in Panama sein.  Eine Sache, die uns immer mehr auf den Geist geht, ist die Tatsache, daß sich der Autopilot mindestens ein Mal pro Stunde auf Standby schaltet.  Wenn man das nicht *sofort* mitbekommt, darf man hinterher entweder eine Wende oder vorzugsweise eine Halse fahren.  Und wenn man richtig Glück hat, darf man dann auch noch mit den Segeln rumhantieren, an den Mast oder aufs Vordeck.  Trotzdem:  Immer noch besser als der Gummipilot von der Atlantiküberquerung, wo wir das Ruderrad mit Gummileinen festgetüdert hatten. 
 
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Es ist gerade meine Wache.  Gerade eben gab es 55,4 Knoten Wind.  Ganz schön schön schon...
 
Ich sitze hier in voller Montur, will heißen Schwerwetterkleidung & Harness mit einer dicken gelben Leine dran.  Kann mich gerade bis an die Winschen und hier an den Tisch bewegen. 
 
Nach wie vor weht es beständig mit Stärke acht oder neun.  Und in den Spitzen zehn.  Natürlich gab es auch schon mehrfach Bruch, obwohl ich zwei Reffs eingebunden habe & das Vorsegel auch auf etwa 2/3 aufgerollt ist.  Unser Vorsegel ist inzwischen stark beschädigt, so daß es in Panama schon wieder zum Segelmacher muß.  Eine blaugrüne See stieg an Bord, so daß sogar dieser Computer eine echte Salzwasserdusche abbekam und Natürlich ist auch sonst alles naß. 
 
Aurora meint, sie findet dieses Wetter nicht so toll.  Liping & ich allerdings auch nicht.  Bei Windstärke acht fängt der Windgenerator an, sich auszuschalten, da er sonst überhitzt.  Habe ihn so also noch nicht per Hand ausschalten müssen.
 
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Vorhin überlegte ich ob nicht vielleicht die Instrumente falsch anzeigen.  Können ja aber nicht alle und unabhängig falsch anzeigen.  Wir surften mit 13,5 Knoten und der Wind erreichte inzwischen 59,3 Knoten.  Hier im Boot ist alles naß und salzig.  Außerdem sind etliche Sachen kaputt gegangen.  Erstaunlich ist, wie gut DHARMA BUM III mit all diesem Unsinn fertig wird.    Laut Wettervorhersage (GRIB-Datei) müßte es hier heute nur mit 3 Beaufort wehen.           
 
Aurora Ulani 1066 Tage alt -- Tag 374 auf Dharma Bum III                            Do., 30.11.'06  --  9. Tag auf See
 
Schwerer Sturm mit schwerer See.  Die Wellenberge sind vielleicht fünf bis acht Meter hoch & brechen rollend an den Kämmen.  Es fliegt viel Wasser durch die Gegend.  Als der Wind in den Spitzen 60 Knoten am Masttopp erreichte, habe ich das Groß komplett weggenommen & nur noch ein kleines Fitzelchen der Rollfock stehen lassen.  Die hat nun leider ein großes Loch.  Ganz ohne Segel ging nicht, da wir so quer zu den Seen zu liegen kamen, ganz egal was wir sonst noch so anstellten.  Eine Luke über dem Salon hat sich zum zweiten Mal ohne unser Zutun komplett geöffnet, so daß wir sie nun abschließen mußten.  Wir surfen mit bis über 9 Knoten, wobei wir versuchen die Seen in einem möglichst spitzen Winkel von achtern zu nehmen.  Immer klappt das nicht, was dann in eine beängstigende Schlitterpartie ausartet. 
 
Wo zum Teufel kommt dieser Sturm her? 
 
Gerade per Sprechfunk den Wetterbericht von einem Frachtschiff eingeholt.  Der spricht allerdings nur von 25 bis 35 Knoten Wind und einer Wellenhöhe von vier Metern.  Mit den Wellen läßt man sich ja leicht taeuschen, aber wir haben hier um Ecken mehr als 35 Knoten Wind.  Das würde nämlich nur einem starken Passat entsprechen & damit kennen wir uns aus.  Außerdem meinte er, daß sich in den nächsten 48 Stunden nicht viel ändern wird.  :-( 
 
Der Kapitän meinte zum Abschied: "Good Luck!!!"
 
Gerade eben habe ich erst einmal zwei Fotos von unseren Instrumenten gemacht.  (Höchstgeschwindigkeit des Bootes 15,3 Knoten & maximale Windgeschwindigkeit 60 Knoten.)  Liping hat versucht die See zu fotografieren & zu filmen, aber irgendwie kommt das nicht so recht rüber. 
 
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Heute nachmittag begann der Sturm abzuflauen & kurz vor Dunkelwerden habe ich das Groß gesetzt.  Gerade gab es das Abendessen & jetzt segeln wir mit etwa 6 Knoten in Richtung 220°.  Unsere Klamotten, Kissen & Polster sind naß und salzig.  Wir selbst sind sehr müde & rundum K.O.  Am liebsten würden wir in Panama in ein gutes Hotel checken, um uns erst einmal richtig zu erholen.  Daraus wird leider nichts werden, denn beide Segel & das StackPack müssen schon wieder zum Segelmacher.  Eine Segellatte hat sich selbstständig gemacht.  Sie liegt jetzt im Stbd-Rumpf auf dem Fußboden.  Am Mast ist ein kleines Metallteil abgebröselt, so daß ich neue Löcher bohren muß, um es neu anzubringen.  Die letzten 1 1/2 oder 2 Tage waren echt Segeln zum Abgewöhnen. 
 
In etwa 40 Stunden müßten wir vor der Einfahrt zum Kanal stehen.  Das Mittagsetmal betrug 133 Seemeilen & seit Bequia hatten wir heute mittag 887 Meilen zurückgelegt.             
 
Aurora Ulani 1067 Tage alt -- Tag 375 auf Dharma Bum III                            Fr., 1.12.'06  --  10. Tag auf See
 
Meine Wache war erfreulicherweise ereignislos.  Gegen Morgengrauen kam uns ein sehr kleiner Frachter entgegen, der uns anscheinend nicht bemerkte.  Auch über Kanal 16 kam keine Reaktion.  Also habe ich den Kurs geändert und das Teil fuhr heftig stampfend und sehr dicht an Backbord vorbei.  Wenn ich Einhandsegler wäre und gepennt hätte...
 
Ich hatte mir gerade eine Mütze Schlaf geholt, als der Wind auf einmal auf über 40 Knoten auffrischte & ich mich also um die Segel kümmern mußte.  Wie üblich ganz ohne Regen und bei strahlendem Sonnenschein.  Eine Squall, also eine Art Gewitter mit heftigen Böen, haben wir auf diesem Törn nicht ein einziges Mal erlebt.  Wir konnten die Viecher nur in der Ferne beobachten, sind aber selbst immer verschont geblieben.  Jetzt habe ich Kopfschmerzen, wohl vom Schlafmangel, aber Aurora schläft und die Zeit muß Liping unbedingt nutzen, um selbst zu schlafen. 
 
Das Etmal betrug 114 Seemeilen & von Bequia waren wir da 1002 Seemeilen weit weg.  Gesegelt sind wir natürlich weit mehr, da wir ja große Umwege gesegelt sind.  Inzwischen ist wieder recht wenig Wind, will heißen etwa 30 Knoten & ich überlege gerade, ob wir nicht das Wochenende in den San Blas Inseln verbringen sollten.  Dann können wir immer noch an einem anderen Tag nach Panama segeln.  Der Haken ist natürlich, daß wir dann da hängen bleiben & nichts geregelt kriegen.  Ich glaube also eher doch nicht.             
 
Aurora Ulani 1068 Tage alt -- Tag 376 auf Dharma Bum III                            Sa., 2.12.'06  --  11. Tag auf See
 
Die Nacht fing an unangenehm zu werden, als Liping mit der Wache anfing.  Erstens kam eine Regenbö, so daß wir vollauf mit den Segeln beschäftigt waren.  Dann blieb das Wetter eher bescheiden, mit einem grauen Himmel, Rumpelwasser und starkem Gegenstrom.  Kaum geschlafen.  Merkwürdigerweise keine Schiffe gesehen.  Das Groß ist an den ersten drei Mastschlitten abgerissen.  Sieht so aus, als ob wir es nicht bei Tageslicht bis zur Einfahrt des Panama Kanals schaffen werden.               
 
Aurora Ulani 1069 Tage alt -- Tag 377 auf Dharma Bum III                            So., 3.12.'06  --  12. Tag auf See
 
Gestern abend um 23:00 Uhr haben wir alle Segel geborgen und uns treiben lassen.  An Bbd sah man die Lichter der Küste, vorne den Schein von Colon und an Stbd sah es aus als ob ein großer Zyklotron alle paar Minuten ein Schiff ausspucken würde.  Der Kanal arbeitet ja bekanntlich schon seit Jahren auf voller Kapazität.  Ich habe mich erst einmal für vier Stunden aufs Ohr gehauen, während Liping Wache gehalten hat. 
 
Heute morgen um 4:00 Uhr habe ich ein kleines Stück der Fock ausgerollt, so daß wir weiter in Richtung Wellenbrecher segeln.  Bald wird es hell werden & dann muß ich mich auf Kanal 12 bei der Cristobal Signal Station melden, ohne deren Genehmigung man nicht durch das kleine Loch im Wellenbrecher fahren darf. 
 
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Da ich durch die kleine Einfahrt fahren wollte, mußte ich mich bei der Manzanillo Port Authority auf Kanal 09 melden.  Dort mußte ich erst einmal warten, bis das Containerschiff KIM KEELUNG durch gefahren war.  Nach etwa einer Stunde kamen wir dran & sind gleich weitergetuckert zum Panama Canal Yacht Club.  Dort gab es allerdings gar keine Murings, sondern nur eine Marina, die anscheinend voll belegt ist.  Heute ist allerdings sowieso alles dicht, so daß man nicht einmal per Sprechfunk Einkünfte einholen kann.  Also haben wir auf den "Flats" auf 11 Meter Wassertiefe (direkt am Rande des Ankerfeldes & gleich neben einem Riff  --  09°20.45'N; 079°54.74'W  --  die Fahrrinne für die Biggies liegt direkt neben dem Ankerfeld) geankert, fast die ganzen 60 Meter Kette gegeben & mit beiden Maschinen im Rückwärtsgang eingegraben.  Wir waren insgesamt 10 Tage und 22 1/2 Stunden unterwegs. 
 
Wir haben das Dinghy klar gemacht, woraufhin ich auf der APPARITION ein paar Informationen eingeholt habe.  Sie haben gleich gefragt, wie es uns denn mit dem Wetter gegangen wäre, denn anscheinend hat sich der Sturm auch hier bemerkbar gemacht.  Von 18 Yachten sind 16 ins Treiben gekommen und eine ist sogar gesunken.  Der Mast ragt unweit von uns aus dem Wasser.  Dabei gilt diese Ecke eigentlich als überaus sicher.  Auch in einem anderen Hafen weiter nördlich hat es aufgrund des Sturmes wohl ordentlich Streß gegeben, da viele Bootseigner abwesend waren.  So, jetzt muß ich erst einmal ein wenig Schlaf nachholen.                
 
Aurora Ulani 1071 Tage alt -- Tag 379 auf Dharma Bum III                            Di., 5.12.'06
 
Wie wir hörten, sind übrigens auch drei Frachter gestrandet, zwei Biggies sind auf der Reede zusammengestoßen, so daß alle anderen die Reede erst einmal verlassen haben.  Keine konnte sich an etwas ähnliches hier erinnern.  Taucher haben die gesunkene Yacht inzwischen gehoben. 
 
Gestern waren wir den ganzen Tag unterwegs in Sachen Einklarierung.  So viel Bürokratie wie hier in Panama habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen.  Gleich am Anfang gab es Streß, denn wir hatten kein "Zarpe", weil man es woanders nämlich gar nicht braucht.  Da wollten sie uns US$100 bis US$500 an Strafe aufdrücken, woraufhin ich gleich zum Gegenangriff übergegangen bin.  Ich habe mir für US$40 einen inoffiziellen Agenten (und Taxi-Fahrer cum Line Handler) namens Tito Ng geholt (der vom Dockmaster Mario empfohlen wurde), ihm die Sache erklärt, woraufhin er zum Boss gegangen ist & die Sache dort für uns geregelt hat.  Teuer wurde es allerdings trotzdem.  Das obligatorische Cruising Permit kostete US$69, die beiden Visa kosteten US$22, worauf noch Knete fürs fotokopieren und andere Kleinigkeiten drauf kamen.  Richtig teuer wurde es dann beim Ausleihen der vier dicken Trossen, als auch dem Einkauf von 10 alten Autoreifen - noch einmal US$100.  Jo, und der Line Handler will US$55 haben, was ja eigentlich noch gehen würde, wenn er nicht für zwei Tage bezahlt werden wollte & man vier von den Jungs braucht.  Lustig ist auch, daß es richtig Mafiamäßig organisiert ist, denn im Prinzip arbeiten alle für den Taskmaster hier im Panama Canal Yacht Club.  Es geht ums Geld, an jeder Ecke, bei jeder Gelegenheit & die Yachties werden nach Strich und Faden ausgenommen.  Die Behörden machen feste mit, denn ohne Schmiergeld und Beziehungen geht gar nichts. 
 
Die Stadt Colon ist die bisher unsicherste Ecke, wo ich je gewesen bin, so daß man selbst zwei Häuser weiter am besten mit dem Taxi fährt.  Natürlich erzählen vor allem die Taxifahrer nichts als Horrorgeschichten, denn das fördert das Geschäft.  Dito mit den Line Handlers.  Man muß absolut überall um den Preis handeln, was ich Natürlich erst so richtig mitbekommen habe, nachdem ich einen Tag volle Kanne den Idioten gespielt habe.  Immerhin war ich schlau genug auf einem großen Einkauf zu bestehen, ohne auch dafür wieder extra zu löhnen.  So haben wir jetzt endlich vier Gartenstühle im Cockpit, die weitaus bequemer sind als die Sitzbänke.  Brauchen wir nur noch acht Polster dafür. 
 
Ich mußte zwei Mal mit dem Dinghy zu den Flats raus fahren, um alles an Bord zu bringen, wobei man erstens auf einer Richtung total naß wird & es zweitens 20 Minuten pro Dinghytrip dauert.  Trotz alledem sind wir alle recht guter Laune.  Komisch eigentlich, aber besser ist das.  :-)
 
Im Yachtclub haben wir US$10 für einen Schlüssel ausgegeben, so daß wir dort die Dusche benutzen können.  Besser als immer die 40 Liter Wasser zu schleppen.  A propos Wasser:  Das superteure Wasser von Daffodil Marine Services in Bequia ist total voller Algen, die sich jetzt in allen Wassertanks breit gemacht haben.  Wir werden also ordentlich Chlorox zugeben müssen. 
 
Später habe ich mich noch mit ein paar Yachties unterhalten, von denen allerdings keine einziger durch den Kanal geht.  Sie kommen alle nur nach Colon, um im großen REY-Supermercado ordentlich einzukaufen.  Bei einer Engländerin konnte ich dann auch meine superkurze eMail an Vadder los werden.  Kurz vor Sonnenuntergang bin ich zurück an Bord, wo ich die Reifen & Taue verstaut habe.  Ich war gerade fertig, als auf einmal ein kleiner Frachter direkt neben uns Anker warf und zwar auf Anweisung des Piloten.  Sein Heck rauschte vielleicht fünf bis zehn Meter an uns vorbei, aber alles lief ganz cool ab.  Warum er wohl den Anker erst gegen den Wind eingegraben hat, um sich dann in einem Halbkreis treiben zu lassen? 
 
Es gab leckeres Abendessen mit frischem Gemüse, woraufhin die Gartenstühle getestet werden mußten.  Um 23:00 Uhr sind wir in die Heia, um 4:00 Uhr war ich schon wieder wach, und um 6:00 Uhr sind wir aufgestanden.  Heute sollen die Vermesser kommen, woraufhin wir zur Bank müssen, um die Kanalgebühren und die Kaution zu bezahlen. 
 
Gestern sagte Liping zu Aurora, daß sie warten solle, woraufhin unsere Kleine auf Chinesisch sang: "I've been waiting all these years, holding your hand, I learned that I should never give up hope!"  Sie findet oft ein geeignetes Lied, welches gerade zur Situation paßt und ansonsten übt sie sich gerne im Übersetzen vom Deutschen oder Englischen ins Chinesische. 
 
Wußtet Ihr übrigens, daß die beiden größten Hafenanlagen hier den Chinesen aus der V.R. China gehören?  Sie haben hier massiv investiert & tatsächlich kontrollieren sie wohl de facto den Panama Kanal.  Auch im sonstigen Lateinamerika haben die Chinesen in einem unglaublichen Ausmaß investiert.  Natürlich leben auch sehr viele Chinesen hier. 
Viele Grüsse von Aurora Ulani, Liping & Holg

Wednesday, November 22, 2006

Bequia --> Panama

Wir waren fast einen Monat auf Bequia.  Sehr guter Ankergrund & Lobster direkt unter dem Boot!  Heute haben wir ausklariert nach Panama.